US-Zinsen mit Hebel – Bank of Utica

Danke erstmal an Marfir für seinen ausführlichen Beitrag über Apache.

Eine Aktie, die mich seit längerem Zeit sehr fasziniert ist der amerikanische Small Cap-Wert „Bank of Utica“.

Die Bank wird immer mal wieder in amerikanischen Blogs angerissen und verschwindet dann wieder von der Bildfläche.

Die Bank von Utica hat ihren Hauptsitz ( oder besser die einzige Niederlassung ) in der verschlafenen amerikanischen Stadt Utica. Sie besteht seit 1927 und wird in der vierten Generation von der Sinnott Familie geführt.

Auf der Main-Street zuhause

Weit weg von der Wall-Street betreibt die Bank ein ziemlich langweiliges Geschäft. Sie sammelt Einlagen ein und steckt diese zum größten Teil in Anleihen von anderen großen Banken und Staaten. Eine große Kreditabteilung für private Haushalte oder kleine Unternehmen gibt es nicht. Dieser Umstand wird ein Resultat aus dem recht geringen Personalbestand und dem niedrigen Kapitalbedarf in dem vor sich hinträumenden Städtchen sein.

Gewinne werden also aus dem Spread ( Differenz zwischen Zinsen auf Kundenguthaben und der Rendite der Anleihenbestände ) gemacht.

Langweilig, wenig Risiko, derzeit natürlich renditeschwach und mit Skalen-Effekt
Bank of Utica Logo
Das Geschäftsmodel ist natürlich gerade ziemlich lahm. Niedrige Zinsen für Sparer locken wenige Neu-Einlagen an und niedrige Zinsen auf sichere Anleihen bringen maue Renditen. Natürlich sprudeln die Gewinne im Augenblick nicht und der Kurs der Aktie dümpelt in den letzen Jahren nur ganz langsam nach oben.

Den Kursabschlag 2008 erkläre ich mir übrigens durch den recht geringen Free-Float und darin, dass die Bank of Utica wohl häufig Anleihen der großen US-Finanzinstitute hält. Wären diese also über die Klippe gesprungen, dann hätte folglich auch die Bank of Utica einiges in der Bilanz abschreiben müssen.

Was macht dieses „Durchschnitts-Geschäft“ interessant?

Interessant an der Bank aus Utica sind die gewaltigen Einlagen von 779,3 Millionen US-Dollar und das Eigenkapital von über 180 Millionen Dollar. Zusammen mit ein wenig zusätzlichem Fremdkapital bringt dies die Bilanzsumme auf stolze 981 Millionen Dollar ( Stand 31.Dezember 2014).

Was sind schon 981 Millionen in der Zeit der Milliarden und Billionen?

Natürlich sind 981 Millionen nicht viel im Kontext einer europäischen oder amerikanischen Großbank. Der springende Punkt dabei ist, dass diese gesamte Bilanzsumme durch nur eine einzige Filiale herangeschafft (Einlagen) und angelegt wird und man insgesamt nur 38 Personen beschäftigt

Örtliche Volksbank Wells Fargo (US-Großbank) Bank of Utica
Bilanzsumme 1,66 Mrd. € 1687 Mrd.US$ 981 Mio.US$
Einlagen 1,07 Mrd. € 1054 Mrd.US$ 779 Mio.US$
Geschäftsstellen 54 6314 1
Mitarbeiter 341 263900 38
ØEinlagen pro Geschäftsstelle 3,15 Mio. € 167 Mio. US$ 779 Mio. US$
ØBilanzsumme durch Mitarbeiter 4,86 Mio. € 6,39 Mio. US$ 25,82 Mio. US$

Meine lokale Volksbank und die amerikanische Wells Fargo habe ich als Vergleichsobjekte gewählt, da sie den eher konservativen Bankensektor darstellen.

Wenn alle Jockeys gleich gut sind, dann gewinnt das beste Pferd…

Davon könnte man natürlich hierbei ausgehen. Es können mit viel geringeren Kosten viel größere Geldbeträge bewegt werden.

Natürlich ist dies nun auch wieder „zu“ vereinfacht gedacht. Natürlich hat die größere Bank mehr Kapazitäten in der Kreditvergabe oder kann durch besseres Crossselling mehr Ertäge generieren. Wells Fargo ist ja ein Meister darin seinen Kunden allerlei sonstiges an Gebühren aufzubinden.

Was ist die Ertragskraft der Bank?

