Jahresbilanz 2016 – Realdepot

Wieder ist ein Jahr vergangen und somit Zeit, die Entwicklung der persönlichen Finanzen auszuwerten. Der Ausschnitt daraus, den ich euch heute präsentieren möchte, handelt von meinem realen Aktiendepot.

Die Rendite für das Jahr 2016 nach Gebühren und bezahlten Steuern aber vor rechnerischer Steuer auf Buchgewinne belief sich auf 39,1%.

Die Aktivität im Depot ist deutlich zurückgegangen, im Wesentlichen sind die Werte die gleichen wie vor einem Jahr.

Der Bestand:

IBM

Größtes Gewicht im Depot hat immer noch mit großem Abstand IBM. Über IBM ist die letzten Jahre viel Richtiges und viel Unrichtiges geschrieben worden, und es herrschte viel Negativität. Der wesentliche Punkt allerdings wurde dabei meistens außer Acht gelassen. IBM war und ist ein Unternehmen mit einer weit überdurchschnittlichen Kapitalrentabilität. Das Jahr 2015 wurde weithin als eine reine wirtschaftliche Katastrophe angesehen. Zugegeben, IBM hat die selbst geschürten hohen Erwartungen nicht erfüllen können, aber dabei immer noch 12% aufs Gesamtkapital verdient. Wäre die IBM-Bilanz etwas „herkömmlicher“ strukturiert, hätte IBM also in einem als sehr schlecht empfundenen Jahr ca. 24-30% Eigenkapitalrendite erzielt. Zu Beginn des Jahres gab die Aktie noch einmal deutlich nach und ich habe noch einmal aufgestockt. Nachdem man in den Vorjahren mehrmals der am schlechtesten performende Wert im DIJA war, landete man 2016 im Vorderfeld. Das 2016er Ergebnis wird gegenüber 2015 sich noch einmal verschlechtern, aber die Wahrnehmung der Zukunft scheint etwas gedreht zu haben. Das Ausmaß der Aktienrückkäufe wurde auf etwa 2-3%p.a. zurückgefahren. Die Dividendenausschüttung ist inzwischen ganz erkleckerlich.

Admiral

Diese Position besteht unverändert seit Herbst 2014. Nach dem starken Zuwachs im Vorjahr hat der Kurs in Euro gerechnet eine Verschnaufspause eingelegt, wobei die schwache Entwicklung des Pfund Sterling im Anschluss an das Brexit-Referendum Performance gekostet hat. Auf der Dividendenseite gab es eine Sonderausschüttung von Kapital, dass man in Erwartung der kommenden Regulierungsveränderungen vorgehalten hatte, nun aber doch nicht benötigt. In Originalwährung wurde damit in diesem Jahr brutto 10% meines Kaufpreises ausgeschüttet. Der Versicherungszyklus befindet sich im Aufwind. Seit dem 2.Quartal 2015 steigen die Prämien wieder. Die Kosten von Admiral liegen weiterhin deutlich unter denen der Wettbewerber, die internationale Expansion wird vorangetrieben.

Microsoft

Auch 2016 ein zuverlässiger Performancelieferant im Depot, die Dividenden wurden weiter erhöht. Das Unternehmen scheint so langsam ein Dasein als Cashcow zu akzeptieren und versucht nicht mehr um jeden Preis zu wachsen. Ob sich die Hoffnung auf eine Steueramnestie für die im Ausland gebunkerten Gewinne unter der neuen US-Regierung verwirklichen lässt bleibt abzuwarten.

Wells Fargo

Wells Fargo sah sich in diesem Jahr einer medialen Schlammschlacht ausgesetzt, mit deren Gegenstand sich Ulrich hier im Blog schon mal auseinandergesetzt hatte: http://www.valueblog.de/archive/4930.

Meine Position bestand seit Herbst 2014 und ich habe sie im August diesen Jahres etwas aufgestockt. Die Geschäftsentwicklung ist zufriedenstellend, wenn auch nicht berauschend. Die unmittelbaren Kosten des Skandals sind bislang überschaubar, wieweit die Reputation beeinträchtigt ist, lässt sich bisher nicht abschätzen. Die Margen waren jedenfalls leicht unter Druck, was im Zinstief für eine Bank allerdings nicht verwundert.

