Es leben ETFs, es leben Fonds, es lebe Franklin Templeton!

Vermögensverwaltung ist ein schönes Geschäftsmodel. Man braucht wenig Eigenkapital und steigt das verwaltete Vermögen, dann steigen die Gewinne schneller als die Kosten.

Das Geschäftsmodelle kann sehr lukrativ sein. Aber leider ziehen die hohen möglichen Renditen und die geringen Kapitalanforderungen neue Konkurrenten magisch an.

Gerade sind die großen Fondsgesellschaften im Sinkflug und weit von ihren *Jahreshochs entfernt. Franklin Resources (-34%*) , Legg Mason (-33%), Brookfield Asset Management (-18%) und Co gehören gegen Ende des Jahres zu den großen Verlierern des Börsenjahres.

Fonds sind tot, es leben die ETFs? Moment…

Natürlich werden einige jetzt sofort schreien, der Fond ist tot und es lebe der Index-ETF. Daran glaube ich persönlich nicht. ETFs sind sicher eine gute Sache, aber ich gebe nur zwei Gegen-ETF Gedanken mit auf den Weg

…a) Ein Index-ETF ist natürlich super… wenn der Markt sich über Jahre immer nur nach oben bewegt und praktisch fast alles steigt (wie es bis 2014 nahezu war). Bricht dieser allgemeine Aufwärtstrend ab, werden viele dann verzweifelte ETF-Anleger plötzlich wieder von dem einen oder anderen großen Fond überholt. Der Durchschnitts-Anleger wird dann frustriert seinen ETF wieder gegen einen aktiv gemanagten Fond eintauschen. Ich sage nicht, dass dieses Verhalten langfristig sinnvoll ist. Ein großer Teil der jetzt überzeugten ETF-Anhänger wird sich aber so verhalten, sobald es zu Marktturbulenzen kommt.

b) Weit gefasste Fonds haben Indexfonds in den letzten Jahren oft outperformt. „Wo den das?“ werden sich ETF-Anhänger jetzt fragen? „In den Depots der Privatanleger“.

Die Sache ist leider so, dass der Anleger, der einen Fond kauft, eben im Hinterkopf weiß, dass der Fond ja aktiv von irgend einem Experten verwaltet wird. Dies führt zu einer eher passiven Haltung. Beim ETF hingegen wird der Normal-Anleger öfter selbsr tätig und gerät in die Falle des niedrigen Verkaufs und hohen Einkaufs. So, dass die Performance für viele Kleinanleger mit Fonds (trotz höherer Gebühren) doch besser ist, da er bei schwachen Marktphasen eher die Nerven behält.
Franklin Resources, Benjamin Franklin Firmenlogo auf Aktienurkunde von FranklinTempleton
Franklin Resources ( Ticker: BEN / WKN: 870315 / ISIN: US3546131018)

Da ich nicht der Fond-Typ bin – war mir genaueres zum Unternehmen Franklin Resources nicht bekannt. Bekannt war mir natürlich das Logo -mit dem Kopf von Benjamin Franklin- aus Werbeanzeigen in Zeitschriften und Broschüren.

Besser als Buffett und Steve Jobs?!
Kursentwicklung 1989 bis 2014 Berkhsire Hathaway, APple Compurers, Franklin Resources, wie gut ist Warren Buffett, steve Jobs, beste Aktien*Die Grafik wurde der Website http://www.suredividend.com entnommen.
Mir war nicht bewusst war, dass dieser Aktienwert (Franklin Resources) langfristig eine derartige Erfolgsgeschichte war und ist. Meine amerikanischen Kollegen von suredividend.com zeigen auf, dass die Performance im Zeitabschnitt -1987 bis 2014- sogar Warren Buffetts Berkshire Hathaway und iPhone-Schmiede Apple Computers hinter sich gelassen hat. Dies überraschte mich bei näherer Beschäftigung, da die Aktie wenig Beachtung findet.

Shareholder Value immer im Blick (Franklin Resources Aktie)

(in US$) 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
Buchw

ert pro Aktie

2,45 3,02 3,53 4,06 5,08 5,5 5,84 6,82 7,5 8,8 9,96 10,13 11,09 11,5 13,05 14,45 15,97 18,6 19,62
Steiger

ung in

%

23,27% 15,01 25,12 1,71 16,47

Wir haben es hier mit einem Management zu tun, dass sehr auf eine langfristigen Aufbau von Wert für die Aktionäre bedacht ist. Dabei möchte ich erwähnen, dass in der Bilanz von Franklin Resources der berühmte Goodwill nur bei 2,257 Milliarden $ liegt (bei einer Gesamtbilanz von 16,34 Milliarden US$). Den mit Abstand größten Anteil haben kurzfristig verfügbare Vermögenswerte (Bankguthaben, sichere Anleihen). Es wird hier also kein Phantombuchwert aus immateriellen Vermögensgegenständen gebildet, sondern ein wirklicher Wert (so zeitnah zu Weihnachten von Geld als Wert zu sprechen… naja).

Aktienrückkäufe, das Timing sitzt!

