Musterdepot-Pohang Iron and Steel Company (Posco)

Musterdepot Kauf-Pohang Iron and Steel Company (Posco)

Auch ich werde nun den ersten Wert für mein neues Musterdepot vorstellen, die Pohang Iron and Steel Company, oder kurz Posco.

Posco produziert in erster Linie Stahl und damit ein absolutes Commodity-Produkt. Im Stahlmarkt findet aktuell ein ziemliches Blutbad statt. Der Stahlpreis ist von den Hochs vergangener Jahre drastisch gefallen, und die meisten Hersteller schreiben tiefrote Zahlen.

Stahlproduktion ist kapitalintensiv und hochzyklisch. Sind die Preise hoch, kommt nach einigen Jahren viel neue Kapazität in den Markt, wodurch die Preise wieder sinken. Der eine oder andre, der zu optimistisch kalkuliert hat, geht pleite und das Spiel beginnt von vorn. Momentan befinden wir uns also im Zyklustief. Wie lange es noch genau dauern wird, weiß keiner. In einer solchen Konstellation ist es absolut entscheidend, strukturell im Vergleich zum Wettbewerb niedrige Kosten zu haben. Das ist die einzige Möglichkeit, hier einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil zu erzielen…

Diese Voraussetzung erfüllt Posco. Trotz niedriger Fabrikauslastung schreibt man im Gegensatz zu den meisten Wettbewerben nach wie vor schwarze Zahlen. Doch warum hat Posco niedrigere Kosten als die Wettbewerber und vor allem, warum sollte das auch in Zukunft so bleiben? Um das zu verstehen, muss man sich die Entstehungsgeschichte des Unternehmens anschauen: Posco war früher ein Staatsunternehmen. In der Zeit, als Südkorea noch eine Diktatur war, wurden in Pohang die beiden großen Stahlfabriken direkt neben einen großen Containerhafen gebaut. Stahl ist im Vergleich zu seinem Wert sehr schwer, Transportkosten fallen also relativ stark ins Gewicht. Der Transport per Schiff ist viel günstiger als andre Transportwege. Posco hat den unschlagbaren Vorteil, dass sie ihr Produkt mit der geringen Wertdichte (Preis je Gewichtseinheit) nicht erst lang in der Gegend herumkarren müssen, sondern gleich aufs Schiff verladen können. Dieser Wettbewerbsvorteil ist nicht so leicht zu kopieren.

Der zweite Faktor, der die Kosten senkt, ist weniger dauerhafter Natur, und besteht in technologischem Vorsprung. Posco hat gemeinsam mit Siemens/Voestalpine die sogenannte FINEX-Technologie entwickelt, durch die man weitere 10-15% weniger an Produktionskosten hat. Man ist auf der Lernkurve weiter als die Konkurrenz und hat wohl ein recht gutes internes Klima für Neuerungen, und man gibt mehr für Forschung und Entwicklung aus als die Konkurrenz. Poscos Vorteil ist so erheblich, dass man trotz der Inflationierungspolitik der japanischen Abe-Regierung und trotz der massiven geschichtlich bedingten Vorbehalte, seinen Marktanteil in Japan steigern konnte.

Posco hat also alles in allem im Wettbewerbsvergleich sehr niedrige Kosten, und wird das Zyklustief mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit überleben und wieder gute Gewinne machen.

Posco ist natürlich abhängig von der Konjunktur im nahegelegenen China, allerdings nicht direkt, sondern indirekt, denn der wichtigste Abnehmer ist die südkoreanische Automobilindustrie.

Posco notiert aktuell zu einem deftigen Abschlag vom Buchwert. Betrachtet man den Zeitraum seit 1996, so hat Posco im Schnitt ca. 11% Eigenkapitalrendite erzielt. Wenn wir davon ausgehen, dass die 11% langfristig für Posco der Normalzustand sind, beträgt das so adjustierte KGV etwa bei 4-5. Ich denke man kann davon ausgehen, dass keine Chance besteht, das gleiche Unternehmen für weniger als den Buchwert auf die grüne Wiese zu stellen.

Aber warum gerade jetzt? In Südkorea im Allgemeinen und bei Posco im Speziellen, ändern sich grade einige Dinge elementar. Die Interessen der Minderheitenaktionäre rücken stärker in den Fokus. So will die südkoreanische Regierung Firmen dazu bringen in Zukunft mehr ihrer Gewinne an die Aktionäre auszuschütten. Bei Posco ist es so, dass vor kurzem ein Wechsel an der Spitze stattgefunden hat. Als erstes hat sich die neue Führungsmannschaft die eigenen Bezüge gekürzt und zwar um ca. 10-15%. Dann haben sie erstmal ordentlich selber Aktien gekauft. Und als drittes will man nun die Bilanz „aufräumen“. Wie die meisten der großen südkoreanischen Gesellschaften hat auch Posco ein wildes Sammelsurium an größeren und kleineren Beteiligungen an Firmen, die mit dem Kerngeschäft nichts zu tun haben. Vom Gaskraftwerk bis zum Ingenieurbüro ist da alles mit dabei. Da einige Beteiligungen schon länger bei Posco liegen, kann man im Schnitt sogar drauf hoffen, dass beim Verkauf noch die ein oder andre stille Bilanzreserve aufgedeckt wird. Danach will man sich aufs Kerngeschäft konzentrieren und dort organisch wachsen.

In provinzlers Musterdepot wandern 25 Posco-Aktien @ 290500 KRW mit einem Wechselkurs von 1 EUR = 1285,5471 KRW, was einem Aktienstückpreis von 225,97 EUR entspricht. Die Kaufkosten belaufen sich somit auf 25*225,97 EUR = 5649,25 EUR.

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