Münchner Rück

Der Veteran im Depot, der dort demnächst sich seit 6 Jahren befindet. Unaufgeregt wie immer, konservativ und profitabel. Eine satte Dividende und ein stabiler Aktienkurs.

Posco

Der Topperformer im Depot in diesem Jahr, allerdings in erster Linie der sehr niedrigen Ausgangslage geschuldet. Die Preise für Stahl haben sich wieder etwas stabilisiert, angespannt ist die Branchensituation aber weiterhin.

Die Neuen:

Bank of Nova Scotia

Der kanadische Bankenmarkt ist ein Kleinoligopol. Ängste vor einem Platzen der dortigen Immobilienblase wegen des im Januar extrem niedrigen Ölpreises schufen die Chance hier günstig zuzuschlagen. Mit der Erholung beim Ölpreis legten sich auch die Anlegerängste wieder und es folgte eine recht ordentliche Performance. Die wirtschaftliche Entwicklung war auch erfreulich. Die hohe Rentabilität im Inland und die Präsenz im Ausland bieten einen gewissen Puffer gegen ungünstige Entwicklungen im kanadischen Immobilienmarkt. Die kanadische Notenbank versucht seit geraumer Zeit gemeinsam mit der kanadischen Regierung kontrolliert Luft abzulassen. Anzumerken wäre vielleicht noch, dass sich die Blasenbildung auf bestimmte Metropolen konzentriert, und weniger in der Fläche geschieht.

Berkshire Hathaway

In einem Blog, der sich selbst als „Valueblog“ bezeichnet, hieße es wohl Eulen nach Athen tragen, wollte man den Lesern Berkshire Hathaway vorstellen. Die Berkshire-Position wurde im August mangels andrer Ideen als Cash-Ersatz gekauft. Die Aktie notierte nur geringfügig über dem von Warren Buffett angekündigten Preis für große Aktienrückkäufe, sodass das Risiko nach unten relativ gut abgesichert war. Das Dollarrisiko schlägt dabei allerdings vollständig durch.

Der Abgang:

Sberbank

Sberbank habe ich im Juni und damit viel zu früh verkauft. Immerhin sprang noch ein kleiner Gewinn heraus. Insgesamt aber zeigt die Episode wieder einmal die Weisheit der Forderung, für einen Kauf dürften nur Aktien in Frage kommen, die man auch bis in alle Ewigkeit behalten würde. Mit der fehlenden Rechtssicherheit kam ich nicht mehr zurecht und fühlte mich mit dem Wert nicht mehr wohl. Ich bin zwar glimpflich davongekommen, hoffe aber dass mir solche Fehler nicht noch öfter passieren.

Alles in Allem ist das Jahr 2016 also für das private Depot ganz gut gelaufen. Ich wünsche allen Lesern ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2017

Jahresbilanz 2015 des Musterdepots

Etwas verspätet aber doch noch, werde ich wie versprochen mein hiesiges Musterdepot besprechen.

Im Laufe des Jahres 2015 wurden mit Posco und IBM nur 2 Werte gekauft. Grund hierfür war schlicht ein Mangel an passenden Gelegenheiten, die mir zum richtigen Zeitpunkt aufgefallen wären. Die ursprünglich auch fürs Musterdepot geplante Admiral Group (siehe Jahreskommentar zum realen Depot) lief im Kurs davon, bevor ich dazu kam, einen begründenden Artikel zu verfassen.

Das erste Jahr des Musterdepots verlief im Wesentlichen enttäuschend. Rund 80% des Startvolumens waren während der kompletten Laufzeit in unverzinslichem Cash, sodass selbst der gravierende Kurssturz von Posco im Laufe des Jahres keine großen Auswirkungen aufs Gesamtdepot hatte.

Zum Jahresende setzte sich das Depot wie folgt zusammen.

