Öl-Aktien Chance? Teil 1. Beobachten wir das Ende des Öls?

Öl ist unserer Alltags-Welt nicht wegzudenken. Es befeuert mein Auto, steckt in meinen Klamotten, ist in der Aspirintablette, mäht meinen Rasen und so weiter und so weiter. Unser Wohlstand steht auf fossilen Beinen. Das Interessante ist, dass gerade die Aktien der Öl- und Gaskonzerne derart unbeliebt sind.

Ein Shell oder BP Aktie bringen gerade um die 7 % und auch eine Total oder Eni schauffeln einem das Depot mit üppigen Dividenden voll. Sogar Dickschiff Exxon ist bei 4% Dividende. Der Zins auf meinem Sparbuch liegt bei 0,01% und große Firmen mit Dividendenhistorie werden normal blind gekauft.

Sicher… ich habe mitgekommen, dass Öl brutal abgestürzt ist und sich gerade wieder einiges von der 50 Dollar pro Barrel Marke verabschiedet hat.

Wenn ich mir die Historie der großen Öl-Unternehmen anschaue war es eigentlich sehr einfach mit ihnen überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Es kommt immer wieder zu einem Preiscrash beim Öl. Die solventen Player kaufen günstig Assets von den schwächeren kleinen Firmen. Wenn der Ölpreis wieder aufwärts geht, dann ist die Kostenstruktur schlank, man hat mehr Öl Reserven als vorher und verdient mehr als vor der letzten Krise. Währenddessen bekommt der Aktionär dicke Dividenden aufs Konto. Gerade in amerikanischen Börsenforen gibt es etliche Privatanleger, die von sagenhaften Erbschaften erzählen, weil irgend ein Verwandter mal in einem Crash in einen der großen Oil Majors investiert hat..

…Eigentlich müsste man jetzt gar nicht mehr groß mit Zahlen oder Bewertungen zu den großen Ölkonzernen kommen. Kauf die Exxons, Shells, Chevrons dieser Welt und lass sie einfach ein paar Jahre liegen… doch ist diese Logik auch in der absehbaren Zukunft noch begründbar?

Von Peak Oil Supply zu Peak Oil Demand in 10 Jahren und wieder zurück

Bevor ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt habe waren mit Ölkonzerne deutlich zu riskant. Grünen Fundi Hofreiter hatte mir im TV schon so tolle Geschichten von der Elektromobilität und der Energiewende ins Ohr gebrüllt, dass mir Öl einfach zu heiß was.
Kretschmann vs Hofreiter
Natürlich fiel mir schon lange auf, dass das was Merkel, Hofreiter und Kollegen da von Energiewende erzählen scheinbar überhaupt nichts mit der Realität zu tun hat. Ich fahre keine E-Auto und niemand in meiner Familie oder Bekanntenkreis fährt ein E-Auto. Der deutsche Kohleverbrauch sinkt seit Jahren nicht mehr und die EU Gas-Importe aus Russland haben sich seit Anfang der 90er Jahre stark gesteigert.
Gasproduktion Verbauch Europa historisch

Wie weit ist die Speichertechnik?

Ich bin ein sehr bescheidener Naturwissenschaftler. Eins hab ich an der Energiewende aber begriffen. Ein Land braucht eine stabile Energieversorgung. Wind und Solar sind ohne eine ökonomische Energie-Speicher-Technik sinnlos. Was bringt mir den die Windmühle, die Nachts Strom einspeist und vormittags fährt die Fabrik hoch. Diese Energie ist doch dann völlig wertlos. Die Speichertechnik gibt es nicht, daher weiss ich auch nicht warum die Politik derart viel Geld von den Bürgern abzwackt? Für ein Projekt, dass vielleicht physikalisch/technisch gar nicht möglich ist?

 Wer sich für das Problem interessiert, dem lege ich diesen Artikel des Manhatten Institute nahe.

„Right now, transporting electricity on wires, measured in barrel-of-energy-equivalent terms, costs about $10 per barrel. And carrying a barrel of oil today on a supertanker costs less than between $0.5 and $1.“ (Quelle: Manhatten Institue)

„Global lithium battery factories collectively manufacture enough capacity to store 100 billion watt-hours (Wh) of electricity annually… the world uses over 50,000 billion Wh every day.“

Big Oil ist Big Gas

Exxon, Shell, BP. Die alten Öl-Titanen wurden zu Gas Titanen. Weite Teile der Strom-Erzeugung auf der Welt laufen derzeit noch mit Kohle. In China sind das an die 64 Prozent gegenwärtig. Selbst wenn der Ölbedarf nur noch langsam steigt ist das Gas (was zum Beispiel bei Shell schon über die Hälfte des Geschäfts ist) sicher langfristig noch ein gutes Geschäft. Besonders ins Auge fällt mir hier die Technik der Verflüssigung von Erdgas auf die auch ein Donald Trump in der Exportstrategie setzt. Die Umwandlung in Flüssiggas verurstachteiniges an Mehrkosten… dafür ist aber das Gas in den USA auch viel günstiger als in Europa oder Asien. Die großen LNG Player sind also die kostengünstigsten in einem Markt, bei dem der Preis der entscheidende Fakor ist.

Vielleicht ist einer meiner Leser hier aber besser bewandert was die Nachteile von Erdgas sind. Habe verstanden, dass Gas weniger CO2 freisetzt als Kohle, manche warnen aber vor dem Methan. Ist dies ernstzunehmen oder hat man sich generell nur auf das CO2 eingeschossen?

Elektroautos werden günstig werden und der Ölbedarf bricht ein!? Da wir ja seit Jahren mit rosigen Elektromobilitätsfantasien versorgt werden… ist Öl noch lange nicht fertig. Hier nur ein paar Überlegungen:

Elektroautos werden günstiger, aufgrund von Skaleneffekten ???

