Kennzahlenvergleich Spirituosenhersteller (Teil 2)

Nach dem ich im ersten Teil ein paar Vorworte und Anmerkungen geschrieben habe widme ich mich im zweiten Teil den Überblick zu erhalten. Here we go:

Profile

Diageo

Die Diageo plc. ist der weltweit größte Spirituosenkonzern. Er beschäftigt über 36.000 Mitarbeiter. Diageo entstand  1997 durch den Zusammenschluss der Grand Metropolitan mit dem Bierbauer Guinness. Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1759 zurück, als Arthur Guinness in Dublin die gleichnamige Brauerei gründete.

Die ehemalige Hotelkette Grand Metropolitan kaufte in den 70ern einige Whiskyhersteller auf und formierte sich zum Spirituosenkonzern. Nach dem Zusammenschluss fokussierte sich Diageo auf sein Kerngeschäft und verkaufte 2000 die Anteile an Burger King und Pillsbury. 2001 wurde Seagrams  Spirituosen und Weingeschäft übernommen. Das Markenportfolio von Diageo ist einmalig. Dazu gehören u.a. Liquör (Baileys), Rum (Captain Morgan), Vodka (Smirnoff), Whisk(e)y (Johnnie Walker, J&B, Cardhu, Cragganmore, Dalwhinnie, Glenkinchie, Knockando, Lagavulin, Oban, Talisker, Bushmills), Biere (Guinness, Kilkenny) und Wein.

Zudem werden weitere Produkte vertrieben (z.B. Hennessy Cognac oder Dom Perignon)

Diageo Diago 2

 

Campari

Gegründet 1860 in Mailand nach der Entwicklung Aperitifs Campari. Firmengründer Gaspare Campari übergab das Geschäft an seinen Sohn Davide Campari, der es zu einem Industrieunternehmen ausbaute und Anfang des 20. Jahrhunderts die Internationalisierung sowie das Marketing vorantrieb. Die Gesellschaft ist noch heute nach ihm benannt und firmiert unter dem vollständigen Namen „Davide Campari-Milano S.p.A.”. Anfang der 90er entschloss sich die Unternehmensführung durch Übernahmen zu wachsen, andernfalls würde man in eine Nische verdrängt.

Ab 1995 ging die Gruppe auf große Einkaufstour:  das Italiengeschäft der niederländischen BolsWessanen wurde übernommen, es folgten ein Jahr später die Distributionsrechte für Italien an Glenfiddich, Grant’s und die Lizenz zur Produktion und Distribution von Jägermeister. 1998 und 99 landeten der Vodka Skyy sowie Ouzo 12 und die Weinmarke Cinzano bei Campari. Weitere Übernahmen folgten 2001 in Brasilien und Uruguay (Dreher, The Old Eight), 2003 Aperol, 2006 begann der Einstieg ins Whiskysegment mit der Übernahme der Marken Glen Grant, Old Smuggler und Braeamer von Pernod Ricard. Das Whiskysegment wird die letzten Jahre weiter ausgebaut (Wild Turkey, Irish Mist) ebenso wie die Expansion auf den Emerging Markets. Seit 2001 ist das Unternehmen an der Mailänder Börse notiert. 51% werden von der Familienholding Alicros S.p.A. gehalten, die nach dem Tod der letzten Campari’s an die Familie Garavoglia (einem Angestellten der Firma) überging. Campari beschäftigt über 4.000 Menschen.

Die Gruppe wird in die Segmente Amerika, Italien, Rest Europa und Rest der Welt inkl. Duty Free unterteilt:

CampariCampari 2

 

Nach Produktgruppen in Spirituosen, Wein, Soft Drinks und Andere:

Campari 3

Zu den wichtigsten Marken zählen Campari (10% Umsatzanteil), Aperol (9%), SKYY Vodka (10%), Wild Turkey Whiskey (10%) und Cinzano Wein (8%). Das fokussiert den Werbeaufwand etc. auf wenige Marken, erhöht auf der anderen Seite aber auch die Abhängigkeit davon.

 

Thai Bev

Gehört zu den 10 größten Spirituosenherstellern der Welt. Gegründet 1991, 2003 wurden mehrere, kleinere Spirituosenhersteller und Bierbrauer Thailands unter „ein Dach“ gebracht. Der Börsengang erfolgte 2006 in Singapur. Seit dem Börsengang wächst auch das Geschäft mit Nahrungsmitteln, was der Diversifikation dient. Der Umsatz mit Spirituosen ist derzeit noch deutlich größer als die Bereiche Bier, nicht-alkoholische Getränke und Nahrungsmittel zusammen.

Das Produktportfolio umfasst Spirituosen (Rum, Whisky, Vodka, Gin), Bier, Limonaden, Tee, Nahrungsmittel und Wasser. Die einzelnen Marken haben Namen wie Chang, Rhuang Khao, Palton, White Bear, White Tiger oder Mungkorn. Das nur der Vollständigkeit halber, als Europäer sind mir diese abgesehen vom Chang Bier aus dem Asiastore weitestgehend unbekannt. Einzig die Whisky Marken sind mir als Whiskyliebhaber geläufig (Old Pulteney, Balblair, anCnoc und Speyburn). Zum Konzern gehören ebenfalls einige Restaurantketten, die dem Foodbereich zugeordnet werden.

