IBM und die Aktienrückkäufe

Da meine Haltung zu den ausgiebigen Aktienrückkäufen bei IBM immer wieder mal beim ein oder andren zu Verwirrung führt, möchte ich hier einmal kurz ausführen, warum ich die Rückkäufe im Unterschied zu den meisten Mitmenschen gut finde.

Meine ersten IBM Aktien habe ich im Juli  2012 bei etwa 185 Dollar gekauft. In den 12 Monaten davor hatte IBM insgesamt 16.277 Millionen Dollar verdient und hatte im Q2 2012 1,16 Milliarden Aktien ausstehen, das EPS lag somit bei knapp über 14 Dollar je Aktie. Gemessen am offiziell ausgewiesenen Gewinn bezahlte ich also ein KGV von ca. 13. Das langfristige durchschnittliche KGV der S&P 500- Unternehmen lag in der Vergangenheit bei ca. 15. Da IBM von den Kapitalrenditen her klar überdurchschnittlich ist, war ich damals der Meinung ein Multiple von 18-20 sei als „faire Bewertung“ nicht übertrieben. Demnach wäre der faire Wert bei etwa 250-280 Dollar zu suchen gewesen. Eine zusätzliche Sicherheitsmarge ergab sich dadurch, dass aufgrund der Wunderlichkeiten der Rechnungslegung der IBM-Gewinn m.E. tendentiell etwas zu niedrig ausgewiesen wird.

Wie stellt sich das ganze zwei Jahre später mit den Zahlen zum 2. Quartal 2014 für mich dar? Nun in den zwölf vorangegangenen Monaten hat IBM 16.746 Millionen Dollar verdient, das sind etwa 2,9% mehr als 2 Jahre davor. Allerdings hat IBM durch die vielen Aktienrückkäufe die Zahl der ausstehenden Aktien auf gut 1 Milliarde Stück reduziert (Ich rechne immer auf voll verwässerter Basis!). Das EPS liegt somit bei 16,75 Dollar und damit fast 20% höher als 2012. Damit ergäbe sich mit obigen Annahmen eine faire Bewertung von 300-335 Dollar. Mit andren Worten: In 2 nach allgemeiner Auffassung „schlechten Jahren“ hat IBM den inneren Wert der Aktie um ca. 9,5%p.a. erhöht und über 2% Dividendenrendite ausgeschüttet. Möglich wurde das Wunder durch den permanenten Rückkauf der eigenen Aktien unter dem fairen Wert. IBM hat in den 2 Jahren ca. 30 Mrd. Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben und dafür dank der niedrigen Kurse 160 Millionen Aktien gekauft.

Hätte man stattdessen wie MSFT den Cash gehortet, und mit 1% verzinst angelegt, so wäre heute der Nachsteuergewinn ~17 Mrd. Dollar, was bei 1,16 Mrd. Aktien einem EPS von 14,65 Dollar entspricht, also weit weniger als durch die Rückkäufe.

Hätte man wie andre Firmen das Geld für irgendwelche großen Übernahmen ausgegeben (manche nennen das Wachstumsinitiative) und damit vielleicht 3% Nettorendite erzielt (KGV 30). Bei der eigenen Aktie betrug die FCF-Rendite die meiste Zeit eher 7-8%.

Der Aktienkurs hat sich interessanterweise in diesen 2 Jahren kaum bewegt, er liegt heute ebenfalls bei ca. 185 Dollar. Für die ökonomische Verzinsung war das ein Segen.

Hätte IBM die Aktien statt für 180-190 Dollar für 250-300 Dollar zurückkaufen müssen, so hätte man statt 160 Millionen Aktien nur etwa 100-120 Millionen Aktien kaufen können. Das EPS läge dann heute bei 15,80-16,10 Dollar. Allein durch die anhaltend niedrigen Kurse konnte IBM einen zusätzlichen fairen Wert von ca. 15 Dollar je Aktie schaffen (Bezogen auf meinen Einstand sind das gut 4% p.a.). Gegenüber einem Szenario ohne Rückkäufe sind es eher 30-40 Dollar(mit nutzlosen Cashhaufen oder überteuerten Übernahmen). Dennoch gilt IBM als „einfallslos“ und die diversen Übernahmekönige und Cashbergehorter als „innovativ“.

Fazit: Selbst in 2 nach allgemeiner Auffassung miserablen Jahren hat IBM seinen inneren Wert um über 9% p.a. gesteigert und darüber hinaus noch ca. 2% Dividende abgeworfen. Ich kann mir schlimmere Investments vorstellen.

