Heute im Sonderangebot: Lundin Mining

Sehr geehrte Leser,

nach dem ich schon einige Unternehmen aus der Goldminen und Ölbranche vorgestellt habe, kommt heute ein Kupferproduzent an die Reihe. Auch der Kupferpreis steckt in einem fortgeschrittenen Bärenmarkt fest und hat sich seit 2011 mehr als halbiert. Entsprechend hatten auch Kupferproduzenten seit dem nichts mehr zu lachen. Für Value Investoren bietet sich auch hier die Chance gute Unternehmen zu günstigen Preisen zu erwerben, bevor die breite Masse Rohstoffe wieder entdeckt. Eines davon ist meiner Meinung nach Lundin Mining.

Beim Kupfer gilt generell das gleiche Problem wie beim Gold. Weltweit haben die Minenunternehmen mit fallenden Graden und zu wenigen Neuentdeckungen von Vorkommen zu kämpfen. Inzwischen gilt alles über 1 g/t schon als high grade. Das treibt die Produktionskosten in die Höhe und erfordert dadurch langfristig auch höhere Preise (oder eine fallende Nachfrage).

copper_grade_decline

Da Kupfer für unsere Zivilisation unerlässlich ist, wird auch zukünftig eine robuste Nachfrage bestehen, selbst wenn China langsamer wachsen sollte (China verbraucht fast 40% des weltweiten Angebots). Treiber für eine höhere Nachfrage wären insbesondere Länder wie Indien, Südamerika oder Afrika, falls diese einmal wirtschaftlich aufholen sollten. Hier wären gigantische Mengen Kupfer, Stahl usw. nötig, um überhaupt erst einmal eine brauchbare Infrastruktur aufzubauen

Die mit Abstand höchsten Reserven weltweit hat übrigens Chile. Auch ist Chile über den Staatskonzern Codelco der größte Kupferproduzent weltweit. Nach dem Stand von 2014 reichen die weltweiten Reserven noch deutlich über 35 Jahre (zum vergl. Gold <20).

Das Unternehmen

Börsenkürzel (Toronto) LUN
WKN / ISIN A0B7XJ / CA5503721063
Marktkapitalisierung ca. 1,96 Mrd. US $
Aktienanzahl 719,509 Mio.
Homepage http://www.lundinmining.com
Free float ca. 87 %
Aktueller Kurs 2,76 US $ / 2,6 €
Dividendenrendite

Kurzvorstellung

Lundin Mining gehört zur Lundin Gruppe und produziert (nach Umsatz gesehen) hauptsächlich Kupfer, Nickel und Zink. Die Lundin Gruppe wurde von Adolf Lundin gegründet und umfasst verschiedene eigenständige Firmen in der Öl und Minenbranche (z. B. Lundin Gold, Lundin Energy usw.). Interessant hieran ist, dass die Gründerfamilie Anteile hält und natürlich an einer fortlaufenden Erfolgsstory interessiert ist (ähnlich wie bei Buenaventura). Bisher waren diese Unternehmen auch sehr erfolgreich und haben die Familie reich gemacht.

Lundin Mining selbst wurde (ursprünglich als South Atlantic Diamonds Corp.) 1994 gegründet und kam 2004 an die Börse in Toronto. 2006 fand ein Merge zwischen Lundin Mining und EuroZinc Mining Corp statt. Später erfolgten einige Zukäufe, durch welche die Firma weiter wuchs.

Lundin Mining besitzt derzeit 6 Minen und eine Fabrik:

Mine Land Rohstoffe
Candelaria Minenkomplex* Chile Kupfer, Gold und Silber
Eagle Mine USA Nickel und Kupfer
Neves-Corvo Portugal Kupfer und Zink
Zinkgruvan Schweden Zink, Blei und Kupfer
Aguablanca Spanien Nickel und Kupfer
Tenke Fungurume* Demokratische Republik Kongo Kupfer und Kobalt
Freeport Cobalt* Finnland Kobalt-Chemie-Fabrik

Minen die mit * gekennzeichnet wurden sind JV mit anderen Bergbaukonzernen, z. B. Freeport McMoRan.

