Kennzahlenvergleich Spirituosenhersteller (Teil 3)

Nachdem wir uns im 2ten Teil die Profile der Unternehmen näher angesehen haben wird es Zeit in die Zahlen einzusteigen. Mein Fokus liegt dabei auf folgenden Kriterien:

  • Umsatz
  • Gewinn
  • Gewinn/ Aktie (verwässert)
  • Dividende/ Aktie
  • Payout Ratio
  • Eigenkapitalrendite
  • Gesamtkapitalrendite
  • Eigenkapitalquote
  • Umsatzrendite
  • Verzinsung einbehaltener Gewinne
  • Verschuldung

Nun aber Endlich zum Hauptteil der Analyse.

 Umsatz

Hier glänzt eindeutig Campari mit 102% Steigerung innerhalb von 10 Jahren (und ca. 8% jährlich), beim Umsatz machen sich die Zukäufe bemerkbar. Brown-Forman schafft in derselben Zeit eine Steigerung von 87%, ThaiBev 73%. Für Weltmarktführer Diageo schein es kein hohes Wachstum mehr zu geben. Magere 28,6% innerhalb von 10 Jahren. Das Jahr 2004 als Startjahr unseres Vergleichs ist dabei noch glücklich für Diageo. Der Umsatz im Jahr 2000 war bereits höher als 2013. Damals gehörten Burger King und Pillsbury (Knack&Back) noch zum Konzern. Wir werden beim Gewinn sehen, was der Verkauf letztlich gebracht hat (auch eine schöne Gelegenheit die Managementqualität zu testen).

Pernod-Ricard liegt bei 41%, allerdings innerhalb von 8 Jahren. Rémy Cointreau schafft nur magere 34%

Umsatz in Mio.
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 £8.891 $2.020 888,3 € 751 € ฿90.620
2005 £9.036 $2.227 733,7 € 810 € ฿92.378
2006 £7.260 $2.444 6.066 € 780,6 € 932 € ฿97.956
2007 £7.481 $2.806 6.443 € 785,9 € 958 € ฿105.497
2008 £8.090 $3.282 6.589 € 817,8 € 942 € ฿106.226
2009 £9.311 $3.192 7.203 € 710,4 € 1.008 € ฿108.247
2010 £9.780 $3.226 7.081 € 807,6 € 1.163 € ฿121.275
2011 £9.936 $3.404 7.643 € 907,8 € 1.274 € ฿132.985
2012 £10.762 $3.614 8.215 € 1.026,1 € 1.341 € ฿161.881
2013 £11.433 $3.784 8.575 € 1.193,3 € 1.524 € ฿156.893
Durchschnitt £9.198 $3.000 7.227 € 865,2 € 1.070 € ฿117.396

Gewinn

Gewinn ist nicht alles, aber das Hauptgrund weshalb wir investieren. Gerade bei Campari liegt meine Erwartung hoch, der Umsatz wurde verdoppelt, beim Gewinn erwarte ich noch etwas mehr. Ebenso von Diageo erwarte ich hier einiges, wenn das Unternehmen sich von Geschäftsteilen trennt, die vorher ertragsschwach bzw. verlustreich waren muss der Gewinn verbessert worden und die Profitabilität deutlich gestiegen sein.

Und so ist es auch, der Gewinn stieg um 78%, verglichen mit dem Jahr 2000 sogar um 154%. Mein erster Eindruck ist, dass der Verkauf damals die richtige Entscheidung war, der Preis zu dem verkauft wurde ist eine andere Sache. Aber aus strategischer Sicht handelte das Management völlig richtig.

Bei Campari enttäuscht die Entwicklung, gerade mal 54% Gewinnsteigerung bei Umsatzverdopplung, das würde man eher anders herum erwarten, zudem sank der Gewinn seit 2011 um 6%P.

