Hohe Dividenden-Rendite oder Dividenden-Aristokrat, mit kleinerer Rendite, was bringt langfristig mehr?

Guten Morgen, gestern Abend hatte ich in einem deutschen Aktienforum eine kurze Diskussion um den Begriff Dividenden-Riesen. Dabei ist mir aufgefallen, wie unterschiedlich man den Begriff definieren kann. Was ist den wirklich ein Dividendenriese? Eine Firma die a) einen hohen Prozentsatz ( >5 % ) ausschüttet oder ein Unternehmen, dass b) zwar eine geringer aktuelle Dividendenrendite bietet, dafür aber eine geringe Ausschüttungsquote besitzt und ein hohes zukünftiges Dividendenwachstum ermöglicht…

Es gibt zwei Arten von Dividendenstrategie, die man natürlich beliebig, in seinem Depot, mischen kann. Dabei gehe ich von mir selbst aus und versuche Aktien langfristig zu halten und nicht je nach Marktlage oder bei jeder schlechten Nachricht zu verkaufen.

Möglichkeit a) Ich kaufe mir zum Beispiel eine deutsche Telekom Aktie mit einer gigantische Dividendenrendite von 8%. Ist natürlich erst einmal super. Auf einem Festgeldkonto bekomme ich im Moment zwischen 3 und 4%, bei mehrjähriger Anlage. Bei anderen Dividendenaktien wie Coca Cola, McDonalds, Intel und Co warten in der Regel Dividendenrenditen zwischen 2 und 4 % auf mich.

Nehmen wir also an ich verfüge über ein Vermögen von 100 000€ und will dieses Anlegen. Was ist nun besser für mich? Auf den ersten Blick sind die 8 % Dividende, der deutschen Telekom, natürlich sehr interessant. Einmal im Jahr würde ich 8000€ brutto bekommen. Selbst wenn der Steuerfreibetrag schon ausgeschöpft ist bleiben mir Netto also 5890 €. Dies sind immerhin 491€ pro Monat. Das ist natürlich verlockend. Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob Sie Hochverdiener oder Student sind. Für mich persönlich klingen 500€ zusätzliches Nettoeinkommen jedoch sehr verlockend.

Das Problem ist, dass bei Aktien mit hohen Renditen meist etwas nicht stimmt. Entweder werden Dividenden aus der Substanz ausgeschüttet oder der Markt hat kein langfristiges Vertrauen in das Geschäftskonzept oder das Management. Gehen wir jetzt aber einmal von einem positiven Fall aus und die Telekom schafft es, dass sie diese 8% wirklich erwirtschaftet und dieses Level halten kann. Also würde über kurz oder lang wohl auch der Kurs gleich bleiben. Da ich von den meisten meiner Aktien überzeugt bin und diese sehr lange halten möchte spielen Kursentwicklungen, an dieser Stelle, für mich keine Rolle.

Nun gehen wir also von 8 % aus. Wir legen also einmalig 10 000€ in Deutsche Telekom-Aktien an und schauen was nach 10 Jahren dabei heraus kommt. Dabei investieren wir die Dividende immer wieder in deutsche Telekom-Aktien und gehen davon aus, dass sich der Kurs nicht ändert.
Wert unserer Telekom Rechenspiels
Wir habe nun also 10 Jahre unsere Dividenden jedes Jahr reinvestiert und gehen nach Jahr 10 in Ruhestand. Nun würden wir auf Telekom-Aktien, im Wert von 17723,5€ sitzen. Nun wollen wir unser Leben genießen und lassen uns die Dividende auszahlen und investieren diese nicht mehr. Wir hätten also jetzt ein Netto-Zusatzeinkommen von 1043,91€/jährlich oder 86,99€/monatlich. Hätten wir nicht reinvestiert, hätten wir mit unseren 10000 € ein Zusatzeinkommen von 589€/jährlich oder 49,08/monatlich. Dies aber über die ganze Zeit.

Nun rechnen wir dieses Beispiel noch einmal mit einem Dividendenaristokraten ( Möglichkeit B ) aus. Dieser hat zwar eine niedrigere aktuelle Dividendenrendite, dafür aber auch steigende Dividenden. Natürlich könnte ich jetzt irgend einen besonders gute Firma, aus dem Hut zaubern und so das Ergebnis verfälschen. Um dies nicht zu tun, greif ich auf meinen früheren Artikel „US-Dividenden Titel – Kaufen, Vergessen und über steigende Dividenden freuen!“ zurück. Dies sind 6 ganz normale Dividenden-Aristokraten, die sich auch in den Depots vieler Pensionsfonds oder Dividenden-ETFs finden.

Dabei gehe ich also wieder von einer Anlagesumme von 10 000€ aus. Anders, als bei der Telekom, gehe ich hier jedoch von einem jährlichen Dividendenwachstum aus. Natürlich benutzte ich keinen Fantasiewert, sondern nehme den Durchschnitt der Firmen für das reale Dividendenwachstum ( der letzten 5 Jahre. Ohne Verizon, da dieser der Telekom zu ähnlich ist).
Also eine sehr realistische, wenn nicht gar pessimistische, Annahme; da sich in dieser Zeit die schlimmste Wirtschaftskrise, seit langem, abgespielt hat. Das Dividendenwachstum beträgt also, pro Jahr, 11,244%. Als Anfangsrendite nehme ich wieder den Durchschnitt dieser fünf Firmen, dies führt zur aktuellen Dividendenrendite von 3,446%.