Lundin Mining operiert, abgesehen von DRC, in Bergbau-freundlichen bzw. politisch sicheren Ländern. Allerdings dürfte der starke Dollar die Kosten der Eagle Mine eher weiter in die Höhe treiben. So stiegen die cash costs für den Hauptrohstoff Nickel von Q1 bis Q3 diesen Jahres von 1,45 auf 2,38 USD/Pfund. Der starke USD wirkt hier als zusätzlicher Nachteil, zu den bereits schon fallenden Rohstoffpreisen. Auch der Nickelpreis ist seit seinem Zwischenhoch 2014 stark unter die Räder gekommen. Innerhalb von ungefähr einem Jahr hat sich der Preis halbiert. Bei 20.093 t Produktion in 3 Quartalen ergibt das schon 191 Mio. USD weniger Umsatz, als man noch vor einem Jahr hätte erlösen können.

Die Kupferreserven werden mit knapp 3,8 Mio. t beziffert (ca. 0,5% der weltweiten Reserven). Geht man von etwa 250 tausend Tonnen Kupferproduktion pro Jahr aus (rund 1,3% der Weltproduktion), dann reichen die aktuellen Reserven für mehr als 15 Jahre. Genug Zeit um von der nächsten Hausse zu profitieren.

Die finanzielle Situation

vorab wieder ein paar Kennzahlen basierend auf dem Q3 Report:

KGV ~ 23,7
KBV ~ 0,47
KUV ~ 1,43
KCV ~ 3,27
EK-Quote ~ 58,1%
Gearing ~ 10,3%
Net-Net pro Aktie
Net working capital je Aktie 33%
Anlagendeckungsgrad I ~ 67%
Anlagendeckungsgrad II ~ 104%
Liquiditätsgrad I ~ 162%
Liquiditätsgrad II ~ 72%
Liquiditätsgrad III ~ 295%
Theoretische Schuldentilgungsdauer 1,1 Jahre
Moody’s rating Ba2 (nicht mehr ganz aktuell)

Wegen der rasant gefallenen Rohstoffpreise ist eine nähere Betrachtung des KGV’s nicht hilfreich. Ich werde später zeigen wie man über den cash flow und Buchwert den Wert des Unternehmens abschätzen kann.

Positiv fällt auf, dass Lundin Mining sehr robust in die Krise gestartet ist. Die cash Position ist im Vergleich zu den Schulden sehr hoch bzw. die Finanzschulden sind gering. Der Zinsaufwand für die Finanzschulden liegt nur bei ca. 6% des OCF. Lundin Mining hat also gute Voraussetzungen den Bärenmarkt zu überstehen und durch billige Zukäufe auch noch zu wachsen.

Trotzdem wird das Unternehmen deutlich unter Buchwert und gerade einmal zum 3 fachen des jährlichen operativen cash flows angeboten. Mr. Market folgt dem Motto Schlussverkauf – alles muss raus!

Bevor wir überprüfen ob ein Pferdefuß versteckt sein könnte, erst mal die finanzielle Performance der letzten Jahre:

lundin mining - umsatz gewinn

lundin mining - cash flow

Man sieht gut wie das finanzielle Ergebnis im laufe der niedrigeren Rohstoffpreise zurück geht. Bis dann in den letzten beiden Jahren durch Zukäufe und höhere Investitionen die Ergebnisse wieder stark steigen. Denn die Rohstoffpreise werden nicht gehedged.

Der Gewinn war in diesem Jahr sehr dünn. Die Hauptgründe dafür sind gestiegene Abschreibungen und ein deutlich höherer Zinsaufwand (für die höheren Schulden). Ich gehe davon aus, dass sich die Abschreibungen wieder normalisieren werden und allein dadurch der Gewinn schon höher ausfällt.