35 Stck. IBM @128,14€ 4.484,90€

25 Stck. Posco @132,44€ 3.311,00€

Cash 39.484,09€

Summe 47.279,99€

Das Anlagegesamtergebnis für das Jahr 2015 beträgt damit minus 5,44%, deutlich schlechter als das reale Depot und die wichtigsten Indizes.

Der Stahlmarkt leidet bis auf Weiteres an massiven Überkapazitäten, weswegen die Preise während des gesamten Jahres 2015 sich nicht wirklich erholten. Immerhin geht es dem Niedrigkostenhersteller Posco dabei immer noch besser als dem Großteil der Branche. Nur dass „besser“ als „ziemlich schlecht“ eben nicht unbedingt gut ist. In Großbritannien wird derzeit darüber diskutiert ob die Regierung die dortigen Werke von Tata Steel auf Staatskosten erhalten soll. Derartige Regierungseingriffe würden die notwendige Bereinigung des Stahlmarktes natürlich deutlich verzögern, worunter alle Marktteilnehmer weiter zu leiden hätten. Es verdichten sich damit aber auch die Hinweise, dass die anhaltenden niedrigen Stahlpreise inzwischen die ersten Opfer erfordern und die Konsolidierung des Sektors langsam eingeläutet wird. In den ersten Monaten des neuen Jahres hat sich der Kurs der Posco-Aktie jedenfalls wieder etwas erholt und notiert deutlich höher als zum Jahreswechsel.

IBM hatte ebenfalls wie bereits in der Jahresbilanz für das Realdepot angerissen ein extrem schlechtes Jahr. Vor allem der stark aufgewertete Dollar bescherte „Big Blue“ massive Probleme und ein vergleichsweise schlechtes Ergebnis.

Heute notiert die IBM-Aktie geringfügig über dem Kurs zu Jahresbeginn.

Alles in allem ein eher enttäuschendes Jahr. Gute Ideen für die Erweiterung des Depots sind aktuell allerdings leider Mangelware.

Jahresbilanz 2015

Wie auch schon im vergangen Jahr will ich heute einen kleinen Rückblick auf das abgelaufene Börsenjahr geben. In diesem Beitrag geht es erst einmal um mein privates Depot, das Musterdepot kriegt eine saubere eigene Analyse, wenn die endgültigen Zahlen für das Jahr feststehen und auch in den USA der letzte Kurs des Jahres feststeht.

Geprägt wird die Jahresbilanz vom starken Wertverfall des Euro gegenüber dem britischen Pfund und dem amerikanischen Dollar. Letztlich steht nicht zuletzt aufgrund dieses Faktors am Ende ein Plus von ~19% nach Gebühren und Steuern. Das schlechte Ergebnis aus 2014 von -4,7% konnte ich damit zumindestens teilweise kompensieren. Veränderungen am Depot gab es kaum, abgesehen vom Kauf von Posco im Januar und einem kleineren Zukauf bei IBM ist das Depot unverändert.

Die Depotzusammensetzung schaut zur Zeit aus wie folgt (ohne Cashanteil):

