Bank of America – Buffets zweitliebste Bank; jetzt ein Kauf?

Die großen amerikanischen Banken sind in besserer Verfassung als vor der Finanzkrise 2008/2009. Warren Buffett sagt sogar, dass sie in so stabiler Verfassung sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Bekannt ist ja, dass Warren Buffetts größte Aktienposition die Wells Fargo Bank aus San Francisco ist. Weniger bekannt ist, dass Berkshire Hathaway -verdeckt- auch massiv an der Bank of America beteiligt ist.

In der amerikanischen Bankenkrise stand Buffett der Bank of America mit Krediten zur Seite und erhielt eine Kaufoption für Bank of America Aktien. Das Volumen: 5 Milliarden $ zum Kurs von 7,14$.

Aktueller Kurs des Bank of America Anteilsscheins: 12,95$, das wird ein schöner Gewinn für Berkshire Aktionäre werden.

Buffett hat mehrmals angekündigt von seiner Kaufoption Gebrauch zu machen. Er wird also in den nächsten Jahren (Ablaufdatum müsste ich nachschlagen) 700280112 Aktien der Bank of America erwerben.

Diese hätten aktuell einen Marktwert von 9,07 Milliarden Dollar und wären damit Buffets zweitgrößte Bankbeteiligung im Portfolio.

Ok, warum schreibe ich das überhaupt. Natürlich weil der Name Warren Buffett immer Leser anlockt und zum anderen die Bank of America Aktie (BAC) aktuell wirklich einen Blick wert ist

Amerikanische Großbank unter Buchwert
Bank of America Aktie Logo, Wertpapierdepot, Lebensversicherungen, Finanzvertrieb
Die Bank of America (BAC) ist hauptsächlich eine Mainstreet-Bank. Tätigsfelder sind hauptsächlich die traditionellen Bereiche: Einlagen, Kredite und Vermögensverwaltung.

Deswegen halte ich hier den Buchwert für einen relativ zuverlässigen Indikator, da wir uns hier nicht mit einer Zockerbude beschäftigen.

Der „Tangible Bookvalue“ pro Aktie bei der Bank of America liegt derzeit bei 15,62US$ (*tangible: hier sind nicht berechenbare Vermögenswerte wie Goodwill etc. bereits abgezogen).

Die BAC-Aktie wird aktuell also unter dem Substanzwert gehandelt.

Nun war für mich natürlich die Frage -warum?-dies der Fall ist, da inzwischen ja viele amerikanischen Banken wieder mit einem kräftigen Aufschlag zum Buchwert gehandelt werden. Bei einer Marktkapitalisierung von 134 Milliarden Dollar schließe ich aus, dass die Aktie schlicht übersehen wird 😉 .

Also bleiben für den Abschlag zum Buchwert nur zwei rationale Gründe

a) Die Bank steht auf wackeligen Füssen

oder

b) Die Bank hat eine schlechte Rentabilität

a) Stabilitätscheck

Zum 31.Dezember 2015 hatte die Bank of America 903 Milliarden US Dollar ausgeliehen. Das harte Eigenkapital belief sich auf 162,1 Milliarden Dollar. Dies ergibt einen Hebelfaktor von 5,57. Bei Wells Fargo ist das Hebelverhältnis „Kredite zu Hartem Eigenkapital“ mit dem Faktor 5,36 nur verschwindend niedriger. Auch bei anderen Bilanzpositionen konnte ich keine auffällige Schwäche entdecken. Beim durchstöbern des letzten Quartalsberichts gewann ich den Eindruck einer recht konservativen Kreditvergabe.

Das Risiko auf heftige Überraschungen scheint mir wesentlich geringer als 2007 oder 2008. Dort wurde mit wesentlich größeren Hebelfaktoren gearbeitet.

b) Es muss die Rentabilität sein

Niedriges Wirtschaftswachstum, niedrige Zinsen = wenig Rendite. Zumindest in einem Geschäft wie der Kreditvergabe, wo die Vergleichbarkeit für den Kunden gegeben ist und dadurch kein Wettbewerber wesentlich höhere Zinsen verlangen kann. Niedrige Zinsen sind der große Unsicherheitsfaktor in weiten Teilen der Finanzbranche.

