Analyse Subsea 7

Sehr geehrte Leser,

ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dieses Jahr auch noch in etwas anderes als Bergbau- und Agrarunternehmen investieren zu können. Aber manchmal passieren doch kleine Wunder. In letzter Zeit ging es mit dem Ölpreis stetig abwärts. Gleichzeitig führte das bei manchen Branchen zu regelrechten Panikverkäufen, z. B. bei US Fracking-Firmen und bei offshore drilling companies. Ausgelöst wurde der Ölpreisverfall durch die Erkenntnis bei den Anlegern, dass der US Fracking-Boom die Märkte mit Öl & Gas „überschwemmt“ und die OPEC lieber eine Menge-vor-Preis-Strategie fahren will (d. h. Verteidigung von Marktanteilen). Die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Europa und China dürfte sicher auch mit zu einer geringeren Nachfrage und damit zu einem Angebotsüberhang beitragen.

Ich persönlich glaube nicht daran, das der Ölpreis lange niedrig bleiben wird und habe mich daher auf die Suche nach Value-Investments in dem Bereich gemacht. Die Branche von Anbietern für Hochseebohrungen ist innerhalb eines Jahres gut unter die Räder gekommen. Manche Anbieter haben 1/3 bis die Hälfte ihres Börsenwertes verloren. Somit bietet sich die Gelegenheit ein paar Schmuckstücke heraus zu picken. Bei Fracking-Firmen sieht es ähnlich aus, aber um die geht es ein anderes mal.

Warum glaube ich, dass der Ölpreis nur kurz- bis mittelfristig so niedrig bleiben wird?

Der Fracking-Boom in den USA läuft bereits schon länger und war anfangs von großer Euphorie begleitet. Schon seit mindestens 2013 ist aber klar, dass die Annahmen zu Förderkosten und Verfügbarkeit von Ressourcen deutlich überzogen sind. In den meisten Gegenden der USA sinkt die Fördermenge der Bohrtürme bereits nach kurzer Zeit deutlich (in 3 Jahren 80-90% bzw. 60% p.a.) und bedingt damit ständig Neuinvestitionen in neue Bohrtürme. Um die Fördermengen bei den stark nachlassenden Quellen aufrecht zu erhalten wird bereits ein ex-potentielles Wachstum von Bohrtürmen prognostiziert. Angesichts der begrenzten Menge an Fracking-Gebieten und der geringen Menge von „sweet spots“ ein endliches Modell. Die US EIA prognostiziert bereits für 2016 einen peak oil durch Fracking. Niedrigere Ölpreise und damit geringere operative cashflows dürften die Neuinvestitionen eher erschweren.

Hinzu kommt, dass bereits viele kleine Fracking-Firmen unter Druck stehen. Es wird vermutet das bei 80 $/Barel WTI noch 80% aller Fracking-Firmen profitabel arbeiten. Viele Firmen haben in der Vergangenheit schon große Abschreibungen vor genommen und einige haben enorme Schulden (z. B. Chesapeake Energy). Fällt der Ölpreis weiter, könnten einige Firmen gezwungen sein ihre Schulden durch Unternehmensverkäufe zu reduzieren anstatt zu investieren. Eventuell gerät auch der Schrottanleihen-Markt unter Druck, wenn ein paar Firmen kollabieren.

Während in den USA all zu niedrige Ölpreise dem Fracking-Boom eher einen Dämpfer verpassen dürften, sind auch andere Öl produzierende Staaten nicht an niedrigen Preisen interessiert. Die Förderkosten in z. B. Venezuela, Nigeria, Iran, etc. sind recht hoch und auch die Saudis dürften nicht dauerhaft interessiert sein, ihren einzigen Exportschlager billig abzugeben. Kanada bekommt ebenfalls sein Öl aus Ölsanden nicht mehr so gut los, umso mehr die USA ihren Ölbedarf selbst decken. Auch wenn die OPEC sich vorerst nicht auf eine Reduzierung der Fördermengen einigen konnte, so bleibt das sicher nicht von Dauer. Für einige OPEC und nicht-OPEC Staaten sind die Einnahmen aus dem Ölgeschäft immens wichtig zur Finanzierung des Staatshaushalts. Einen Preiskampf können sich diese Staaten nicht leisten und werden daher über kurz oder lang ihre Produktion senken (müssen).

