„Gier und Panik – wie tickt das Gehirn“ – Warum reagiert der Markt wie er reagiert?!

Markus Reiter, Journalist und Buchautor, hat gestern einen interessanten Vortrag in SWR2 Aula vorgetragen. Dabei geht es um die Psychologie eines durchschnittlichen Börsenmaklers und wie das Gehirn ihn steuert. Der Beitrag ist für Menschen, die Gerade erst mit der Börse anfangen, ein Muss. Aber auch alte Hasen finden so manchen Hinweis auf ihr Handeln. Selbst habe ich die praktischen Grundaussagen zusammengefasst, es lohnt sich diese zu verinnerlichen…

Die Neurologie gilt als Erklärung für Börsenkurse. Beispiel: Die Herabstufung des US-Kreditrankings hatte enorme Auswirkungen auf Aktienkurse und Rohstoffpreise. Ohne, dass sich fundamental irgend etwas geändert hat. Der Mensch reagiert also auf medienwirksame Meldungen mehr als auf langfristige Fakten und Entwicklungen. Sonst hätten die Kursschwankungen ja bereits vor der Abstufung erfolgen müssen.Der Börsenmakler ( Anleger )handelt nach seinem Belohnungsgefühl. Dies wird ausgelöst, wenn das Ergebnis, das Erwartete, übertrifft.

„Verkündet ein Unternehme saftige Gewinne kann der Kurs trotzdem einbrechen, wenn Analysten noch bessere Ergebnisse vorhergesagt haben“.

Wenn die Börsen stark gestiegen sind, dann erwartet unser Gehirn weitere Steigerungen. Kommen diese Steigerungen dann nicht, dann brechen die Kurse ein. Weil das Gehirn bereits Vorfreude auf noch mehr Profit produziert hat. Durch stagnierende Kurse schlägt unsere positive Erwartungshaltung dann um.

Wir haben zu viele Information bei der Auswahl von Anlagen zur Verfügung. Diese Vielfalt kann unser Gehirn nicht mehr rational bewerten. Daher sorgen bei uns meist andere Dinge für die Entscheidung. Die vielen Informationen machen es dem Hirn unmöglich, eine rationale Entscheidung zu treffen. Durch diese Detail-Überforderung spielen oft andere Dinge bei der Aktien-Wahl die erste Geige: „ Die Aktie eines Unternehmens, mit einem einfach und flüssig auszusprechenden Namen, wird besser bewertet als Firmennamen mit komplizierten Zahlen und Buchstaben Kombinationen“.

Kurseinbrüche sorgen zu Angst. Diese Angst dominiert dann das Gehirn und löst ein panisches Verkaufssignal im Hirn aus. Diese Reaktion ist schneller, als das nüchterne Nachdenken über sein Depot. So werden langfristige Anlagen oft übereilt Abgestoßen.

Gier und Angst dominieren das rationale Denken. Unwillkürliche Reaktionen verdrängen das rationale Handeln. Daher werden bei fallenden Kursen Aktien zu billig verkauft und bei steigenden Kurse zu hoch gekauft. 

Ein Unternehmen welches eventuell Verluste macht wird bereits bei Stagnation als positiv bewertet Eine Firma mit hoher Gewinnerwartung wird mit geringeren Gewinnen abgestraft. Würde eine Deutsche Telekom also vermelden, dass der Cashflow stagniert wäre dies eine Super Meldung. Meldet McDonalds, dass der Gewinn statt um 20 % nur um 10% wächst wäre dies eine schlechte Meldung.

Dadurch werden langfristige Verlierer-Werte eingesammelt und Wachstumsstorys abgestoßen.

Wir sind stark geprägt von der Finanzkrise. Diese Erinnerung ist für viele Anleger eines der wichtigsten Langzeiterinnerungen. Daher entsteht bei schlechten Meldungen sofort eine große Angst. Dann befinden wir uns im instinktiven Herdentrieb und machen mit. Da wir davon ausgehen, dass die Übrigen recht haben. Daher kommt wohl auch das Sprichwort „Der Markt hat immer Recht“. Was er dann letztlich ja auch hat, zumindest kurzfristig. Solche Reaktionen dürfen uns also nicht beeinflussen und wir sollten bei Übertreibungen nach oben oder unten versuchen günstig einzukaufen oder teuer zu verkaufen.

Das Hirn bevorzugt kurz zurück liegende Erinnerungen. Daher werden langfristige Erfahrung außer Acht gelassen.

Nachträgliche Börsenberichterstattung ist oft quatsch. Da für jeden Kursanstieg oder Kursverlust nachträglich rational klingende Gründe gefunden werden können.

Menschenaffen spekulieren erfolgreicher auf Kursanstiege als der Durchschnitt der professionellen Analysten. Dies liegt an der Komplexität, der Mensch kann für alles Für und Wider finden. Ein einzelner Grund ist meist nicht zu finden.

Das Hirn sucht Muster. So können zwei gute Meldungen hintereinander bereits für eine generell positive oder negative Einschätzung der Gesamtlage führen.

Wir täuschen uns selbst und machen uns nachträglich schlauer als uns selbst. Die beste Selbsteinschätzung der Fähigkeiten haben Depressive Menschen. Fondsmanager überschätzen ihre eigenen Produkte. Dadurch ist der Bankberater wohl auch ernsthaft der Meinung seine empfohlenen Produkte wäre anderen überlegen.

Wir suchen demzufolge nachträglich rationale Gründe für unser handeln. Geben sie also nicht auf Empfehlungen von Menschen die einmalig einen Treffer gelandet haben. Auch wenn sie dies nachträglich logisch begründen.

Das Gehirn steuert uns und nicht wir das Gehirn. Börsenpsychologie ist der entscheidender Grund für Kursentwicklungen. Wir geben uns erst Zufrieden wenn wir für Fehlentscheidungen einen Schuldigen gefunden haben. Wir geben Schuld also ab und schieben es auf Empfehlungen anderer oder die Politik. Dies ist natürlich quatsch, den unser Konto ist ja am Ende leer und nicht das der Anderern.

Zum SWR2-Podcast hier klicken. Es wird mit anschaulichen Experimenten gearbeitet und der Vortrag ist kurzweilig aufgebaut. Sehr spannend und mit 29 Minuten in erträglicher Länge.

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