Die Renditefalle – Teil 1: Dividenden sind die neuen Zinsen

Dividenden sind die neuen Zinsen – so tönte es in den letzten Monaten aus allen Kanälen. Die Dividenden viele Unternehmen sind höher als die Zinsen auf dem Sparbuch, also Leute kauft Aktien. So oder so ähnlich war das Argument häufig zu hören und zu lesen. Das anhaltende Zinstief bringt manche Anleger gewaltig in die Bredoullie, die dazu verurteilt sind, bestimmte Renditen zu erwirtschaften. Dazu gehören beispielsweise Lebensversicherungen mit ihren Renditegarantien, aber auch viele Pensionsfonds. Mehr zur Lage der privaten Pensionen über Lebensversicherungen oder Direktzusagen von Unternehen gibts demnächst in eine gesondertem Beitrag. Heute gehts um die Überbewertung der Dividende bei der Anlageentscheidung viele Privatanleger.
Sehr viele Dividendenjäger fallen dabei immer wieder auf die ewig gleich Muster herein. Ein Negativbeispiel ist der Energieversorger RWE. Das Beispiel ist mir sehr gut geläufig, weil ich hier als Anleger selbst in die Sch***e gegriffen habe. RWE schüttete im Frühjahr 2011 trotz Fukushima und einer sehr hohen Verschuldung 3,50 Euro je Aktie, oder insgesamt gut 1,8 Milliarden Euro an seine Aktionäre aus. Der Kurs der Aktie lag zu diesem Zeitpunkt bei ca. 45 Euro. Man brüstete sich mit einer Dividendenrendite von über 7%. Nur ein halbes Jahr später, RWE schrieb immer noch Gewinne, sah man sich genötigt eine Kapitalerhöhung durchzuführen, bei stark verwässerten 26 Euro je Aktie, was insgesamt etwa 2,1 Milliarden Euro in die Kassen spülte. Was hat RWE mit dem Geld gemacht? Seine Schulden zurückgefahren? Oder notwendige Investitionen getätigt? Nun in erster Linie hat man wiederum nur paar Monate später wieder Dividenden ausgeschüttet, immerhin noch 2 Euro je Aktie oder 1,2 Milliarden Euro. Man hat also innerhalb von 12 Monaten den Anteil der Aktionäre massiv (gut 13%) verwässert, nur um Dividenden ausschütten zu können. Heute steht RWE bei weniger als einem Drittel des damaligen Aktienkurses.
War das Vorgehen wirklich im Sinne der Aktionäre? Ich habe da so meine Zweifeln.
Wer sich von 7% Dividende ködern ließ, sitzt heute auf einem erheblichen Verlust. Ich persönlich bin zum Glück 2012 noch mit einem einigermaßen vernünftigen Kurs (~32 €) aus dem Schlamassel rausgekommen.
Wenn hohe Schulden da sind, ist eine hohe Auschüttung alles andre als wünschenswert, wichtiger ist dann erstmal die Schuldentilgung. Eine hohe Dividendenrendite kommt oft auch durch eine besonders hohe Ausschüttungsquote zustande. Sinkt der Gewinn, muss früher oder später auch die Dividende sinken. Es ist also wichtig, darauf zu achten, dass die Dividende auch locker aus den laufenden Cashflows bezahlt werden kann.
Kann ein Unternehmen das Geld zu hohen Renditen ins Geschäft reinvestieren, sollte es ebenfalls weniger ausschütten. Und kann ein Unternehmen die eigenen Aktien weit unter dem fairen Wert zurückkaufen, so ist auch das eindeutig vorzuziehen. Ob und wie viel Dividende der richtige Weg ist, hängt immer von den Begleitumständen ab. Wer nur auf de Dividendenrendite schielt, wird regelmäßig in solche Fallen tappen.

4 Gedanken zu “Die Renditefalle – Teil 1: Dividenden sind die neuen Zinsen

  1. Dividenden sind einen tolle Sache für Aktionäre, aber Du hast schon recht, dass man sehr genau hinschauen muss, um damit nicht auf die Nase zu fallen.