Der Kupferanteil am Umsatz in diesem Jahr liegt bei rund 66%, gefolgt von Nickel und Zink.

Umsatz, Gewinn und Cashflow werden im nächsten Jahr außerdem steigen. Die neue Candelaria Mine und die Eagle Mine tragen noch nicht 1 Jahr bei normalisierter Produktion zum Ergebnis bei. Aus den Zahlen von 2014 oder 2015 kann also noch nicht auf 2016 geschlossen werden.

Vergleich mit der Branche

Für den Branchenvergleich habe ich Firmen ausgewählt, die ebenfalls mit Kupfer einen signifikanten Teil ihres Umsatzes bestreiten. Deshalb fehlen einige bekannte Vertreter wie z. B. BHP Billiton (Umsatzanteil Kupfer <20%).

Normaler weise würde man sich mehrere Jahre ansehen und vergleichen. Allerdings gibt es für den aktuellen Bärenmarkt keine Vergleichsdaten (2008 mal außen vor). Interessant finde ich deshalb wie sich die Firmen im aktuellen Niedrigpreisumfeld schlagen. Leider liegen noch nicht für alle Firmen die Zahlen des 3. Quartals vor.

branche-kupfer-margen

Lundin Mining macht dabei keine schlechte Figur. Die cash costs sind niedrig, ähnlich wie bei der australischen Minengesellschaft Oz Minerals. Um die Minen am laufen zu halten sind nur geringe Investitionen nötig. Neue Projekte hat Lundin Mining derzeit nicht. Entsprechend bleibt ein free cash flow übrig, der für Zukäufe ausgegeben werden kann. Capstone und Freeport schneiden aktuell wegen hohen Investitionen schlechter ab.

Southern Copper hatte in der Vergangenheit sehr hohe Margen. Aber in diesem Jahr zeigen auch sie erste Schwächen.

branche-kupfer-renditen

Bei der Umsatzrendite habe ich zur besseren Vergleichbarkeit die Abschreibungen heraus gerechnet. Freeport musste in diesem Jahr massive Abschreibungen vor nehmen, was sich in einer tief roten EK-Rendite widerspiegelt. Auch Lundin musste mehr abschreiben als sonst auch. Hier hält es sich aber noch im Rahmen.

Wenig verwunderlich ist, dass Capstone Mining auf Grund der geringen Margen auch die niedrigsten Renditen ausweist.

branche-kupfer-verschuldung

Auch bei der Verschuldung gefällt mir Lundin Mining besser als einige Konkurrenten. Oz Minerals hat keine Schulden und darum hier die stärkste Bilanz. Freeport geht es dagegen so schlecht, das man sich derzeit nur mit Kapitalerhöhungen und asset Not-Verkäufen über Wasser halten kann.

Und Antofagasta kauft gerade für sein vieles cash assets am Markt, die noch nicht in den Halbjahreszahlen berücksichtigt sind (50% der Zaldivar Mine von Barrick Gold). Trotzdem steht auch Antofagasta noch sehr gut da.

Noch kurz ein Diagramm um die Größenverhältnisse der Firmen untereinander aufzuzeigen. Die Vergleichsgruppe ist von klein bis groß gut gemischt.

branche-kupfer-größe

Insgesamt haben die Firmen eine Bilanzsumme von 83 Mrd. USD (Freeport allein schon 50 Mrd. USD).

Hat Lundin Mining einen Wettbewerbsvorteil?

Lundin Mining hat 4 high grade Minen, für die man das so behaupten könnte. Bei weiter fallenden Preisen würden sich Eagle Mine, Neves-Corvo, Zinkgruvan und Tenke Fungurume vermutlich noch profitabel betreiben lassen. Andere Produzenten wie z. B. Capstone Mining müssten dann aufgeben. Auch Freeport McMoran prüft aktuell Produktionskürzungen und Stilllegungen, während Lundin Mining dies nicht nötigt hat.