Rémy weist eine robuste Steigerung von 70% auf, im Bezug zur Umsatzentwicklung ist das ganz ordentlich. Das Prognostizieren der Gewinne will ich gar nicht erst versuchen, sie schwanken zu extrem. Der Verlust 2007 stammt aus dem Verkauf der Marke Bols, sollte also einmalig sein, lässt aber keinen guten Eindruck auf das Management und die Bewertung in der Bilanz zurück. Die Marke stieß erst 2000 zum Konzern hinzu.

ThaiBev kann für die Jahre 2004 – 2010 trotz Umsatzsteigerung von 33% keinen höheren Gewinn ausweisen, Grund sind leicht gestiegene Ausgaben für Wareneinsatz und erheblich höhere Vertriebs- und Verwaltungskosten. Seit 2010 scheint sich das auf höherem Niveau stabilisiert zu haben, sodass der Gewinn insgesamt im Vergleichszeitraum um 83% steigt.

Wie beim Umsatz gefällt mir auch beim Gewinn Brown-Forman. 132% Steigerung, dazu wird der Gewinn, bis auf 2012, langsam aber stetig gesteigert.

Auch Pernod-Ricard konnte diesen um 86% steigern, mehr als doppelt so viel wie den Umsatz.

Gewinn in Mio.
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 £1.392 $254 76,3 € 97 € ฿10.417
2005 £1.375 $308 49,8 € 118 € ฿10.409
2006 £1.908 $320 639 € 77,8 € 117 € ฿10.055
2007 £1.489 $389 831 € -23,0 € 125 € ฿10.943
2008 £1.521 $440 840 € 98,4 € 127 € ฿10.606
2009 £1.621 $435 945 € 86,1 € 137 € ฿10.566
2010 £1.629 $449 951 € 86,3 € 156 € ฿10.612
2011 £1.900 $572 1.045 € 70,5 € 159 € ฿12.042
2012 £1.942 $513 1.146 € 110,8 € 157 € ฿28.493
2013 £2.485 $591 1.189 € 130,4 € 150 € ฿19.130
Durchschnitt £1.812 $427 948 € 76,3 € 134 € ฿13.327

Gewinn/ Aktie, verwässert

Meine Erwartung ist folgende: Aus Aktionärssicht muss der Gewinn/ Aktie mindestens gleich gesteigert werden wie der gesamte Gewinn des Unternehmens. Was bringt es uns Aktionären, wenn der Gewinn wächst, er aber nicht bei uns ankommt, da sich das Management über Optionen etc. bereichert? Alles andere, als etwa gleiche Steigerung von Gesamtgewinn und Gewinn/ Aktie heißt flapsig gesagt „das Management zieht den Aktionär über den Tisch“ bzw. das Management arbeitet in erster Linie nicht für den Aktionär. Beim verwässerten Gewinn kann der Verwässerungseffekt natürlich eine Rolle spielen, dort muss dann ins Detail gegangen werden.

Bei Diageo steigt der Gewinn/ Aktie um 115%, hier wurden Aktien zurückgekauft. Brown-Forman 143% auch hier wurden Aktienrückkäufe getätigt,

Rémy 65%. Pernod möchte ich nicht beurteilen, die Finanzberichte sind zu französisch um sie tatsächlich durchzublicken.

Trauriges Beispiel ist Campari: Trotz Umsatzverdopplung wird der Gewinn nur um 54% gesteigert, der unverwässerte Gewinn/ Aktie sogar nur um 47%. Grund hierfür ist die Ausweitung der ausstehenden Aktien um 2,5% seit 2004. Das ist alles andere als aktionärsfreundlich.

