Wüstenrot & Württembergische – Der Euro für 41,5 Cent

Bausparen, Lebensversicherung, Krankenversicherung, Pfandbriefbank mit langweiligem Main-Street-Bank-Geschäft und das alles aus dem Schwabenländle.

Klingt langweilig. Langweilig genug, um auch in der Zukunft relevant zu sein? Ja, ich denke schon.

Das Ende des Bausparens oder der Lebensversicherung einzuläuten, wie es hin und wieder passiert, scheint mir doch mehr als übertrieben. Sehr viele Menschen werden auch in Zukunft mit Hilfe dieser Bausteine Vermögensaufbau und Absicherung erreichen wollen. Spiele übrigens auch gerade mit dem Gedanken einen Bausparvertrag abzuschliessen, um die aktuell niedrigen Zinsen in die Zukunft zu übernehmen.

Vielleicht klingelt es jetzt schon bei einigen, die heute von mir vorgeschlagene Aktie heisst „Wüstenrot & Württembergische AG“. Ein Wert, der operativ inzwischen wirklich überzeugen kann und einiges an „zu hebender“ Substanz in der Rückhand hat…

-Der Artikel ist sozusagen ein Weiterspielen des Gedankens aus meinem Artikel über den Investor Shelby Davis ( hier klicken! )-

Ein Buchwert pro Aktie von 41,60€ und ein Substanzwert von 37,11€ (zum 31.März 2015) bei einem Börsenkurs von 17,x €. Das KGV wohl recht stabil bei circa 8 (eher darunter). Klar, dass macht (zumindest bei mir) sofort Lust auf mehr und wirft sofort eine Frage auf…

Wieso bekommt man hier den Euro für 42 Cent?
Wüstenrot Württembergische Logo-Ihr Vorsorge Spezialist
Diese Frage trieb natürlich auch mich um. Nirgends ist der Buchwert wohl eine so verlässliche Größe als in einer Branche, die eben seine Anlagen zum größten Teil in sehr liquiden Anlagepapieren hat.

Grund 1: Zu geringer Streubesitz

Die Wüstenrot Württembergische AG (W&W) ist zwar mit 3,9 Milliarden € Eigenkapital und 1,62 Mrd.€ sicher kein Small-Cap. Jedoch befanden sich lange nur ein sehr geringer Teil der Aktien im Free Float. Dies machte die W&W Aktie unattraktiv für Fonds oder größere Anleger. Die Aktie war schlicht zu illiquide.

Dies hat sich aber laut Pressemitteilung vom 19.5.2015 aber inzwischen geändert, nachdem der drittgrößte Einzelaktionär Hypovereinsbank seine Anteile auf den Markt gibt. Inzwischen haben wir also inzwischen 20,27% Free-Float und damit die gute Chance auf eine W&W Aktie im S-Dax.

Mehr Free Float, Aufstieg in einen gewichtigen Index und damit mehr Käufer aus dem Feld der professionellen Anleger. Sollte der Aktie langfristig helfen.

Grund 2: Aktionäre warten und warten, aber es springt für sie nichts heraus.

Der Dividendenvorschlag für die nächste Hauptversammlung am 11.Juni ist wieder 50 Cent pro Aktie. Also eine Dividendenrendite von 2,9% und dies obwohl Jahresgewinne pro Aktie von (bereinigt) über 2 € ausgewiesen werden. Von anderen Versicherern ist man höhere Ausschüttungen gewohnt. Warum also ein W&W Aktie kaufen, die sich nicht bewegt und viel weniger ausschüttet als eine Münchener Rück, bei der es das Firmenmotto gibt „Ausschüttungen – immer hoch, nie runter“.

Grund 3 ist gleichzeitig die Begründung für Grund 2.

Grund 3: Das Eigenkapital steckt fest

Die Substanz ist da, aber leider wird sie in den Geschäftsbereichen benötigt, die gerade ihre Schwierigkeiten haben und dies liegt „natürlich“ an den Zinsen.