Bank of America ist weniger effizient als die Konkurrenz:

Die Bank of America musste im dritten Quartal 2015 66 Cent aufwenden, um einen Dollar Umsatz zu generieren. Bei der Wells Fargo Bank waren es 56,7 Cent.

Für das vierte Quartal 2015 konnte die Bank of America eine Eigenkapitalrendite von 7,3% erreichen. Die Wells Fargo Bank kam auf 12,23%. 5% mehr Eigenkapitalrendite, das macht sich auf längeren Strecken stark bemerkbar. Also ist die Frage „warum ist Wells Fargo so viel rentabler als die Bank of America“?

Bank of America Wells Fargo
Bilanzsumme/Mitarbeiter 10,5 Millionen US$ (2014) 6,5Mio $ (2015)
Bilanzsumme/Niederlassungen 433 Mio $ 286 Mio $
Mitarbeiter 200000 275000
Geschäftsstellen 4852 6254
Bilanzsumme 2000 Milliarden (2014) 1790 Milliarden $ (2015)

( Quellen: wikipedia.com , usbanklocations.com )

Dies ist eine gute Frage. Eigentlich bewegt die Bank of America mehr Geld mit weniger Mitarbeitern und weniger Filialen. Es wäre also relativ logisch, dass die Kostenstruktur hier besser ist und man daher als vergleichbares Finanzunternehmen die bessere Rentabilität besitzt.

Zusätzliche zinsunabhängige Erträge / Additional noninterest income
Bank of America Wells Fargo
2014 9M 2015 2014 9M 2015
Erträge 18,475 Mrd.$ 13,264 Mrd.$ 17,92 Mrd.$ 14,24 Mrd.$
Aufwendungen 21,1 Mrd.$ 11,424 Mrd.$ 11,95 Mrd.$ 8,647 Mrd.$
Ergebnis -2,63 1,84 Mrd.$ 5,97 Mrd.$ 5,593 Mrd.$

( Quelle: fdic.com , Federal Deposit Insurance Company )

Hier zeigt sich sehr deutlich wie Wells Fargo die Rentabilitätskrone der US Großbanken erreicht hat. Fonds, Vermögensverwaltung, Gebühren, Gebühren, Gebühren. Anscheinend hat Wells Fargo ein wesentlich besseres Händchen dafür seinen Kunden Zusatzdienstleistungen zu vermitteln als die Konkurrenz.

Die Zahlen sind aber ein wenig verfälscht, da die Bank of America bis 2014 etliche Rechtsstreitigkeiten zu führen hatte (Stichwort Hypothekenkrise), die enorme Zusatz-Kosten nach sich zogen.

Bank of America Aktie Wells Fargo Aktie
WKN 858388

857949

ISIN US0605051046 US9497461015
Kürzel BAC WFC
Kurs 12,95 US$ 47,86 US$
KGV (2015) 9,89 11,53
Tangible Buchwert 15,62$ 25,82$
Eigenkapitalrendite (tangible) 9,08% 17,72%
Dividendenrendite 1,54% 3,13%
Branche Universal-Bank Universal-Bank

Fazit

Die Wells Fargo Aktie ist ein tolles Investment (kam übrigens hier schon einmal in meinem Blog vor). Ohne besondere Risiken einzugehen fährt Buffetts Lieblingsbank Jahr für Jahr doppelstelligen Eigenkapitalrenditen. Dank genügend Zusatzerträgen aus Vermögensverwaltung und anderer Dienstleistungen kann auch das Niedrigszinsumfeld diese Bank nicht vom Geldverdienen abhalten. Zu teuer ist der Wert für den langfristigen Einstieg aber dennoch noch nicht.

Nun aber zum eigentlichen Thema „Bank of America“. Die Bank hat vor allem durch seine Übernahmen von Countrywide Financial mächtig Ärger und Rechtskosten gehabt. Countrywide wurde 2008 von der Bank of America unternommen. Die Übernahme der Hypothekenbank gilt als einer der größten Übernahmefehler der Geschichte, da Countrywide haufenweise Subprime-Kredite als sicher deklariert hat und so Milliardenkosten entstanden.

Doch dies scheinen Probleme der Vergangenheit zu sein. Heute haben wir es mit der Bank of America mit einer soliden amerikanischen Großbank mit aufgeräumter Bilanz und guter Marktstellung zu tun.