Gewinn je Aktie, verwässert
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 £0,46 $1,13 1,65 € 0,17 € ฿0,47
2005 £0,46 $1,35 1,40 € 0,21 € ฿0,47
2006 £0,67 $1,71 1,16 € 0,21 € ฿0,42
2007 £0,55 $1,72 3,87 € -1,46 € 0,22 € ฿0,42
2008 £0,59 $1,89 3,65 € 2,10 € 0,22 € ฿0,41
2009 £0,65 $1,91 3,99 € 1,83 € 0,24 € ฿0,42
2010 £0,66 $2,01 3,59 € 1,79 € 0,27 € ฿0,42
2011 £0,76 $2,60 3,94 € 1,43 € 0,27 € ฿0,48
2012 £0,77 $2,37 4,32 € 2,24 € 0,27 € ฿1,13
2013 £0,99 $2,75 4,46 € 2,66 € 0,25 € ฿0,76
Durchschnitt £0,66 $1,94 3,97 € 1,48 € 0,23 € ฿0,54

Dividende

Die Steigerungen sehen folgendermaßen aus: Diageo 67%, Brown-Forman 127%, Rémy 40%, Campari 60% und ThaiBev 100% (seit 2006 als erstmal eine Dividende gezahlt wurde),

Pernod’s Dividenden schwanken extrem stark. Auch von Sonderdividenden konnte ich in den GB’s nichts finden.

Sonderdividenden finden bei der Betrachtung keine Berücksichtigung, sie würden den Vergleich zu stark verzerren. Der Vollständigkeit halber will ich sie aber erwähnen: Brown-Forman: 2011 gab es 0,66$ und 2013 wurden 4,00$ ausgeschüttet.

Dividende je Aktie
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 £0,28 $0,43 1,00 € 0,05 € ฿0,00
2005 £0,30 $0,49 1,00 € 0,05 € ฿0,00
2006 £0,31 $0,56 1,10 € 0,05 € ฿0,22
2007 £0,33 $0,63 2,52 € 1,20 € 0,06 € ฿0,29
2008 £0,34 $0,69 1,32 € 1,30 € 0,06 € ฿0,30
2009 £0,36 $0,75 0,50 € 1,30 € 0,06 € ฿0,33
2010 £0,38 $0,75 1,34 € 1,30 € 0,06 € ฿0,35
2011 £0,40 $0,83 1,44 € 1,30 € 0,07 € ฿0,37
2012 £0,44 $0,89 1,58 € 1,30 € 0,07 € ฿0,42
2013 £0,47 $0,98 1,64 € 1,40 € 0,08 € ฿0,44
Durchschnitt £0,36 $0,70 1,48 € 1,22 € 0,06 € ฿0,27

Payoutratio

Der Vergleich zeigt, dass Diageo wohl Probleme hat das Geld ähnlich profitabel anzulegen und somit das meiste an die Aktionäre zurückgibt, die Ratio liegt bei 56%. Das ist in diesem Fall wohl die beste Entscheidung. Wesentlich schlimmer ist es, wenn dem Management mit steigendem Cash auch die Übernahmefantasien über den Kopf steigen (wir erinnern uns an die Telekom und das tolle US-Geschäft, dessen Kauf man kurz danach schon wieder bereut hat. Für solche Verschwendung gibt es hunderte Beispiele). Gut, dass es hier nicht so ist.

Campari macht wieder einmal einen schlechten Eindruck (ich glaub ich schieße mich so langsam ein:). An der Payoutratio kann ich an sich nichts kritisieren. Im Zusammenhang mit der Profitabilität und dem Gewinn allerdings schon. Das meiste Geld wird im Unternehmen behalten (ca. 75% des Gewinns). Sofern auch erst mal kein Problem. Wenn wir uns allerdings die Gewinnsteigerung nochmals vor Augen führen macht das Management folgendes: Das Geld, welches dem Aktionär gehört, wird zum größten Teil einbehalten und für Übernahmen ausgegeben, daher die hohe Umsatzsteigerung. Das ganze ist aber ohne Mehrwert, wenn durch die Übernahme nur Marken gekauft werden, die bei weitem weniger abwerfen als das Kerngeschäft. Hier wird dem Aktionär ein Bärendienst getan. Das Beste wäre es sich auf Kernmarken zu konzentrieren und den Überschuss dem Aktionär zurückzugeben (als Dividende oder besser in Form von Aktienrückkäufen).