Depotzusammensetzung

Nun zu den Einzelwerten:… Weiterlesen

Die Renditefalle – Teil 1: Dividenden sind die neuen Zinsen

Dividenden sind die neuen Zinsen – so tönte es in den letzten Monaten aus allen Kanälen. Die Dividenden viele Unternehmen sind höher als die Zinsen auf dem Sparbuch, also Leute kauft Aktien. So oder so ähnlich war das Argument häufig zu hören und zu lesen. Das anhaltende Zinstief bringt manche Anleger gewaltig in die Bredoullie, die dazu verurteilt sind, bestimmte Renditen zu erwirtschaften. Dazu gehören beispielsweise Lebensversicherungen mit ihren Renditegarantien, aber auch viele Pensionsfonds. Mehr zur Lage der privaten Pensionen über Lebensversicherungen oder Direktzusagen von Unternehen gibts demnächst in eine gesondertem Beitrag. Heute gehts um die Überbewertung der Dividende bei der Anlageentscheidung viele Privatanleger.
Sehr viele Dividendenjäger fallen dabei immer wieder auf die ewig gleich Muster herein. Ein Negativbeispiel ist der Energieversorger RWE. Das Beispiel ist mir sehr gut geläufig, weil ich hier als Anleger selbst in die Sch***e gegriffen habe. RWE schüttete im Frühjahr 2011 trotz Fukushima und einer sehr hohen Verschuldung 3,50 Euro je Aktie, oder insgesamt gut 1,8 Milliarden Euro an seine Aktionäre aus. Der Kurs der Aktie lag zu diesem Zeitpunkt bei ca. 45 Euro. Man brüstete sich mit einer Dividendenrendite von über 7%. Nur ein halbes Jahr später, RWE schrieb immer noch Gewinne, sah man sich genötigt eine Kapitalerhöhung durchzuführen, bei stark verwässerten 26 Euro je Aktie, was insgesamt etwa 2,1 Milliarden Euro in die Kassen spülte. Was hat RWE mit dem Geld gemacht? Seine Schulden zurückgefahren? Oder notwendige Investitionen getätigt? Nun in erster Linie hat man wiederum nur paar Monate später wieder Dividenden ausgeschüttet, immerhin noch 2 Euro je Aktie oder 1,2 Milliarden Euro. Man hat also innerhalb von 12 Monaten den Anteil der Aktionäre massiv (gut 13%) verwässert, nur um Dividenden ausschütten zu können. Heute steht RWE bei weniger als einem Drittel des damaligen Aktienkurses.
War das Vorgehen wirklich im Sinne der Aktionäre? Ich habe da so meine Zweifeln.
Wer sich von 7% Dividende ködern ließ, sitzt heute auf einem erheblichen Verlust. Ich persönlich bin zum Glück 2012 noch mit einem einigermaßen vernünftigen Kurs (~32 €) aus dem Schlamassel rausgekommen.
Wenn hohe Schulden da sind, ist eine hohe Auschüttung alles andre als wünschenswert, wichtiger ist dann erstmal die Schuldentilgung. Eine hohe Dividendenrendite kommt oft auch durch eine besonders hohe Ausschüttungsquote zustande. Sinkt der Gewinn, muss früher oder später auch die Dividende sinken. Es ist also wichtig, darauf zu achten, dass die Dividende auch locker aus den laufenden Cashflows bezahlt werden kann.
Kann ein Unternehmen das Geld zu hohen Renditen ins Geschäft reinvestieren, sollte es ebenfalls weniger ausschütten. Und kann ein Unternehmen die eigenen Aktien weit unter dem fairen Wert zurückkaufen, so ist auch das eindeutig vorzuziehen. Ob und wie viel Dividende der richtige Weg ist, hängt immer von den Begleitumständen ab. Wer nur auf de Dividendenrendite schielt, wird regelmäßig in solche Fallen tappen.

Finanzielle Risiken und wo sie zu finden sind

Was ist eigentlich ein Risiko? Verstehen wir Risiko? Was gehen wir für Risiken ein mit dem was wir tun? Eine interessante Frage, die sich aber die allerwenigsten Menschen stellen. Klar wir betreiben hier Valueinvesting, und versuchen das Thema Risiken in den Griff zu bekommen, doch ist die Investitionsphilosophie nicht nur ein kleiner Aspekt eines größeren Zusammenhangs?
Das gemeine am Risiko ist, dass man manchmal das größte Risiko eingeht, wenn man versucht allen Risiken aus dem Weg zu gehen. Die meisten Menschen in Deutschland gehen finanziell enorme Risiken ein, meistens ohne sich dessen bewusst zu sein.