Für Candelaria und Aguablanca gilt dies jedoch nicht so ohne weiteres. Die zugekaufte Candelaria ist eine open pit Mine und hat low grades. Der Umsatzanteil von low grade Minen beträgt 57% zum Rest. Allerdings hat Lundin Mining offenbar eine Möglichkeit gefunden die Kosten zukünftig bei Candelaria zu senken. Diese eine Mine macht schon 52% des gesamten Minenumsatzes aus. Gelingt dies, hat Lundin operativ einen großen Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten.

Geringe Schulden und viel cash zählen im aktuellen Bärenmarkt ebenfalls dazu.

Zukünftige Aussichten

Kommen wir jetzt zum erwähnten Pferdefuß. Irgend welche „Mängel“ findet man an jedem Unternehmen. Bei Lundin Mining ist das auf den ersten Blick vielleicht die fehlende Dividende, das hohe KGV und der Verfall der Rohstoffpreise. Auf den zweiten Blick ist es auch die Verwässerung der Anteile. Lundin Mining wächst stark in dem man neue Aktien ausgibt und damit andere Firmen übernimmt. Auch werden Aktien an die Mitarbeiter im Rahmen eines Bonusprogramms ausgegeben.

Eine kurze Historie (Angaben in Mio. USD) …

Projekt/Mine Kaufpreis Kapitalerhöhung Jahr
Candelaria 1.747 579 2014
Eagle Mine 318 <1 2013
Freeport Cobalt 116 <1 2013
Tenke Fungurume (Anteil erhöht) 15 6 2012
Tenke Fungurume (Anteil erhöht) 65 8 2011

Fairer weise muss man noch erwähnen, dass nicht alles über Kapitalerhöhungen finanziert wird. Streaming-Abkommen, Anleihen und eigenes cash gehören ebenfalls zum finanziellen Arsenal.

Auch sind Bonusprogramme für Mitarbeiter erst mal positiv zu sehen, zumal die Verwässerung hierdurch eher gering ausfällt. Allerdings muss man als Investor regelmäßig nach ziehen, falls man eine bestimmte Quote halten will.

lundin mining - aktienanzahl

Jetzt fragt sich vielleicht der ein oder andere, wieso Lundin Mining selbst in Rohstoff-Boom-Jahren keine Dividende gezahlt hat. Hier die Antwort aus dem Jahresgeschäftsbericht 2008:

There are no restrictions which prevent the Company from paying dividends. The Company has not paid dividends on its common shares in the last five years and it has no present intentions of paying any dividends on its Common Shares, as it anticipates that all available funds will be invested to finance the growth of its business. The directors of the Company will determine if and when dividends should be declared and paid in the future, based on the Company’s financial position at the relevant time.

In schwierigen Zeiten wie diesen ist es vernünftig keine Dividende zu zahlen. Sondern statt dessen mit den freien Mittel das operative Geschäft zu stützen. Viele CEOs scheuen den Schritt von Dividendenkürzungen und belasten so die Bilanzen der Minenkonzerne zusätzlich. Allerdings bleibt die Frage wie Aktionäre vom Wachstum der Firma profitieren können, wenn Dividenden und Aktienrückkäufe aus bleiben. Die Aktionärskultur erinnert etwas an Amazon, wo die Umsatzsteigerung über allem anderen steht.

Zumindest die Bilanz und das Eigenkapital sind seit dem gut gewachsen:

lundin mining - bilanzwachstum

Die Minderheitenanteile liegen bei aktuell rund 10% des Eigenkapitals und sind damit nicht weiter relevant.

Am interessantesten dürfte der Kauf von Candelaria von Freeport McMoran im letzten Jahr sein. Candelaria ist eine große Kupferminen in Chile und verfügt über hohe Reserven. Lundin Mining hat angekündigt hier in den nächsten Jahren 154.000 Tonnen Kupfer pro Jahr produzieren zu wollen (Lundin Anteil 123.000 t). Durch eine Umstellung des Minenplans will man außerdem cash Kosten von nur 1,67 USD/Pfund erreichen (bei aktuellen Preisen rund 28% Marge). Die Lebenszeit der Mine beträgt dann ca. 17 Jahre.

Candelaria ist die zweit größte Einnahmequelle der Firma und wird in Zukunft etwa 160 Mio. USD FCF pro Jahr einspielen. Kalkuliert zu aktuell historisch niedrigen Kupferpreisen wohl gemerkt.

Außer acht gelassen werden sollten auch nicht die beiden Nickelminen Eagle und Aguablanca. Beide haben nur noch eine geringe Lebenszeit von 5 und 3 Jahren. Durch die hohen Erlöse aus Nebenprodukten sind die Produktionskosten der Eagle Mine sehr niedrig. Allerdings ist fraglich was mit den Minen in den nächsten Jahren passieren wird. Die Ressourcenschätzungen deuten darauf hin, dass in Zukunft noch mehr Nickel gefördert werden kann. Dazu kommt, dass die Eagle Mine erst im letzten Jahr ihre kommerzielle Produktion gestartet hat. Mit der Zeit wird im Gebiet sicher mehr exploriert und die Ressourcen und Reserven gesteigert.

Für Aguablanca wird man sich allerdings einen Ersatz suchen müssen. Vielleicht war auch die Eagle Mine ursprünglich auch als Ersatz geplant.

Interessant könnte auch die Entwicklung von Tenke Fungurume im nächsten Jahr sein. Die Mine enthält bedeutende Vorkommen an Kupfer und Kobalt. Freeport McMoRan will die Kosten stark senken und weiter das Gebiet explorieren lassen. Lundin Mining hält zwar nur 24%, profitiert aber natürlich auch von sinkenden Kosten und steigenden Reserven/Ressourcen (falls etwas gefunden wird).

Am Rande sei noch erwähnt, dass in Spanien und Portugal die Einkommenssteuer gesenkt wurde. Dadurch ergeben sich Einsparungen ab diesem und im nächsten Jahr, die ebenfalls zu etwas mehr Gewinn führen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Lundin Mining am stärksten von steigenden Kupferpreisen profitieren würde, weil der Großteil der Produktion auf Kupfer ausgelegt ist. Insbesondere die low grade Mine Candelaria würde dann mehr Gewinn abwerfen. Außerdem ist jetzt ein guter Zeitpunkt Minen von in Not geratenen Konkurrenten zu kaufen (wie z. B. Candelaria). Das führt zwar möglicher weise zu einer weiter steigenden Aktienanzahl. Aber die Firma kann gut wachsen, während die Konkurrenz schrumpft. Das Management macht hier einen guten Job in dem es kauft, wenn die Preise günstig sind (anti-zyklisch eben).

Abschließende Bewertung

Nach den vielen Informationen noch eine Zusammenfassung, die bei der Bewertung berücksichtigt werden sollten.

Positives:

  • gute assets mit hohen Margen
  • geringe Verschuldung
  • offenbar fähiges Management
  • zukünftiges Wachstum dank FCF positiver assets trotz historisch niedriger Preise
  • Candelaria und Eagle laufen sehr gut

Negatives:

  • keine Dividende
  • viele Kapitalerhöhungen
  • niedrige Rohstoffpreise führen vorerst zu höheren Abschreibungen und winzigen Gewinnen (schlägt bei steigenden Preisen aber ins Gegenteil um)