Falls man meiner Argumentation nicht folgen kann, so wäre ein Investment in der Branche derzeit nicht angebracht. Denn der fallende Ölpreis macht Investitionen in die Ölförderung auf hoher See weniger attraktiv, wodurch die Vermietung von Bohrschiffen und Plattformen weniger nachgefragt wird. Das könnte die Aktienkurse weiter belasten und in Zukunft zu noch günstigeren Einstiegskursen führen.

Abgesehen vom nahenden peak oil beim Fracking gibt es noch einen anderen wichtigen Grund, in der offshore drilling Branche investiert zu sein. Die weltweiten Ölvorkommen gehen immer mehr zur neige und die meisten billig zu fördernden Quellen an Land sind bereits ausgeschöpft. Der Trend der letzten zwei Jahrzehnte geht immer mehr hin zur Ölförderung auf hoher See.

Ich sehe auch keine Chance dass wir in den nächsten zwei Jahrzehnten komplett/größtenteils vom Öl loskommen würden. Ganz im Gegenteil. Die Schwellenländer werden in Zukunft zu einer höheren Nachfrage beitragen, beim Versuch den westlichen Lebensstil zu kopieren. Das führt zwangsläufig auch zu mehr Investitionen in Hochsee-Ölförderung. Nicht nur um den Bedarf überhaupt decken zu können, sondern auch um langsam versiegende Quellen an Land ersetzen zu können.

 

Das Unternehmen

 

WKN / ISIN 889539 / LU0075646355
Marktkapitalisierung ca. 4,4 Mrd. US $
Aktienanzahl 374,7 Mio.
Homepage http://www.subsea7.com
Free float ca. 73 %
Aktueller Kurs 11,65 US $ / 9,3 €
Dividendenrendite ca. 5-6% (wegen des starken Kursrückgangs)

 

Kurzvorstellung

Subsea 7 entstand 2011 durch den Zusammenschluss von Acergy S.A. und Subsea 7 Inc. Das Unternehmen besitzt eine Flotte von 37 Schiffen und zusätzlich 6 weiteren, welche sich noch im Bau befinden. Subsea 7 bietet neben Bohrschiffen auch noch Schiffe für die Unterseeverkabelung an, für den Untersee-Pipelinebau, Bauschiffe mit Lastkränen, Schiffe zum Kartografieren und Versorgungsschiffe für Ölfelder bzw. Plattformen. Dazu kommt eine Gruppe von ferngesteuerten Tauchrobotern, die man für Unterseearbeiten mieten kann, wo ein Taucher nicht mehr hin kommt.

Die Einsatzgebiete sind weltweit verstreut, wobei der Großteil der Einnahmen in Kanada, der Nordsee, Afrika, dem Golf von Mexiko und dem Mittelmeer anfallen.

Subsea 7 bohrt nicht auf eigene Kappe, sondern die Schiffe werden von den großen Ölfirmen angemietet. Zu den Kunden gehören namhafte Unternehmen wie z. B. Petrobras, Shell, Total, Statoil, ConocoPhilipps, BP und BHP. Bei Bedarf übernimmt auch Subsea 7 das Projektmanagement. Die Gewinne von Subsea 7 hängen maßgeblich von der Höhe der day-rates (Miete für die Schiffe), der Flottenauslastung und den laufenden Kosten ab. Wie hoch die day-rates sind hängt wiederum von vielerlei Faktoren ab. In erster Linie von der Anzahl der Anbieter bzw. Schiffe im Operationsgebiet, dem Alter der Schiffe und dem Schiffstyp sowie von der Nachfrage durch die großen Ölfirmen. Wie bereits weiter oben erwähnt, reduzieren die Ölfirmen ihre Capex bei niedrigen Ölpreisen, wodurch auch die day-rates und die Flottenauslastung fallen werden.

Subsea 7 hat eine recht junge Flotte. Ganze 67% der Schiffe wurden nach 2000 gebaut. Auch ist man im Bereich DW und UDW (ultra-deep-water) mit 18 Schiffen gut aufgestellt (insgesamt 43 inkl. Neubauten). In Zukunft will man hier weiter wachsen und neue Schiffe bauen. Bis 2016 sind Ausgaben von 0,9 – 1,0 Mrd. $ dafür eingeplant. Denn die day-rates sind für UDW Schiffe deutlich höher als für andere (z. B. Jackups). Eine Flottenauslastung von aktuell 91% liegt über dem Branchendurchschnitt und ist ein Indiz für hohe Kundenzufriedenheit und eine attraktive Flotte.