Sie sind finanziell völlig abhängig von ihrem Job, später dann von der staatlichen Rente. Diese Abhängigkeit sorgt für Unfreiheit. Wer abhängig ist, sieht sich gezwungen Dinge zu tun, hinter denen er nicht steht, hat keine Zeit, die Dinge im Leben zu tun, die wichtig sind, aber nicht demjenigen nützen, von dem man abhängig ist.
Die Schlussfolgerung daraus ist, dass man gut daran tut, sich ein zweites und am besten noch ein drittes Einkommensstandbein aufzubauen. Schon Willhelm Röpke hat vor vielen Jahrzehnten vorgeschlagen, Arbeiter sollten sich ein zweites Standbein mit einer eigenen kleinen Landwirtschaft aufbauen. Die Kapitalanlage wie wir sie hier betreiben, ist eine von vielen Möglichkeiten für eine zusätzliche Einnahmequelle, auch wenn sie vor allem zu Beginn von der Ertragskraft her sehr begrenzt ist. Dafür hat sie den Vorteil fast beliebig skalierbar zu sein. Ein Aktiendepot von 5 Millionen € zu pflegen erfordert nicht hundertmal so viel Aufwand wie 50.000 €. Anders sieht das bei Investitionen in Mietimmobilien aus, da steigt der Aufwand durchaus mit. Aber auch mit andren Hobbys lassen sich unter Umständen ein paar Euro dazuverdienen. Wichtig ist, dass die Einnahmen diversifiziert genug sind, um nicht einzubrechen, wenn ein Einnahmestrang in Schwierigkeiten gerät (etwa weil der Arbeitgeber pleite geht).

Das zweite Risiko, das viele eingehen, ist zu wenig Liquidität. Das führt dazu, dass die meisten Autos geleast werden, und vermehrt auch Möbel und ähnliche Dinge per Konsumkredit finanziert werden müssen, weil die notwendigen Reserven dafür nicht vorhanden sind. Auf Dauer verursacht dieses Verhalten natürlich einiges an unnötigen Zusatzkosten. Wieviel Liquidität jemand braucht, hängt von den jeweiligen Lebensumständen ab. Als Hausbesitzer sollte man beispielsweise immer mit einem gewissen Bedarf an Reparaturen etc. rechnen. In einer solchen Situation dann Investitionen liquidieren oder Kredite aufnehmen zu müssen, ist sehr von Nachteil.

Drittes Risiko ist ein überhöhter finanzieller Hebel im Privatleben. Und damit sind nicht nur Kredite aller Art gemeint. Sondern vor allem auch der „operative Hebel“ bestehend aus recht hohen „Fixkosten“, die viele in Relation zu ihrem Einkommen fahren. Mit Fixkosten meine ich hier nicht nur die vertraglich fixierten (Miete, Strom etc), sondern auch alles was man in sich „psychologisch“ als Anspruchshaltung fixiert hat. Etwas aufzugeben an das man sich mal gewöhnt hat, ist sehr schwer und sorgt für Unzufriedenheit. Die meisten Dinge, für die Menschen Geld ausgeben, heben nicht wirklich die Zufriedenheit und sie werden auch nicht benötigt. Ein moderates Anheben des eigenen Luxus mit gewisser Verzögerung zur Steigerung des Einkommens, schafft nicht nur eine gewisse Sicherheitsmarge gegen Unwägbarkeiten, er erhöht überdies die Spar- und Investitionsquote.
Sparsam sein bedeutet nicht immer das billigste zu kaufen, oder sich selbst nichts zu gönnen. Es bedeutet lediglich darüber zu reflektieren, was man wirklich braucht und was nicht.
Das waren nur mal ein paar Beispiele, über unvermutete finanzielle Risiken, die insbesondere auch Menschen eingehen, die sich selbst als solide und finanziell konservativ sehen. Würde mich freuen, wenn in den Kommentaren in einer Art Brainstorming weitere finanzielle Risken, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind, aber weit verbreitet, aufgedeckt würden.

