Teck Resources – Turnaround geglückt

Sehr geehrte Leser,

Anfang diesen Jahres hatte ich hier Teck Ressources vorgestellt. Damals war Teck Ressources von den anhaltend niedrigen Rohstoffpreisen schwer angeschlagen. Der operative cash flow schmolz zusammen und 2017 sollten auch noch zwei Anleihen von insgesamt 800 Mio. CAD fällig werden. Gleichzeitig hatte man auch noch gewisse Investitionsverpflichtungen zum Bau von Fort Hill zu erfüllen. Moodys verlieh den non-investment grade und Mr. Market erzählte sich die Geschichte einer möglichen Pleite. Somit war der Bärenmarkt perfekt. Ähnlich wie bei vielen anderen Bergbaufirmen auch. Der Kurs fiel in atemberaubendem Tempo in die Tiefe und erreichte (rückblickend) im Januar diesen Jahres sein absolutes Tief. Zu diesem Zeitpunkt waren 17% der ausstehenden Aktien leer verkauft (ca. 98 Mio. Aktien). Für den Markt schien ein klarer Fall vorzuliegen. Doch danach verbesserten sich die Dinge stetig, so dass ich im November bereits wieder zu einem guten Preis aussteigen konnte. Wie in meiner Analyse berichtet stand Teck nicht kurz vor der Pleite, auch wenn das für viele Marktteilnehmer so ausgesehen hat.

Hier die chronologische Reihenfolge der Ereignisse:

  • 11. Februar: Jahresabschlussbericht und Q4 mit bereinigtem Gewinn (etwas besser als vom Markt erwartet)
  • 26. April: trotz der angespannten Finanzlage gibt es eine Ankündigung der nächsten Quartalsdividende
  • 26. April: erneut hauch dünner Gewinn in Q1 durch Kostensenkungen
  • 23. Mai: Erneuerung der Kreditlinie – die Banken stehen Teck weiterhin bei
  • 23. Mai: Teck will für 1 Mrd. CAD seine kurz- und mittelfristigen Anleihen vorzeitig zurück kaufen
  • 26. Mai: Teck kann erfolgreich neue Anleihen für 1,25 Mrd. CAD aufnehmen (8,0% für 5-jährige und 8,5% für 8-jährige Anleihen); 250 Mio. CAD mehr als geplant
  • 28. Juli: Q2 Report – 1,4 Mrd. Cash; Vertragsabschluss zu höheren Kohlepreisen und erneut gesunkene Kosten; Fort Hill ist zu 60% fertig
  • 27. Oktober: Q3 Report mit gesteigertem Gewinn, höherem cash flow, Gewinnen aus dem Anleihenrückkaufprogramm und Fort Hill ist weiterhin im Plan

Parallel dazu haben sich seit Januar die Zink-, Kohle- und Ölpreise teils deutlich erholt. Auch Dr. Copper zeigt wieder erste Lebenszeichen. Dadurch kam vom Markt wieder ein stärkeres Interesse für Rohstoffaktien (sowie Anleihen) auf und die Preise stiegen. Es war dann gar nicht mehr nötig, dass Teck Vermögensanteile verkauft oder weitere Streaming-Deals ab schloss, um die Schulden zu tilgen. Nicht ein mal eine kleine Kapitalerhöhung war notwendig. Der Markt hat das Risiko bereitwillig übernommen. Wenn auch zu einem hohen Preis.

Für die Shortseller hatte das dramatische Folgen. Innerhalb von 10 Monaten sank der Anteil an leer verkauften Aktien von 17% auf 5,5%! Oder anders gesagt – es mussten in relativ kurzer Zeit 66 Mio. Aktien zurück gekauft werden. Diese Zockerei dürfte den Shortsellern mindestens eine dreiviertel Mrd. CAD gekostet haben. Für die Wenigen, die mutig genug waren die Aktien fast geschenkt zu nehmen, hat es sich dagegen gelohnt. Innerhalb eines dreiviertel Jahres konnte ich so eine Rendite von rund 330% einfahren. Meine Einstiegsposition hat sogar eine Rendite von 460% abgeworfen.

Das war nur möglich, weil sich der Markt grundlegend geirrt hat. Das Management hat einen sehr guten Job gemacht, die Krise so gut es geht zu managen. Es gab genug Möglichkeiten für Teck die kurzfristigen Schulden zurück zu zahlen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Pleite war sehr sehr gering, dafür war die Sicherheitsmarge gigantisch. Ich hatte mich bei meinem ursprünglichen Post um eine genaue Bewertung „gedrückt“, da der Investment case ein völlig anderer war. Ursprünglich war die These einfach nur, dass Teck nicht Pleite gehen wird und die Aktie eine Neubewertung erfährt. Mit dem stark gestiegenen Kurs musste ich dann aber doch mal eine Bewertung vornehmen. Zu aktuellen Kursen von 23-24 €/Aktie sehe ich Teck als fair bewertet an. Im November war es dann soweit und ich verkaufte bestens. Wie hoch die Zink-, Kohle- und Kupferpreise und damit der Kurs von Teck noch steigen könnte, können jetzt die Spekulanten (ohne mich) ausloten.

Core Value Investments, Sondersituationen oder auch distressed security erfordern ein anti-zyklisches Vorgehen. Ausruhen kann man sich nur mit quality oder income investments. Da Menschen Herdentiere sind, empfinden wir dabei Unbehagen uns gegen die Mehrheitsmeinung zu stellen. Auch Leerverkäufer sind Herdentiere und verstehen scheinbar nichts von Wahrscheinlichkeiten. Genau im Januar diesen Jahres erreichte, nach einem starken Anstieg, der short Anteil seinen Höchststand. Dabei macht es keinen Sinn ein Unternehmen, wo bereits die Pleite bzw. Restrukturierung eingepreist ist, noch zu shorten. In diesem Fall mit der Mehrheit mit zu gehen, in Form eines Leerverkäufers, wäre böse ausgegangen.

Da es in den nächsten Monaten etwas ruppiger an der Börse zugehen könnte, wünsche ich uns allen einen kühlen Kopf und etwas cash.

 

Wichtiger Hinweis

Leser sind angehalten alle Fakten selbst zu überprüfen und sich ihre eigene Meinung zu bilden. Der hier präsentierte Artikel ersetzt nicht die eigene Unternehmensanalyse.

2 Gedanken zu “Teck Resources – Turnaround geglückt

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