 

Die finanzielle Situation

vorab wieder ein paar Kennzahlen basierend auf dem Q3 Report:

KGV 7,1
KBV 0,63 (ohne Goodwill 1,01)
KUV 0,79
KCV 4,02
FK-Quote 35,7%
Gearing 2%
Net-Net pro Aktie Negativ, also kein Net-Net
Net working capital je Aktie 0,4 $
Anlagendeckungsgrad I 90%
Anlagendeckungsgrad II 102%
Liquiditätsgrad I 24%
Liquiditätsgrad II 59%
Liquiditätsgrad III 105%
Schuldentilgungsdauer bei aktuellem CF 0,5 Jahre
Moody/Fitch rating ?

Die Kurs-bezogenen Kennzahlen werde ich später kommentieren. Was die Verschuldung angeht so steht Subsea 7 sehr solide da. Fast die gesamte Finanzverschuldung von 844 Mio. $ wird durch die cash Position abgedeckt. Gemessen am Eigenkapital (Gearing) oder am Cashflow (theoretische Schuldentilgungsdauer) würde Subsea vermutlich selbst schwere Verwerfungen am Markt überstehen.

Das die Liquiditätsgrade trotzdem etwas schwach ausfallen, liegt an der hohen Position an kurzfristigen Schulden, welche sich hauptsächlich aus Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten zusammen setzen. In Anbetracht des hohen operativen CF (+Backlog) und der zur Verfügung stehenden Kreditlinien sehe ich hier kein Problem.

Ich habe zwar kein rating für die Bonds finden können. Aber wegen der Zinsen von 0,7 – 3,1% zählen diese vermutlich nicht zu den junk bonds.

 

Finanzhistorie

Wegen der Fusion 2011 muss man bedenken, dass die Zahlen davor wenig aussagekräftig sind. Zwei Unternehmen sollten zusammen mehr Umsatz, Gewinn etc. erwirtschaften als eines. Trotzdem lässt sich zumindest an Hand der Zahlen der Erfolg (oder Misserfolg) der letzten Jahre aufzeigen.

subsea7-umsatz

Wie wir noch sehen werden hatten 2008/2009, im Zuge der Finanzkrise, alle Driller mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Subsea 7 hat sich aber gut erholt.

subsea7-gewinne

Bei der Gewinnentwicklung habe ich mal einen größeren Zeithorizont gewählt. Hier zeigt sich, dass man seit 2004 profitabel arbeitet und auch die Finanzkrise gut verkraftet hat. Der Ausrutscher in 2013 ist auf einen einmaligen Verlust aus dem Guara-Luna Projekt zurück zu führen. Das hat den Gewinn geschmälert.

subsea7-cf

Auch die Entwicklung des operativen cash flows wirkt gesund und trägt dazu bei, dass die Verschuldung im Verhältnis dazu gering bleibt. Nochmal zur Erinnerung: den über 1 Mrd. $ CF in den ersten 3 Quartalen diesen Jahres stehen nur 844 Mio. $ Finanzschulden gegenüber.

subsea7-fcf

An free cash flow bleibt in dieser Branche nicht viel hängen, wenn ein Anbieter dauerhaft eine junge Flotte vermieten möchte. Auch Upgrades für die vorhandenen Schiffe kosten Geld. Aber selbst gegen den FCF ist die aktuelle Finanzverschuldung als gering anzusehen. Für die Finanzschulden dürften deutlich weniger als 25 Mio. $ Zinsen p. a. anfallen. Sollte der Ölpreis länger am Boden bleiben und die Umsätze dadurch zurück gehen, dürfte immer noch genug für Zinsen und Dividenden hängen bleiben.

subsea7-cf-marge

Warum die CF-Margen zeitweise so niedrig waren entzieht sich leider meiner Kenntnisse. Eventuell musste hier erst noch die Fusion verdaut werden oder man ist einige Projekte mit hohen Umsätzen und geringer Marge angegangen (z. B. 2012 vs 2011).

subsea7-roe

Da die Verschuldung moderat ist (FK-Quote fast 36%) dürfte auch die EK-Rendite relativ gering ausfallen. Tatsächlich ist es auch so. Auch wenn die EK-Rendite von zuletzt unter 10% wenig berauschend ist, darf man sich nicht zu sehr davon (ent)täuschen lassen. Für die Aktionäre waren es trotzdem gute Jahre, immerhin konnte das EK seit 2008 fast verzehnfacht werden, trotz einiger Höhen und Tiefen.

