Münchener Rück – Hauptversammlung, Zahlen und Erwartungen

Wie aufmerksame Leser meiner Beiträge wissen, gehört die Aktie der Münchener Rück seit Anfang 2011 fest zu meinem privaten Portfolio.
Letzte Woche fand die diesjährige Hauptversammlung statt, die erste, die ich besucht habe.
Insgesamt eine doch recht interessante Erfahrung, auch wenn ich es als einigermaßen nervig empfinde, wenn einige meinen, solche Veranstaltung für die Verfolgung ganz andrer Zwecke für sich nutzen zu müssen. Lässt sich aber wohl leider nicht verhindern.
Hauptthema des Tages war die anhaltendende Niedrigzinsperiode und die Diskussion um die richtige Anlagestrategie. Das Management hielt hier an seiner Linie fest, nicht durch höhere Risiken zu versuchen, höhere Kapitalmarkterträge zu erzielen. Der bedauerlich niedrige Anteil an Aktien und Immobilieninvestments ist der europäischen Regulierung zu verdanken. Kern der Wertschaffung soll jedoch in der Versicherungstechnik erfolgen.
In dieser Hinsicht waren die Nachrichten, die der Vorstand für uns Aktionäre hatte, durchmischt. Im klassischen Rückversicherungsgeschäft verschlechtern sich aktuell weiter die Preise, da die Niedrigzinsen sowohl die Kapitalbasis der potentiellen Kunden auf Erstversichererseite, als auch die der Wettbewerber aufblähen. Im Geschäft mit großen Naturkatastrophen kommen durch die niedrigen Zinsen, Renditejäger aus fremden Branchen wie Pensionskassen hinzu. An der Königinstraße versucht

man sich von dieser unerfreulichen Entwicklung bis auf Weiteres durch Flucht in Know-How intensive Nischen abzuschotten, in denen der Wettbewerb geringer ist. Dieses Geschäft vereinnahmt insgesamt schon über 4 Mrd. € an Prämien und hat eine Combined Ratio von unter 90, ist also hochprofitabel.
Trotzdem hat man die Gewinnerwartung für das laufende Geschäftsjahr deutlich herabgesetzt.
Das Erstversicherungsgeschäft, das in erster Linie aus der ERGO besteht, schnitt im Rahmen des momentanen Umfelds ordentlich ab. Eine Sonderabschreibung auf Goodwill verhagelte das Gesamtergebnis. Hier gilt jedoch der gleiche Hinweis, den ich bei IBM schon vor einiger Zeit abgab. Solche Sonderabschreibungen sollte man bei der Bewertung immer auf die Vorgängerjahre mitverteilen, und nicht voll einem Geschäftsjahr zuordnen, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu erhöhen. Man hat zum neuen Jahr die Segmentierung umgestellt und betreibt nun das Geschäft außerhalb Deutschlands separat in der ERGO International.
Alles in allem bleibt die ERGO über die Jahre ein zuverlässiger Ergebnislieferant.
Auch das relativ kleine Geschäftsfeld Munich Health konnte einen recht erfreulichen Gewinn ausweisen.
Alles in allem also ein sehr gutes Ergebnis für das Jahr 2014, allerdings mitbefördert durch eine vergleichsweise niedrige Belastung aus Naturkatastrophen und Steuerrückerstattungen.
Konsequenterweise und auch auf Basis des weiter gesunkenen Zinsniveaus liegt die Gewinnerwartung für 2015 nur noch bei 2,5-3 Mrd. €. Bei ca. 170 Millionen Aktien im Moment entspricht das 14,70 -17,65 Euro. Mehr ist im derzeitigen Umfeld wohl einfach nicht realistisch. Die Dividende wurde auf 7,75€ je Aktie angehoben. Über die letzten etwas über vier Jahre hat die Münchener Rück damit vor Berücksichtigung von Steuern bereits über 30% meines Investments an mich ausgeschüttet, Ergebnis eines Kaufs bei erheblicher Unterbewertung. Gemessen an der erwartbaren Ertragskraft ist die Aktie sicherlich allen Unkenrufen zum Trotz nicht teuer. Ein Schnäppchen wie noch im Jahr 2011 ist sie allerdings im Moment auch nicht mehr, weswegen ich im Moment keine weiteren Aktien zukaufe. Da es sich um ein solides, gut geführtes Unternehmen handelt, bleibe ich allerdings weiterhin dabei.