    Denn wichtigste Voraussetzung ist, dass die Dividenden „verdient“ wurde, also entsprechende Überschüsse erwirtschaftet wurden. Du hast den Cashflow ja angesprochen. Werden Dividenden hingegen aus den Rücklagen ausgekehrt, dann ist das schlichtweg Substanzverzehr und rächt sich irgendwann. Denn das Unternehmen wird durch die Ausschüttung einfach weniger wert und geschädigt, da ja keine entsprechenden Erträge die Kassen wieder auffüllen. So etwas kann mal in Ausnahmefällen gemacht werden, also einmalig aufgrund von Sondersituationen, aber die Deutsche Telekom hat das über Jahre so durchgezogen und jetzt eben die Versorger, schon seit längerem. Und auch hinsichtlich der Versicherungsbranche (Leben und Rück) bin ich hinsichtlich der optisch niedrigen Bewertungen und optisch hohen Dividendenrenditen ja ziemlich pessimistisch eingestellt. Hier schwant mir perspektivisch Böses und ich würde hier ein Geld (mehr) investieren. Aber mit der Meinung stehe ich(noch?) ja weitgehend allein da…

  2. Das habe ich in meinem Bekanntenkreis auch schon öfter erlebt, dass man sich von Dividendenrenditen blenden lässt. So kauft man dann eben eine Eon, RWE oder Telekom…

    Muss aber zugeben, dass ich da auch nicht ganz gefeit (schreibt man das so;-)) bin. Habe sowohl GlaxoSmithKline als auch OmegaHealthcare Services wegen der hohen Dividende gekauft.

    Am liebsten wäre mir allerdings auch eine 2. Berkshire die die Gewinne für mich hoch rentierlich anlegt und den Unternehmenswert entsprechend steigert. Aber wie diese entdecken? Bill Ackman hatte ja Valeant zur neuen Berkshire ausgerufen. Ob´s stimmt?!

    Oder eine Markel, Danaher…,?!

    Ich sehe eine lange, stetige, am besten steigende Dividende halt als eine Art Margin of Safety. Die Firmen haben bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert. Der Einstandskurs, also das capital at risk wird mit der Zeit immer geringer…

    und so landet man halt leider doch immer wieder bei den Aristokraten…

    Außer Ulrich,…, aber der hat´s ja auch drauf 😉

    Liebe Grüsse übrigens, wollt mich schon länger mal wieder bei dir melden!

    • Dividenden zeigen nebenbei auch, wenn ein Unternehmen sie tatsächlich auch erwirtschaftet, eine aktionärsfreundliche Struktur. Zu einem Unternehmen in dem dass Management fast alle Gewinne durch Gehälter abschöpft passt eine Dividende nicht unbedingt. So ist für mich die Dividende auch ein Ausdruck für eine Unternehmensphilosophie, sofern sie auch vom Unternehmen erwirtschaftet wird.

  3. Hallo,

    das Thema Dividende – Ich glaube es spaltet Aktionäre wie kein anderes Thema. Es gibt eben diese Unternehmen die seit Jahren eine Dividende an die Aktionäre auszahlen und absolut solide Werte sind. Man darf zusätzlich den psychologischen Effekt von Dividenden nicht unterschätzen. Ein junger Mensch sollte heute eine oder mehrere Aktien kaufen und diese dann über 30 Jahre halte, weil er diese dann mit Gewinn (eventuell) verkaufen kann. Eine Dividende hat den Vorteil, dass man jährlich/monatlich einen kleinen Teil von seinem Investment zurück erhält. Auch bei einem Crash bleibt die Dividende (eventuell) erhalten und man sieht nicht nur den kompletten Kurs seiner Aktie abrauschen. Ich kenne einige die z.B. in Immobilien investieren, weil Sie monatlich eine die Miete haben möchten. Keiner würde eine Immobilie kaufen um diese dann eventuell in 30 Jahren wieder zu verkaufen mit einem Gewinn und in den 30 Jahren gibt es keinen Cent. Dividenden zeigen, dass es Alternativen zu Immobilien oder Tagesgeld gibt und daher eine Asset Klasse ist, die ins Portfolio gehört.

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