Kennzahlenvergleich Eisenbahnen – Teil 1

nun mal wieder ein Beitrag von mir. Ich hoffe ihr konntet die Turbulenzen am Jahresanfang nutzen um günstig nachzukaufen. Ich habe es jedenfalls getan, nicht bei den Eisenbahnen, die waren mir noch nicht günstig genug. Jedoch habe ich mich die letzte Zeit damit beschäftigt und möchte es euch nicht vorenthalten.

Grundsätzliches

Eisenbahnen transportieren Fahrgäste und Güter, wobei vor allem mit dem Güterverkehr das Geld verdient wird.

Das Geschäft hat aber leider einen großen Nachteil, der jedoch auch zum Vorteil werden kann:

Es ist extrem kapitalintensiv eine Bahnlinie zu unterhalten!!! Steht der Beschluss eine Linie von A nach B zu bauen, muss als erstes ein Gelände auserkoren werden auf der die Trasse gebaut werden kann. Dieses Land muss man nun erstmal in Besitz nehmen (mit allen Rechtsschwierigkeiten). Des Weiteren müssen der Bau etc. genehmigt, geplant und durchgeführt werden. Die Strecke muss befestigt, evtl. erst entwässert werden, Berge versetzt oder Tunnel gesprengt werden. Dazu kommt der Kauf von Lokomotiven, Wagen und Equipment. Das alles dauert ziemlich lange. Während immer noch kein Geld verdient wird, wird es bereits ausgegeben. Ist die Strecke eröffnet sind ständig Erhaltungsinvestitionen nötig.

Um eine Strecke zu eröffnen und betreiben ist also viel Kapital nötig. Das ganze hat jedoch auch einen Vorteil:

Ist die Strecke erst eröffnet und kann profitabel bewirtschaftet werden, ist es für jeden potenziellen Konkurrenten teuer zur Konkurrenz zu werden, keine schlechte Markteintrittsbarriere! Im Idealfall ergibt sich eine Monopolstellung für das Unternehmen.

Gerade auf langen Strecken ist die Bahn LKW’s, Flugzeugen und Schiffen preislich überlegen.

Nichts desto trotz transportieren Eisenbahnen Güter und sind und bleiben damit konjunkturanfällig. Wir werden sehen in wie weit dies Auswirkungen auf die Unternehmen hat. Die Krise 2009 gibt einen guten Eindruck davon ab.

Bahnbetreiber gibt es viele, einige Unternehmen/ Regionen habe ich von dem Vergleich ausgeschlossen:

  • Unternehmen bei der die Eisenbahn nicht den Hauptteil des Geschäfts ausmacht
  • Unternehmen die hauptsächlich in instabilen/ rechtlich- oder sonst wie unsicheren Ländern operieren
  • Unternehmen mit weniger als 1 Mrd. $ Umsatz
  • Unternehmen mit nur regionalem Geschäft
  • Unternehmen die keine Bahn betreiben, sondern als Zulieferer agieren
  • japanische Unternehmen – Hintergrund ist folgender: Die japanische Gesellschaft altert. Externer Zuzug nach Japan existiert, ist aber nicht nennenswert. Eine schrumpfende Gesellschaft ist keine gute Basis. Bei einem exportierendem Unternehmen mag das keine große Rolle spielen – eine Bahn ist aber an das Land gebunden auf dem sie steht. Für mich deshalb ein K.O. Krtierium.
  • Flächenmäßig kleine Länder – der Transport per Eisenbahn macht vor allem auf längeren Strecken Sinn, ab da ist die Bahn dem LKW überlegen – die deutsche Bahn ist im Gegenzug zu amerikanischen Bahnen deutlich weniger profitabel (was aber verm. nicht nur an der Streckenlänge liegt 🙂

Zum Schluss blieben mehr oder weniger nur die nordamerikanischen Bahnen übrig. Der nordamerikanische Markt ist insofern interessant, als dass die großen, national operierenden Unternehmen den Markt unter sich aufgeteilt haben. Ihre Streckennetze kommen sich zum großen Teil nicht in die Quere. Man kann getrost von einem Oligopol mit monopolartigen Zügen sprechen.

Dazu kommt, dass in Nordamerika, insbesondere in den USA die nächsten Jahrzehnte die Bevölkerung deutlich wachsen soll. Während aktuell ca. 322 Mio. Menschen die USA bevölkern sollen es nach Prognosen im Jahr 2050 ca. 400 Mio. sein. In Kanada leben derzeit ca. 35,8 Mio. Menschen, 2050 sollen es dann ca. 43 Mio. sein. Mehr Einwohner bedeutet zwangsläufig auch mehr Güterverkehr.

Das reicht natürlich bei weitem nicht als Kaufargument, als buy and hold Investor sollte man die Entwicklung aber doch im Hinterkopf haben.

Unternehmen 

Kommen wir nun zu den Unternehmen, die es in den Vergleich geschafft haben. Ich werde diese erstmal grob vorstellen, bevor wir einen Blick auf das Zahlenwerk werfen.

Die Canadian National Railway mit Sitz in Montreal wurde 1918 gegründet und ist eine der 2 großen kanadischen Eisenbahnen mit einem Streckennetz von ca. 19.600 Meilen, 2.100 Lokomotiven und 24.600 Mitarbeitern.

