Finanzielle Risiken und wo sie zu finden sind

Was ist eigentlich ein Risiko? Verstehen wir Risiko? Was gehen wir für Risiken ein mit dem was wir tun? Eine interessante Frage, die sich aber die allerwenigsten Menschen stellen. Klar wir betreiben hier Valueinvesting, und versuchen das Thema Risiken in den Griff zu bekommen, doch ist die Investitionsphilosophie nicht nur ein kleiner Aspekt eines größeren Zusammenhangs?
Das gemeine am Risiko ist, dass man manchmal das größte Risiko eingeht, wenn man versucht allen Risiken aus dem Weg zu gehen. Die meisten Menschen in Deutschland gehen finanziell enorme Risiken ein, meistens ohne sich dessen bewusst zu sein.

Sie sind finanziell völlig abhängig von ihrem Job, später dann von der staatlichen Rente. Diese Abhängigkeit sorgt für Unfreiheit. Wer abhängig ist, sieht sich gezwungen Dinge zu tun, hinter denen er nicht steht, hat keine Zeit, die Dinge im Leben zu tun, die wichtig sind, aber nicht demjenigen nützen, von dem man abhängig ist.
Die Schlussfolgerung daraus ist, dass man gut daran tut, sich ein zweites und am besten noch ein drittes Einkommensstandbein aufzubauen. Schon Willhelm Röpke hat vor vielen Jahrzehnten vorgeschlagen, Arbeiter sollten sich ein zweites Standbein mit einer eigenen kleinen Landwirtschaft aufbauen. Die Kapitalanlage wie wir sie hier betreiben, ist eine von vielen Möglichkeiten für eine zusätzliche Einnahmequelle, auch wenn sie vor allem zu Beginn von der Ertragskraft her sehr begrenzt ist. Dafür hat sie den Vorteil fast beliebig skalierbar zu sein. Ein Aktiendepot von 5 Millionen € zu pflegen erfordert nicht hundertmal so viel Aufwand wie 50.000 €. Anders sieht das bei Investitionen in Mietimmobilien aus, da steigt der Aufwand durchaus mit. Aber auch mit andren Hobbys lassen sich unter Umständen ein paar Euro dazuverdienen. Wichtig ist, dass die Einnahmen diversifiziert genug sind, um nicht einzubrechen, wenn ein Einnahmestrang in Schwierigkeiten gerät (etwa weil der Arbeitgeber pleite geht).

Das zweite Risiko, das viele eingehen, ist zu wenig Liquidität. Das führt dazu, dass die meisten Autos geleast werden, und vermehrt auch Möbel und ähnliche Dinge per Konsumkredit finanziert werden müssen, weil die notwendigen Reserven dafür nicht vorhanden sind. Auf Dauer verursacht dieses Verhalten natürlich einiges an unnötigen Zusatzkosten. Wieviel Liquidität jemand braucht, hängt von den jeweiligen Lebensumständen ab. Als Hausbesitzer sollte man beispielsweise immer mit einem gewissen Bedarf an Reparaturen etc. rechnen. In einer solchen Situation dann Investitionen liquidieren oder Kredite aufnehmen zu müssen, ist sehr von Nachteil.

Drittes Risiko ist ein überhöhter finanzieller Hebel im Privatleben. Und damit sind nicht nur Kredite aller Art gemeint. Sondern vor allem auch der „operative Hebel“ bestehend aus recht hohen „Fixkosten“, die viele in Relation zu ihrem Einkommen fahren. Mit Fixkosten meine ich hier nicht nur die vertraglich fixierten (Miete, Strom etc), sondern auch alles was man in sich „psychologisch“ als Anspruchshaltung fixiert hat. Etwas aufzugeben an das man sich mal gewöhnt hat, ist sehr schwer und sorgt für Unzufriedenheit. Die meisten Dinge, für die Menschen Geld ausgeben, heben nicht wirklich die Zufriedenheit und sie werden auch nicht benötigt. Ein moderates Anheben des eigenen Luxus mit gewisser Verzögerung zur Steigerung des Einkommens, schafft nicht nur eine gewisse Sicherheitsmarge gegen Unwägbarkeiten, er erhöht überdies die Spar- und Investitionsquote.
Sparsam sein bedeutet nicht immer das billigste zu kaufen, oder sich selbst nichts zu gönnen. Es bedeutet lediglich darüber zu reflektieren, was man wirklich braucht und was nicht.
Das waren nur mal ein paar Beispiele, über unvermutete finanzielle Risiken, die insbesondere auch Menschen eingehen, die sich selbst als solide und finanziell konservativ sehen. Würde mich freuen, wenn in den Kommentaren in einer Art Brainstorming weitere finanzielle Risken, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind, aber weit verbreitet, aufgedeckt würden.