Zu den anderen Unternehmen muss ich groß nichts sagen. Die Quote bei ThaiBev und bei Rémy ist schon extrem hoch, das Geld wird offensichtlich nicht gebraucht. Pernod und Brown-Forman zahlen ca. 1/3 des Gewinns aus, der Rest wird reinvestiert.

Payout ratio
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 60,9% 38,1% 60,6% 29,4% 0,0%
2005 65,2% 36,3% 71,4% 23,8% 0,0%
2006 46,3% 32,7% 94,8% 23,8% 52,4%
2007 60,0% 36,6% 65,1% 82,2% 25,0% 69,0%
2008 57,6% 36,5% 36,2% 61,9% 25,0% 73,2%
2009 55,4% 39,3% 12,5% 71,0% 25,0% 78,6%
2010 57,6% 37,3% 37,3% 72,6% 22,2% 83,3%
2011 52,6% 31,9% 36,5% 90,9% 25,9% 77,1%
2012 57,1% 37,6% 36,6% 58,0% 25,9% 37,2%
2013 47,5% 35,6% 36,8% 52,6% 32,0% 57,9%
Durchschnitt 56,0% 36,2% 37,3% 71,6% 25,8% 66,1%

Eigenkapitalrendite

Eindeutig die beste Rendite erzielt Branchenprimus Diageo mit 39,6% im Schnitt (das ist fast so hoch wie der Alkoholgehalt ihrer Getränke :-). Ich würde wegen der zuletzt gesteigerten Eigenkapitalquote aber eher vom Schnitt der letzten 3 Jahre für die Zukunft ausgehen. Doch selbst 35% sind eine traumhafte Rendite. Dem Management muss man auch hier wieder ein Lob aussprechen. Vor den Verkäufen von Burger King und Pillsbury lag die Rendite im Bereich von knapp über 20% – 26%.

Mit einigem Abstand, aber ebenfalls sehr profitabel, folgen Brown-Forman (25,5%) und ThaiBev (23,2%).

Bei Campari sieht man die schleichende Verschlechterung des Geschäfts. Die Rendite sinkt von ordentlichen 15,5% im Jahr 2004 auf nun 10,8%. Dem Wachstum wird offensichtlich alles geopfert.

Abgeschlagen zeigen sich unsere Franzosen (ich weiß das ist pauschalisierend, ist aber so) Pernod (11,6%) und Rémy (7,9%).

Eigenkapitalrendite
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 37,7% 23,8% 9,3% 15,5% 31,2%
2005 37,8% 23,5% 5,7% 17,0% 33,2%
2006 42,4% 20,5% 11,2% 8,5% 14,7% 19,1%
2007 37,5% 24,7% 13,2% -2,7% 14,3% 19,9%
2008 43,5% 25,5% 13,1% 10,8% 13,3% 19,6%
2009 50,3% 24,0% 12,7% 8,9% 13,1% 18,7%
2010 40,7% 23,7% 10,4% 8,5% 12,5% 18,7%
2011 36,2% 27,8% 11,3% 6,6% 11,7% 19,0%
2012 34,8% 24,8% 10,6% 11,4% 11,0% 33,5%
2013 35,3% 36,3% 10,6% 11,9% 10,8% 19,5%
Durchschnitt 39,6% 25,5% 11,6% 7,9% 13,4% 23,2%

Gesamtkapitalrendite

Hier zeigt sich an etwas anderes Bild. Der Spitzenreiter heißt nicht Diageo (10%), sondern Borwn-Forman (13%), gerade die Entwicklung geht bei Brown in die richtige Richtung. Sie wurde von 10,9 auf 16,3% gesteigert.

Sogar ThaiBev (10,4%) schneidet besser ab als Diageo, bei denen die Entwicklung die letzten Jahre in die falsche Richtung verläuft. Campari (6,2%) verliert schleichend an Rendite. Hier sollte eher von den letzten Jahren in der Auflistung ausgegangen werden.