Bevor wir zu einer Abschätzung des inneren Wertes kommen, werfen wir einen kurzen Blick auf die aktuelle Bewertung von Mr. Market:

branche-kupfer-bilanz

branche-kupfer-bewertung

Die Bewertung wirkt aktuell bizarr. Capstone Mining wird auf Grund der niedrigen Margen als Pleitekandidat gehandelt. Diese Firma wird zu ihren aktuellen cash-Beständen gehandelt. Selbst eine Oz Minerals mit hohen Margen gibt es zum doppelten Preis der cash Position (wir erinnern uns keine Schulden). Der Buchwert liegt sogar noch darunter. Southern Copper wird dagegen sehr hoch bewertet. In der Vergangenheit waren die Margen sehr hoch. Teilweise über 40% Eigenkapitalrendite. Entsprechend konnte die Verschuldung problemlos gesteigert werden. Trotz der schwäche in diesem Jahr ist die Bewertung aber noch sehr hoch. Vermutlich weil der free float sehr niedrig ist, gibt es hier kaum Verkaufsdruck durch panische Kleinanleger. Und Freeport ist auf Grund der enormen Schulden, hoher Abschreibungen und EK-Erhöhungen gerade ohnehin unbeliebt. Entsprechend ist die Bewertung sehr niedrig.

Lundin Mining bietet neben Oz Minerals mit die günstigste Bewertung gemessen an Risiko, Ertragskraft und Preis der assets. Auch Antofagasta ist ähnlich günstig bewertet. Hier waren nur die Halbjahreszahlen verfügbar, weshalb sich das KCV usw. noch bis Jahresende deutlich verringern wird. Durch den Zukauf neuer Minen gilt für Lundin und Antofagasta, dass deren Bewertung bis zum Jahresende zusätzlich noch günstiger wird. Für Oz Minerals interessiert sich der Vermögensverwalter KKR brennend und glaubt eine Unterbewertung festgestellt zu haben.

Daraus lassen sich für Lundin Mining 4 Dinge ableiten:

1.

Der smarte Teil des Marktes scheint KCV von <5 als günstig zu erachten. Zumindest lockt das Großinvestoren wie KKR bei Oz Minerals und Carl Icahn bei Freeport an. Bei Lundin Mining sind die größten Aktionäre Black Rock und Zebra Holdings and Investments (Lundin Family Trust).

2.

Historisch gesehen ist die Bewertung von Lundin Mining mit KCV von 3 auch sehr günstig. In den letzten 6 Jahren hat Mr. Market ein KCV von 7 bis 16 bezahlt. Und das war bevor sich der Kupferpreis halbiert hat!

3.

Die operativen Verbesserungen in diesem und im nächsten Jahr sind nicht eingepreist. Der kleine Verlust in Q3 ist immer noch präsent. Trotz Krise ist der OCF um das 3-fache gestiegen und wird noch etwas weiter steigen. Candelaria und Egale sind nicht eingepreist. Das könnte auch daran liegen, dass aktuell nur wenige Anleger nach Rohstoffunternehmen suchen. Zu verpönt ist ein Investment in dieser Branche.

4.

Auch hier bleibe ich wieder dabei: Unternehmen die gute Gewinne schreiben und wachsen werden nicht lange unter Buchwert zu haben sein. Sobald sich der Kupferpreis stabilisiert hat, fallen die zusätzlichen Abschreibungen weg und der hohe Cashflow macht sich beim Gewinn bemerkbar.

Was aber könnte Lundin Mining nun Wert sein?

Erstellt man ein DCF Modell auf Minenebene, dann lässt sich in etwa abschätzen was Lundin Mining in Zukunft für Einnahmen erreichen könnte. Schon bei nur gering steigenden Kupferpreisen bis 2020 (von 4.700 auf knapp 5.100 USD/t, d.h. 2% p.a.) würde Lundin Mining etwa 1,2 Mrd. USD FCF erwirtschaften. Ausgehend von dieser konservativen Schätzung wären das schon ca. 60% der aktuellen Marktkapitalisierung. Oder mehr als Schulden vorhanden sind und mehr als ¼ des Eigenkapitals. Nach 18 Jahren (danach sind alle Minen erschöpft), bei nur um den Inflationsausgleich gestiegenen Rohstoffpreisen, hätte Lundin Mining etwa 2 Mrd. USD überschüssige Mittel erwirtschaftet. Das ist mehr als der aktuelle Börsenwert.

