Versicherungsschnäppchen aus Hellas

Was würdest Du für einen Versicherer bezahlen, der profitabel wächst, gut kapitalisiert ist UND schon wiederholte Male eine doppelstellige Eigenkapitalrendite schafft?

KGV unter 5, weit unter Buchwert? Sicher!

Der Haken? Eher ein Small Cap und ansässig in Griechenland.

Das Unternehmen, ob welches es heute geht trägt den Namen European Reliance General Insurance…

…Das Unternehmen ist kein Start-Up, sondern schon seit 1978 in Griechenland aktiv. Das Angebot umfasst normales Versicherungsgeschäft wie KFZ-Haftplicht,Hausratsversicherung und Lebensversicherung. Es handelt sich hier also nicht um ein völlig exotisch undurchschaubar kompliziertes Geschäft.

European Reliance, der Krisengewinner

In Griechenland läuft es seit Jahren nicht besonders gut. Unternehmen wie European Reliance oder Motor Oil Hellas, die immer noch gut laufen, sind die Ausnahme.

European Reliance ist aber selbst unter der Gruppe der griechischen Erfolgsunternehmen ein Exot. Den das Geschäft läuft in der Krise anscheinend wesentlich besser als vorher.
Prämienentwicklung im griechischen Versicherungsmarkt 2012 2013 2014 2015
Prämien Anteil am griechschen Versicherungsmarkt der European Reliance General Insurance 2012 2013 2014 2015
Wir sehen, dass der griechische Gesamtversicherungsmarkt in den letzten Jahren schrumpft. Dies ist nicht verwunderlich, da die wohl eine großer Teil der Bevölkerung sich in einer schwierigen ökonomischen Situation befindet und hier natürlich auch bei Versicherungsprämien versucht zu sparen.

Gerade in dieser Zeit konnte European Reliance jedoch sein Prämienvolumen steigern. Die Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sich Konkurrenten aus dem Ausland wohl eher aus dem griechischen Markt zurückziehen und so viel profitables Geschäft den einheimischen Gesellschaften überlassen.

2012 2013 2014 2015 30.06.16
Eigenkapital 51,669Mio.€ 59,054Mio.€ 71,619Mio.€ 81,131Mio.€ 86,043Mio€
Prämienwachstum in % 6,70% 1,10% 1,90% 3,80%
Eigenkapitalrendite (vor Steuern) 23,10% 22,70% 21,00% 19,80% 20% (hochgerechnet/pessimischtisch)

Der Griechische Versicherungsmarkt scheint nicht nur für dieses Unternehmen gerade sehr profitabel zu sein. Fairfax Financial übernahm 2015 die Euro Life aus Griechenland, die ebenfalls seit Jahren mit tollen Eigenkapitalrenditen glänzt.

Die Bilanz
Bilanz der European Reliance SA Versicherung
Die Gesellschaft hat einen Eigenkapitalanteil von über 20% und lediglich 20 Millionen Euro Fremdfinanzierung (Eigenkapital bei 86Millionen Euro). Das Unternehmen ist gut kapitalisiert, es ist also kein Müll, wie man es bei einer Bewertung von einem KGV von unter 5 vermuten könnte.

Ja, aber wenn in Griechenland ein Schuldenschnitt kommt… was ist diese Substanz dann wert?

Dies war natürlich auch meine Frage. Versicherungen investieren ja besonders gerne in Staatsanleihen, Pfandbriefe und ähnlich sichere Investments.

Das interessante ist, dass das Anleihen Portfolio (das ja bei Versicherungen in der Regel den größten Teil der Bilanz ausmacht) ein Durchschnitts-Rating von AA- besitzt. Natürlich besitzt Griechenland oder die griechischen Banken schon lange kein solch gutes Rating mehr. Das Anleihenportfolio befindet sich folglich in Anleihen anderer Euro-Länder wie Deutschland oder Frankreich. Ein griechischer Schuldenschnitt würde die Bilanz also nicht umwerfen, der Buchwert ist „echt“.

