Musterdepot-Kauf: Universal Corporation

Im März 2014 hatte ich schon einmal die Aktie des Tabakhändler Universal Corp. aus Virginia angeschnitten. Die Firma ist ein weltweit operierender Tabakhändler und Verarbeiter, dessen Geschichte bis zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs zurückreicht.

Das Unternehmen ist eher unbekannt, da es anders als Phillip Morris oder Japan Tobacco nicht selbst Zigaretten oder andere Tabakprodukte ( Zigarren, Pfeifentabak) herstellt und deswegen keine große Außenwirkung besitzt.

Das Geschäft von Universal ist der Kontakt mit den Landwirten, die Verarbeitung, die Lagerung und der Kauf und Verkauf von Tabak. Zudem werden Tabakfarmer mit Krediten, Know-How und Produktionsmitteln versorgt. Also ist Universal praktisch eine BayWa oder Archer Daniels Midland der Tabakwelt.

Was einem recht schnell auffällt ist, dass der Handel mit Tabak wesentlich rentabler ist als der Handel mit anderer Agrargütern. Universal schafft es seit Jahren Bruttomargen von an die 20% zu erwirtschaften. Gewinnspannen von denen ein großer Getreidehändler wohl nur träumen kann…

…Dies liegt wohl daran, dass Getreide eben Getreide ist – Tabak aber eben nicht gleich Tabak. Dies fällt wohl jedem auf, der schon einmal den Geschmack einer Cohiba mit dem eines Aldi-Zigarillos verglichen hat. Es gibt je nach Böden und Klima andere Geschmäcker, diverse Qualitätsabstufungen und daher eben auch den Gelegenheit Gewinne zu erzielen, die mit einem reinen Commodity-Rohstoff nicht möglich sind.
Universal Corp Check
Soviel zum Grundwissen über den weltweit größten Tabakhändler. Also habe ich vor einigen Tagen mich mal wieder durch die Börsenwebsites geklickt und mal gekuckt, was aus den Aktien wurde, die ich irgendwann mal im Kopf hatte, aber die es dann doch nicht ins Depot geschafft haben.

Was ist den mit dem Kurs kaputt?

Da sehe ich Universal bei unter 40$ liegen, nachdem der Wert Anfang 2014 noch um die 60$ gependelt war. Mir war bekannt, dass die Universal Corporation einen Dividendenaristokrat war und wenn eine Firma über Jahrzehnte die Dividende langsam steigen lässt, dann ist in der Regel auch Fleisch an den Knochen.

Nach ein paar Stunden Internetrecherche hatte ich ein paar Kontra-Argumente gegen ein Universal-Investment gefunden.

  1. Die Großen Zigarettenfirmen (die circa 70% des Tabaks kaufen) haben seit Jahren selber Kontakt zu Tabakfarmern und kaufen direkt und das Geschäftsmodel von Universal verliert seine Existenzberechtigung.

Meinung: Möglich, aber wenn Universal so einfach zu ersetzen ist – dürfte es diese Firma schon lange nicht mehr geben. Die Konzentrationen auf dem Tabakmarkt sind ja keine neuartige Entwicklung und Universal muss darum einen gewissen Wettbewerbsvorteil in Form von Beziehungen, Know-How und Infrastuktur haben, der eben doch sehr schwer zu knacken ist.

  1. Der Tabakkonsum wächst weltweit nur noch sehr, sehr langsam und könnte auch irgendwann sinken. E-Zigarette, Gesundheitsorganisationen, Rauchverbot sind mächtige Gegenspieler.

Meinung: Let’s see. Es gibt hier das Negativ-Szenario der stetig schwindenden Nachfrage, ob dies für Universal wirklich so negativ ist … ist abzuwarten.

Es ist auch das Szenario möglich, dass der Tabakkonsum wirklich in den nächsten Jahren nach unten dreht, aber dafür durch Einkommenszuwächse in Raucherländern wie China dazu führen, dass höherwertiger Tabak verlangt wird.

Sinkt die Nachfrage nach Tabak, bei gleichzeitigem Steigen der Nachfrage nach Qualtitätstabak, dann könnte Universal dennoch wachsen.

