Wells Fargo Skandal – Ein Sturm im Wasserglas

Im Moment sind ja die Banken mal wieder in alle Munde. Meine Meinung zu den großen deutschen Banken hat sich leider nicht geändert. Die Werte sind zwar weit unter Buchwert, jedoch sehe ich hier einfach nicht das Geschäftsmodel.

Ein Wert, der hier ja schon mehrmals kam, ist Wells Fargo. Die (bis vor 2 Wochen)wertvollste und profitabelste der US-Mega Banken.

Die Aktie kam im September nach einen Skandal um nicht autorisierte eröffnete Konten und Kreditkarten unter Druck. Später dazu…

Rein von den Zahlen lief bei Wells Fargo dieses Jahr jedoch alles eigentlich ganz gut

…Ausgegebene Kredite +9%, Kundeneinlagen +4%. Dazu eine solide Bilanz, geringe Hebel und weiterhin gute Kreditqualität (Stress Test lässt grüßen). Dazu hier nur kurz ein Auszug aus Quartalsbericht zu den vergebenen Immobilien-Krediten:
Real Estate Loan to Value Wells Fargo
Das große Attraktivitätsmerkmal an Wells Fargo ist für mich weiterhin, dass die Firma sehr geringe Hebel nutzt (ok, dies stimmt inzwischen für fast alle großen Banken), die gute Kreditqualität, den sehr geringen Anteil am Derivatehandel und das weiterhin gute Wachstum im US-Markt.

Die US-Banken werden öfters schon mit Versorger-Aktien (das waren mal die Waisen- und Witwenpapiere von RWE 😉 ) gleichgesetzt. Dies liegt einfach daran, dass eine Wirtschaft Banken zwingend braucht, diese profitabel sein sollen und (zumindest in den USA) einigermaßen profitabel sind. Die Regularien und Stresstests sind inzwischen derart heftig, dass die Eigenkapital-Renditen sich hier langfristig recht sicher bei 10 bis 15% bewegen sollten.. bei doch inzwischen sehr,sehr überschaubaren Risiken.

Natürlich gibt es auch etwas Negatives. Der Spread (also die Differenz zwischen Zinsertrag und Zinsaufwand) nahm auch bei Wells Fargo im zweiten Quartal leicht ab. Was jedoch aufgrund des niedrigen Zinsumfelds nicht weiter verwunderlich ist.
Wells Fargo Net Interest margin 2015 2016
Dies ist im Grunde schon das Einzige was mir fundamental bei Wells Fargo ein wenig Sorgen macht.

Der Skandal

Beim Skandal um Wells Fargo geht es im Prinzip darum, dass wohl einige Mitarbeiter (Vornehmlich im Süd-Westen der USA) ungefragt circa 2 Millionen (die Zahl ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen) Konten eröffnet haben. Der Grund war wohl, dass wohl einige Mitarbeiter sich erhofften so ihre Leistungsvorgaben zu erreichen oder einen Bonus einzuheimsen.

Von offizieller Seite wurden Wells Fargo daraufhin 185 Millionen Dollar an Strafe aufgebrummt. Der Schaden an sich dürfte auch nicht höher gewesen sein. Wenn der Kunde von seinem Konto nichts weiß, dann können ja auch schlecht (bis auf die paar „bereits rückerstatteten Gebühren“) große Kosten entstehen.

Natürlich kommen im Umfeld des Skandals nun wieder einige Themen (passend zum US-Wahlkampf) hoch. Managementvergütung, gierige Banksters etc. etc…

Ein Non-Event?

Für mich ist der ganze Skandal ein wenig ein Sturm im Wasserglas. Wells Fargo ist eine Bank mit großen profitablen Teilbereichen wie der Vermögensverwaltung. Durch die paar eröffneten Konten (durch die niemand ernsthaft zu Schaden kam) sind keine Kredite ausgefallen. Es hat sich also an der Zahlenseite nichts verändert. Wells Fargo wird (wenn nichts weiter bekannt wird) im Oktober wieder einen Milliardengewinn vermelden und alles läuft wie bisher weiter.

Fazit:

Die Aktie von Wells Fargo ( WKN: 857949 / ISIN: US9497461015/ Ticker: wfc ) ist gerade bei einen tangible Buchwert von circa 1,5 und einem KGV von 11 (Kurs um die 45$).

Dies geht für ein langfristiges Investment für mich schwer in Ordnung. Die Bank erwirtschaftet fast die Hälfte seiner Umsätze im nicht-zinsabhängigen Geschäft und ist daher auch für längere Niedrig-Zins-Phasen besser gerüstet als viele Konkurrenten. Dazu kommt die Phantasie einer Zinsanhebung nach den US-Wahlen, die langfristig Finanzwerte wieder mehr in den Mittelpunkt stellen sollten. Der Wert kann natürlich noch weiter runtergehen(wird aber langfristig interessant)

Für eine Diskussion zu dem Thema bin ich immer zu haben.