Euro bleiben im Aktiva, Drachme kommen im Passiva

Diese Überlegung ist nun rein hypothetisch. Würde Griechenland doch wieder die Drachme einführen, dann könnte es für dieses Versicherungsunternehmen einen riesigen Einmalgewinn geben. Die Vermögenswerte würden in diesem Fall in stärkeren Euro oder dann West-Europa-Währungen notieren, währen die Verbindlichkeiten der Versicherer größtenteils in Drachmen notieren würden.

Diese Überlegung ist jetzt aber wirklich eine reine Spekulation. Genauso könnten wütende Versicherungskunden dann die Firmenzentrale niederbrennen.

Insider halten Aktien

Ankeraktionäre aktuell sind Mit-Firmengründer GEORGAKOPOULOS CHRISTOS und Familie mit einem Aktienanteil von 18,504% und die European Bank for Reconstruction and Development
mit 15%. Die Aktionärsstruktur spricht also nicht für ein Management, dass Aktionäre bewusst schädigt.

Aktienkennzahlen

European Reliance General Insurance Aktie

ISIN

GRS277023008

Kurs 1.95€ (13.12.2016)
KGV (2015) 4,56*
KGV (2016 geschätzt) 4.2*
Tangible Buchwert (31.06.2016) pro Aktie 3,13 €
Eigenkapitalrendite nach Steuern (2015) 13,28%
Kurs/Buchwert 0,62%
Dividende für 2015 0,06 €
Dividende für 2014 0,10 €
Branche Versicherung Schaden/Unfall

Versicherung Leben

Fazit:

Meine Unternehmensvorstellung ist nicht so lange, da Finanzwerte eh für die meisten uninteressant sind. Dieses Wert wollte ich aber dennoch bringen, da es sich hier anscheinend um eine hochwertige Versicherung handelt, die zu einer sehr attraktiven Bewertung für Value Inverstoren handelt.

Der Wermutstropfen ist natürlich, dass diese Versicherung sich in Griechenland befindet. Die Risiken und Chancen habe ich ja weiter oben bereits angerissen. Der Risk/Reward ist jedoch sicherlich da, sollte Griechenland einigermaßen stabil bleiben., Langfristig ist die European Reliance langfristig eine tolle Chance in ein profitables Unternehmen zu einer super Bewertung einzusteigen.

Wer sich dazu entschließen sollte Aktien an der Athen Stock Exchange zu kaufen, der wird merken, dass diese von der Transparenz voll den griechischen Standard erfüllt.

-Der Autor besitzt Aktien der European Reliance General Insurance-

20 Gedanken zu “Versicherungsschnäppchen aus Hellas

  1. Hört sich für mich vernünftig an. Bin mit der Bank of Utica bisher gut gefahren – wieso auch nicht hier 😀
    Ist Klasse dass du hier immer wieder Werte auspackst auf die ich nie gekommen wäre. Danke!

  2. Danke für das Lob. Werde im Dezember noch n bissle was bringen. War ganz schön als Trüffelschwein unterwegs die letzten Wochen ;).

    Gruß Ulrich

  3. Bei comdirect hat es gestern leider nicht funktioniert. Es gab lediglich einen Hinweis, dass man den Kundenservice kontaktieren soll. Hatte aber noch keine Zeit dazu.

