Das Warten auf Gelegenheiten

Der ein oder andre wird vielleicht ob der gesunkenen Beitragsfrequenzen etwas enttäuscht sein. Zumindestens in meinem Fall ergibt sich das allerdings auch im akuten Mangel an guten Investmentgelegenheiten. Zwar gibt es genügend qualitativ hochwertige Unternehmen, nur ist diese Qualität in den aufgerufenen Preisen meistens schon inkludiert. Da ich mein persönliches Depot 2010 in einem Umfeld eröffnet habe, in dem es nicht schwer war, Schnäppchen zu finden und man auch in den Folgejahren bis etwa Ende 2014 mit etwas Hartnäckigkeit noch unterbewertete Titel finden konnte, haben die Kurse seither ziemlich angezogen. Wenn ich mein eigenes Verhalten der letzten beiden Jahre reflektiere, muss ich feststellen, dass es nicht so leicht ist wie ich ursprünglich dachte, einfach die Finger still zu halten, wenn Cash zum Investieren da ist. Die dafür erforderliche Disziplin muss ich erst noch erlernen. Angesichts historisch niedriger Zinsen kann ich nicht einmal mit Sicherheit sagen, dass Aktien überbewertet wären. Aber in meiner Wahrnehmung sind die Sicherheitsmargen nicht so groß wie ich mir das vorstelle, wenigstens bei den Unternehmen, die ich als qualitativ gut genug einstufe. Im Sommer 2016 habe ich BRK B-Aktien als Cashersatz gekauft, eine Position mit sehr begrenztem Risiko und einer Rendite die wohl besser ist als Tagesgeld. Aber auch diese Möglichkeit ist durch den Kursanstieg mittlerweile nicht mehr gegeben. Also hat sich der Cashbestand im Depot auf mittlerweile 14% des Gesamtvolumens erhöht. Nun habe ich keine Ahnung wohin die Zinsen sich in den nächsten Jahren entwickeln. Wenn sie weiterhin so niedrig bleiben oder gar noch weiter in den negativen Bereich fallen, könnten sich die derzeitigen Preise im Nachhinein als durchaus günstig herausstellen. Momentan neige ich dazu, die Risiken für größer als die Chancen zu halten, weswegen eben der Cashanteil beständig zunimmt. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich auch 20,25 oder 30% Cashanteil halten wollen würde im derzeitigen Umfeld. Was ist Eure Meinung?

11 Gedanken zu “Das Warten auf Gelegenheiten

  1. Danke für deinen Beitrag – schön mal wieder etwas neues zu lesen.

    Mir geht es ähnlich – meine Cashquote ist mittlerweile auf über 20% angestiegen. Da ich mich derzeit weniger als früher mit dem Aktienmarkt beschäftige gelingt es mir noch die Finger ruhig zu halten. Da wir sicher nicht die einzigen mit hoher Cashquote sind bezweifle ich aber, dass es größere Korrekturen (20-30%) geben wird die man zum Einstieg nutzen kann. Denn sobald die Kurse mal ein paar Prozent nachgeben wird jeder versuchen zum Zuge zu kommen. Zudem werden derzeit monatlich hohe Summen per ETFs in die Märkte gepumpt, die den Markt weiter stützen (Anlegen per ETF ist im Trend und in der breiten Bevölkerung angekommen). Eine Änderung tritt meiner Meinung erst dann ein, wenn die Zinsen auf Tagesgeld wieder zwischen 2-3% liegen oder es dramatische wirtschaftliche oder politische Veränderungen gibt. Dann schmelzen aber auch die bisher aufgelaufenen Gewinne in den Depots.

    Einziger Werte in den ich zuletzt investiert habe ist die Wüstenrot Würtembergische (gibt es auch einen Artikel auf Valueblog), die meines Erachtens noch günstig zu haben ist.

    Viele Grüße
    Daniel

  2. Scheinbar ist mein letzter Kommentar untergegangen….

    Mir geht es ähnlich. Auf dem Niveau noch zu kaufen fällt mir schwer.

    Ich baue auch Cash auf. Das kann extrem wertvoll sein wenn es tatsächlich zu einem Crash kommt.

    Ich wünschte ich hätte 2008 mehr davon flüssig gehabt. Wells Fargo und American Express waren da unter 10 $ zu haben. Allianz für 40 €…das waren eine unglaubliche Gelegenheiten.

    Buffett nannte Cash eine Call-Option.

    Und was bringt es z.B. noch eine Johnson & Johnson für 125$ zu kaufen und dann evt. 10 Jahre lang keine echte Rendite zu haben…

    Aber irgendwie glaube ich, dass der Kurssturz noch eine Weile dauern kann. Es lauern einfach zu viele drauf. Gerade dann kommt er nicht…

    P.S.: Hey Ulrich, meld dich mal wieder. Hatte dir eine SMS geschrieben…

  3. hier sind vielleicht einige möglichkeiten seinen cash zu investieren:
    teekay tankers,costamare,gnc,michael cors,abercrombie & fitch,bakkafrost,macys,kohls,famouse daves,iconix brands,rent a center,syntel,synaptics um nur einige zu nennen,die sind alle sehr günstig,keiner will sie haben ,viel spass damit.