Die letzten paar Jahre liegt Campari sogar hinter Pernod (4,0%) und Rémy (3,4%), das seine Ergebnisse zuletzt steigern konnten.

Gesamtkapitalrendite
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 9,9% 10,9% 3,1% 7,2% 11,7%
2005 10,4% 11,7% 2,1% 7,4% 12,8%
2006 13,7% 11,7% 3,2% 3,3% 6,8% 11,8%
2007 10,7% 11,0% 4,3% -1,0% 7,3% 13,8%
2008 9,5% 12,9% 4,6% 4,5% 7,0% 13,3%
2009 9,0% 12,5% 3,8% 3,7% 5,8% 13,7%
2010 8,4% 13,3% 3,5% 3,7% 5,9% 13,8%
2011 9,6% 15,4% 4,1% 3,2% 5,5% 12,1%
2012 8,7% 14,8% 4,0% 5,6% 4,6% 13,7%
2013 9,9% 16,3% 4,3% 5,8% 4,6% 10,4%
Durchschnitt 10,0% 13,0% 4,0% 3,4% 6,2% 12,7%

Eigenkapitalquote

Und wieder zeigt sich ein trauriges Bild bei Campari. Ich muss die Eigenkapitalrendite von nur noch 10,8% aus 2013 nochmals in Erinnerung rufen. Bei der stetigen Verringerung der Eigenkapitalquote (2004 – 71,9 auf 2013 – 42,3) sollte sich die Eigenkapitalrendite enorm erhöht haben, sofern das Geschäft unverändert weiterläuft. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Die hohen Eigenkapitalrenditen von Diageo sind stark durch die niedrige Eigenkapitalquote (25,4) zustande gekommen. Die Quote ist niedrig, allerdings mit Blick auf den Cashflow keine Bedrohung. Für mich als konservativen Valueanleger sind mir Unternehmen mit hoher Quote aber lieber. Positiv zu beurteilen ist die Erhöhung seit 2010 auf aktuell 28,1, auch wenn die Profitabilität etwas zurückging.

Deutlich lieber ist mir da Brown-Forman (51,6), und das bei der nach Diageo höchsten Eigenkapitalrendite im Vergleich.

Rémy’s Quote (42,6) ist ganz in Ordnung, ebenso wie die von Pernod (35,1), beide Unternehmen haben diese zuletzt erhöht.

Die Zahlen von ThaiBev schwanken mir zu stark als das ich sie glauben möchte, ich verstehe sie jedenfalls nicht wirklich und möchte mir auch nicht die Mühe machen die Bilanzen von ThaiBev einzeln durchzugehen. Ich lasse sie mal unkommentiert stehen.

Eigenkapitalquote
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 26,2 45,7 38,4 71,9 37,4
2005 27,4 49,9 36,1 65,2 38,6
2006 32,3 57,3 38,8 67,8 61,4
2007 28,5 44,3 32,3 38,7 51,3 69,1
2008 21,8 50,7 34,8 42,2 52,9 67,5
2009 17,8 52,3 29,9 41,9 43,9 73,2
2010 20,6 56,0 33,7 43,9 47,2 73,8
2011 26,5 55,5 36,1 48,5 47,0 63,5
2012 25,0 59,5 38,1 49,0 41,9 40,9
2013 28,1 44,9 40,7 48,2 42,3 53,5
Durchschnitt 25,4 51,6 35,1 42,6 53,1 57,9

Unbenannt

 

Ein anderer wichtiger Aspekt, der mir durch Diskussion mit unserem Co-Autor Mafir nochmals deutlicher wurde, liegt in der Verschuldung. Aktuell sind die Zinsen sehr niedrig (um nicht zu sagen manipuliert). Unternehmen mit hoher Verschuldung zahlen derzeit Mini-Zinsen. Selbst Schuldner schlechter Bonität können sich zur Zeit für 7 – 8% verschulden (siehe Mittelstandanleihen, früher nannte man das Junk-Bond und der Zins lag bei 15 – 19%. Ratet mal warum die Banken diesen Unternehmen den Kredit nicht selbst gewähren, wenn sie dafür 7-8% Zinsen verlangen können? Stattdessen reichen sie ihn an die Kapitalmärkte weiter). Was aber passiert, wenn die Zinsen wieder normale Niveaus erreichen? Ich denke nicht, dass die nächsten 3 – 5 Jahre groß etwas passiert, dazu erscheint mir die Lager zu instabil. Aber deutliche Zinserhöhungen werden kommen.

In einem solchen Szenario werden Unternehmen mit hoher Verschuldung Probleme bekommen. Hochprofitable Unternehmen wie eine Diageo werden nicht untergehen, aber die Profitabilität wird zwangsläufig zurückgehen. Kann das ganze nicht mit Umsatzsteigerungen aufgefangen werden muss theoretisch der Aktienkurs sinken.

Umsatzrendite

Und nun sehen wir was bezogen auf den Umsatz wirklich hängen bleibt. Und damit auch wie viel Spielraum die Unternehmen haben:

Eindeutiger Spitzenreiter ist mal wieder Diageo, 18,9% Umsatzrendite grenzen fast an Piraterie 🙂 Was ich bei meinem Whisky sparen könnte… Aus Investorensicht aber ein hervorragendes Ergebnis.  Auch bei dieser Kennzahl zeigt sich der Verkauf von Unternehmensanteilen. 2000 standen „nur“ ca. 8% zu buche.

Zu dem „Rest“ klafft schon eine kleine Lücke. Pernod (13,4) liegt fast mit Brown-Forman gleichauf (13,6) gefolgt von ThaiBev (11,1)

Hier zeigt sich Campari auf etwa demselben Niveau wie das Mittelfeld. Schlusslicht ist Rémy (8,7%), wobei der Trend nach oben geht, aber auch hier schwanken die Ergebnisse stark.

Umsatzrendite
Jahr\ Unternehmen Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
2004 15,6% 10,0% 8,6% 12,9% 11,5%
2005 15,2% 11,3% 6,7% 14,6% 11,3%
2006 26,3% 13,1% 10,0% 12,6% 10,3%
2007 19,9% 13,9% 12,9% -2,9% 13,1% 10,4%
2008 18,8% 13,4% 12,8% 12,0% 13,4% 10,0%
2009 17,4% 13,6% 13,1% 12,1% 13,6% 9,8%
2010 16,7% 13,9% 13,4% 10,7% 13,4% 8,7%
2011 19,1% 16,8% 13,7% 7,8% 12,5% 9,1%
2012 18,0% 14,2% 14,0% 10,8% 11,7% 17,6%
2013 21,7% 15,6% 13,9% 10,9% 9,9% 12,1%
Durchschnitt 18,9% 13,6% 13,4% 8,7% 12,8% 11,1%

Insgesamt lässt sich sagen, dass in der Spirituosenbranche deutlich höhere Margen und Umsatzrenditen drin sind als generell im Lebensmittelbereich. Eine Nestlé schafft es Umsatzrenditen von ca. 9 – 12 % zu erwirtschaften.  

Verzinsung der einbehaltenen Gewinne

Zugegeben diesen Test sieht man in Blogs  so gut wie nie, doch auch Buffett wendet ihn an. Dabei geht es darum, dass die Gewinne, die das Unternehmen einbehält angemessen verzinst werden. Sollte dies nicht der Fall sein wäre es besser es den Aktionären über Aktienrückkäufe oder Dividenden zurückzugeben. Der Test ist auch geeignet um einen Eindruck zu erhalten wie sehr sich das Management den Aktionären verpflichtet fühlt und in deren Sinne handelt, in dem es Mehrwert für den Aktionär generiert.