Disclaimer: Der Autor ist in IBM investiert. Der Beitrag stellt nur seine private Meinung dar, und ist keine Handlungsaufforderung oder -empfehlung. Der Leser sollte sich insbesondere hinsichtlich der von mir getroffenen Annahmen bezüglich „fairem KGV“ unbedingt eine eigene fundierte Meinung aus einer Vielzahl von Quellen bilden.

10 Gedanken zu “IBM und die Aktienrückkäufe

  1. Die hohen Aktienrückkäufe scheinen ja auch das Hauptargument für Warren Buffett gewesen zu sein über 10 Milliarden Dollar in IBM zu investieren…

  2. Hallo, schön, dass mal wieder was geschrieben wird 🙂 (ist wirklich positiv gemeint;) )

    Habe auch IBM Aktien, die sind sogar dank des schwächeren Euros leicht im Plus.

    Habe mich jetzt auch schon sehr viel mit IBM beschäftigt und etliche interessante Sachen gelesen, die mir viel Wissen vermittelt haben.

    Das Problem für mich war (anfangs und immer noch) extrem schwer abzuschätzen wie stark IBMs Geschäft langfristig ist. Bei den großen Konsumgüterherstellern wie Procter & Gamble, Coca Cola, Kellogg, Colgate, Henkel… ist es leichter zu sehen, dass sie in ihren Kategorien im Supermarkt einen großen Marktanteil haben. Tägliche Verbrauchsgüter und starker Markenname sind einfach als langfristiges Erfolgsmodell zu identifizieren.

    Habe dann natürlich auch schon etliche kritische Artikel zu IBM gelesen und es finden sich sofort zahlreiche Kommentare von „angeblichen“ Mitarbeitern und EX-Mitarbeitern darüber wie schlecht sich IBM über die letzten 20 Jahre entwickelt hat.

    Jedoch kam ich zu dem Schluss, dass IBM (wenn es auf diese Mitarbeiter gehört hätte) sich wesentlich schlechter entwickelt hätte. Die Festplatten wurden verkauft, die Laptop und Desktop-Sparte…

    Aber dies ist war ein logischer Schritt, da eben im Technologiebereich Dinge sehr schnell zu den (engl) „Commodities“ werden und sich dann eben kaum noch Gewinne daraus schlagen lassen. IBM’s Management hat also aus Unternehmenssicht richtig gehandelt…

    Das Argument für IBM, dass mir einleuchtet ist, dass die Großrechner „Mainframes“(die inzwischen sehr klein sind) von der Grundsoftware auf eine 50 Jahre-lange Geschichte zurückblicken. Die Kunden von IBM (Regierungen, große Unternehmen) haben also inzwischen Milliarden in die Entwicklung von Software für diese Rechner gesteckt und jeder Wechsel würde folglich erstmal unheimlich hohe Kosten verursachen. Welche Führungsperson bei den großen Banken oder einer staatlichen Behörde will solche Mehr-Kosten auf seine Kappe nehmen???

    Mit Watson und vielem anderen Kram bin ich überfragt. Auch staatliche Aufträge und Co. werden wohl oft per Seilschaften vermittelt, da denke ich hat „Buffett“ mit seinem Bekanntenkreis mehr Einblick.

    Wenn IBM aber seine Umsätze und Margen halten kann und dies hat es trotz zahlreicher Verkäufe von Firmenanteilen, dann ist die aktuelle Strategie der Aktienrückkäufe langfristig eine doppelstellige Compounding-Maschine.

    Aktuell bin ich wieder dabei eine Position in Coca Cola Enterprises zu bilden. Habe darüber auch schon einmal einen Artikel geschrieben ( http://www.valueblog.de/archive/3139 ). Die Firma rasselt gerade wieder runter, da es mit Europa nicht so läuft.

    Aber sie hat starke Marken und die Distribution der Coca Cola-Marken und Capri-Sonne, Energy Drinks und Co ist ein relativ sicheres Geschäft, welches ebenfalls von Rückkäufen getrieben wird.

  3. Der Hauptvorwurf an IBM (wenn man bisschen zwischen den Zeilen liest) ist doch der, dass man Geld an Aktionäre gibt, statt haufenweise Amis zu überhöhten Salären einzustellen und ein eigenes Konjunkturpaket zu schnüren.

  4. Hi Ulrich. Schön mal wieder von dir persönlich zu lesen 😉

    Capri Sonne gehört auch zu Coca Cola? Das wusste ich gar nicht. Dachte die Wild Werke (hier um die Ecke) sind unabhängig…

    Mit Coca Cola kann man denke ich nicht wirklich was falsch machen. Allerdings würde ich da nicht mit zweistelligen Renditen die nächsten Jahre rechnen.

