Value ist dort wo die meisten weg schauen!

Sehr geehrte Leser,

Value Investments findet man oft dort, wo der mainstream massiv verkauft hat und vorläufig nicht mehr investieren will. Ich habe bereits mehrere Unternehmen aus der Rohstoffbranche vorgestellt. Und so wie es aussieht wird diese Branche auch noch viel Stoff für weitere Artikel und Anlegerträume liefern.

Die Preise sind auf breiter Front seit etwa 2011 am fallen. Egal ob Kupfer, Gold, Silber, Zink, Kohle, Kalium, Magnesium, Molybdän oder Blei. Zuletzt hat es auch noch den Ölpreis schwer erwischt. Während die Börsenpartys der letzten Jahre den Anlegerfokus eher auf Konsumaktien, Pharmakonzerne und heiße Wetten wie Netflix und Tesla lenkten, brachen Aktienkurse von Rohstoffgiganten immer weiter in sich zusammen. Was wurde nicht alles über eine gut laufende Wirtschaft geschrieben. Und über Unternehmen welche ständig mehr Dividende zahlten. Wen interessierte schon, dass die Wirtschaft in Europa und den Schwellenländern immer schlechter lief? Oder das zahlreiche Firmen ihre Dividendenzahlungen durch neue Schulden gegen finanzierten? Schließlich pumpen die wichtigsten Notenbanken der Welt immer mehr Geld ins System, inflationieren die Sachwerte und Aktien sind doch alternativlos?

Chinas Wirtschaftswachstum ist bereits 2012 deutlich unter 9% p.a. abgesackt, bis heute. Warnende Signale über eine steigende Privat- und Unternehmensverschuldung gab es auch damals. So langsam scheint sich in den mainstream Medien aber herum gesprochen zu haben, das die Weltwirtschaft kränkelt und ein echtes Überschuldungsproblem hat. Immer mehr negative Nachrichten schaffen es auf die Titelseiten und die Rohstoffpreise zeigen ebenfalls den Trend an. Auch scheinen langsam immer mehr Aktionäre zu realisieren, dass der starke USD und die schleichende Weltwirtschaft ihren US Unternehmen nicht gut bekommt. Immer mehr, bis dato gefeierte Unternehmen, melden schlechtere Zahlen. Kompensiert werden kann das kurzfristig noch über mehr Schulden, welche konstante Dividenden und Aktienrückkäufe ermöglichen. Langfristig ist aber fraglich wie ein Teil der Investoren Geld verdienen will, wenn bei hohen Einstiegskursen eine erodierende Bilanz und Umsatzentwicklung gegenüber steht.

Die einzige Anlageklasse die derzeit gemieden wird wie die Pest sind Rohstoffe. Und damit natürlich auch alle davon abhängigen (bzw. Konjunktur-abhängigen) Unternehmen (Minengesellschaften, Ölförderer, Produzenten von Equipment, Explorer, Stahlkonzerne etc.). Nach ungefähr 4 Jahren Bärenmarkt sieht die Branche arg gebeutelt aus. Das im mainstream empfohlen wird diese Branche zu meiden, hilft den Kursen auch nicht besonders. Eher im Gegenteil.

Viele Rohstoffe notieren auf Mehrjahrestiefs. Ignoriert man einmal die kurzfristigen Einbrüche während der Bankenkrise so kann man sich gut ausmalen, was die Rohstoffproduzenten gerade durch machen müssen. Beispielsweise ist Silber so günstig wie zuletzt Ende 2007. Kupfer und Zink notieren bei Preisen wie zuletzt Ende 2005. Und der Ölpreis ist so günstig wie zuletzt Anfang 2005. Einzig der Goldpreis hält sich relativ gut, bei Preisen wie zuletzt Mitte 2010 (Gold ist allerdings auch kein klassischer Industrierohstoff).

öl und gas preis  molybdän preis

Dabei wird die Förderung vieler Rohstoffe mit der Zeit immer teurer. Schwindende leicht zugängliche Ressourcen in Folge Jahrhunderte langer Ausbeutung und steigende Umweltstandards, verteuern die Produktion. Rechnet man auf die cash costs auch die Erhaltungsinvestitionen drauf, dann sollen bei derzeitigen Preisen etwa die Hälfte der weltweiten Kupfer und Goldproduktion nicht mehr wirtschaftlich sein. Beim Öl sieht es sicher ähnlich verheerend aus, weil US Fracking Öl, kanadische Teersände und der ultra deepwater Bereich deutlich aufwendiger zu erschließen sind. Beim Eisenerz gibt es derzeit sogar ein regelrechten Preiskampf, wo BHP und Rio Tinto versuchen ein paar Rivalen los zu werden. Ende letzten Jahres sah dies noch so aus:

Iron Ore break even costs_0

Inzwischen ist der Eisenerzpreis bei 50 USD angekommen. Der Druck die Kosten zu senken ist enorm.