Die Aktie der Bank of America halte ich zu aktuellen Kursen langfristig für interessant. Sie ist günstig und sollte bei einem langsamen Zinsanstieg in den USA zu den Profiteuren gehören. Falls die Zinswende doch schon bald wieder ins stocken kommt, dann sollte die Bank of America Aktie günstig genug sein, um nur noch überschaubare Abwärtsrisiken zu besitzen.

4 Gedanken zu “Bank of America – Buffets zweitliebste Bank; jetzt ein Kauf?

  1. 2011 stieg Buffett ein und zwar durch eine in zwei Teile strukturierte Transaktion. Für 5 Mrd. USD kaufte er „Cumulative Perpetual Preferred Stocks“, die keine Laufzeitbeschränkung haben und jährlich 6% an Zinsen abwerfen. Sie können nicht in „Common Stocks“ (Stammaktien) getauscht werden. Aber Warren Buffett wäre nicht Warren Buffett, gäbe es nicht den zweiten Part. Denn zusätzlich erhielt er „Warrants“ (Wandeloptionen), die es ihm erlauben, bis September 2021 für 5 Mrd. USD BoA-Aktien zu kaufen und zwar zu einem festgelegten Preis von 7,14 USD je Aktie. Bei Ausübung dieser Option würde Buffett 6,5% an BoA übernehmen.

    Weitere Infos zu noch mehr solchen „verdeckten“ Geschäften habe ich unter dem folgenden Link zusammengetragen: http://www.intelligent-investieren.net/search/label/Und%20was%20tat%20Warren%20Buffett%3F. Neben BoA auch zu Dow Chemical und Goldman Sachs.

  2. Sehr interessanter Artikel Ulrich.

    Den Buchwert bei Banken heranzuziehen halte ich aber für gefährlich. Die Deutsche Bank notiert auch seit langem deutlich unter Buchwert. Und nun schau dir das Drama an…

    Würde aber auch immer eine US Bank einer Deutschen oder Commerzbank vorziehen. Die kann man ja echt vergessen langfristig.

    Interessant könnten auch JP Morgan und Morgan Stanley sein -ohne mich jetzt näher mit deren Bewertung beschäftigt zu haben.

    Von JP Morgan und besonders deren Chef Jamie Dimon hält Buffett ernorm viel.

    Die goldenen Zeiten für Wells Fargo und Co. (also die großen Hypothekenbanken) sollen erst noch kommen wenn die Zinsen mal wieder Normalniveau haben werden laut Buffett…

    • Hallo Stefan, denke auch, dass es hier mit normalerem Zinsniveau eher besser wird (hängt aber davon ab wie schnell Zinsen eventuell in der Zukunft steigen. Ein eher langsamer Anstieg dürfte für viele Geldhäuse besser sein).

      Die Deutsche Bank handelt meines erachtens aufgrund des niedrigen Eigenkapitals der Aktionäre zu diesen Kursen. Die Deutsche Bank hat soweit ich das sehe enorme Handelsaktivitäten und Derivatebestände, die größer sind als die der großen US Banken.

      Der Leverage-Faktor (Hebel) bei der Deutschen Bank auf das Eigenkapital aus Aktien ist wesentlich größer (wirklich wesentlich 🙂 ). Die Kapitalanforderungen erfüllt die Deutsche Bank wahrscheinlich grösstenteils mit Nachrangigen-Anleihen, CoCo-Bonds etc.

      Damit können zwar regulatorische Anforderungen erfüllt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei Problemen im Finanzmarkt die Aktionäre der Deutschen Bank schnell ihren Buchwert verlieren ist höher als bei den großen Amerikanischen Banken (die hier diskutiert werden).

      Die Aktionäre werden als erstes bluten, erst dann kommen die anderen Kapitalgeber dran. Also sind Anleger nur bereit bei enormem Abschlag zum Buchwert noch Kapital zu stellen.
      Dadurch erklärt sich der extreme Abschlag zum Buchwert. Würde der Deutschen Bank sicherlich auch nicht den vollen Buchwert pro Aktie von 30Euro zugestehen, das Risiko ist hier doch nicht unerheblich.

      Gruß Ulrich und guten Start in die Woche

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