3 Gedanken zu “Münchener Rück – Hauptversammlung, Zahlen und Erwartungen

  1. Moin Ulrich,

    ich sehe die Versicherungsbranche inzwischen sehr skeptisch und glaube, dass die Versicherten und die Aktionäre hier auf eine große Geldvernichtung zusteuern. Insbesondere die Rückversicherungsbranche leidet zusätzlich noch darunter, dass aufgrund des dauerhaft niedrigen Zinsniveaus immer mehr Branchenfremde in diesen Markt eindringen, um sich hier vermeintlich attraktive Renditen zu schnappen. Das wird am Ende für alle Beteiligten nicht gut ausgehen, denn die Risiken werden unterschätzt und die Prämien zu niedrig angesetzt. Konsequent, dass Munich Re hier nicht mitzieht, aber eben auch nachhaltig negativ für das operative Geschäft. Gleichzeitig sinkt die Rendite auf die eigenen Kapitalanlage weiter signifikant ab.

    Insbesondere die Einschätzung der deutschen Lebensversicherungsbranche als die riskanteste der Welt durch die Ratingagentur Moody’s ist ein erheblicher zusätzlicher Warnschuss! Ich habe das heute in meinem Blog nochmals ausführlich thematisiert: für mich sind Lebensversicherungspolicen, aber auch die Aktien der gesamten Assekuranzbranche, inzwischen klare Verkaufspositionen. Denn wie Warren Buffett uns lehrt: „Regel Nummer 1 ist, kein Geld verlieren“.

    Liebe Grüße,
    Michael

  2. Dieses Thema beschäftigt mich auch schon seit längerem. Allerdings sehe ich für die MunichRe weniger die Gefahr, dass sie langfristig große Marktanteile abtreten muss. Der Grund dafür ist relativ banal: Als Weltmarktführer im Rückversicherungsgeschäft hat die MunichRe sicherlich mehr Know-How und Erfahrung zur Einschätzung des Marktes und von Risiken als andere Marktteilnehmer. Da kann es dann zwar einmal sein, dass liquide, branchenfremde Unternehmen versuchen ein Stück des Kuchens zu bekommen – langfristig hat es sich aber schon häufig gezeigt (durch alle Branchen), dass Unternehmen die in fremden Revieren wildern häufig Probleme bekommen weil einfach das Know-How fehlt.

    Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass durch das Eintreten von Naturkatastrophen etc. viele der „Möchtegern Rückversicherer“ Probleme bekommen könnten, weil sie ihre Policen zu günstig angeboten haben. Die Folge: Die Kapazitäten am Markt sinken und die verbliebenen Rückversicherer können wieder höhere Preise durchsetzen und mehr Policen abschließen.

    Als langfristiger Anleger gefällt es mir sogar, dass die MunichRe nicht jeden Preiskampf aufnimmt. Größere Sorgen bereitet mir eher das niedrige Zinsniveau.

  3. @Michael: Der Artikel war nicht von mir, sondern von Provinzler. Müssen das wohl mal irgendwie deutlicher darstellen 😉 .

    Die beiden negativen Einflüsse sehe ich auch. Niedrige Renditen auf das „verwaltete Vermögen“ und Branchenfremde.

    Habe auch seit einiger Zeit ein paar Aktien von Alleghany (kleinere Berkshire mit Rückversicherer im Bestand). Diese haben ebenfalls bereits den Eintritt von Pensionsfonds angekündigt.

    Die Frage ist aber, ob diese neuen Geldgeber wirklich den alten Hasen den Schneid abkaufen. Habe wie Daniel hier auch die Meinung, dass wohl die etablierten Unternehmen sicher im Bereich Kundenkontakte, Verlässlichkeit und Know How einen Vorsprung haben.

    Will aber eh demnächst eh noch zum Thema Versicherungen schreiben.

    Das Kontra Argument (bei all dem Negativen) ist jedoch, dass die Versicherungsaktien heute immer noch nah am Buchwert (Buchwert und Konzern-Bilanzen…) notieren, hohe Dividenden zahlen und zu niedrigen KGVs handeln.

    Denke recht viel Negatives ist hier immernoch eingepreist. Nehmen wir an die großen Rück-Versicherer schaffen weiterhin langfristig ne Eigenkapitalrendite in den hohen Einstelligen oder 10%+bisschen Plus, dann dürfte das Investment durchaus auf längere Sicht gut aufgehen.

    Allen Lesern eine gute Nacht 🙂

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