Die Meldungen von gekündigten, übersparten Bausparverträgen ging ja durch die Presse. Dies war aber nicht reine Gier der Bausparkassen (hier der Wüstenrot), sondern eine Notwendigkeit.

703 Millionen Euro Buchwert stecken aktuell in der Bilanz der Bausparkasse Wüstenrot. Das Jahr 2014 wurde mit 698 Millionen Euro Eigenkapital begonnen und der Jahresüberschuss betrug 4627000€. Die Eigenkapitalrentabilität ist also zumindest beim Bausparen derzeit unter aller Kanone. Wir haben hier also einen Geschäftsbereich mit einer Netto-Rendite von 0,66%.

Bei der Württembergischen Lebensversicherung AG (die zu 94,89% der W&W AG gehört und sicherlich einen eigenen Artikel verdient hat) ist ebenfalls gerade an üppige Ausschüttungen nicht zu denken. Bei der Württembergischen Lebensversicherung ist aufgrund von Zinsverpflichtungen und einer unbekannten Dauer der Niedrig-Zinsphase gerade Rücklagen bilden und Ausschüttungsstop angesagt (vielleicht auch, um Kleinaktionäre aus dem Wert zu drängen. Dies ist aber Spekulation der Börsenforen.).

Es ist also durchaus rational, dass die Aktie nicht die Höhe des Buchwerts annimmt. Der Markt will Renditen und wenn das Kapital der W&W AG derzeit eben in Geschäftsbereichen steckt, die keine Ausschüttungen möglich machen, dann gibt es eben einen krassen Abschlag zum Buchwert.

Die lahme Börsenente Wüstenrot Württembergische AG ist für mich dennoch interessant!

Ein Euro ist ein Euro und wenn ich diesen für 42 Cent bekomme, dann ist ein langfristiger Einstieg in den schwäbischen All-Finanz-Konzern eben für mich interessant. Solange keine Verluste gemacht werden und danach sieht es nicht aus, gibt es ein gewaltiges Kurs-Potential für die Zukunft.

Mein Kaufgrund Nummer 2:

Die Gegenwart ist die Vergangenheit von Morgen. Gerade sind die Altverträge im Bereich Bausparen und Lebensversicherung den Aktionären und Firmenlenkern natürlich ein Dorn im Auge. Aber steigen die Zinsen irgendwann und die Geschichte zeigt, dass sie dann eben doch irgendwann wieder steigen, dann dreht sich die Alt-Vertrags Problematik der Vergangenheit zu einem Geldregen in der Zukunft.

Heute werden die Verträge nämlich mit niedrigen Garantien abgeschlossen und bei höheren Zinsphasen gibt es also sicher hohe Erträge für W&W.

Das Management ist Top.

Seit 2006 Dr. Alexander Erdland die Führung der Wüstenrot Württembergische übernommen hat, hat sich das Unternehmen (nicht die Aktie) aus Aktionärssicht gut entwickelt. Trotz aller Zinsproblematiken verdient W&W gute 200 bis 250 Millionen Euro und dies nachhaltig (bei 1,62 Mrd. Euro Marktkapitalisierung wohlgemerkt). Wahrscheinlich wären es bei besseren Zinsen noch viel mehr, aber dafür kann das Team von W&W nichts.

Für mich ist die Wüstenrot & Württembergische Aktie also sicher etwas für den Value-Investor mit Sitzfleisch.

-Die W&W Aktie ist ein weiterspinnen meiner Gedanken über den Investor Shelby Davis (hier klicken).-

Der Autor besitzt Wüstenrot&Württembergische Aktien-

7 Gedanken zu “Wüstenrot & Württembergische – Der Euro für 41,5 Cent

  1. Hallo Ulrich,

    danke für den Artikel. Finde den Wert auch spannend, frage mich allerdings weshalb sich UniCredit von seinem Anteil getrennt hat. Brach liegendes Kapital, das man besser investieren kann (zumindest kurzfristig)? Strategische Entscheidung? Hast Du da vielleicht eine Idee?

    Grüße

    • Die Sache mit den Ausschüttungen und Versicherungen ist natürlich immer so eine Sache.