Gruß Ulrich (hält Aktien an Wells Fargo & Company)

7 Gedanken zu “Wells Fargo Skandal – Ein Sturm im Wasserglas

  1. Hallo Ulrich,

    viele Leute halten ja Wells Fargo nur, weil Buffett sie hält. Und Buffett ist ja unbestritten einer der besten (wenn nicht der beste) Investoren im Bankenbereich. Von daher wird es interessant zu sehen, was er macht. Aber aus meiner Sicht scheint das nur ein temporäres Problem zu sein. Man weiß aber nie, was im Zuge solcher Ermittlungen dann noch so alles zu Tage tritt…

    Ich persönlich halte mich bei Banken immer zurück, weil ich einfach zu doof für eine Analyse einer Bank bin. Aber das ist auf jeden Fall nochmal ein Punkt auf meiner Weiterbildungs-TODO-Liste 🙂

    PS: Schreibt mal wieder ein paar mehr Beiträge 🙂

  2. Hi Ulrich!
    Schön mal wieder einen Artikel von dir zu lesen. Und fundiert wie immer. Hab fürs Depot meines Vaters auch ein paar Wells Fargo Aktien gekauft gehabt und mache mir keine Sorgen. Werd die ewig liegen lassen…

    P.S.: hatte dir mal ne SMS geschrieben, lass mal was von dir hören

    Gruss
    Stefan

    • Ja, mein Handy ist kaputt gegangen und ich hatte ja nen Windows Handy und hab mir jetzt (da es schnell gehen musste) ein Android geholt (ist schon n paar Wochen her). Jetzt hab ich viele Kontakte und SMS nimmer, ich kuck mal ob ich die SMS noch finde.

      Übrigens wer Zeit hat kann sich mal diese Verhöre von CEO Stumpf duch diese Kongressabgeordneten anschauen. Das Ganze finde ich schon fast lächerlich, da hier ja nicht wirklich Leute zu schaden gekommen sind… Wenn ich bedenke was für Sauereien da in anderen Branchen oder Banken laufen finde ich es Wahnsinn was hier von den Politiker für eine Entrüstung vorgespielt wird^^.

  3. Hallo Ulrich,

    schön mal wieder etwas von dir zu lesen. Dein blog war lange offline und auf meine Email hast du nicht reagiert. Hast du noch Lust weiter zu machen?

    zu Wells Fargo:
    Ich habe mir die Bank nie näher angeschaut. Aber der Skandal offenbart zum tausendsten Male das mit dieser Branche etwas nicht stimmt. Die Mitarbeiter und Vorgesetzte sind meist nur an ihrer persönlichen Bereicherung interessiert und haben keine Ehre. Als Aktionär kann man nur verlieren. Außer man hat so viel Einfluss, dass man das Entlohnungssystem vorgeben kann.

    Natürlich ist hier ein Schaden entstanden. Einerseits ein PR Schaden, dass die Bank unglaubwürdig werden lässt. Und auch der Bank selbst ist ein Schaden durch unrechtmäßig geflossene Boni und die anschließende Strafzahlung entstanden.

  4. Ich denke auch dieser „Skandal“ kann ausgestanden werden. Man sieht ja auch an der Höhe der Strafe (185 Mio.) wie der Schaden zu bewerten ist (zum Vergleich bei der Deutschen wird von 14 Mrd. $ gesprochen).

    Das Bankgeschäft hat halt viel mit Vertrauen zu tun und solche Geschichten sind da Gift. Leute fragen sich automatisch ob da noch mehr im Busch ist. Wells war eher ein Kandidat bei dem man sowas nicht erwartet hat.

    • Revenue Mix Wells Fargo interest non interest
      Components of wells fargo non-interest revuen
      Wie man sieht sind die eigentlichen „Fees“ am ende nicht einmal ein Achtel des gesamten Umsatzes. Vorallen sind ja maximal!!! 2 Millionen Konten betroffen. Also ein sehr kleiner Bruchteil der Kundschaft und diese wussten nichts von den Konten, haben also auch kaum Gebühren darauf erzeugen können.

      Die Frage ist letztlich, ob die politische Hexenjagd weitergeht und wie lange es bis zum nächsten heißen Thema dauert (dass den Blick von Wells Fargo lenkt).

      Der eigentliche Sachverhalt ist unbedentklich für Wells Fargo Aktionäre.

      • zusätzlich zu den mrd die die deutsche bank möglicherweise zahlen muss kommen auch noch ungefähr 7000.klagen dazu.
        der deutschen bank laufen deswegen auch nicht die kunden weg.
        das durchschnittliche volk vergisst schnell,das ist gerade einmal am tag der veröffentlichung interressant.
        also wenn ich als kunde von wells fargo so über den tisch gezogen worden wäre dann würde ich mich über die entschädigungszahlung freuen und weiterhin bei der bank als kunde bleiben,den meine meinung hätte sich sowieso über den ganzen bankensektor nicht geändert, lauter gauner.
        wie kostolany so schön sagte:die banken gehören alle zugesperrt und die banker alle eingesperrt.

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