Sberbank (WKN: A1JB8N)– des Teufels bester Banker

Nein, ich werde der Versuchung widerstehen, hier bei diesem Thema eine politische Würdigung einfließen zu lassen. Es geht einzig und allein um das Unternehmen selbst. Zur politischen Situation in Russland soll jeder sich eine eigene Meinung bilden.

Die Sberbank ist die größte Bank Russlands und hat dort einen Marktanteil von 30-40% (je nachdem welchen Maßstab man zu Grunde legt). Von den Bewertungsmetriken her, ist die Sberbank aufgrund der turbulenten Ereignisse aktuell relativ günstig zu haben, das KGV beträgt ~5, das KBV ist knapp unter 1.

90% seines Geschäfts wickelt Sberbank in Russland selbst ab, versucht aber zunehmend auch nach Osteuropa zu expandieren. Zu diesem Zweck hat man etwa die österreichische Volksbank International übernommen…

Die Kommunikation nach außen hin ist transparent, und man setzt sich klar definierte Ziele, so etwa eine Eigenkapitalrendite von 18-20%. Das wäre auch etwa im Rahmen dessen was man in den letzten Jahren hatte. Die Eigenkapitalausstattung ist übrigens um Längen besser als bei den meisten europäischen Banken, nämlich ~10%.

Russland ist ein Markt mit relativ hohem Zinsniveau, was Bankgeschäft dort natürlich etwas einfacher macht. Allerdings ist auch die Inflation relativ hoch. Die Russische Zentralbank hat eine „Zielinflation“ von 5-6%, die EZB von 2%. Auch das gilt es, bei der Investmentüberlegung zu bedenken, denn da die Sberbank ihr Geschäft hauptsächlich in Rubel tätigt, schlägt hier das Währungsrisiko nahezu ungebremst durch.

Im Gegensatz zu manch andren Ländern sind die Verschuldungsquoten in Russland eher niedrig, der russische Staat beispielsweise hat nur 15% vom BIP (Deutschland ~85%). Allerdings hängen sowohl der russische Staat als auch die russische Wirtschaft insgesamt finanziell sehr stark am Rohstoffexport.

Die Sberbank betreibt eher altmodisches Bankgeschäft, nimmt Einlagen an, und vergibt Kredite an Unternehmen und Privatleute. In der Abschreibungspolitik ist man konsequent. Bei mehr als 90 Tagen Verzug, werden im Schnitt ca. 2/3 des Kredits abgeschrieben, nach 180 Tagen sind es 90%, die man abgeschrieben hat.

Die ungewöhnlich hohe Kapitalrendite (ROA) von 2% bietet ein zusätzliches Polster für etwaige Problemfälle. Ermöglicht wird diese hohe Kapitalrendite u.a. durch eine sehr niedrige Kostenstruktur.

Bleibt die Frage nach dem politischen Risiko. Hier könnte von beiden Seiten Ungemach drohen. Die Mehrheit der Aktien hält die Russische Zentralbank und könnte so, ganz ohne irgendwelche Umwege, Gelder zu Lasten der Minderheitsaktionäre umleiten. Aber auch von der westlichen Politik könnte man Probleme kriegen mit den „Feindaktien“.

Letztlich ist man gegen politische Willkür nie geschützt, wie ich mit vielen andren Mitinvestoren bei den deutschen Energieversorgern auf die harte Tour lernen mussten. Auch Investoren des spanischen Ölkonzerns Repsol können davon ein Liedchen singen. Ich persönlich denke, dass der für ein Unternehmen in dieser Qualität niedrige Preis, einen durchaus veranlassen könnte, dieses Risiko einzugehen. Jedenfalls, wenn man keine Scheu vor einem faustschen Pakt mit dem Teufel hat.

10 Gedanken zu “Sberbank (WKN: A1JB8N)– des Teufels bester Banker

  1. Absolute Zustimmung. Die Sberbank ist das Wells Fargo Russlands. Es ist aber leider unmöglich, ein Investment einzugehen, ohne die politischen Rahmenbedingungen zu bedenken. Wenn Putin sich das in den Kopf setzt, ist man in Nullkommanichts enteignet. Das ist das einzige, was mich davon abhält, in die Aktie zu investieren.

    LG
    TomB

    • Dann dürftest du nirgends kaufen, denn solche Dinge können dir bei uns genauso passieren.
      Frag mal Aktionäre von Eon oder RWE.
      Du kannst auch ein Problem durch ein Land kriegen, in dem die Firma gar nicht sitzt, wie das be Repsol der Fall war. Wenn China VW enteignet oder rauswirft, dann halbiert sich der Wert des Unternehmens quasi sofort…

    • Als ob Enteignungen auf russische Aktien beschränkt wären. RWE- und Eon-Aktionäre werden wissen, was ich meine. Muss auch gar nicht immer die eigene Regierung sein, wie die Repsol-Aktionäre lernen mussten.

      • Stimmt natürlich. Gerade in systemrelevanten Branchen wie Energie oder Finanz ist das Risiko aber höher als bei, sagen wir mal, Tapetenherstellern. Das muss jeder für sich selbst abwägen.

        Ich trau mich halt nicht, in russische Aktien zu investieren. Das mag etwas schizophren meinerseits wirken, soll andere aber nicht davon abhalten.

  2. Diese Problem hast du aber prinzipiell überall, frage nach bei den Aktionären von Eon oder RWE. Muss gar nicht mal durch die Regierung des Landes in dem die Firma sitzt erfolgen, sondern durch ein Land, in dem ein hoher Gewinnanteil erwirtschaftet wird, wie die Aktionäre von Repsol erfahren mussten…

  3. Du denkst, das Problem sei spezifisch für Russland? Frag man Aktionäre von Eon oder RWE! Auch muss die Aggression nicht zwingend von der Regierung des Hauptsitzlandes ausgehen, siehe Repsol.

  4. Sberbank ist die pure Wette auf Russland. Hängt komplett am Rubel. Wenn die Leute eine Rubelaufwertung nutzen um USD oder Euro zu kaufen, schadet das Sberbank. Falls die Wirtschaft unter der Krise leidet schadet das Sberbank usw. usf.. Die Auslandsabteilungen sind in der Türkei, Ukraine und sonstigen Krisenländern. Die Renditen sind deutlich höher als bei anderen OE-Banken. Sieht man in der schönen Präsentation von Sberbank. Wer wetten will sollte Sberbank und nicht Gazprom nehmen.

    Zu den ganzen günstigen Gas/Ölwerten. Ich würde hier mal Abschreibungen und CapEx vergleichen. Die Gewinne sind m.E. realitätsfremd. Für mich sieht das oft so aus als jahrelang zu wenig investiert wurde und dafür schön Div. bezahlt und jetzt kommen die CapEx, die bezahlen jetzt die neuen Aktionäre.

    • Wie oben schon jemand schrieb, die Wells Fargo Russlands. Wells Fargo macht 96% seines Geschäfts im Heimatmarkt, man hängt also voll am US-Dollar.

    • Wie oben schon jemand schrieb, das Wells Fargo Russlands, denn bei WFC hängt man fast komplett am US-Dollar. Was die russischen (aber nicht nur die) Öl-/Gaswerte angeht völlige Zustimmung. Letztlich halt ein Tradeoff zwischen „Probleme“ vs. extreme Niedrigbewertung, bei der jeder irgendwo seinen eigenen Weg finden muss.

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