Zudem ist Universals Hauptkonkurrent Alliance One von einem hohen Schuldenberg geplagt, der dem Mitbewerber in einer schwachen Marktphase den Todesstoß versetzen könnte.

Das Langzeitpotential des Tabakhandels ist also wirklich schwer abzusehen. Bedenkt man aber wie lange es schon Tabak gibt, dass es ein Suchtstoff ist und in Asien immer noch als Statussymbol dient, dann sind hier doch wieder alle Wetten offen.

Lieber ein stagnierende Industrie mit Oligopol-Strukturen als ein großer Markt mit Wettbewerbern ohne Ende.

It’s boring… but hey – it’s printing money

Die Kursentwicklung von Universal ist für langjährige Anleger wohl eine Enttäuschung. Es geht mal in den 60er Bereich, dann wieder in den 40er und 2009 ging es sogar im Krisenmodus mal auf die 30$ und das Ping-Pong-Spiel beginnt von vorn.

Dabei ist die Firmenlenkung besser als der Aktienkurs Zum einen sticht die (langsam wachsende) Quartalsdividende hervor, die aktuell die 5% übersteigt. Zum anderen hat das Unternehmen stark an seiner Bilanz gearbeitet.
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Hatte Universal Ende 2005 noch langfristige Schulden (+Pensionsverpflichtungen + Steuerverpflichtungen (long term) ) von fast 1,06 Milliarden Dollar ; sind es Ende des Geschäftsjahres März-2014 nur noch um die 400 Millionen Dollar gewesen.
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Ein solcher Schuldenabbau + die konstanten Dividenden bei einer Marktkapitalisierung von 9xx Millionen Dollar, da ist ein guter Return sicherlich möglich. Das Kapital, dass jetzt nicht mehr für den Schuldenabbau gebraucht wird könnte in stärker steigende Dividenden, Aktienrückkäufe oder in gute Investments gesteckt werden.

Wenn alles so toll ist – warum haben wir den enormen Kursverfall letztes Jahr gesehen ?

Dies war natürlich auch meine erste Fragestellung. Wenn in Zeiten der Niedrigzinsen Dividenden so toll sind, dann müsste diese Aktie doch ein Anker der Stabilität sein.

Das Witzige ist, dass sich diese Frage sogar die Investor-Relations Abteilung von Universal stellt.

In einer Pressemitteilung vom 18. September 2014 schickte das Unternehmen folgende Meldung raus; „We note the recent activity in the Company’s common stock during this week. Subsequent to the release of our quarterly earnings last month, we have not issued any release, and we are not aware of any other such release that would have resulted in this week’s unusual activity in our common stock.“

Im klagewütigen Amerika wäre das Unternehmen also ganz schön dusselig solche Pressemeldungen rauszugeben, wenn den wirklich etwas gravierendes nicht stimmen würde.

There is a reason for everything

Natürlich gibt es eine Begründung für den Kursverfall.

  1. Mindestens ein großer ETF hat Universal aus seinem Portfolio gestrichen und damit ordentlich Verkaufsdruck in die Aktie gebracht.
  1. Ein Händler hat immer das unkalkulierbare Inventars-Risiko. Steigen die Vorräte in einer schwierigen Marktphase, dann steigt auch das Risiko von großen Abschreibungen und folglich sinkt das Kapital der Aktionäre.

Seit einigen Quartalen sehen wir bei Universal eine Erhöhung des Inventars. Inzwischen befindet sich Tabak von fast 1,2 Milliarden US$ in der Bilanz, der je nach dem niedrigeren Wert bewertet wird ( Einkaufskosten oder aktueller Marktwert). Dazu sanken Umsatz und Gewinn im ersten Geschäftshalbjahr deutlich. Das Management signalisiert, dass es gerade temporäre Überkapazitäten gebe und die Lieferung des Tabaks lediglich ins zweite Halbjahr verschoben wurde.

Risk / Reward

Wird Universal also auf seinem Tabak sitzen bleiben und Universal-Aktionäre erleben bei den nächsten Quartalsberichten eine böse Überraschung?

Möglich, aber hier könnte auch ein positive Überraschung lauern. Circa 85% des Inventars sind bereits an die großen Zigarettenhersteller vertraglich vermittelt. Das hier also wirklich eine akute finanzielle Zeitbombe in den Lagerhallen schlummert ist nahezu auszuschließen.

