Buchbesprechung: Security Analysis – Die Bibel des Valueinvestings

Die Erstveröffentlichung von Graham und Dodd’s „Security Analysis“ jährt sich heuer zum 80. Mal. Grund genug, dem ewig jungen Meisterwerk hier einen Beitrag zu widmen.

Das Buch ist ein faszinierendes Werk, teils trotz, teils aber auch wegen seines Alters. Es entstand vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und ihren Folgen, die für den heutigen Leser kaum nachzuvollziehen sind. Eine massive Unsicherheit prägte seinerzeit die Investorenlandschaft, die im großen Crash nicht nur große Teile ihres Vermögens verloren hatte, sondern auch mitansehen musste, wie zahllose scheinbar unbezwingbare Industrieriesen in wenigen Jahren in den Bankrott rutschten. Einige der im Buch behandelten Themen scheinen auf den ersten Blick ziemlich veraltet, etwa die Frage nach den vorhandenen Informationsquellen. Wobei selbst dieses Thema bei Investments in vielen Ländern noch nicht abgearbeitet ist, weil oft die Berichte nur in der Landessprache verfügbar sind. Aber auch ansonsten bieten diese Passagen einen interessanten Einblick in die Welt von vor 80 Jahren.

Einer ausführlichen Einführung in dem die Autoren beispielsweise den Unterschied zwischen Investition und Spekulation herausarbeiten, folgt eine lange Abhandlung über Anleihen einschließlich dessen, was man heute als „distressed-debt-investing“ bezeichnet. Dieser Teil des Buches hat an Aktualität absolut gar nichts eingebüßt. Eine absolute Perle findet sich meiner Ansicht nach im Thema „ausländische Staatsanleihen“. Dort heißt es:

„In the final analysis, a foreign-government debt is an unenforcable contract. If payment is withheld, the bondholder has no direct remedy. Even if specific revenues or assets are pledged as security, he is practically helpless in the event that these pledges are broken. It follows that while a foreign-government obligation is in theory a claim against the entire ressources of the nation, the extent to which these resources are actually drawn upon to meet the external debt burden is found to depend in good part on political expediency.“

Eine Folgerung, die ohne weiteres auch auf die Anleihen des eigenen Staates anwendbar ist. Wer sein Geld an Politiker verleiht, sollte das im Hinterkopf behalten. Staatsanleihen sind letztlich eine Forderung, bei der der Schuldner nach Gutdünken entscheidet, ob er zahlt oder nicht.

Auch der Abschnitt über Unternehmen in Restrukturierungen oder allgemein finanziellen Schwierigkeiten ist äußerst interessant, auch wenn sich einige juristische Details nicht übertragen lassen.

In den sich anschließenden Kapiteln zum Thema Aktien geht es dann zunächst in erster Linie um die Bewertung von Bilanzen und Ertragskraft von Unternehmen, um das Aufdecken von Bilanzierungstricks und vielem mehr. Aber es wird auch einiges bis heute Gültiges über das Verhältnis von Management und Aktionären und etwa zum Thema Aktienoptionen gesagt.

Alles in allem hält das Buch mehr als es verspricht. Es enthält unzählige kleiner und großer Weisheiten, sowohl über das Leben insgesamt, als auch natürlich über das Thema Investments. Die Sprache ist sehr anschaulich, es wird öfter auf Metaphern zurückgegriffen, um das Gesagte zu veranschaulichen. Eine gewisse Vertrautheit mit betriebswirtschaftlicher Terminologie ist allerdings schon erforderlich. Security Analysis sei hiermit jedem (angehenden) Valueinvestor wärmstens ans Herz gelegt, und zwar am besten im englischen Original, denn die Übersetzer der deutschen Version scheinen mit der Wortgewandtheit von Graham und Dodd in etlichen fachlichen Passagen etwas überfordert gewesen zu sein, wodurch der Leser manchmal ratlos zurück bleibt, was nun genau gemeint ist.

Schließen möchte ich mit einer weiteren Perle, die man sich regelmäßig ob der eigenen Investments vor Augen halten sollte:

„An investment operation is one which, upon thorough analysis, promises safety of principle and a satisfactory return. Operations not meeting these requirements are speculative“

Ein Gedanke zu “Buchbesprechung: Security Analysis – Die Bibel des Valueinvestings

  1. Das Buch wollte ich mir auch schon zulegen. Aber mein Englisch ist leider zu schwach um ein englisches Fachbuch zu lesen.
    Und die deutsche Version schwächelt ja anscheinend.

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