 

Vergleich mit der Branche

Für den Branchenvergleich habe ich ein paar Unternehmen heraus gesucht, welche ähnlich große Flotten haben wie Subsea 7. Natürlich gibt es noch viele weitere Anbieter, insbesondere mehrere Dutzend kleine Driller. Folgende Anbieter betrachte ich trotz ihrer Flottengröße nicht mit:

– KCA Deutag (nur Reports bis 2011 vorhanden)

– Maersk Drilling (nicht an der Börse)

– Paragon Offshore (spinn-of mit Noble Drilling, daher keine Historie)

– Shelf Drilling (nicht an der Börse)

Trotzdem sind noch genug große Anbieter für einen Vergleich übrig geblieben. Das soll aber nicht heißen, dass nur die Großen interessant sind. Vielleicht stellt mal ein anderer Value Investor einen kleineren profitablen Driller vor?

Kommen wir zur Branche. Zuerst mal einen Überblick zu den Umsätzen, um Subsea 7 einordnen zu können:

branche-umsatz

Wie man gut erkennen kann, hatten im Rahmen der Finanzkrise alle mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Nicht jeder Driller hat sich davon erholt. Deutliche Umsatzsteigerungen können COSL (China Oilfield Services), ENSCO, Subsea 7, Nabors Offshore, Noble Drilling und Seadrill verbuchen.

branche-gewinne

Bei der Gewinnentwicklung liegen COSL, ENSCO, Subsea 7 und Seadrill vorn. Am schlechtesten schneiden Hercules Offshore (jedes Jahr Verluste) und Transocean ab.

branche-umsatzrendite

Dauerhaft hohe Umsatzrenditen (abgesehen von einzelnen Ausrutschern) erzielten bisher nur COSL, ENSCO und Seadrill. Alle anderen Anbieter haben mit niedrigen Umsatzrenditen zu kämpfen (Subsea 7 hat im Mittel etwa 10%) oder weisen stark fallende Umsatzrenditen auf. Hercules Offshore ist im betrachteten Zeitraum sogar gänzlich unrentabel.

branche-roa

Da einige Anbieter ihre Gewinne mit hohem FK hebeln (z. B. Seadrill), betrachte ich nur die ROA (return on assets). Die Schwankungsbreite ist von Jahr zu Jahr und Anbieter zu Anbieter recht hoch. Aber im wesentlichen liefern COSL, Diamond Offshore, ENSCO, Subsea 7 und Seadrill die besten Ergebnisse.

branche-ek-quote

Die EK-Quoten für 2014 beziehen sich noch auf das Ende des 2. Quartals. Tendenziell sind Hercules Offshore und Seadrill am höchsten verschuldet.

Ob die Verschuldung auch zu den laufenden Einnahmen passt, sieht man im nächsten Diagramm:

branche-dept-cf

Ende 2013 waren die Schulden bei Diamond Offshore und ENSCO am konservativsten gegen finanziert. Da wegen des fallenden Ölpreises die Branche unter Druck gerät, sollten Investoren hier den operativen CF in Relation zu den Finanzschulden im Auge behalten (notfalls lässt sich ein Großteil der CapEx kürzen). Zu hoch verschuldete Unternehmen sind bei längerem Bärenmarkt potentielle Pleitekandidaten.

Aktuell sieht es aber noch nicht so schlimm aus wie im Diagramm dargestellt. Im Diagramm sind die Gesamtschulden gegen den CF aufgetragen (ohne Berücksichtigung der CapEx und der cash Position). Weil aber nur für die Finanzschulden Zinsen gezahlt werden müssen, sehen die Kennzahlen für einige Unternehmen deutlich besser aus. Das in diesem Artikel betrachtete Unternehmen Subsea 7 kommt auf einen Wert von 6,7 Jahre für die Gesamtschulden für Ende 2013. Nun machen bei Subsea 7 die Finanzschulden aber nur ca. 22% der Gesamtschulden aus, weshalb Subsea 7 für Ende Q3 ’14 auf unter 0,5 Jahre kommt (Schulden abzüglich Cash).

Kommen wir zum letzten Vergleich, wie viel cash vom Umsatz im Unternehmen verbleibt:

branche-fcf-sales

Ich habe mir jetzt nicht von allen Unternehmen die Flotten angesehen. Aber ich würde die These aufstellen wollen, dass Unternehmen mit jungen Flotten eine geringere FCF/sales Ratio bzw. negative haben als Unternehmen mit langsam „verrottenden“ Schiffen. Irgend wann sinkt dann wieder das Ratio für die alten Flotten, weil natürlich alte Schiffe nicht so gefragt sind und upgrades nur das unvermeidbare hinaus zögern bzw. ebenfalls CF kosten.