Aktienrückkäufe können den langfristigen Wert für den Einzelaktionär stark steigern. Leider neigen Manager dazu sich selbst und ihre Leistungen weit über dem Ist-Zustand einzuschätzen. Daher kaufen sie meistens dann nach, wenn ihrem Unternehmen und dem Aktienkurs der Wind bereits stark in den Rücken bläst. Wenn es dann mal nicht so läuft und der Kurs danieder liegt, dann verlässt sie oft der Mut zum Rückkauf.

Bei Franklin Resources hingegen ist es ziemlich offensichtlich, dass man es mit ausgefuchsten Investoren zu tun hat.

So werden die Aktienrückkäufe immer in Abwärtsphasen hochgefahren.
Franklin Resources, Franklin Templeton, Aktienrückkäufe in Millionen Dollar $ und durchschnittlichem Aktienkurs, Franklin Fonds ETFs, Lebensversicherungen
In meiner Grafik möchte ich anzeigen, dass hier besonders bei Kursschwächen in die eigene Aktie investiert. Auch 2008 und 2009 wurde diese Ansatz konsequent weitergefahren. Solch konsequentes „financial engineering“ kann auf Dauer oft den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und überdurchschnittlichen Investment machen.

Das Management und die Aktionäre?

Ein Management das wirklich konsequent darauf bedacht ist einen echten Wert für die Aktionäre zu schaffen und durchgehend die eigene Aktie im Auge hat ist wahrscheinlich selbst Aktionär.
Richtig geraten! Der Gründungsfamilie Johnson gehören zwischen 38 und 40% und diese leidet das Unternehmen bis heute.

Warum beschäftige ich mich hier soviel mit der Kapitalallokation des Managements und deren Motiven?

Die Kapitalallokation wird oft unterschätzt. Als Aktionär (auch als Kleinaktionär) ist der Vermögen des Unternehmens auch mein Geld und dieses soll sinnvoll verwendet werden und nicht beim absoluten All-Zeit-Hoch der Aktie für eine Pressemitteilung zu sorgen.

Leider beobachte ich auch bei Aktienunternehmen mit starken Mehrheitseigentümern oft, dass der Aspekt der Kapitalallokation völlig vergessen wird. Aussagen wie „der Aktienkurs ist uns völlig egal“. Diese Einstellung verstehe ich persönlich nicht. Natürlich sollte man das Unternehmen nicht durch verrückte Aktionen in Gefahr bringen, aber eine vernünftige Pflege des Shareholder Values (damit meine ich nicht radikale Entlassungswellen oder Denken in Quartalen) können doch allen Beteiligten nur nutzen.

Dieser Artikel wird fortgesetzt…

5 Gedanken zu “Es leben ETFs, es leben Fonds, es lebe Franklin Templeton!

    • MCSI World 2000 bis 2015 performance chart
      Franklin Resources 2000 bis 2015 aktien performance
      Hallo Alex.

      Also in der Grafik wurden Apple und Berkshire genommen, da dies wohl zwei der Aktien sind die natürlich extrem performt haben. Apple natürlich mit dem ipod , iphone etc. ab Anfang der 2000er.

      Wollte nur zeigen, dass Franklin (obwohl mit über 20 Milliarden Markt Kap., also keine Winzig-Wert) in Deutschland eigentlich nie vorkommt. Es war aber nachweislich eine Aktie mit enormen Wachstum, sowohl was Buchwert als auch Kursperformance (langfristig) angeht.

      wünsch dir schon einmal eine frohes neues Jahr
      Ulrich

  1. Werde den Artikel auch noch fortsetzen (kam nur gestern nicht mehr weiter, dass mit den Rückkäufen und den Buchwerten war eine ganz schöne Rechnerei).

    Die Aktie notiert aber Ex-Cash zu einem einstelligen KGV und zu einem Enterprise Value/EBITDA unter 5. Dies ist für eine Aktie mit derartig starker Langzeitperformance natürlich eine Überlegung wert.

    Durch die starke Werbung für ETFs ist hier die Stimmung gerade eher negativ (da eben das meiste Geld mit Fonds verdient wird). Aber dazu komme ich dann in meiner Fortsetzung.

  2. Danke für die Vorstellung Ulrich!

    Der Franklin Resources Inc. Fonds hat 1620 Aktien im Portfolio. Die vielen Geschäftsberichte liest sicher niemand. Wird hier per Computer ausgewählt, was gekauft und verkauft wird?
    Mir scheint der Fonds ist sehr zyklisch aufgebaut. Alles was stark gestiegen ist, wird im Fonds auch hoch gewichtet. Also Financial, Healthcare und Technologie.

    • Ähhm mir gings nicht um den Fond. Vn Franklin Templeton gibts glaub 100e oder 1000e Fonds auf Immobilien, Aktien, Anleihen etc.

      Franklin Resources ist praktisch die Firma die Fonds und inzwischen auch ETFs vermarktet und dafür Verwaltungsgebühren verlangt.

      Ein hochlukratives Geschäft, wenn man 700 bis 900 Milliarden an Fonds an den Mann gebracht hat 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *