In Arbeit!: American National Insurance-Ruhig schlafen beim Warten auf die Zinswende

Wieder einmal kam es in den USA nicht zur oft diskutierten Zinswende. Verschoben ist aber nicht aufgehoben (wir werden sehen…). Dennoch möchte ich heute wieder einmal einen eher unbekannten Versicherungswert aus den USA präsentieren, der eben an den Zinsen hängt.

Der Wert befindet sich unter anderem im Portfolio von Donald Smith und dem Tweedy Browne Fund. Zwei Value-Investoren mit doch sehr guter langfristiger Performance.

Einst die größte Versicherung westlich des Mississippi

Die American National Insurance wurde bereits 1905 in Texas gegründet und wird bis heute über diverse Trusts von der Moody Familie kontrolliert. Das Unternehmen ist sehr konservativ und aus heutiger Sicht nicht gerade ein „werde-schnell-reich“ Geschäft, sondern eher ein Beispiel für „wie-bleibe-ich reich“…
American National Insurance Firmenlogo Adler
…Das Unternehmen ist unspektakulär und betreibt sein Hauptgeschäft mit Lebensversicherungen und Annuitäten. Es werden auch Sach- und Gesundheitspolicen angeboten. Hier sind die Ergebnisse aber weder besonders gut… noch besonders schlecht.

Slow and steady and with caution … Die Bilanz

Die Gesamtbilanzsumme zum 30. Juni 2015 betrug 23,319 Milliarden Dollar. Das Eigenkapital lag bei 4,495 Milliarden Dollar. Also ist der Faktor Eigenkapital zur Gesamtbilanz 5,19 zu 1.

Dies ist ein recht geringer Hebel. Andere Versicherungsunternehmen arbeiten hier meist mit viel weniger Eigenkapital-Anteil.

Dies schmälert natürlich die Rentabilität. Dafür erlebte American National aber auch in der Finanzkrise 2008 / 2009 keine Nahtoderlebnis wie viele seiner Mitbewerber.

Eigenkapitalanteil American National Insurance, Lincoln Financial, Metlife, equity insurance companies

  • *Natürlich ist die Darstellung vereinfacht. Da sich gewisse Versicherungsprodukte unterscheiden und hier auch nicht auf abgeschlossene Rückversicherungssummen eingegangen wird.
  • ** Durch die enorm hohen „Asset Under Management“ Positionen wird der Hebelfaktor verzerrt, das Leverage ist trotzdem bei ANAT wesentlich geringer.

Persönlich bin ich ein Fan von einem geringen Hebel. Spekulationen auf niedrige Buchwerte bei Finanzinstituten scheitern meist daran, dass sich in schwierigen Phasen dieser Buchwert auflöst.

Die Anlagephilosophie darf als konservativ betrachtet werden. Ein großer Teil der Anleihen wird mit dem Wert zum Laufzeitende „held to maturity“ bilanziert. Die vergebenen Immobilienkredite sind geographisch differenziert und es werden feste Beleihungsgrenzen eingehalten.
American National Insurance Bilanz, Balance Sheet assets 31.June 2015
1,5 Milliarden Dollar sind in Aktien investiert. Dabei wird recht konservativ in Bluechips und solide Dividendenzahler investiert. Unter den größten Positionen sind Apple, Disney, Microsoft, ExxonMobil, Johnson & Johnson und andere bekannte Dickschiffe. (siehe SEC-FIlling – hier klicken – )

Die Moodys scheinen mit ihren Versicherungsunternehmen keine Experimente eingehen zu wollen (siehe auch National Western Life). Der Buchwert ist schließlich ihr Vermögen und diese konservative Haltung ist mir persönlich sehr recht.

Das Geschäft dümpelt so dahin.
American NAtional Insurance Bilanssumme, net earnings gewinn, 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Das Geschäft läuft, aber die niedrigen Zinsen haben auch bei diesem Versicherer ihre Spuren hinterlassen. Ein Großteil des Geschäfts von American National Insurance besteht eben aus Lebensversicherungen und Annuitäten. Wobei hier seid Jahren der größte Teil nicht mehr mit Garantieverzinsung abgeschlossen wird. Meist sind die Verträge variabel an einen Aktienindex gekoppelt. Das Modell führt daher nicht zu der problematischen Lage der deutschen Versicherungen.

Hervorheben möchte ich, dass von den 247 Millionen Dollar Gewinn im Jahr 2014 nur 37 Millionen Gewinne aus realisierten Wertsteigerungen im Portfolio sind. Es gibt also eine wirkliche Profitabilität und man reitet hier nicht nur die Welle von steigenden Wertpapierbewertungen.
ANAT Anico American National Insurance Buchwert, Aktienkurs, book value, stock price
Langsam klettert der Buchwert und aktuell gibt es hier den Dollar für knapp 60 Cent. Eile muss man hier sicherlich nicht haben. Nur steigende Zinsen und eine damit hoffentlich bessere Eigenkapitalrentabilität würde ich hier als Grund sehen, dass man wirklich den Buchwert für seine Aktien bekommt.

104 Jahre an kontinuierlichen Dividendenzahlungen

Die Dividende ist mit aktuell 80 Cent pro Quartal natürlich erst einmal attraktiv. 3,2% und das Potential, dass eben bei steigenden Zinsen auch diese Dividende zunimmt. Falls die Zinswende jedoch nicht kommt, dann muss man hier vielleicht sehr, sehr lange auf eine Steigerung der Dividende warten. Die Dividende wurde erst dieses Jahr von 77 Cent auf 80 Cent gesteigert, die erste Erhöhung seit 2007.

American National Insurance (ANAT)

Kurs 99,48 US$ (26.09.2015)
Buchwert pro Aktie 166,44 US$ (30.Juni.2015)
KGV 9,71
Enterprise Value/EBITDA 5,93
Dividende 3,20$ (3,22%)
A.M. Best Rating A (Excellent)
Branche Versicherungen divers

Fazit

Die Aktie von American National Insurance [WKN: 858303 / ISIN: US0285911055] hat mein Interesse geweckt, da sie mit ihrem Kurs von aktuell 99,48$ weit unter ihrem Buchwert von 166,44$ (30 Juni 2015) handelt. Solche Abschläge sind aktuell selten bei einer derart solide gestrickten Bilanz. Vormachen darf man sich natürlich auch nichts. Die Firma wird seid Generationen von Insidern kontrolliert und ist im Vergleich zu anderen bekannten Versicherungen ein Zwerg. Kontrollierte Finanzunternehmen werden oft mit einem Abschlag zum Buchwert gehandelt, daher ist der Wert eher etwas für die längere Bank.

Im Fall steigender Zinsen in den USA wäre hier natürlich die Fantasie drin, dass man mit einer besseren Eigenkapitalrendite mit dem Aktienkurs wieder näher an den Buchwert kommt. Beim warten würde dann die sehr sichere Dividende von 3,22% trösten.

Neben den steigenden Zinsen wäre eine weitere Möglichkeit für eine gute Aktienperformance der (bereits erfolgte) Rücktritt des langjährigen Patriarchen Robert Moody. Ein paar Aktienrückkäufe könnten hier natürlich Wunder bewirken. Dies ist aber natürlich reine Spekulation.

Übrigens gibt es das oben angesprochene Aktienportfolio zu aktuellen Kursen praktisch kostenlos dazu. Natürlich besteht in dieser Aktie das Risiko, dass das eingesetzte Kapital (bis auf die Dividende) totes Kapital bleibt. Das Verlustrisiko ist hier dafür aber auch sehr gering.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *