Gedanken über die berüchtigte MOAT

Ein interessantes Thema über das ich die letzten Tage nachgedacht habe ist die Eintrittsschwelle, der Burggraben oder englisch die „moat“ bei Unternehmen.

Viele erfolgreiche Mega-Unternehmen haben so etwas und es ist einem gar nicht so bewusst, sie kann aber bei der Aktienauswahl doch sehr hilfreich sein, wenn man mal über sie nachdenkt.

Bekannte Beispiele sind

McDonalds mit seinem 40 Milliarden Dollar(ohne Abschreibungen) Top-Immobilienportfolio, welches so manchen geschmacks-armen Burger vergessen macht. IBM mit seinen Mainframe-Computersystemen, das seit 30 Jahren immer dann zum Einsatz kommt, wenn es richtig wichtig wird oder Walt Disney mit seinem Portfolio an exklusiven Sportkanälen. Natürlich wäre es toll, wenn man zu dieser Einsicht schon vor vielen Jahren gekommen wäre…

Einschub: Habe deshalb auch schon ein paar mal über Sky-Aktien nachgedacht Schließlich ist Sport, das Einzige, dass man in Zeiten von YouTube,Netflix und Amazon Instant Video noch wirklich LIVE sehen will.

Also habe ich mal weiter überlegt, welche Firmen noch so einen Graben haben. Natürlich Stromversorger, Eisenbahnen, Mautstreckenbetreiber… wobei, da natürlich sehr viel an den Regulierungsbehörden hängt und ich diese deshalb aus dem Gedankengang streiche.

Dann gibt es natürlich Unternehmen, die eine Moat haben, die ich aber einfach nicht sehe, weil ich von dem Geschäft und Dynamiken überhaupt nichts verstehe. Da jede Investor Relations-Abteilung immer beansprucht in irgend einem Feld ganz vorne zu sein – muss ich weiterziehen.

Gesellschaftsspiele

Eine Moat, die für mich sehr offensichtlich ist sind bekannte Brettspiele. Monopoly, Scrapple oder (international?) die Siedler haben sicher die Möglichkeit ihre Preise weitaus stärker anzuheben als die unbekanntere Konkurrenz.

Der Grund liegt darin, dass der Hauptgrund des Brettspiels ja das soziale Gemeinschaftserlebnis im Zentrum steht. Wenn aber meine Gäste die Spielregeln nicht kennen, dann wird das Ganze natürlich ungemein erschwert. Als Standardausrüstung jeder Spielesammlun gehören also die gängigen Spiele. Hasbro könnte also bei Monopoly statt 29,99€ auch 35 € verlangen und wahrscheinlich würde sich an der Nachfrage relativ wenig verändern.

Broschüren / regionale Werbung

Ein weitere Moat viel mir bei einer Aktie auf, die ich eigentlich aus einem ganz anderen Grund gekauft habe. Die Aktie kam in meinem Blog schon zweimal vor (CTM Media Holding). Zu dieser Holding gehört eine Firma die Werbebroschüren verteilt und inzwischen auch digitale Tourismus-Terminals betreibt

Langweiliges Geschäft dachte ich erst und irgendwie viel mir dann auf, dass dies doch eigentlich ein Traum-Geschäft ist. Ein Hotel möchte in seiner Lobby ja höchstwahrscheinlich nur ein Terminal oder einen Broschürenständer. Dazu kommt, dass für den Werbekunden das ganze nur Sinn macht, wenn die Agentur auch eine entsprechende Reichweite hat. Also Pricing-Power, da sich automatisch regionale Monopole bilden.

Natürlich kann ein Geschäft mit enormen Wettbewerbsvorteilen auch eine Gefahr darstellen

Bestes Beispiel sind die richtig großen Banken. Diese haben durch das „too big to fail“-Attribut zwar einen enormen Vorteil, wenn es um Refinanzierungskosten geht. Da durch diese Eigenschaft aber auch die Auswirkungen von falsch kalkulierten Risiken geringer ausfallen ist in diesem Fall das ganze ein zweischneidiges Schwert => „Moral Hazard“.

Vielleicht habt ihr ja auch ne Idee für ne richtig gutes Geschäftsmodel mit Pricing Power/Moat, dass noch in den Kinderschuhen steckt.

6 Gedanken zu “Gedanken über die berüchtigte MOAT

  1. Hallo Ulrich,

    schön von dir mal wieder n paar Gedanken zu lesen. Das ist ein wahnsinnig spannendes Thema, über das man sich den Kopf zerbrechen kann.

    Hast du mal dran gedacht die Suche Rückwärts aufzuziehen? Also zu schauen welche Unternehmen im Branchenvergleich dauerhaft höhere Margen und Renditen haben. Meine Gedanke geht dahingehend, dass Unternehmen mit Burggraben ums Geschäftsmodell eine höhere Rentabilität aufweisen sollten als die Konkurrenz ohne. Über z.B. 10 Jahre sollte sich das (im Mittelwert) doch deutlich zeigen. Von dem Ergebnis aus muss es dann leicht sein, die Moat im Geschäftsmodell zu erkennen.

    Funktioniert selbstverständlich dann nur, wenn die Moat schon einige Zeit existiert.

    Ich kenne nur kein Screener der so etwas kann.

    @alle: Wer so einen Screener kennt, der o.g. Voraussetzungen erfüllt (am besten kostenfrei, ich bin leider (noch) ein kleiner Kleinanleger) bitte melden. Ich geb demjenigen ein aus!

    Gruß
    Valueer

    • Da kannst du auf jeden Fall mal bei den Dividenden-Aristokraten anfangen…und unter diesen die raussuchen die die höchste Eigenkapitalrendite haben.

  2. Wirklich interessantes Thema!

    Quasi die Grundlage für Buffetts Anlageerfolg.
    Hier übrigens ein sehr interessanter Artikel von heute:

    http://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/angefressene-fast-food-kette-mcdonald-s-steht-unter-druck-a-970739.html

    Hat im Prinzip auch mit der Moat zu tun. McDonalds scheint seine gerade ein wenig einzubüßen…(hab ich auch bei TimSchäfer gepostet)

    Microsoft hingegen hat seine sogar noch ein wenig ausbauen können. Der Umsatzanteil am weltweiten Softwaremarkt wurde auf knapp 18 % gesteigert.

    Ich denke das ist die große Kunst: ein Unternehmen zu finden das seine Moat über lange Zeiträume verteidigen können wird.

    Von einer Sky würde ich prinzipiell die Finger lassen. Meiner Meinung nach funktioniert Pay-TV in Deutschland nicht. Dafür sind die „freien“ Angebote zu umfangreich. Nur wer wirklich stark an jedem Bundesliga Spiel interessiert ist wird sich das abonnieren. Champions League kommt oft im Free TV. WM und EM sowie so. Formel 1 auch. Also ich sehe da keinen Grund ein teures Monats-Abo abzuschliessen. (Mein Opa hatte das allerdings anders gesehen. Der sass aber auch stundenlang vor der Glotze und hat sich auch mal Beate Uhse TV gegönnt 😉 )

    • Das McDonald’s ist ein interessantes Thema. McDonald’s hatte im letzten Jahresbericht über 40 Milliarden US$ in Landbesitz, Gebäuden und Einrichtungen ausgewiesen. Dann ziehen die da natürlich inzwischen wieder Milliarden an Abschreiben ab.

      Wohl bemerkt sind diese Milliardenpositionen aber „at cost“ ausgewiesen. Wenn ich mir jetzt ansehe, dass McDonalds in den Großstädten ja stets in Top-Lagen sind oder in Industriegebieten an den Zubringern (mit höchster Fluktatio). Klar, die Gebäude wären für andere Branchen nicht umbedingt 100% geeignet und müssten umgebaut werden, aber allein die Fläche würde heute doch viel höhere Preise erzielen als der damalige Kaufpreis.

      Habe das mal gegoogelt und zu dem Punkt eigentlich wenig gefunden. Es gab da mal 2005 einen Versuch von William Ackman zum Spinn Off der Immobilien, es ist aber nichts daraus entstanden.

      Denke McDonalds ist von daher eine der sichereren Wetten auf die Zukunft. McDonalds hat massiv Cash und notfalls könnten die ja mit ihrem enormen Free Cash Flow jederzeit ziemlich jedes vergleichsbare Franchisesystem aufkaufen und wenn Burger und Fritten gar nicht mehr performen, dann setzt man halt n anderes umsatzstarkes Konzept auf, damit die Franchisenehmer die Mieten zahlen können 😉 .

      Aber in dieser Breite sehe ich nicht viel anderes als McDonalds. Als ich mal vor Jahren in Stuttgart war blickte ich ungläubig als ich in ne Starbucks Filliale geschleppt wurde und dachte… total verrückt… aber funktioniert 🙂

      Mit dem PayTv und Deutschland. Da haben wir halt schon das SPD/CDU/GRÜNE/FDP PayTv GEZ 🙂

      Das ist meiner Meinung nicht anders als wenn in anderen Ländern halt ein Rubert Murdoch oder Alan Malone große Teile der Nachrichtendarstellung kontrollieren. Die Wahrheit lieht wohl wie immer irgendwo zwischen dem deutschen öffentlich Rechtlichen und FOX News.

      Sport wirt trotzdem in Zukunft eines der wichtigsten Inhalte bleiben. Beim Kampf TV vs Youtube vs Netflix / Amazon … wird der Live Sport wohl für viele den Ausschlag geben.

  3. Hi, netter Artikel

    Was mir bei der Theorie von nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen fehlt (das ist ja der Moat) sind so Phänomene wie Amazon. Wenn man der Theorie von Bruce Greenwald folgt, dann hat ein Online-Händler wie Amazon keinen Moat. Und doch scheint die Realität irgendwie eine andere zu sein.

    Ich meine, die Theorie mit den Wettbewerbsvorteilen ist noch nicht komplette ausgereift. Vieles ist noch nicht verstanden.
    Grüße

  4. Bei Amazon oder generell Internetseiten ist die Sache mit der Moat wesentlich schwieriger. Denke mal, dass Microsoft, Google, IBM eine gewiese Moat haben, da sie ja Betriebssystem für PCs/Smartphones/Server anbieten.

    In der Zeit des neuen Marktes ging man wohl davon aus, dass es sich im Internet (Google gab es noch nicht) um eine Art-Fußgängerzone handelt, in der es wichtig war schnell die besten Lagen zu kaufen. Dies erklärt, dann auch warum manche große Unternehmen plötzlich bereit waren Milliarden für ziemlich simple Webprojekte zu bezahlen.

    Die Zeit vor den guten Suchmaschinen lief (da war ich ja noch ein Kind*grübel) so, dass ich auf yahoo irgendwelche Listen durchlesen musste. War ich also Star-Trek Fan und wollte auf eine Star Trek-Fansite, dann musste ich mich erst durch diese Inhaltsverzeichnisse quellen und als ich dann eine gewünsche Website gefunden hatte – kam diese ins Lesezeichen.

    Wäre das Internet so geblieben und es hätten sich keine Suchmaschienen etabliert, dann wäre eine bekannte Webadresse die Lizenz für den gut laufenden Onlineshop gewesen.

    Leider kammen dann immer bessere Suchmaschinen und nachdem heute eh jeder googelt hat sich dieses “ich kauf die besten Immobilien im Netz”-Denken erledigt.

    Daher ist das Amazon-Modell dann doch relativ leicht zu kopieren. Überlegen wir mal Facebook würde eine Allianz mit einem großen Versandhandel schließen, dann würde große Teile von Amazon wegbrechen.

    Wal-Mart, Aldi, Lidl… haben en enormen Vorteil, dass Gemüße und Obst gerne frisch gekauft wird und derjenige gewinnt, der seine Läden an den richtigen Zufahtsstraßen oder Innenstädten hat. Bin gespannt wohin die Reise geht.. Gerade im Internethandel mit Kleiung machen die Geschäftsmodell oft überhaupt keinen Sinn, da extreme Kosten durch die vielen Rücksendungen und den Größenumtasuch entstehen.

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