Der Test funktioniert sehr gut bei Unternehmen, deren Gewinne kontinuierlich wachsen und nicht schwanken, bei zyklischen Unternehmen wird der Test nichts bringen bzw. die Ergebnisse verzerren.

Ich hatte anfangs auch meine Mühe damit und möchte kurz ein Beispiel dazu geben, dann sollte es klarer werden. Alle Daten bezogen auf eine Aktie: Der Gewinn von Diageo 2004 betrug £0,46. Die kumulierten Gewinne von 2004 – 2013 betrugen £6,56. Im gleichen Zeitraum wurden Gewinne in Form von Dividenden in Höhe von £3,61 ausgeschüttet. Es wurden also £2,95 Gewinn einbehalten (£6,56 – £3,61 = £2,95). 2013 konnten £0,99 Gewinn verbucht werden. D.h. durch die Verzinsung der einbehaltenen Gewinne entstand ein zusätzlicher Gewinn von £0,53 (£0,99 – £0,46 = £0,53). Da der zusätzliche Gewinn nur durch die Verzinsung einbehaltener Gewinne (Reinvestierung & Aktienrückkäufe) stammt lässt sich die Rendite, die durch den Zusatzgewinn erziel werden leicht berechnen (Zusatzgewinn/ einbehaltene Gewinne x 100 = Rendite auf einbehaltene Gewinne). Oder in unserem Beispielfall 0,53/ 2,95 x 100 = 17,9% Rendite auf einbehaltene Gewinne. Also ganz ordentlich.

Verzinsung der einbehaltenen Gewinne

Diageo Brown-Forman Pernod-Ricard Rémy Cointreau Campari Group Thai Bev
Einbehaltene Gewinne gesamt £2,95 $7,44 17,70 € 2,60 € 1,73 € ฿2,68
Zusatzertrag £0,53 $1,62 0,59 € 1,01 € 0,08 € ฿0,29
Rendite auf einbehaltene Gewinne  17,97%  21,77%  3,33%  38,85%  4,62%  10,82%

Die Zahlen von Rémy eignen sich nicht zum Vergleich, dafür ist der Gewinn zu stark schwankend, ansonsten aber super Ergebnis.

Die Angaben erscheinen, mit den Dividenden verglichen, widersprüchlich. Grund hierfür ist, dass ich Sonderdividenden in der Kennzahl Dividende/ Aktie nicht berücksichtigt habe. In dieser Betrachtung hingegen muss ich es.

 

Im nächsten und letzten Teil geht es mit der Verschuldung der Unternehmen, einem Versuch die fairen Werte zu bestimmen und meinem Fazit weiter. Dies wird allerdings 2 – 3 Wochen dauern. Nächstes WE geht’s erstmal zum Strongmanrun nach Österreich 🙂

8 Gedanken zu “Kennzahlenvergleich Spirituosenhersteller (Teil 3)

  1. Perfekt! Ich liebe solche Analysen. Ich werde sie mir bestimmt noch ein paar mal durchlesen.

    Vielen dank für deine mühe!

    Mach weiter So.

  2. Ich habe mir den Artikel jetzt schon 2 mal komplett durchgelesen und bin immer noch begeistert. Da steckt wirklich viel Arbeit drin!
    Danke, danke, danke dafür!

    Ich denke das die Informationen in einige meiner Entscheidungen einfließen werden in diesem Segment.

  3. Nur kurz zur Info:

    Die Fertigstellung der Spirituosenanalyse wird sich leider noch ein paar Wochen hinziehen. Ich bin leider erkrankt und seit 2 Wochen mehr oder weniger ans Bett gefesselt (und nicht auf die gute Art 🙂
    Somit wird sich das noch etwas hinziehen…

    Grüße Valueer

  4. Sehr schöne Arbeit! Nur schade das Teil 4 der Spirituosenanalyse noch fehlt. Das Thema Verschuldung interessiert mich sehr.

    Vielen Dank für den gelungenen Beitrag.

    Grüße Martin

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