Bau ich 1000 Elektroautos muss ich für jedes Elektroauto mehr verlangen als wenn ich 10 000 000 Elektroautos baue. Die Erklärung hierfür ist einfach. Die Fixkosten der Entwicklung usw. verteilen sich auf mehr produzierte Einheiten. Klingt plausibel, aber wird das Elektroauto dadurch mit mehr Stückzahl immer günstiger in der Produktion?

Nicht unbedingt. Wenn ich nämlich für die Akkutechnik Lithium, Kobalt oder sonst irgend einen Rohstoff brauche, denn man durch Bergbau gewinnt, dann stimmt diese Logik nicht mehr. Rohstoffförderung kennt nicht etwa wie die Industrieproduktion stetig abnehmende Kosten bei größeren Mengen.

Habe ich zum Beispiel ein Ölfeld in Saudi Arabien. Dann schaffe ich es aufgrund der günstigen Geologie, dass ich das Öl zu Kosten von 10$ pro Barrel aus dem Boden hole. Mit diesem Know How geht jetzt ein Ingineur von Exxon oder Shell in die Antarktis. Trotz all seines Know Hows ist die Geologie ungünstiger und er braucht 100$ für jeden zusätzlichen Barrel.

Das entscheidende für den Ölverbrach ist der Anteil der Elektroautos am Fahrzeugbestand?

Wer öfter Energieprognosen von großen Ölunternehmen liest, der ist sicher schon einmal auf die Entwicklungskurve der „Miles driven“ gestoßen, also die gefahrenen Kilometer.

Diese Nummer ist für den Ölverbrauch wichtiger als der Anteil von Elektroautos am Fahrzeugbestand. In einer Straße wohnen 5 Personen. Vier dieser Personen fahren jeweils 200 Kilometer Strecke pro Woche. Person 5 ist Vertreter im Aussendienst und fährt 3000 Kilometer pro Woche. Die relevanteste Frage für den Ölkonzern ist also „welche Antriebstechnik nutzt der Vertreter Person 5?“.

Zwischenfazit:

Bevor ich jetzt du einzelnen Ölaktien komme, wolle ich hier erstmal ein paar Gedanken zum Thema Öl und Gas in den Raum stellen. Zum anderen ist ja auch bald Bundestagswahl und das Thema Energie und Antriebstechnik spielt ja doch eine inzwischen größere Rolle.

4 Gedanken zu “Öl-Aktien Chance? Teil 1. Beobachten wir das Ende des Öls?

  1. Hallo Ulrich,

    eine nachvollziehbare Idee – leider sind aber die Bewertungen der Öl Majors alle hoch in Bezug auf die aktuellen Gewinne. Es bleibt also eine Wette auf steigende Ölpreise…

    Viele Grüße,
    Johannes

  2. Hallo Johannes, aktuell sicher. Ich denke aber, dass gerade die großen Multis inzwischen lange nicht mehr die 100$ brauchen, sondern bereits bei 75$ ihre alten Profite erreichen können. Dann hättest du Blue Chips mit wahrscheinlich hoher einstelliger KGV Bewertung.

    Gerade ist Öl/Gas sehr unpopulär, dadurch könnten solche Werte anhaltend niedrig bewertet werden. Falls aber der Verbrauch von Fossilen Energieträgern doch noch auf Jahrzehnte leicht steigt (hierfür gibt es auch sehr gute Gründe), dann könnte sich das gleiche Szenario wie im Tabakbereich bieten. Anhaltend niedrige Bewertungen, dauerhaft profitable Firmen , die auch Aktien zurückkaufen und dies immer recht günstig (ok, an diesem Punkt sind wir derzeit nicht).

    Peter Lynch sagte ja mal , bei den besten Aktien sieht man langfristig enorme Gegenwinde.

    • Hey Ulrich,
      mein Dreiergespann aus dem Ölbereich sind DNOW, NOV und TGS Nopec. Bezüglich NOV verstehe ich, dass man den Fokus auf Offshore nicht optimal findet, heute würde ich wohl eher nur auf DNOW und TGS setzen. Vielleicht magst du dir beide ja mal anschauen, starke Moat, großartiges Management, tolle Renditen, solide Bilanz und die Krise hat beiden gut getan. Alle drei haben über die Krise hinweg positive Cashflows generiert.

      Liebe Grüße
      Jasper

      • Bei Offshore sehe ich es nicht so negativ. Denke, dass zum Beispiel auch ein reiner Offshore Play wie Diamond Offshore Drilling enormes Potential hat.

        Momentan ist sehr viel Angst. Ich denke aber, dass dieser Bereich auch wieder kommt. Viele Vergleichen ja Ölwerte inzwischen mit Kodak etc. Der Vergleich hinkt aber. Da Chemiefabriken , Autos, LKWs, Schiffe, Fluhzeuge sehr langlebige Wirtschafsgüter sind, die über Jahrzehnte in Betrieb bleiben ist die Hürde eines schnelles Trendwechselns hier ungleich höher (und unbezahlbar).

        Die Phantasie, dass also die Öl/Gas Branche innerhalb weniger Jahre verschwindet sind also grüne Wunschträume.

        Dnow und National Oilwell Fargo kenn ich und sind sicher langfristig gute Werte. Gerade wird glaub so wenig in neue Vorkommen investiert wie seit den 1940ern wieder, aber dies wird irgendwann drehen(müssen). Ob dies schon 2018 oder erst 2012 ist, dass beantwortet meine Glaskugel nicht.

        Muss mir Deinen Blog mal anschauen;)
        Gruß Ulrich

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