Facebook Börsengang – Verwetten sie nicht ihr Haus darauf !

Im Juni soll nun endlich der lang erwartete Börsengang von Facebook stattfinden. Zahlen von 100 Milliarden US-Dollar soll das Unternehmen dann an der Börse wert sein. Damit würde Facebook bewertet wie Daimler und Kraft Foods zusammen. Facebook macht im ersten Quartal 2012 einen Umsatz von 1,06 Milliarden; Kraft und Daimler machten zusammen einen Gewinn von circa 2,8 Milliarden US$. Persönlich schrecke ich also bei der Bewertung von Facebook zusammen und empfehle daher potentiellen Facebook-Aktionären doch einmal genauer hinzusehen. Fantasie und Potential haben nämlich viele Internetunternehmen in der Vergangenheit gehabt, hinten raus kam oft jedoch nichts…

Die Erfolgsgeschichte von Facebook ist sicherlich spektakulär. Der 24 Jährige Mark Zuckerberg gründet mit Kommilitonen ein soziales Netzwerk und schafft damit (vielleicht) eine der wertvollsten Unternehmen der Welt. Die ganze Geschichte wurde verfilmt und in Talk-Shows durchgekaut.

Schön und nett. Was einen potentiellen Aktionär aber interessieren sollte, soweit er nicht auf kurzfristige Kursanstiege setzt, ist was hinten raus kommt.

Ein Umsatz von 1,06 Milliarden US$ bei 900 Millionen aktiven Benutzern, die durchschnittlich 7,5 Stunden im Sozialen Netzwerk verbringen. Ehrlich gesagt klingt dies für mich nicht sehr berauschend. Jeder aktive User bringt also 1,178$ Umsatz, pro Quartal. Nehmen wir an jeder Mensch, auf der Welt, vom Baby bis zum Greis würde Facebook regelmäßig nutzen. Dann kämen wir auf einen Jahresumsatz von 32,984 Milliarden US$. Diese Zahl ist natürlich sehr theoretisch. Zum einen würde sich die Zeit, die der User in Facebook verbringt wahrscheinlich steigern; da noch viel mehr Bekannte und Angehörige aktiv wären und es mehr zu entdecken gäbe. Zum zweiten würden sich auch die Umsatzzahl entwickeln; in welche Richtung ist jedoch schwer zu sagen. Einerseits würden sicher große globale Werbekampagnen geschaltet die den Umsatz wachsen lassen würden. Zum anderen ist ein User aus einem Entwicklungsland aber auch lange nicht soviel wert ( im rein finanziellen Sinne), da er über weniger Kaufkraft verfügt. Weniger Kaufkraft resultiert dann natürlich auch in sinkende Werbeeinnahmen. Es wird wohl kaum im Durchschnitt gleich viel für den Werbeklick eines Mongolen bezahlt, wie für den Werbeklick eines Schweizers oder Norwegers.

Mehr User sind nicht gleich, gewohnt starkes, Umsatzwachstum. Amerikaner und Europäer befinden, sich bei Interesse, bereits bei Facebook. Potentielle Wachstumsmärkte wie China und Indien werden den Umsatz aber kaum derart anschieben, wie viele hoffen. Die Facebook Entwickler sind soweit sicherlich schlaue Köpfe. Wie man mit seinen Ideen jedoch viel Geld verdienen kann scheinen sie nicht zu verstehen. Die Einnahmesituation muss sich also um einiges verbessern, damit der Aktionär hier langfristig seine Freude hat.

Die Möglichkeit großer Einnahmen besteht aber ohne Zweifel. Facebook liegt klar vor dem derzeit heißesten Konkurrent Google+. Zahlen die jedoch sehr schnell drehen können. Als langjähriger Internet-User weiß ich wie schnell sozialen Plattformen wie StudiVZ/SchülerVZ oder MySpace unattraktiv wurden. Google ist daher nicht zu unterschätzen. Mit YouTube, Google Mail und dem Handybetriebssystem Android hat Google sehr gute Möglichkeiten Internetnutzer sehr schnell zu Google + zu bringen. Dabei gibt es in der Regel sehr schnell Wachstumsschübe, sobald einmal eine bestimmte Zahl von Usern rekrutiert ist. Der User schafft selbst Inhalt und lockt Freunde und Bekannte ins Netzwerk. Entschieden ist hier also noch nichts. Google+ startete erst im Juni 2011 und hat bereits 100 Millionen regelmäßige Benutzer.
Facebook Google+ Userzahlen
Diese aktiven Google+ User verbringen aber durchschnittlich nur 3,5 Minuten, pro Monat, im Sozialen Netzwerk; Facebook User hingegen 7,5 Stunden. In wie weit man diesen Zahlen trauen kann ist sehr fraglich, besonders wenn ein riesiger Börsengang bevorsteht.