ThaiBevThaiBev 2

Ergebnisbeitrag der jeweiligen Segmente zum EBIT:

ThaiBev

Segment

EBIT

Spirituosen

109,8%

Bier

-2,1%

nicht-alkoholische Getränke

-8,7%

Nahrungsmittel

1,0%

 

 

Rémy Cointreau

Entstand 1990 durch den Zusammenschluss des Cognachersteller Rémy Martin mit dem Orangenliquerproduzenten Cointreau & Cie. Die Anfänge dieser beiden Unternehmen reichen bei Rémy bis 1724 und bei Cointreau ins Jahr 1849 zurück. Rémy beschäftigt 1.700 Mitarbeiter, zum Konzern gehören durch Übernahmen weitere Marken z.b. die älteste Rummarke der Welt Mount Gay, der Whiskyproduzent Bruichladdich und Metaxa.

Operativ teilt sich das Geschäft in die Segmente Remy Martin (Cognac), Liquers & Spirits und Partner brands (Vertrieb von Partnerprodukten) und tragen folgendermaßen zum Erfolg bei:

RémyRémy 2

Regional wird die Unterteilung in Europa, mittlerer Osten & Afrika; Amerika (Nord – und Süd); sowie Asien & Pazifik gezogen:

Rémy 3

Pernod-Ricard

Der Konzern ist nach Diageo die weltweite Nr. 2. Er entstand 1975 durch Fusion von Pernod und Ricard und wuchs wie auch Diageo vor allem durch Übernahmen. So wurde 1998 Irish Distillers gekauft, 2001 Seagram und 2005 Allied Domecq. Wie auch Diageo ist Pernod Ricard in Umsatzgrößen vorgestoßen, die es kartellrechtlich schwierig machen andere Firmen zu übernehmen. Bei der letzten großen Übernahme von Allied Domecq mussten klangvolle Marken wie Bushmills, Ardmore, Glen Grant und andere abgegeben werden.

Auch Pernod-Ricard verfügt über ein hervorragendes Produkt- und Markensortiment. Dazu gehören u.a.:  Pastis (Pastis 51, Ricard), Wodka (Absolut Vodka) Whisk(e)y (Chivas Regal, The Glenlivet, Jamson, Ballantine‘s), Rum (Havanna Club), Champagner (G.H. Mumm) und weitere Marken wie Kahlua, Malibu oder Ramazzotti.

Zu den bedeutenden Aktionären gehören:

Paul Ricard (13,1%), Groupe Bruxelles Lambert (7,5%) und die Capital Group Companies (11%).

Das Geschäft wird in Spirituosen und Wein getrennt:

PernodPernod 2Pernod 3

Pernod-Ricard beschäftigt 18.900 Mitarbeiter

 

Brown-Foreman

Gegründet wurde das Unternehmen 1870, als Georg Brown den Bedarf an Whiskey erkannte und eine Brennerei aufbaute, die den Whiskey in Glasflaschen, statt im Fass verkaufte. Mit dem Einstieg seines Buchhalters  Georg Forman 1890 firmiert das Unternehmen unter Brown-Forman. Die Prohibition überstand es nur dank einer von 10 Alkohollizenzen, die der Staat 1920 für medizinischen Alkohol vergab. 1956 wurde die Jack Daniel‘s Destilliere übernommen. Weitere Akquisitionen folgten, so landeten Canadian Mist, Southern Comfort, Finlandia, Herradura und weitere im Produktportfolio.

Das Aktienkapital ist in 2 verschiedene Aktienklassen aufgeteilt. Stock A und B, wobei die B-Aktien keine Stimmrechte enthalten. Die A-Aktien werden zu über 50% von der Gründerfamilie Brown gehalten, die das Unternehmen kontrolliert.

Zu den Marken zählen u.a. Southern Comfort (Liquer); Don Eduardo, Herradura, el Jimbor (Tequila),  Canadian Mist, Jack Daniels und Old Forester (Whiskey).

Zu den einzelnen Segmenten (Whiskey, Vodka, Liquöre, Tequila, Champagner + Wein) werden leider zu wenige detaillierte Informationen veröffentlicht. Einzig der Volumenanteil der Markenfamilien wird veröffentlicht. Das sagt nichts über den Umsatz oder den Gewinn und damit die Profitabilität aus, aber um einen groben Überblick zu erhalten:

Brown-Forman

Nach Regionen:

Brown-Forman 2

Das Unternehmen beschäftigt 4.000 Mitarbeiter.

4 Gedanken zu “Kennzahlenvergleich Spirituosenhersteller (Teil 2)

  1. Hallo,

    also in Spirituosen sehe ich auch ein sehr gutes Geschäft, da man unheimlich hohe Margen erzielen kann.

    Wenn ich sehe wer alles Captain Morgan und Co trinkt, Diageo hat zumindest in meinem Umfeld eine unheime Präsenz entwickelt. Mit entsprechende Werbeaufwand kann man hier richtig Geld machen. Pernod beobachte ich schon seit Jahren, aber es ist nie der Groschen gefallen, da die Aktie nie wirklich günstig ist ( ich weiß “ Great Business/ Great Price “ 😉 ).

  2. So viel will ich mal verraten: Pernod gehört nicht zu meinen Lieblingen, liegt vtl. auch daran, dass meine Datenbasis bei Pernod nicht allzu toll ist, aber warte den Vergleich ab. Es sind auf jeden Fall sind Valueunternehmen im Vergleich mit dabei.

    Die Margen sind echt gut. Man kauft bei den (Marken-)Spirituosen auch nur in 2ter Linie das Produkt, in 1ster das Image. So kann man deutlich mehr verlangen als bei Lebensmitteln.

    Gruß
    Valueer

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