Die Bahn wurde von der kanadischen Regierung gegründet um dem Zusammenbruch des Transportsystems zuvorzukommen, nachdem mehrere Eisenbahnen Konkurs anmelden mussten.

Bis in die 80er Jahre machte die Bahn meist Verlust, da sie weniger wirtschaftlichen als eher politischen Zielen folgte. Nach der Umwandlung in ein gewinnorientiertes, aber immer noch staatlich kontrolliertes Unternehmen wurden Strecken geschlossen und teils verkauft, der Einkauf nach wirtschaftlichen Ergebnissen ausgerichtet und die Frachtraten selbst festgelegt. Von da an ging es wirtschaftlich mit der Bahn aufwärts. Auch andere Bereiche, besser gesagt Wildwuchs, wurde nach und nach abgestoßen (Hotel, LKW-Flotte, Hochhaus, Telekommunikationsunternehmen, Grundbesitz).

Im Vorfeld des Börsengangs wurden ineffiziente Strukturen beseitigt. Im November 1995 folgte der Börsengang. Im Vorfeld erließ die Regierung ein Gesetz, welches besagt, dass niemand mehr als 15% an der Bahn halten dürfe und der Sitz nicht aus Montreal verlegt werden darf.

Frachtmix CNNetz CN

Die zweite große, kanadische Eisenbahngesellschaft ist die Canadian Pacific Railway. Die Gesellschaft wurde 1881 gegründet und betreibt ein 14.000 Meilen langes Streckennetz mit ca. 13.700 Mitarbeitern. Wie die Canadian National ist auch die Canadian Pacific vor allem in Kanada, aber auch in den USA tätig.
Das Unternehmen war aber immer schon privat organisiert. Bis zum Jahr 2001 war sie ein Teil der Canadian Pacific Limited, ein Konzern, der die Bereiche Eisenbahn, Tourismus, Telekommunikation, LKW-Transport, Fluggesellschaften, Bergbau und Schifffahrt umfasste, bevor der Konzern sich aufspaltete.

Frachtmix CPR Netz CPR

Im nächsten Teil werde ich die noch fehlenden Unternehmen (Union Pacific, Kansas City Southern, Norfolk Southern, CSX und Genesee&Wyoming) vorstellen, bevor wir einen Blick in die Zahlen werfen.

8 Gedanken zu “Kennzahlenvergleich Eisenbahnen – Teil 1

  1. Spitze, bin ebenfalls gerade dabei, mir diese Unternehmen anzusehen. Ich stimme dir zu – momentan zu teuer, aber irgendwann sicher wieder interessant.

    Derweil sieht mir die Canadian National, rein von der operativen Effizienz her, am interessantesten aus. Ich bin aber noch nicht durch.

    Ich freue mich schon auf die Folge-Artikel.

    Gruß
    Tom

    • Super, bin mal gespannt auf deine Sicht der Dinge.
      Canadian National hat echt was, super ValueUnternehmen und das in einer zyklischen Branche.

      Gruß
      Valueer

  2. @Valueer
    Wieso zyklische Branche? Schwanken die Transportmengen wirklich so stark? Der Großteil des Gütermixes dürfte auch in Schwächephasen nur wenig zurück gehen. Konsumiert wird auch in harten Zeiten. Allenfalls der Transport für die Automobilindustrie geht dann zurück.

    @David
    Danke für deinen Artikel!
    Prüfen solltest du noch wie das Geschäftsmodell finanziell aufgebaut ist. Gibt es langfristige Verträge zum Transport der Waren? Sind die Transportkosten fix oder abhängig von Mengen/Güterpreisen?

    Konkurrenz droht den US Bahnen z. B. durch neue Pipelines im Öl- & Gassektor. Und vielleicht auch durch die niedrigen Spritpreise. Andere Angriffsflächen fallen mir auch nicht ein (von staatlichen Eingriffen mal abgesehen).

    • Hallo Mafir, toll mal wieder von dir zu hören!
      Da Valueer und David die selbe Person sind, erlaub ich mir für beide zu antworten :
      Die Branche ist definitiv zyklisch, den besten Eindruck gibt die Krise 2009. Die Zahlen werde ich beim Umsatz und Gewinn beleuchten. Somit sehen wir dann auch in der Praxis, wie schnell deren Kunden die Mengen reduzieren und Preisnachlässe durchsetzen können.

      Pipelines stellen so gut wie keine Konkurrenz dar. Seit 100 Jahren wird kaum Öl per Bahn transportiert. Damals setzte sich John D. Rockefeller (Ölproduzent) gegen sie Vanderbilts (Eisenbahnbetreiber) u.a. durch, in dem er auf Pipelines setzte und die Eisenbahnbetreiber aus dem Markt drängte.
      Gibt interessante Dokus über den Aufstieg der Rockefellers!

      Gruß
      Valueer

      • Ok dann bin ich mal gespannt auf deine Folgeartikel 😉

        Bei Canadian National steht aber 20,5% Petroleum & Chemie. So ein kleiner Umsatzanteil ist das nicht.

        • Die Sparte müsste man normalerweise als Chemicals&Petroleum bezeichnen, genau in der Reihenfolge.
          Die ofizielle Bezecihnung lautet aber anders rum. Das Petroleum macht <6% vom Gesamtumsatz aus. Einen kleinen Teil also.

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