Die Halbjahresbilanz

Mit ein paar Tagen Verspätung möchte ich nun über das gerade abgelaufene Halbjahr Bilanz ziehen.
Egal wie man zu den einzelnen Ereignissen im Einzelnen steht, langweilig waren die ersten sechs Monate 2015 jedenfalls nicht. Vor allem die Staatspleite Griechenlands beschäftigte die Gemüter an den Finanzmärkten. Im Moment sieht es so aus, als würde die Politik weiter versuchen, das Problem in die Zukunft zu verschieben.
Ein damit verwandtes aber nicht völlig identisches Thema ist die starke Aufwertung des Dollar in den letzten Monaten, der die Geschäftszahlen vieler in Dollar bilanzierenden Unternehmen belastet. Probleme bekamen dadurch einige Unternehmen in Schwellenländern, die Anleihen auf Dollarbasis vergeben haben.
Im Januar löste die Schweizer Notenbank die informelle Bindung des Franken an den Euro, was einige deutsche Kommunen und manchen waghalsigen Häuslebauer in die Bredoullie brachte.
Eine interessante Entwicklung nahmen auch die Zinsen, die erst im April auf ein Rekordtief fielen, um dann im Eiltempo wieder anzusteigen. Ein nachhaltigeres Ansteigen der Zinsen an den Kapitalmärkten dürfte noch so manches zu optimistisch geplante Projekt zum Scheitern verurteilen.
Der Ölpreis bleibt durch den Fracking-Boom in den USA und die schwächelnde Nachfrage aus China weiterhin niedrig. Abzuwarten bleibt, wieviele der mit reichlich Fremdkapital finanzierten Fracking-Gesellschaften sich bei solchen Bedingungen im Markt halten können.
Soviel zum „Makrogeschehen“ und zu den Werten im Musterdepot.
Der Stahlmarkt liegt weiterhin am Boden, und entsprechend sackte Posco weiter ab und steht 25% unter dem Einstiegskurs im Januar. Besser gelaufen ist die IBM-Aktie, die geringfügig im Plus steht, und eine kleine Dividende bezahlt hat. Grundlegend neue Erkenntnisse zu den beiden Firmen hatte ich im Verlauf der letzten Monate nicht. Die jeweiligen Zahlen bewegten sich im Rahmen meiner Erwartungen. Insgesamt liegt das Musterdepot Stand heute damit bei minus 2,38%, was vor allen Dingen am hohen Cashanteil liegt.
Das private Realdepot ist besser gelaufen und stand zum 1.7. mit 16,6% im Plus, getrieben vom schwachen Euro. Auch hier gilt, dass sich an den Fundamentaldaten der Unternehmen und ihrem Geschäft nicht allzuviel verändert hat.
Im Großen und Ganzen ein passables Halbjahr.

Münchener Rück – Hauptversammlung, Zahlen und Erwartungen

Wie aufmerksame Leser meiner Beiträge wissen, gehört die Aktie der Münchener Rück seit Anfang 2011 fest zu meinem privaten Portfolio.
Letzte Woche fand die diesjährige Hauptversammlung statt, die erste, die ich besucht habe.
Insgesamt eine doch recht interessante Erfahrung, auch wenn ich es als einigermaßen nervig empfinde, wenn einige meinen, solche Veranstaltung für die Verfolgung ganz andrer Zwecke für sich nutzen zu müssen. Lässt sich aber wohl leider nicht verhindern.
Hauptthema des Tages war die anhaltendende Niedrigzinsperiode und die Diskussion um die richtige Anlagestrategie. Das Management hielt hier an seiner Linie fest, nicht durch höhere Risiken zu versuchen, höhere Kapitalmarkterträge zu erzielen. Der bedauerlich niedrige Anteil an Aktien und Immobilieninvestments ist der europäischen Regulierung zu verdanken. Kern der Wertschaffung soll jedoch in der Versicherungstechnik erfolgen.
In dieser Hinsicht waren die Nachrichten, die der Vorstand für uns Aktionäre hatte, durchmischt. Im klassischen Rückversicherungsgeschäft verschlechtern sich aktuell weiter die Preise, da die Niedrigzinsen sowohl die Kapitalbasis der potentiellen Kunden auf Erstversichererseite, als auch die der Wettbewerber aufblähen. Im Geschäft mit großen Naturkatastrophen kommen durch die niedrigen Zinsen, Renditejäger aus fremden Branchen wie Pensionskassen hinzu. An der Königinstraße versucht Weiterlesen