Na endlich…

…gehts mit den Kursen mal nicht mehr unaufhörlich nach oben, möchte man rufen, während in den gängigen Aktienboards sich die Nervosität langsam wieder breit macht, weil man nach Jahre der Aufwärtsbewegung scheinbar vergessen hat, dass es auch mal in die entgegengesetzte Richtung laufen kann. Minus 20% lautet die Performance des deutschen Aktienindex DAX für das Jahr 2018 und der S&P 500 hat Stand jetzt den schlechtesten Dezember seit dem Weltwirtschaftskrisenjahr 1931 hingelegt.

Der geneigte Leser weiß, dass wir hier au diesem Block bei solchen Aussichten nicht in Schockstarre verfallen, sondern im Gegenteil so ein wenig aus dem Tiefschlaf der letzten beiden Jahre erwachen, als die Gelegenheiten für günstige Käufe immer seltener und immer rarer wurden. Inzwischen werden diverse zurückgekommene Titel für Nach- bzw. Zukäufe wieder interessant und ich möchte euch einen kleinen Einblick in meine derzeitige Kaufagenda geben. ..

Zunächst einmal muss ich die Aktivitäten dieses Sommers bzw. Frühherbstes in meinem Privatdepot nachreichen. Die ADRs des koreanischen Stahlkonzerns Posco wurden mit geringem Gewinn verkauft. Ich muss im Nachhinein zugeben, die Komplexität dieser Firma mit all ihren Beteiligungen in allen möglichen Bereichen gehörig unterschätzt zu haben. Am Ende stand die Lektion, dass ich mich hier außerhalb meines Kompetenzbereichs bewegt habe und habe die Position folglich aufgelöst.

Neu aufgenommen ins Depot wurde in zwei Tranchen hingegen die Vorzugsaktie von BMW. Ich werde in den nächsten Tagen einen eigenen Artikel mit einem Vergleich der deutschen Autobauer verfassen, aber in der Kurzfassung darf ich schon mal vorab verraten, dass ich BMW für den mit einigem Abstand bestgeführten deutschen Autobauer halte. Als Hersteller im Premiumsegment lebt BMW natürlich in erheblichem Maß von der Strahlkraft der Marke und der damit verbundenen Preissetzungsmöglichkeit. Wer einen 5-er BMW kauft erwirbt nicht in erster Linie ein Fahrzeug um sich damit von A nach B zu bewegen, sondern will auch zeigen, dass er es sich leisten kann so ein Auto zu fahren.

Nun stehen die Autobauer seit etwa 2-3 Jahren unter massivem medialen Beschuss. Die entscheidende Frage ist letztlich, ob das Auto als Fortbewegungsmittel uns mittel- und längerfristig erhalten bleibt. Die Antwort ist aus meiner Sicht gerade für das Premiumsegment ein klares Ja. Wer einen Wagen der Premiumklasse fährt, tut das unter anderem, um sich eben nicht in den Trubel des ÖPNV begeben zu müssen. Für berufliche Vielfahrer (eine für diese Fahrzeugklasse wichtige Klientel) ist ein hoher Komfort, wenn nicht bescheidener Luxus ein gewichtiges Kriterium (außerdem sieht diese Gruppe oft die Kosten nur indirekt) bei der Fahrzeugauswahl. Hier ist BMW ausgezeichnet aufgestellt. Denn technischen Anforderungen, die derzeit von der Regulierung begegnet werden, tritt man mit Investitionen in F&E entgegen. Ich bin zuversichtlich, dass BMW über den Konjunkturzyklus zufriedenstellende Ergebnisse erzielen wird.

Bewegen wir uns zur nächsten Skandalnudel, Wells Fargo. Nachdem es sich dabei lange um die einzige Großbank ohne Leichen im Keller zu handeln schien, verbeißt sich die Bankenausicht in den USA da jetzt so richtig rein, irgendwie wollen die ganzen neuen Aufseherjobs ja gerechtfertigt werden. Immer wieder noch trudeln Meldungen ein, nach denen irgendwo Kunden nicht benötigte Produkte aufgeschwatzt oder gar einfach eingebucht wurden. Dass es bei einem Unternehmen dieser Größe dauert, bis sich derartige Veränderungen auch bis in die letzte Filiale rumgesprochen haben ist nichts Neues. Anfang des Jahres wurde Wells Fargo daher von der Regulierung mit einem Wachstumsverbot belegt. Die Bilanzsumme darf gegenüber dem 31.12.2017 vorerst nicht ansteigen. Bisher hat Wells Fargo es verstanden auch unter dieser Einschränkung ganz normal das bisherige Geschäft weiter zu betreiben, währen man weiter an der Beseitigung von Missständen arbeiten. Gleichzeitig wurde ein gewaltiges Kostensenkungsprogramm gestartet, das in den Q3-Zahlen die ersten Anzeichen hinterlässt. Der Kurs ist zurückgekommen und bewegt sich ungefähr auf Niveau von 2014, bei dem ich damals die anfängliche Position aufgebaut habe.

Nicht ganz so extrem ist die Lage bei der Berkshire Hathaway. Deren Quartalsergebnisse sind zwar durch die letzte Änderung der Rechnungslegungsvorschriften, nach denen die Kursschwankungen der Aktienpakete direkt auf die GuV durchschlagen, fast vollständig belanglos geworden, doch ist nicht übersehbar, dass hier munter weiter Wert geschaffen wird, wenn auch freilich mit weitaus geringeren Wachstumsraten als früher. Gleichwohl bleibt BRK.B eine Aktie in der man bei recht überschaubarem Risiko sein Geld vernünftig verzinst bekommt. Der Kurs ist inzwischen wieder in einem Bereich angelangt, bei dem BRK auch eigene Aktien zurückkauft, was angesichts der Kapitaldisziplin dort ein ANzeichen für günstige Kurse ist.

Des Weiteren stehen auch Zukäufe bei der Bank of Nova Scotia auf der Agenda. Diese hat seit meinem Kau im Januar 2016 stets mehr als solide geliefert und ist ein erfreulicher Langweiler im Depot. Die kanadische Bankenaufsicht schein so langsam entschlossen zu sein, etwas Luft aus der in einigen Provinzen herrschenden Immobilienblase lassen zu wollen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Bilanz der Scotiabank und ihre Ertragskraft robust genug sind, da auch eine Immobilienkrise mittleren Ausmaßes mit klar schwarzen Zahlen zu überstehen.

2 Gedanken zu “Na endlich…

  1. Hallo,

    wie siehst Du eigentlic zum Beispiel US Bank. Die Frage ist für mich:… habe nicht alle großen Banken ähnliche Praktiken wie Wells genutzt? Ist Wells nur die erste Zielscheibe, da sie eben durch ihre größe Landesweit bezahlt ist?

    Kanada habe ich mich auch beschäftigt. Meine Theorie ist, dass diese kanadische Pflichtversicheung für Kredite mit unter 20 Prozent Eigenkapital dafür sorgt, dass die kanadischen Banken alle seit Jahrzeiten kontinuierlich im Aufwärtstrend sind. Diese staatliche abgesicherte Versicherung sorgt wohl schlicht dafür, dass der Immobilienmarkt nie wirklich absackt. Erklärt auch die anscheinend nie abbrechenden immer steigenden Dividenden im kanadischen Bankensektor.

    Gruß und allen einen guten Start in die Woche
    Ulrich

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