Also rechnen wir einmal aus, was aus diesen 3,466 %, in 10 Jahren, geworden ist. Die Formel dafür ist:

3,446(unsere aktuelle Dividenden-Rendite)*1,11244(Steigerung)^10(für die 10 Jahre)= 10,00178073 .

Also 10% Dividendenrendite, auf unsere investierten 10 000€.

Legen wir also unsere 10 000€ in diese 5 Werte an. Hätten wir also nach 10 Jahren ein  Netto-Zusatzeinkommen von 736,25€/jährlich oder 61,35€/monatlich (Im Vegleich, bei der Telekom hätten wir, ohne Reinvestition, ein Zusatzeinkommen von 589€/jährlich oder 49,08/monatlich). Anders, als bei der Telekom haben wir hier aber nie reinvestiert und alles schön ausgegeben. Unser regelmäßiges Dividenden-Einkommen ist dennoch um 113,65% gewachsen. Unser Einkommen bei der Telekom, trotz reinvestieren, nur um 77,235%. Mit dem Unterschied dass wir bereits über die gesamten 10 Jahre ein Zusatzeinkommen hatten, wir haben bei den Aristokraten ja nie reinvestiert. Zusätzlich wächst unser Einkommen weiter. Mit einem Dividenden-Aristokraten kann man sich also zurücklehnen und das Einkommen wächst von alleine.

Warum ich jetzt die Zahlen nicht mit jährlichen Reinvestitionen, zu Gunsten der 5 Dividenden-Aristokraten, durchrechne?

Erstens Faulheit und zweitens ist dies bei solchen Wachstumsaktien sehr schwierig. Durch das Gewinn und Dividendenwachstum werden nämlich auch die Kurse steigen. Es ist für mich daher reine Spekulation zu welchen Kursen wir reinvestieren können.

Um was es mir eigentlich geht, ist das Aufzeigen, dass man mit Dividenden-Aristokraten langfristig höhere Einkommenssteigerungen erzielen kann. Dabei habe ich im Prinzip die deutsche Telekom positiver bewertet, als sie ist. In Wirklichkeit sinken bei ihr nämlich die Gewinne und Dividenden. Es war nur ein Rechenbeispiel und die Telekom nutzte ich nur, da sie allgemein bekannt ist. Generell kann man sagen, für welchen Weg man sich entscheidet hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab.

a) Wie alt sind Sie? Investiert man mit 30 und hat noch viel Zeit bis zur Rente oder investiert man mit 60.

b)Der nächste Faktor ist die Lebensplanung, braucht man schnell ein verlässliches Zusatzeinkommen oder kann man auch so, akzeptabel, überleben. Als Faustregel würde ich sagen. Bei unter 5 Jahren solle man wohl eher zur Aktie, mit einer hohen Ausschüttung greifen. Bei einem längeren Horizont eher zu einem Dividenden-Aristokraten; dieser wird nämlich, höchstwahrscheinlich, zur steigenden Dividende auch noch mit steigenden Kursen auftrumpfen.

Das WICHTIGESTE jedoch ist,dass man seine Strategie durchhält und sich nicht von Bekannten und den Medien verrückt machen lässt. Auch sollte man nur Geld investieren, das man nicht braucht.

2 Gedanken zu “Hohe Dividenden-Rendite oder Dividenden-Aristokrat, mit kleinerer Rendite, was bringt langfristig mehr?

  1. Wow, ich muss sagen toller Beitrag, dass Du fokussiert und detailliert den Sachverhalt dargelegt hast. Ich war gestern auch am Brainstorming in eine ähnliche Richtung. Nämlich sind regelmäßige Dividenden als Dividenden-Historie mit Steigerung interessanter als Reits, die aktuell sehr hohe Dividendenrenditen von bspw. 8-12% oder manchmal sogar mehr haben.

    Mein Fokus liegt aktuell in Aktien-Dividenden die eine monatliche oder quartalsweise Dividende ausschütten. Auch hier kommt es auf das Geschäftsmodell an. So gibt es beispielsweise Realty Income mit einer monatlichen Ausschüttung sowie Dividendenzahlungen von über 40 Jahren. Aktuell liegt die Dividenden-Rendite dort bei ca. 4% p.a.

    Guckt man sich Werte wie Johnson & Johnson, Procter Gamble sowie Coca Cola an, die bei Div.Renditen bei 2-4% p.a. liegen aber da berücksichtigt, dass es oft zu Steigerungen der Dividenden kommt, passt Dein Artikel wie die Faust aufs Auge zu meinem Brainstorming. Gerade auch die ausführliche Darstellung mit Formel und Gedanken des Zinseszins-Effekts…

    Artikel kommt sofort in meine iPad-Bibliothek ;o)

    Danke Gruß René

  2. Danke. Der Beitrag kommt mir eigentlich fast zu konfus vor. Bei der Aktienauswahl sollte Wachstum aber immer eine große Rolle spielen. Dividendenhistorien und die Vergangenheit werden oft unterschätzt. Zwar wird die Zukunft gehandelt, die Vergangenheit gibt aber oft Aufschlüsse über Chancen.

    Gruß Ulrich 🙂 und allen Lesern ein schönen Samstag Abend und Song-Contest ( auch wenn man gezwungen wird 😉 ).

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