2 Gedanken zu “Finanzielle Risiken und wo sie zu finden sind

  1. Finanzielle Risiken lauern überall da, wo man unter Stress oder unter starken Emotionen handelt bzw. Entscheidungen treffen soll. Ein Beispiel dazu ist also die typische Situation vor einem Versicherungsabschluß, wenn zuvor die Risiken groß an die Wand gemalt worden sind.

    Allgemein lauern Risiken oft da, wo man von einem besonders stark beachteten Ereignis auf die generelle Risikolage und Wahrscheinlichkeiten schlußfolgert. Unrühmliches Beispiel ist 9/11 und die Zunahme der Verkehrstoten, weil viele Amerikaner im darauffolgenden Jahr nicht mehr flogen, sondern auf das Auto ausgewichen sind aus Terrorangst.

    Quelle ist das sehr lesenswerte Buch von von Gerd Gigerenzer „Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“, Leseprobe: http://www.randomhouse.de/leseprobe/Risiko-Wie-man-die-richtigen-Entscheidungen-trifft/leseprobe_9783570101032.pdf

    Grüße Covacoro

  2. Finanzielle Risiken sind auch mit der direkten Lebenssituation der Anleger verbunden.

    Manche dieser Probleme kann man nicht absichern und kontrollieren, dafür gibt es den kurzen Sinnspruch von Erich Kästner „Seien wir ehrlich Leben ist immer lebensgefährlich“.
    Ein Arbeitnehmer ist soweit er sich von seiner Arbeit finanzieren muss erst mal abhängig vom Arbeitsplatz. Er kann sich auch nicht absichern, da er den Arbeitsplatz jederzeit durch Unwägbarkeiten verlieren kann. Was bleibt sind vielleicht bei diesem Problem tatsächlich mehrere Verdienstmöglichkeiten zu besitzen. Sicher ist man dann immer noch nicht, weil jeder auch krank werden kann … gut das kann man vielleicht versichern mit Berufsunfähigkeitsversicherungen, doch wie sicher kann man wirklich sein, dass die Versicherung zahlt, wenn man krank wird, und man sie nicht durch die Instanzen 10 Jahre klagen muss bis sie zahlt?
    Wenn man sich in langfristige finanzielle Abhängigkeiten begibt (Baukredite z.B.) kann man letztlich nicht sicher sagen ob man vielleicht nicht doch scheitert.

    Plant man einen den Bedürfnissen angepassten Vermögensaufbau kann man zumindest einige Risiken ab puffern.
    Kurzfristig sind eher Geldwerte sinnvoll langfristig eher Sachwerte, da Geld sich mit der Zeit entwertet und keine sehr guten Renditen erzielt. Sieht man sich die Risiken hier an so kann sich Geld auch durch den Währungsaspekt komplett entwerten und ist deshalb einfach für lange Anlagezeiträume wirklich ungeeignet. Das Risiko der Schwankung von Preisen an der Börse wird jedoch mit der Dauer der Aktienanlage immer geringer, da funktionierende Unternehmen nun mal langfristig Gewinne produzieren die die kurzzeitigen Schwankungen irgendwann komplett überholen. Dadurch sind langfristig gestreute Aktien Portfolios auch sicherer als reine Geldwerte.
    Risiko ist also auch etwas zeit- und bedarfsabhängiges.
    Jede Anlageform trägt zusätzlich eigene Risiken und ist nur für bestimmte Ziele geeignet.

    Kann man von etwa 4 % des angelegten Kapitals leben ist man finanziell relativ unabhängig, da eine Mischung aus kurz- und langfristigen Anlageformen so viel Rendite im Schnitt sehr wahrscheinlich produzieren kann. B. Graham beschäftigte sich mit der Entnahme von Kapitalstöcken und kommt zu dem Ergebnis dass mit 4 % Entnahme man in der Vergangenheit auch jede schwache Phase des Marktes überstehen konnte (und damit auch schwache Phasen wie 13 Jahre ohne Kursgewinn überbrückt werden konnten). Hält man sich an dieses Credo wird das Vermögen selbst bei regelmäßiger Entnahme eher steigen als fallen und man hat zumindest eine relative Sicherheit gewonnen.

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