Auf amerikanischen Webseiten wird von Facebook als mögliches WebOS gesprochen. Dies bedeutet übersetzt soviel wie „Internet Betriebssystem“. Was also Windows, Linux oder Max OS für den Computer sind, könnte Facebook für das Internet werden. Ein Plattform über das Nachrichten ausgetauscht werden, eingekauft wird und alles andere, was im Internet so möglich ist. Also praktisch ein zentrales Ausgangspunkt für sämtliche Internetaktivitäten. Dies wird von Microsoft und Google natürlich auch bereits seit Jahren versucht. Die Verbindung zwischen Youtube, GoogleMail und Google+ ist nichts anderes. Man will, dass der User sich nur noch auf eigenen Seiten aufhält. Was dadurch an Geld zu verdienen wäre ist gigantisch und könnt wirklich alle bisherigen Geschäftsmodelle übertreffen. Facebook hat durch seine große Benutzerbasis sicher Chancen so etwas zu werden.

Die Konkurrenz ist aber nicht zu unterschätzen. Microsoft, Google, Apple… alle versuchen ihre Anwendungen zu verknüpfen. Facebook steht also einer Konkurrenz entgegen, die genauso über schlaue Köpfe verfügt und für die Kosten eine untergeordnete Rolle spielen. Wir werden also sicherlich weiterhin von Milliardenübernahmen hören. Jedes noch so kleine Start-Up Unternehmen, mit innovativer Idee, wird aufkauft werden. Jeder Vorsprung muss genutzt werden.

Facebook besitzt dabei, meines Erachtens nach, keine deutlichen Vorteile. Windows hat bereits das konventionelle Betriebssystem schlechthin, mit 90% Marktanteil. Eine stärkere Verknüpfung von Windows mit dem Internet bietet also auch hier enorme Chancen auf Platz 1. Google besitzt mit dem Smartphone-Betriebssystem Android und Diensten wie Youtube auch mächtige Sprungbretter.

Gegen Ende möchte ich noch kurz auf die Haupteinnahmequelle von sozialen Netzwerken eingehen. Die Werbung. Hier steht Google viel besser da als Facebook. Google besitzt mit Adsense nämlich die, mit Abstand, größte Plattform für Internet Werbung weltweit. Aus diesen bereits vorhanden Kontakten und Erfahrungen wird Google seine Dienste folglich auch schneller und besser zu Geld machen können.

Der Börsengang von Facebook ist sicherlich interessant und persönlich bin ich sehr gespannt auf die Entwicklung der Aktie. Empfehle aber nicht der Euphorie zu verfallen und blind riesige Summen in Facebook zu investieren. Erinnern Sie sich bitte an das Soziale Netzwerk MySpace. Auch dieses konnte 2009 noch mit einer Userzahl von über 300 Millionen prahlen. Heute steht MySpace kurz vor der Pleite. Facebook hat Chance, aber eben auch mächtige Gegenspieler. Auch hat Facebook inzwischen ähnlich, selbst gemachte, Image-Probleme wie auch Google. Inzwischen sind viele Menschen auf die Idee gekommen, dass es nicht so schlau ist Soziale Netwerke zu intensiv zu nutzen. Zu viel wird von Cyber-Mopping und Datenklau berichtet und vor allem die wichtige kaufkräftige Userschicht meldet sich in Scharen wieder ab. Die Angst ist noch größer wenn hinter dem sozialen Netzwerk ein Milliarden Konzern steht, was Facebook dann endgültig ist. Es wird also dann auch von Profitgier und Streit ums große Geld berichtet werden. Vielleicht kommt aber auch jbald der nächste Mark Zuckerberg aus der Versenkung. Auch dieser wird als kleiner Self-Made Student ohne Sinn fürs große Geld daherkommen und die User fühlen sich bei ihm einfach wieder viel sicherer. Facebook; was war das noch gleich?

6 Gedanken zu “Facebook Börsengang – Verwetten sie nicht ihr Haus darauf !

  1. Eine sehr schöne Analyse . Ich werde mein Geld wenn ich es in Aktien stecke wahrscheinlich nicht in Facebook setzten.

    Google da würde ich schon noch mal mit ein paar Euros reingehen.
    Die haben es viel einfacher Ihre Produkte über Ihre eigenen Kanäle zu vermarkten.

    Grüße Lothar

  2. Toller Artikel. Auch mein Favorit ist immernoch google + und nicht Facebook. Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass die Aktie überdurchschnittlich steigen wird. Nein, da würde ich eher google Inc. kaufen

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