Die prognostizierten 1,2 Mrd. könnten für weiteres Wachstum oder Schuldenreduzierung ausgegeben werden. Vielleicht sogar für einen Aktienrückkauf, um die Kapitalerhöhung für Candelaria wieder auszugleichen. Höchstwahrscheinlich aber für neue Projekte.

Bei anhaltenden Preisen auf aktuellem Niveau wird der operative Cashflow schätzungsweise bei 580 Mio. USD p.a. liegen. In den 9 Monaten diesen Jahres sind es schon 607 Mio. USD. Bis zum Jahresende wird sich die Bewertung nach KGV/KCV noch einmal optisch etwas verbessern. Bleibt also realistisch ein KCV von 3 ohne steigende Preise. In den letzten 6 Jahren lag das KGV bei Lundin Mining immer unter dem doppelten des KCV. Ein KGV von 6 wäre selbst für einen Bergbaukonzern günstig.

Vermutlich macht man langfristig nichts verkehrt wenn man weniger als ein KCV von 7 bezahlt. Da alles Geld im Unternehmen verbleibt, würde das KBV bei aktuellen Kursen auf 0,37 fallen. Weniger als der Liquidationswert des Unternehmens. Angesichts der Stärke der Bilanz wäre ein aktuelles KBV von 1 angemessen.

Aus all diesen Überlegungen ergibt sich ein innerer Wert von 5,9 bis 7,5 USD/Aktie (+211% bis +268% zum aktuellen Kurs).

Die Analysten haben nach mehreren Kürzungen Kursziele von 5,0 bis 6,5 USD heraus gegeben (+179% bis +232%).

Im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Bergbaukonzernen fehlt es aber an einer Aktionärs-freundlichen Orientierung! Es besteht dadurch die Gefahr, dass bei anhaltend schwachen Rohstoffpreisen nur die Bewertung attraktiver wird. Der Kurs aber länger am Boden bleibt. Ohne Gewinnausschüttungen und nur mit Aussicht auf weiteres Wachstum werden kaum mehr Käufer angelockt. So etwas gelingt wohl nur Amazon. Das investiere Kapital wäre damit einige Zeit lang „totes“ Kapital. Lundin Mining eignet sich also nur als kleine Depotbeimischung, trotz des Potentials.

Eine Alternative wäre vielleicht Oz Minerals. Die Margen und die Bewertung sind ebenfalls attraktiv. Außerdem zahlt man eine Dividende.

In diesem Bärenmarkt hat man die Qual der Wahl…

Literaturtipps

http://www.mckinsey.com/insights/energy_resources_materials/is_there_hidden_treasure_in_the_mining_industry

http://www.visualcapitalist.com/the-looming-copper-supply-crunch/

Wichtiger Hinweis

Leser sind angehalten alle Fakten selbst zu überprüfen und sich ihre eigene Meinung zu bilden. Der hier präsentierte Artikel ersetzt nicht die eigene Unternehmensanalyse.

 

7 Gedanken zu “Heute im Sonderangebot: Lundin Mining

  1. hallo marfir
    wieder einmal eine schöne analyse.
    es gibt aufgrund dieser kurse sicherlich gründe diese aktie unter substanzbezogenen gründen zu kaufen.
    operativ gefallen mir die zahlen überhaupt nicht.
    in der 10.jahresprognose gefällt mir nur der umsatz.
    operativer gewinn ,free cashflow ,gewinn je aktie ziehmlich schwaches bis überhaupt kein wachstum.
    das man keine dividenden bezahlt und ständig die aktienanzahl erhöht machen die sache auch nicht interessanter.
    aufgrund der niedrigen eigenkapitalrendite und des niedrigen roics wäre es besser lundin würde das geld seinen aktionären geben.