Was machen wohl die Aktienkurse der Unternehmen?

Der BGF World Mining Funds zeigt drastisch wie hart die Branche getroffen wurde.

bgf world mining fonds

Noch schlimmer sieht der HUI aus (NYSE Arca Gold Bugs Index), welcher Ende 2011 noch bei über 500 Punkten stand und jetzt nur noch knapp über 100.

Auch die bisher von mir hier vorgestellten Firmen haben während des Bärenmarktes deutlich an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Schlusskurse NYSE Yamana Gold Subsea 7 Compania de Minas Buenaventura (ARD) Apache Iamgold
Ende Dezember 2011 14,69 USD 18,52 USD 38,34 USD 90,58 USD 15,85 USD
20. November 2015 1,82 USD 7,42 USD 4,50 USD 49,10 USD 1,44 USD

Das sind nur einige Beispiele aus dem Minen- und Ölsektor. In anderen Branchen sieht es ebenfalls trübe aus. Joy Global, ein Bergbauzulieferer, stand 2011 mal bei über 60 USD pro Aktie und befindet sich jetzt nur noch bei 15 USD. Oder die Salzgitter Aktie, welche von etwa 50 Euro auf 25 Euro abgestiegen ist. Zuletzt ist auch der Rohstoffhändler Glencore wegen Produktionskürzungen in die Schlagzeilen gerückt. Der Kurs ist von Anfang 2012 bei über 6 USD auf aktuell 1,4 USD gefallen. Die Turbolenzen bei K+S rückten auch immer mal wieder in den Anlegerfokus. Ende 2011 stand das Papier noch über 45 Euro. Zwischenzeitlich ist es bis auf 17 Euro abgestürzt und steht aktuell bei etwa 24 Euro.

Obwohl es sich lohnt in diesen stark gebeutelten Branchen nach über-verkauften Unternehmen Ausschau zu halten, scheint das Thema auf deutschsprachigen value blogs kaum angekommen zu sein. Im mainstream natürlich erst recht nicht. Dafür interessieren sich so langsam aber immer mehr finanzstarke Investoren für diese Branchen. So ist z. B. Carl Icahn vor kurzem bei Freeport McMoran eingestiegen. Und bei Barrick Gold hat sich George Soros bereits bei der letzten Kapitalerhöhung einen kleinen Anteil gesichert. Warren Buffett hingegen bleibt dem Ölsektor treu und hat nur die Unternehmen ausgewechselt. Dass um nur mal ein paar Einzelinvestoren zu nennen. Die Banken, Hedge- und Pensionsfonds sind sowieso immer mit an Bord.

Inzwischen gibt es in vielen Branchen Unternehmen deutlich unter dem Buchwert und mit einstelligen KGVs. Sofern sie denn noch Gewinn machen. Im aktuellen Umfeld ist das nicht selbstverständlich!

Einige Firmen werden das Handtuch schmeißen müssen. Für alle überlebenden bleibt dann in der nächsten Hausse mehr vom Kuchen übrig. Und die kommt ganz bestimmt. Auch wenn das aktuell schwer zu glauben ist, da überall von noch sehr sehr lange andauernden niedrigen Preisen gesprochen wird.

Investoren sollten sich daher 3 Fragen stellen:

  • Ist mein Chancen-Risiko-Verhältnis noch gegeben wenn ich Aktien kaufe/halte die schon um 90% gestiegen sind, anstatt welche zu kaufen die bereits um 90% gefallen sind?
  • Macht es Sinn Aktien zu halten bei denen mit neuen Schulden die Dividende und Aktienrückkäufe finanziert wird, anstatt Unternehmen zu kaufen welche ihre Schulden tilgen (müssen)?
  • Wäre es nicht sicherer angesichts der weltweit steigenden Verschuldung einen Teil in Rohstoffe/Rohstoffaktien umzuschichten und damit auch die historisch niedrigen Preise zu nutzen?

 

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