Am Besten schneiden Diamond Offshore und Transocean ab. Bei Diamond Offshore sind nur 34% der Flotte jüngeren Baujahres (nach 2000), während bei Seadrill ganze 94% der Flotte als jung anzusehen sind. Seadrill hat darum vermehrt negative free cash flows’s, ebenso wie Subsea 7 (67% der Flotte ist jung). Transocean bestätigt mit dem Flottenalter ebenfalls meine These.

Flottenalter ausgewählter Anbieter:

Nach 2000 + Neubau veraltet Anteil junge Schiffe
Diamond Offshore 10 + 5 29 34%
ENSCO 27 + 5 43 43%
Subsea 7 23 + 6 14 67%
Noble Drilling 15 + 3 17 51%
Rowan 18 + 2 12 63%
Seadrill 46 + 21 4 94%
Transocean 22 + 12 48 42%

Die inzwischen stillgelegten Schiffe und Plattformen wurden nicht mit gezählt. Auch sind noch nicht alle Neubauten ausgeliefert. Daher sind die Zahlen als Momentaufnahme anzusehen.

Noch einmal zur Erinnerung. Subsea 7 hat u. a. wegen seiner jungen Flotte eine Flottenauslastung von 91% Ende Q3 ’14 erreicht. Während der Durchschnitt der Branche bei etwa 80% lag.

 

 

Zukünftige Aussichten

Der Umsatz und der Gewinn für das nächste Jahr wird vom Management etwas unter dem Ergebnis von diesem Jahr angesetzt. Jetzt kommt es maßgeblich darauf an, wie man selbst die zukünftige Ölpreisentwicklung einschätzt. Zu niedrige Ölpreise lassen die Ölförderung aus fracking und auf hoher See unrentabel werden. Da es aber keine Alternativen gibt und bei niedrigen Preisen eher die Nachfrage anzieht, dürfte der Preis nur kurz- bis mittelfristig am Boden bleiben.

Subsea 7 ist sehr konservativ finanziert und könnte auch mit nur noch dem halben operativen Cashflow (gemessen an 2014) seine Dividenden und Zinsen zahlen. Die Neubauten von Schiffen könnten eventuell aufgeschoben werden, je nach dem wie stark die Nachfrage nach Ölförderung auf hoher See zurück geht.

Gleichzeitig sehe ich langfristig Wachstumspotential im UDW Bereich, wo Subsea 7 auch neue Schiffe baut. Und wegen der jungen Flotte dürfte die Flottenauslastung und die day rates tendenziell eher hoch bleiben. Am härtesten würde ein dauerhaft niedriger Ölpreis Anbieter wie z. B. Diamond Offshore und Transocean treffen. Die Umsatzrückgänge der letzten Jahre und das hohe Flottenalter sprechen Bände.

 

Abschließende Bewertung

Nach den vielen Informationen noch eine Zusammenfassung, die bei der Bewertung berücksichtigt werden sollten.

Positives:

  • moderne Flotte mit hoher Auslastung
  • Wachstumspotential im UDW Bereich
  • breit aufgestellt (nicht nur Bohrschiffe)
  • weltweit aktiv mit großem Kundenstamm
  • sehr niedrige Finanzverschuldung
  • seit 2004 kein einziges Verlustjahr
  • starkes EK-Wachstum
  • Backlog von 9,4 Mrd. $ zum Ende Q3 ’14
  • Aktienrückkaufprogramm
  • sehr hohe Dividendenrendite (wegen Kursrutsch)

Negatives:

  • in den Regionen Afrika, Golf von Mexiko und Asien werden hohe Umsätze bei niedrigen Margen erzielt
  • geringe Umsatzrendite im vergl. zur Branche
  • das Guara-Luna Projekt in Brasilien verursachte in 2013 einen Verlust von 355 Mio. $
  • hohe CapEx nötig um die Flotte jung und attraktiv zu halten, was in den nächsten Jahren zu einem negativen FCF führen könnte
  • das Umlaufvermögen könnte im Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten ein wenig höher sein

Kommen wir jetzt zur spannenden Frage was Subsea 7 in etwa Wert sein könnte.

Bei Betrachtung des KGV von 7 sieht das Unternehmen erst einmal günstig aus. Natürlich kommt dort noch der Gewinn aus Q4 oben drauf. Für die nahe Zukunft gehe ich von sinkenden Gewinnen aus, perspektivisch kann ich mir eine Rückkehr zu den Gewinnen von diesem Jahr aber gut vorstellen. Historisch betrachtet ist das aktuelle KGV von unter 7 sehr günstig, da seit 2009 das KGV eher im Bereich von 8 – 20 tendierte. Nimmt man wegen des begrenzen Risikos ein faires KGV von 15 an, so wäre die Aktie etwa 24 – 25 $ Wert. Aktuell werden viele Anbieter der Branche mit einstelligen KGV’s bewertet, so dass Subsea 7 hier keine Ausnahme darstellt.

Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung des inneren Wertes wäre die Betrachtung des FCF. Der Durchschnitt des FCF der letzten 5 Jahre liegt bei 178,8 Mio. $. Bei angenommenen 12 % EK-Kosten und ohne Berücksichtigung irgend eines Wachstums ergibt das eine ewige Rente von 4 $/Aktie. Setzt man ein Wachstum von 10% an wären es 4,4 $ / Aktie, was angesichts der historischen Gewinn- und Eigenkapital-Steigerungen nicht völlig unwahrscheinlich ist. Schließlich erwarte ich, dass der offshore und insbesondere der UDW Bereich auch weiterhin stark wächst. Zusätzlich zum bereits vorhanden EK von 18,35 $/Aktie ergibt das einen fairen Wert von 22,35 – 22,75 $/Aktie.

Man könnte auch den Buchwert betrachten. Wieder einmal 12% EK-Kosten angenommen, liegt die EK-Rendite von Subsea 7 langfristig vielleicht bei 14%. Leider ist diese schwer zu prognostizieren, da die EK-Rendite in der Vergangenheit stark schwankt. Und in Zukunft unklar ist, wie hoch das Management die Gewinne mit Schulden hebeln wird. In den letzten 6 Jahren reichte diese von 8 – 25%. Unter der Annahme das die EK-Rendite zukünftig sich bei 14% ein pendelt, dürfte Subsea 7 gemäß Multiplikatorenmethode etwa das 1,2fache des Buchwerts wert sein. Sprich ca. 22 $/Aktie.

Die sehr geringe Umsatzrendite von Subsea 7 hatte ich bereits angesprochen. Auch mit Hilfe des Umsatzes könnte man den fairen Wert eingrenzen. Für die Umsatzrendite nehme ich nur 10% an, was ein faires KUV von 1,49 ergibt. Schafft Subsea 7 in Zukunft (nach der Phase des niedrigen Ölpreises) wieder einen Umsatz wie 2013, dann ist die Aktie mindestens 25 $ wert.

Meine angenommenen EK-Kosten habe ich in Abhängigkeit des Geschäftsmodells und Risikos geschätzt. Man kann darüber streiten ob vielleicht in Zeiten niedriger (risikoloser) Zinsen die EK-Kosten niedriger sein sollten. Ich persönlich möchte mich aber nicht zu einem höheren Risiko hinreißen lassen. Je nach dem was man hier ansetzt, kommt eine völlig andere Bewertung heraus.

Die verschiedenen Bewertungsmodelle lassen einen Schluss von 22-25 $/Aktie zu. Weil Subsea 7 meiner Meinung nach einige Vorteile (Flottenalter + Verschuldung) gegenüber dem Großteil der betrachteten Unternehmen aufweist, würde ich eher das obere Ende anvisieren.

Gemessen an einem Kurs von etwa 12 $/Aktie ergibt das eine Sicherheitsmarge von gut 50%. Dazu kämen mit der Zeit dann noch üppige Dividenden. Derzeit schwanken die Kurse stark, so dass man zeitweise auch zu 11 $/Aktie einstiegen kann. Vielleicht fällt der Ölpreis auch noch ein Stückchen weiter und man bekommt die Aktie für 10 $. Einen zu großen weiteren Absturz dürfte dann allerdings die Dividendenrendite verhindern. Voraus gesetzt diese wird nicht gekürzt. Eine Dividendenkürzung bei Seadrill und die gleichzeitige Entscheidung der OPEC hat sagenhafte 30% Kursverlust in 3 Tagen nach sich gezogen. Solange der Markt derart verrückt spielt, wird es wohl noch weitere Value Investments geben.

Hinweise in eigener Sache

Trotz sorgfältiger Prüfung meiner Investition kann ich nicht ausschließen dass sich ein Fehler eingeschlichen hat. Alle Leser sind angehalten alle Fakten zu prüfen und sich ihre eigene Meinung zu bilden.

 

12 Gedanken zu “Analyse Subsea 7

  1. Das ist ein sehr interessantes Thema, das du hier aufgreifst, vielen Dank dafür. Die Analyse zu Subsea 7 ist hervorragend recherchiert und ich spiele tatsächlich mit dem Gedanken hier einzusteigen. Ich bin mir zwar noch unschlüssig, wie lange der Ölpreis noch fallen wird bzw. wie lange er auf diesem niedrigen Niveau verharren wird. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass er wieder steigen wird – und zwar auf ein höheres Level, als wir es zuvor hatten. Was wir hier sehen könnte eine once in a lifetime opportunity sein. Denn der Energiesektor hält ja mittlerweile noch viele andere solide arbeitende, aber günstig bewertete Unternehmen bereit.

    Ich fände es jedenfalls super, wenn du auch bei den Fracking-Firmen die Schmuckstücke herauspicken würdest :-). Alles in allem ein sehr interessantes Thema!

    • Hallo Aktienkobold,

      danke für deine Antwort! Ich dachte schon das Thema ist zu kompliziert, weil niemand geantwortet hat.

      Aktuell wünschen sich alle Anleger eine Glaskugel. Keiner mag in das fallende Messer greifen. Dabei kann man beim aktuellen Kurs langfristig nichts falsch machen, selbst wenn die Kurse nochmal 30% fallen sollten. Dann kauft man halt nach und freut sich über die sehr hohe Dividendenrendite.
      Ich glaube aber so eine Chance kommt ca. jedes Jahrzehnt wieder. Solange der Ölpreis nach dem klassischen Schweinezyklus abläuft, wird man noch ein paar mal die Gelegenheit haben billig einzusteigen.

      Stimmt. Aktuell gibt es vielleicht ein Duzend gute Unternehmen zu 1-stelligen KGV’s zu haben. So viel Zeit habe ich aber nicht die alle (rechtzeitig) vorzustellen… Je nach dem wie lange die Panikverkäufe laufen schaffe ich vielleicht noch 1-2 Unternehmen?
      Buffet hat sich vor dem Ölpreisverfall Suncor Energy heraus gepickt. Auch ein gutes Unternehmen. Ich bin gespannt ob er die Chance ebenfalls wahrnimmt und aufstockt. Oder sich noch wo anders einkauft.

      • Hallo,
        Natürlich kann man hier nicht alle im Einzelnen vorstellen :-).
        Bei den Dividenden bin ich aber zumindest für den Moment skeptisch, wieviel man da noch erwarten kann. Ich denke wir müssen die kommende Quartalssaison abwarten, um eine bessere Einschätzung machen zu können. Langfristig aber dürfte sich ein Anlage lohnen und das ist doch der Grund weshalb wir alle hier sind ;).

        Eines bereitet mir aber aktuell etwas Stirnrunzeln: Weder Buffett noch andere Value-Größen haben sich bislang zu den bemerkenswerten Vorgängen im Energiesektor geäußert. Gerade Buffett ist in solchen Situationen durchaus redselig, weshalb mir diese Stille auf dem Markt einiges Kopfzerbrechen bereitet. Ich konnte bislang jedenfalls keine relevanten Äußerungen finden oder habe ich irgendetwas übersehen?

        Viele Grüße und weiter so!

        • Die Dividenden sind relativ sicher, wegen der vollen backlogs. Und mehr als 2 Jahre wird der Ölpreis wohl nicht so tief bleiben. Dividenden müssen nur hoch verschuldete Unternehmen kürzen wie z. B. Seadrill. Oder perspektivisch Unternehmen die viel schwimmenden Schrott haben, wie z. B. Transocean.

          Warren Buffet hat sich geäußert! Er meint es war ein „billion dollar mistake“ in den Energiebereich zu investieren, als die Kurse hoch waren und die Energiepreise ebenfalls. Er hat inzwischen Teilverkäufe bei ConocoPhillips, Philipps 66 und National Oilwell Varco getätigt. Bei Exxon Mobil hat ihn der Kursverlust ebenfalls Performance gekostet (Depotanteil 3,6%).
          Die Frage ist was willst du jetzt aus diesen Informationen schließen? Das man nie in den Energiesektor investieren sollte oder nur wenn die Rohstoffpreise (und damit auch die Aktienkurse) im Bärenmarkt sind?

          • Nun ja, das Denken kann einem auch Warren Buffett nicht abnehmen, das ist schon richtig. Nur hätte ich erwartet, dass er evtl. noch nachlegt, statt von einem „billion dollar mistake“ zu sprechen. Aber das muss ja nichts heißen, mittelfristig sehe ich den Ölpreis auf einem höheren Niveau und das ist die wichtigste Determinante für zukünftige Gewinne im Energiesektor.

  2. Hallo Marfir,

    das Thema ist zwar kompliziert aber vielen Dank, dass du Subsea 7 so detailliert beschrieben hast. Ich hatte bisher nicht geantwortet, weil ich auf diesem hohen Niveau keinen nennenswerten Beitrag leisten kann. Ich verstehe nur ein bisschen etwas von Bilanzen und finde es daher sehr hilfreich und lobenswert, wenn Blogger wie du, sich die Mühe machen, ihre Expertiese im Internet zu teilen.
    Du hast dieses Post geschrieben, kurz bevor es so richtig runter ging. Wenn du nur einen kurzen oberflächlichen Artikel geschrieben hättest wie „jetzt günstig kaufen“ wäre der heute markulatur. Wegen deiner pirma Analyse habe ich ihn mir aber zum 2. Mal durchgelesen. Denn die Frage ist, ist Subsea 7 immer noch attraktiv? Dank deines Artikels würde ich sagen: ja.

    Noch mal vielen Dank und ich hoffe, dass du weiterhin so gute, fundierte Beiträge schreibst!

  3. >>Ich sehe auch keine Chance dass wir in den nächsten zwei Jahrzehnten komplett/größtenteils vom Öl loskommen würden. Ganz im Gegenteil. Die Schwellenländer werden in Zukunft zu einer höheren Nachfrage beitragen, beim Versuch den westlichen Lebensstil zu kopieren.

    Das sehe ich genauso. Und genau deshalb wird der CO2 Sparwahn nicht erfolgreich sein. Frage: welche Branchen profitieren vom Klimawandel hin zu höheren Temperaturen?

    • Hallo Uwe,

      der Klimawandel bietet sicher Wachstumschancen im Bereich Wasseraufbereitung/Meerwasserentsalzung und mehr Absatz für Produkte der Rüstungskonzerne (wegen zunehmender Konflikte). Aber das ist ein anderes Thema.

    • Hallo Tom,

      danke dir!

      Initial kostet es erst mal viel Geld. Wenn das Ölfeld groß genug ist, dann verteilen sich die Kosten über die Menge. Wie teuer es wirklich ist, hängt von Projekt zu Projekt ab. Genaueres wirst du es nur in den Geschäftsberichten der Ölmultis nach lesen können. Beim Fracking ist das dagegen anders. Ein Loch bohren und giftige Chemikalien einleiten kostet nicht viel. Aber man muss jedes Bohrloch nach ca. 1 Jahr durch ein neues ersetzen.

      Es gibt eine grobe Grafik für die Kosten:
      http://uk.businessinsider.com/crude-oil-cost-of-production-2014-5?r=US

      Die Grafik führt etwa die cash costs auf. Wie man sieht bleibt zum aktuellen Ölpreis kaum Luft um Gewinn zu machen. Ohne Gewinn aber auch kein Geld für neue Projekte. Inzwischen streichen die Ölmultis schon ihre CapEx zusammen.
      Etwas werden die Kosten aber noch fallen. Schließlich sinken jetzt auch die Transportkosten (fallender Dieselpreis) und Anschaffungskosten für Bohrzubehör etc. (wegen sinkender Nachfrage).

  4. Hallo, mich würde sehr interessieren wie du nach einem Jahr zu Subsea 7 stehst. Ich beobachte das Unternehmen seit deiner super Analyse und habe mir versucht Wissen anzueignen. Der Kurs ist ja sogar noch ein wenig gesunken, es sieht verlockend aus. Wie lange wird das Unternehmen Ölpreise unter 50 USD aushalten können? Danke und Gruß, Tom

    • Hallo Tom,
      ich bin nach wie vor investiert. Aber eine kurze Antwort auf diese schwierige Frage lässt sich nicht geben. Ich werde mal wieder ein Update einplanen und dort dieser Frage nach gehen.
      Die Vergleichsgruppe habe ich etwas unglücklich ausgewählt, was ich bei einem Update auch noch aktualisieren kann.

      Wenn du das Unternehmen beobachtest, dann ist dir sicher aufgefallen, dass bei aktuellen Ölpreisen nur noch wenige Neu-Aufträge herein kommen (abgesehen von Q3)? Entsprechend fällt das backlog immer weiter. Bis Ende 2017 gibt es noch etwas zu tun. Danach ist der Großteil abgearbeitet (außer neue Aufträge kommen dazu). Allerdings gibt es auch positives seitens der Auftragslage und des zukünftigen Ölangebots. Die Zukunft ist nicht ganz so schwarz wie überall dargestellt.

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