      Weiss nicht, ob jemand auch die Rheinland Versicherung beobachtet. Diese hat im zurückliegenden Geschäftsjahr Immobilien mit einem enormen Aufschlag zum Buchwert verkauft.

      Dieser Gewinn wurde dann in die Rückstellungen gebucht und nicht dem offiziellen Eigenkapital zugeordnet. Nehme an, dass dies (manchmal) eine Möglichkeit ist um Steuern zu sparen. Sollte dann wirklich einmal mehr Eigenkapital benötigt werder oder eine große Dividendenzahlung erfolgen, dann bucht man sich erst dann (steuerwirksam) reicher.

      Die Hauptaktionäre dieser Gesellschaft (bei Rheinland sinds wohl die alten Industriellen aus der Region um Düsseldorf) oder bei der W&W (die Stiftung und Horus) sehen ihre Versicherungen ja mehr als sehr langfristige Anlage und haben selber schon Geld genug (warum also auspressen:) ).

      Denke es ist beim betrachten der ausgewiesenen Gewinne immer ein Unterschied, ob es sich um ein Unternehmen mit einzelnen Großaktionären handelt oder um ein Unternehmen, dass überwiegend im Streubesitz ist.

      Das „Familien“-Aktienunternehmen versucht Steuern eher zu sparen und macht seine Gewinne klein. Das „der Kurs muss hoch, sonst wird der Vorstand gewechselt“-Unternehmen, dass muss schön den Gewinn pro Aktie und Umsatz steigen. – Make the numbers or get cut –
      Bei W&W scheint es aber größere Investitionen in die IT etc. zu geben.

      Wie gesagt der Dividendenkracher unter den Versicherungen ist W&W nicht. Aber sie ist eben auch weit unter Buchwert. Die Eigenkapitalrendite ist zwar nicht der Knaller, aber man muss dies ja auch in Relation zum Kurs sehen.

      Bei der Münchener Rück sehe ich übrigens langfristig doch einiges an Fantasie. Natürlich belasten die niedrigen Zinsen und der angeblich härter werdene Rückversicherungsmarkt. Wenn aber die Münchener Rückversicherung wirklich (Provinzler hat dies in seinem Beitrag erwähnt) 16 bis 17 Euro pro Aktie langfristig verdienen kann und weiter ihr überschüssiges Kapital in Aktienrückkäufe steckt. Gibt es ein Tabak-Aktien-Szenario (viele Rückkäufe zu lange anhaltend niedrigen Bewertungen).

  2. Vielen Dank für die kleine Vorstellung.
    Ich glaube auch nicht an ein baldiges Ende von Bausparen und Lebensversicherungen (auch wenn Ich kein Fan davon bin). Auf jeden Fall finde Ich die Aktie interessant und hatte Sie vorher nicht auf dem Schirm.
    Deshalb freue Ich mich auch schon auf die nächste Vorstellung.
    Gruß,

    Claudius

  3. Danke für diesen ausführlichen Artikel, das Ende der Lebensversicherung sehe auch nicht, obwohl es in Deutschland ein sehr hohes Risiko gibt. Lebensversicherung, die in Investmentfonds investieren sind auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

  4. Vielen Dank für den interessanten Artikel. Was mich etwas verwundert ist, dass WW über Jahre hinweg einen großen Teil der erzielten Gewinne einbehält, dies sich jedoch anscheinend nicht positiv auf das Gewinnwachstums auszuwirken scheint.

    Da wäre mir eine Ausschüttung à la Munich Re schon fast lieber.

  5. Tja, jetzt konnte sogar der Gewinn gesteigert werden. Ich denke über einen Kauf nach. Wer in solch einem suboptimalen Marktumfeld noch in IT investieren und den Gewinn steigern kann, der sollte nicht zu einem KGV unter 10 bewertet werden oder? Ich nehme an, wenn wir gerade keine Finanztitelangst hätten, dann würde der Kurs eher bei einem KGV von 12 gehandelt.

    Was sagt der Herr im Blog?

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