Die Bank of Utica hat natürlich -wie auch die Sparer- mit dem niedrigen Zinsumfeld zu kämpfen. Im Jahr 2013 lag das Vor-Steuer-Ergebnis (vor realisierten Buchgewinnen) bei 15,012 Mio. $. 2014 waren es dann nur noch 12,747 Mio.$.

Bank of Utica New York Non-Voting Share/Aktie

( Ticker: BKTUK / WKN: A0JDL7 / ISIN: US0654372046 )

Kurs 460 US$
Buchwert je Aktie 720,88 US$
Gewinn pro Aktie 2014 48,4 $
KGV 2014 9,5*
Eigenkapital-Rendite 7,25%
Dividenden-Rendite 2,65%
Branche Bank/Finanzen

Die Voting Aktie ( Ticker : BKUT / ISIN US0654371055 ) zu kaufen ist wohl eher unnötig. Da von den Aktien mit Stimmrecht eh die Mehrheit bei der Familie der Bankführung liegt. Insgesamt gibt es übrigens 250 000 Aktien ( alle Aktienklassen)

Tolle Aktie, aber derzeit wenig Upside.

Die Bank of Utica ist beeindruckend. Derart viele Einlagen mit nur einer Filiale und so eine tolle Kostenstruktur. Das Problem ist, dass der Buchwert zwar hoch ist, aber eben aufgrund der fehlenden guten Anlagemöglichkeiten die Eigenkapitalrendite eher am sinken ist.

Im Prinzip wäre es so einfach. Die Bank hat -bis auf 62,6 Millionen $ an vergebenen Krediten- alles in Anleihen. Die Bank ist mit 180 Millionen US$ überkapitalisiert und müsste eigentlich versuchen eigene Aktien zurückzukaufen. Wobei natürlich fraglich ist, ob hier auf dem freien Markt überhaupt viel zurückzukaufen ist.

Mein Fazit

Die Bank of Utica ist einerseits eine tolle Bank und das Management hat sicherlich bewiesen, dass es seine enormen Kundeneinlagen halten kann und dies mit sehr wenig Manpower.

Leiter schenkt die Bank aber auch seinen Aktionären nicht viel Aufmerksam. Einen Investor-Relations Bereich sucht man vergebens. Es wird jedes Jahr zweimal eine (seit vielen Jahren steigende) Dividende ausgeschüttet.

Einschub: Informationen über alle US-Banken und deren Bilanzen und Ertragssituation finden man auf dieser Website der amerikanischen Einlagen-Versicherung https://www2.fdic.gov/idasp/confirmation_outside.asp?inCert1=13397 ).

Die Aktie würde ich dennoch als langfristig als recht sicher ansehen. Die Bank ist überkapitalisiert und wer kaum Kredite vergibt, der kann auch nicht von Kreditausfällen in den Abgrund gerissen werden.

Übrigens sind fast 300 Millionen Dollar in Nicht-US-Anleihen investiert und daher sind natürlich hier auch Währungsschwankungen wahrscheinlich.

Wenn die Zinswende in den USA kommt gibt es hier sicherlich Fantasie + wenig Risiko.

Wer sich für Banken interessiert und in Small Caps investiert, der kann sich die Utica mal ansehen.

Der Skaleneffekt macht mich einfach verrückt 🙂 .

Aufmerksam wurde ich auf die Aktie erstmals durch http://otcadventures.com .

2 Gedanken zu “US-Zinsen mit Hebel – Bank of Utica

  1. Danke fürs Lob!

    Wo hast du denn die Zahlen her, wenn die Bank keine Geschäftsberichte veröffentlicht? Regelmäßige GB sind aber wichtig, um die Wertentwicklung monitoren zu können.

    Und wieso hat diese Bank so viele Einlagen? Wohnen in der Kleinstadt lauter Milliardäre? Könnten Kunden ggf. ihre Kohle abziehen (für Spekulationen am Aktienmarkt) und damit den Gewinn deutlich drücken?

    Wenn etwas zu gut aussieht, könnte auch etwas faules dran sein 😉

    Beispielsweise die Marktkap. Wo soll die Aktie denn handelbar sein? Und wie viele bekommt man wohl an einem durchschnittlichen Tag los, wenn man keine Lust mehr hat? Ein Investment ist eher Utopica 😉

  2. Danke Ulrich für die ausführlichen Berichte zur Bank of Utica. Bin vor ca. einem Jahr eingestiegen und Langsam dreht der Wert schön nach oben inkl. Zinsfantasie und schöner Bilanz im Rücken

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