    • Hallo cocabuffy,
      Vielen Dank für deine Anregungen. Ich bezweifle nicht, dass es auch jetzt einige Unternehmen gibt, die einer ungerechtfertigt niedrigen Bewertung unterliegen. Vielleicht gehören die von dir genannten dazu, das kann ich nicht beurteilen. Das Problem ist aber, dass ich selbst nicht immer in der Lage bin das Geschäftsmodell an sich ausreichend zu beurteilen um letztlich dann auch eine fundierte Kaufentscheidung zu treffen. Mit einer rein kennzahlenbasierten Kaufentschiedung würde ich mich nicht wohlfühlen. Mit andren Worten: Mein „Circle of Competence“ ist zu klein um mich die vielleicht vorhandenen Gelegenheiten wahrnehmen zu lassen.

  4. Hallo,

    ja, mir geht es auch ähnlich. Wobei Cash aufbauen momentan ausschließlich aus den Dividenden besteht. Habe vor kurzem ein Haus gekauft und das, was vorher ins Depot wanderte, landet jetzt bei der Bank.
    Zumindest musste ich mein Depot nicht plündern und lasse es einfach weiterlaufen. Cash Anteil ca. 4 %. Die Dividenden erlaube es mir pro Jahr eine neue Investition zu tätigen, da wird man schon etwas wählerischer als wenn man jeden Monat eine Aktie (nach)kaufen kann.

    Gruß
    Eric

    P.S. Durch eine der ersten Analysen hier habe ich vor einigen Jahren fast auf dem Tiefpunkt Microsoft Aktien gekauft, heute sind die 3 mal so viel wert. Leider habe ich einen eher kleinen Betrag investiert. Danke nochmal an das Blog.

  5. Mir geht es wie dir, wobei im letzten Jahr Disney und je nach Geschmack auch Apple oder Novo Nordisk günstig zu haben waren! Während des Brexit konnte man auch einige Unternehmen kaufen, die nicht die besten, aber dafür günstig waren. Um meine Cashquote wieder auf rund 30% runterzufahren habe ich vor einem Monat in American Outdoor Brands investiert und bin für diesen Monat ebenfalls ratlos. IFA Systems wäre eine eher spekulative mittelfristige Investition, aber wirklich überzeugt bin ich aktuell auch nicht.
    Allerdings sollte man sich auch nicht zu viele Gedanken machen, schließlich fallen jedes Jahr ein paar Sterne vom Himmel!

  6. »Die Arbeit in Washington hat meinen Blick auf die Wirtschaftsprufung um die internationale Dimension erweitert«, sagt sie. Sylvia Liwowski hat sich fur Shanghai entschieden, wo sie drei Monate lang in der Steuerberatung tatig war

  7. Hallo Zusammen,
    ich denke auch, dass es derzeit eher darum geht Cash übergewichtet zu halten und dann bei sich bietenden Gelegenheit zuzuschlagen. Daher habe ich meine Cashquote auch von 10% auf 20% erhöht. Wenn sich einzelne Gelegenheit bieten schlage ich dennoch immer mal wieder zu. Dabei achte ich vor Allem darauf, dass ich Unternehmen mit niedriger Verschuldung und hoher Eigenkapitalquote finde. Außerdem achte ich auf das Kurs-Cashflow-Verhältnis und auf die Dividendenentwicklung der letzten Jahre. Ein paar Perlen lassen sich da dann schon noch finden……
    Viele Grüße,
    Stefan
    http://www.finanzoo.de

  8. Hey, das warten auf Gelegenheiten.

    Vielleicht ergibt sich eine passende Gelegenheit bei „Snap-on“….
    Snap-on ist ein Werkzeughersteller aus den USA, verdient prächtig und generiert zu gleich noch sehr hohe Nettomargen. Des weiteren beliefert das Unternehmen fasst jede erdenkliche Brache wo Werkzeug und deren Dienstleistung benötigt wird. Wie zum Beispiel Automobilindustrie, Agrarindustrie, Logistik usw..

    Der Aktienkurs hat zur Zeit den Rückwärtsgang eingelegt und könnte für eine Langfristige Investition Interessant werden. Vielleicht hast du ja mal Zeit, Lust und Interesse das Unternehmen mal etwas näher zu betrachten 😉

    Würde mich freuen.

    Bernd

  9. Danke für deinen Artikel!

    Es ist in der Tat so, dass der generelle Markt momentan teuer ist. Vor diesem Hintergrund fällt es schwerer wirklich günstige GUTE Unternehmen zu finden. Meiner Meinung nach sollte man als langfristig orientierter Value Investor niemals mittelprächtige Unternehmen kaufen nur weil der generelle Markt teuer ist. Es fließt also mehr und mehr Arbeit in das identifizieren und auf Herz und Nieren prüfen von potenziellen Investments.
    Sehr oft wird es ein „nein – das ist keinen Invest wert“ – In den letzten Monaten haben wir so allerdings immer wieder ein paar Perlen identifiziert und mit unseren Nutzern geteilt.
    Ein Beispiel ist AOBC (früher Smith&Wesson) die zu Unrecht bei den Investoren in Ungnade gefallen waren. Seit Empfehlung im Februar hat der Wert um die 20% zugelegt.
    Typischerweise halten wir ca. 6-10 Investments in unserem Portfolio – diese lassen sich finden, kosten aber viel Zeit. Auch wir halten einen signifikanten Cash-Anteil.

    Viel Erfolg allen weiterhin!
    Bernd

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