    buffett hat mal gesagt das er während eines goldrausches nicht selbst nach
    gold suchen würde sondern er würde das equipment verkaufen.

    in diesem sektor gefällt mir joy global ausserordentlich gut,die sind auch kräftig unter die räder gekommen aber sie verkaufen die ausrüstung und die kennzahlen sind auch viel beser.l.g cocabuffy

    • Hallo cocabuffy,
      danke dir!
      Deine Erwartung ist vielleicht nicht angemessen? Die Branche ist seit 2011 im Bärenmarkt. Gewinnsteigerungen sind unmöglich, solange die Preise nur am fallen sind. Und hohe positive FCF gibt es beim Bergbau kaum. Überschüssiges Kapital muss in neue Projekte investiert werden. Schließlich ist jede Mine irgend wann erschöpft und wachsen will man auch noch. Lundin Mining hat zudem wie andere Familiengeführte Unternehmen in der Branche die EK-Quote hoch belassen. So kommt man gut durch diese schwierige Zeit. Klar könnte man an die Aktionäre etwas ausschütten und damit die Kennzahlen aufhübschen. Nur fehlt dann die finanzielle Flexibilität im Krisenfall oder man steht sogar vor dem Aus.

      Equipment verkaufen ist an sich eine gute Sache. Nur Joy Global ist stark von Kohle abhängig, wo es gerade noch schlechter zu geht. Und CAT hat hohe Schulden. In dem Bereich habe ich noch nichts gefunden, was nicht als Zock einzustufen wäre. Kennzahlen von Joy sind nicht mit Minengesellschaften vergleichbar. Einen Vergleich müsstest du in der selben Branche mit CAT & Co. ziehen.

  2. Danke für den Bericht. Sehr lesenswert, vor allem da ich mich in dem Bereich nicht auskenne. Aber mit Oz und Lundin gibt es jetzt einmal was zum Anfangen 😉

    Eine Frage:

    ich nehme an es kommt wie bei den meisten Rohstoffen auf das Verhältnis Preis/Produktionskosten an. Wie verhält es sich mit Kupfer-Recyclern wie Aurubis? Sind die keine Konkurrenz/ist das ein anderer Bereich? Wenn doch Konkurrenz: Sind Förderer gegenüber Recyclern kostenmässig besser oder schlechter gestellt?

    Danke
    Tom

    • Hallo TomB,
      danke auch dir!

      Produktionskosten sind ein wichtiger Faktor, aber nicht der alleinige. Das Personal muss sehr kompetent sein, um dass die Vorkommen möglichst effizient und ohne menschliche Verluste ausgebeutet werden können. Auch ist der Standort von den Minen sehr entscheidend für das Risiko, dass alle beteiligten eingehen (Thema Rechtssicherheit von Eigentum, Infrastruktur, Wasserzugang, Wetter, Geologie, Personalangebot usw.). Dann braucht es gute Geologen um neue Vorkommen zu finden. Und natürlich ein kompetentes Management, dass durch geschickte Zukäufe das Portfolio erweitert und die Verschuldung im Rahmen hält. Dazu kommt noch die Lebensdauer der Minen. Alles zusammen entscheidet dann über Erfolg oder Schieflage.
      Wenn du hier meine Artikel zu Goldminenbetreibern gelesen hast, dann dürften dir einige Faktoren schon bekannt vor kommen.

      Richtig, Aurubis ist ein Kupfer-Recycler. Konkurrenten sind es nicht direkt, da weder allein durch das Minenangebot noch allein durch Recycling die weltweite Nachfrage gedeckt werden kann. Beide zusammen profitieren von der Kupfer-Nachfrage und dem billigen Öl bzw. Energiepreisen. Aurubis profitiert sogar vom fallenden Kupferpreis, da sie den Schrott günstiger ankaufen können. Den Gewinn macht Aurubis mit der Schmelzmarge. Also ein völlig anderes Geschäftsmodell. Eher vergleichbar mit einer Ölraffinerie.

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