    Was mich etwas schockiert hat war der exorbitante Compensation Plan des Managements. Nicht mal da hat Warren den Mund aufgemacht und dagegen gestimmt. Es wäre „unamerican“ gewesen gegen Coke zu stimmen! Was für ein Argument!

    • Hallo Stefan, schön, dass du auch noch dabei bist.

      Also Coca-Cola Enterprises ist eine eigenständige Aktie/Firma und nicht „gleich“ The Coca-Cola Company.

      Enterprises ist einer der großen Abfüller und Distributoren. Dabei hat Enterprises das Gebiet Frankreich, UK, Schweden…

      CCE(Coca Cola Enterprises) vertreibt zusätzlich in diesen Ländern eben auch noch unter Lizenz andere erfolgreiche Marken wie Capri-Sonne, Monster Energy (welches jetzt ja auch teilweise im Coca Cola Boot ist).

      Die Qualität des Geschäfts ist wohl als sehr hoch einzustufen. Getränke leben davon, dass sie eben dann in der Döner-Bude oder im Kino vor Ort sind. Es ist also eine der Branchen, die nicht schnell durch irgend eine neue Online-Plattform überrannt werden kann.

      Coca Cola Enterprises produziert eine anständige Eigenkapitalrendite ( 25% + x), bei einer Fremdfinanzierung (am Ende des Jahres wohl wieder bei 2,5x langfr. Schulden / EBITDA).

      Das Unternehmen produziert natürlich jede menge freien Cash-Flow und kauft damit ebenfalls Aktien zurück und steigert die Dividende.

      Die Aktie handelt zu einem KGV fürs laufende Jahr von 14. Da gerade Getränke ja eine sehr konjunktur-unabhängige Branche sind und durch die fallenden Rohstoffpreise ja eigentlich Transportkosten und Herstellung eher günstiger werden schiebe ich die Bewertung darauf, dass die Firma in den USA notiert ist (obwohl sich das eigentliche Geschäft in Europa befindet) und natürlich der eher konservative Ami nicht umbedingt in ein Europa investiert bei dem er dauernd von Problemen mit der Währung liest.

      Der Kurs rutscht also gerade wieder und könnte dann für längerfristige Überlegungen wieder interessant werden.

      Klar ist IBM mit seinen Rückkäufen noch interessanter, da die Bewertung eben noch günstiger ist. Dafür gibt es bei IBM aber eben auch mehr Fragezeichen als bei einem Getränkeverteiler (der in allen seinem Märkten den größten Marktanteil hat).

      Gruß Ulrich

  5. Rückkaufprogramme ist für ein Aktionär in der REgel immer positiv zu bewerten, solange man die Aktien beseitz und das Unternehmen rentabel ist.

    Besonders in der niedrig Zinsphase. Unternehmen wie IBM müssen sich auch überlegen, wo sie ihr Cash anlegen sollen. Warum nicht die eigenen Aktienkaufen und somit den Aktienpreis pushen, und später mit Gewinn wieder zu verkaufen. Darüber Hinaus wird so die Dividendenausschüttung reduziert, also wieder mehr Geld in der Kasse.

    Also mein Credo ist, Rückkaufprogramme sind positiv!

    • Eigentlich gehts es nicht darum den Preis zu pushen. Es geht darum, Wert für die verbleibenden Aktionäre zu schaffen, in dem man als Firma für X kauft, was 1,5X oder 2X oder mehr wert ist…

    • Es geht nicht darum, den Preis durch die Käufe zu pushen. Es geht darum, Aktien für 180 Dollar zu kaufen, die 250 Dollar wert sind. Bei jeder diese Transaktionen entsteht eine Wertschöpfung von 70 Dollar.

    • Es geht doch nicht darum, den Preis zu pushen, ganz im Gegenteil. Es wäre für die Aktionäre von Vorteil, wenn der Preis weiter fallen würde. Denn wenn IBM etwas für 180 Dollar kaufen kann, was 250 Dollar wert ist, dann findet bei jedem Kauf eine Wertschöpfung von 70 Dollar statt. Und bei einem Kaufpreis von 150 Dollar, wärens sogar 100 Dollar, also 42% mehr. Je unterbewerteter die Aktie, desto besser für den Aktionär! Sein Anteil am Gewinn der Firma steigt sehr schnell, wenn Aktien zu sehr günstigen Kursen zurückgekauft werden können. Auch werden die gekauften Aktien dann eingezogen und nicht irgendwann wieder verkauft.

  6. Wahnsinn was ist das für ein Abverkauf im Moment? Da muss man ja fast überlegen nochmal nachzukaufen wenn es sich mal hoffentlich ein bisschen beruhigt.

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