Zum anderen ist Tabak recht lange haltbar, daher könnte es zwar kleinere Abschreibungen geben, aber die Chance, dass in ein paar Monaten sich alle die Augen reiben und sagen „was war den da?“ ist groß.

Insiderkauf

Dafür würde auch sprechen, dass CEO George Freeman im November fast 100 000$ bei Kursen unter 40 $ in Universal gesteckt hat. Wie so oft sind Insidertransaktionen aber kein sicheres Kauf-Signal, der Mann ist schließlich Multi-Millionär und 100 000$ sind da auch mal als vertrauensbildende Maßnahme drin.

Gehen wir also aus, dass Universal langfristig seine 4 oder 5 $ verdient, eine solvente Bilanz hat und die Dividende bald wieder den Kurs stützen könnte, dann haben wir aktuell folgende Rohdaten

Universal Corporation Aktie

Buchwert je Aktie 58,16 $
KGV ( langfristiger Durchschnitt) Circa 9
Dividendenrendite 5,20%
Credit Ranking BBB- ( Fitch )
Industrie Tabak/Agrarhandel

Bei 39,99$ gehe ich das Risiko für mein Musterdepot ein. Universal Corporation ( Ticker: UVV / ISIN US9134561094 / WKN 859669 ) ist bereits – nicht nur gefühlte – 100 Jahre auf dem Tabakmarkt aktiv, hat eine gute Bilanz, starke Dividende, gute Cashflows und eine langfristige Ertragskraft.

Die Firma bietet natürlich noch mehr Gesprächsstoff rund um neue Geschäftsfelder etc. , aber das folgt vielleicht später.

Zudem konnte Universal Corporation gerade einen Teil seiner langfristigen Schulden wesentlich günstiger refinanzieren und hat ein neues Handelsabkommen für US-amerikanischen Tabak mit Philip Morris Internation geschlossen.

Wer sich noch ein wenig zum Thema Universal Corporation Aktie beschäftigen will, dem gebe ich folgende Links mit:

Eine Aktienanalyse (Quelle: Universität von Iowa)

-Es gibt auch irgendwo ein ganz interessantes eBook über die lange Historie der Tabakbarone und Universal, leider finde ich gerade den Link nicht.

Zum Musterdepot – Klicken!

Für Musterdepot von Ulrich werden gekauft : 500 Aktien (39,99$) der Universal Corporation

5 Gedanken zu “Musterdepot-Kauf: Universal Corporation

  1. Moin,
    gut recherchierter Artikel. Bin bereits seit Sept. 2014 drin. Seitdem ist die Aktie nochmal um 10% gefallen, was allerdings durch die Wechselkursentwicklung wieder aufgefangen wurde.
    Die Risiken hast Du ganz gut aufgegriffen. Der sinkende Tabakkonsum in den Industrieländern ist ein Fakt, der nicht zu vernachlässigen ist. Die Chance der Schwellenländer hast Du genannt. Weiterhin kann man erwähnen, das Universal bereits im Bereich der E-Zigaretten vertreten ist. Die Umsätze sind hier sicherlich noch zu vernachlässigen, aber falls der Bereich mal boomen sollte, haben sie schon einen Fuß in der Tür.
    Eine Situation wie aktuell (starke Vorratshaltung und Verschiebung Umsätze ins 2. Halbjahr) gab es schon mal in der Vergangenheit (finde das Jahr gerade nicht). Auch damals konnte man dem Managment vertrauen.
    Ich sehe die Dividende als Versicherung an. Sollte sich die Äußerung mit dem verschobene Umsätzen in Q3 nicht bewahrheiten, dann fallen die Kurse sicherlich weiter, aber die Dividendenzahlungen werden das ganze abbremsen. Risiko muss man immer gehen, aber im Grunde genommen sehe ich hier kaum eines.

    Besten Gruß
    Stefan

  2. Du scheinst Leser an der Wallstreet zu haben. Artikel datiert 31.1.2015, und was passiert seit genau dem ersten Handelstag danach? Die Aktie geht ab wie Schmidts Katze. Bitte weiterhin so ein Timing 😉

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