  4. Gute Arbeit! Es ist super, dass du immer wieder diese unterbewerteten Aktien findest, die sonst keiner haben will. Genau damit macht man oft die fetten Gewinne! Schau dir doch mal die Deutsche Rohstoff AG an. BG, Tom

  5. Ich lasse inzwischen normalerweise die Finger von Finanzwerten, aber das was du hier schreibst, klingt tatsächlich ziemlich interessant. Muss ich mir bei Gelegenheit mal näher anschauen…

  6. Ich lasse normalerweise von Finanztiteln die Finger, aber das hier klingt interessant. Deshalb habe ich mal angefangen, da selber reinzugucken. Bei der Bewertung habe ich Probleme die Zahlen nachzuvollziehen.
    Laut Halbjahresbericht betrug das Ergebnis je Aktie rund 0,144. Einfach hochgerechnet auf’s Jahr sind das rund 0,288. Bei einem aktuellen Kurs von 1,97 entspricht das einem KGV von 6,8.
    Du schreibst etwas von einem KGV von unter 5 und auch bei Yahoo Finance wird das KGV der letzten 12 Monate mit 4,6 angegeben. Wo ist mein Denkfehler?

    • Soweit ich es sehe ist das zweite Halbjahr immer einiges profitabler als das Erste.

      Der Unterschied scheint hauptsächlich in der KFZ Versicherung zu sein. Hier werden Aufwendungen (besonders die „Change in other insurance provisions – Own Book „) immer im ersten Halbjahr gebucht.

      Vielleicht werden am Anfang des Jahres immer Rückzahlungen für unfallfreie Fahrer gebucht oder der entscheidende Monat für den Versicherungsabschluss ist in Griechenland im ersten Halbjahr (dadurch entstehen hier die entscheidenden Kosten zum Versicherungsabschluss).

      Leider finde ich auf die Schnelle in den Berichten des Unternehmens keine genaue Definition dieses Aufwands.

      Die Motor Vehicle Versicherung machte 2015 auch im ersten Halbjahr 6 Millionen Profit und aufs ganze Jahr 20 Millionen.

      Die anderen Bereiche laufen sehr gleichmäßig übers Jahr. Mit dem Bereich Lebensversicherung ist aktuell nichts zu verdienen.

      • Mit dem Bereich Lebensversicherung ist nicht nur nichts zu verdienen. Er scheint mir immer defizitärer zu werden. 2014 war das Segmentergebnis noch ein Gewinn von 58 Mio. 2015 war es dann ein Verlust von 887 Mio. und 2016 waren es dann schon 774 Mio. nur in den ersten 6 Monaten.

        Die Rückstellungen für die eigenen Bücher stiegen im ersten Halbjahr 2016 im Bereich Lebensversicherungen am stärksten an, was wohl zu dem steigenden Verlust in diesem Bereich geführt hat. Vielleicht ist das saisonal, vielleicht auch dem Umstand geschuldet, dass die niedrigen Zinsen das Lebensversicherungsgeschäft kaputt machen.

        Ich nutze ab hier den Luxus des Privatinvestors. Ich muss nicht investieren und werde deshalb abwarten, bis die 2016’er Zahlen vorliegen. Wenn das zweite Halbjahr wieder viel besser ausfällt als das erste, werde ich vielleicht noch mal einen Versuch unternehmen zu verstehen warum das so war. Bis ich das verstanden habe, kann ich nicht investieren.

        • Hab mal kurz im Jahresbericht 2014 gesucht: „The technical result of Life Insurance was set at € 58 thousand compared to € 926
          thousand in 2013, …“.

          Die Zahlen kamen mir viel zu hoch vor. Das ganze unternehmen hat ja nur ne Bilanz von vllt. 400 Millionen (grad keine Zeit zum Nachschlagen).

          Die Story hier ist wohl, dass man in den letzten Jahren Marktanteile gewonnen hat und im Schaden/Unfalls Bereich starke Renditen machen kann. Gruß Ulrich

          • Oh sorry, habe schlampig geschaut. Die berichten tatsächlich in T-Euro und nicht in Mio., so wie ich es inzwischen gewöhnt bin.

            Anyway, ich habe mir mal ein to-do gemacht, mir im März den Report für das volle Jahr 2016 anzuschauen. So lange warte ich jetzt ab. Wenn der Kurs bis dahin stark steigt, gut für dich…

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