George Soros und Bill Gates wetten auf spanischen Pleitegeier(Analyse)

Nachdem Bill Gates über seine Firma Cascade Investment und der bekannte Spekulant George Soros beim spanischen Bauunternehmen FCC S.A. eingestiegen sind – habe ich heute auch mal Jahresberichte gewälzt und geschaut, was den so interessant an der Aktie ist.

Erstmal stimmt die Bezeichnung Bauunternehmen so nicht ganz. Eigentlich lebt die Firma nämlich seit Jahren vom Geschäft mit Müllbeseitigung und der Wartung vitaler Infrastruktur.

Das Gute zuerst

Also, da es bei FCC im Prinzip unterm Strich 3 Firmeneinheiten gibt – die sich in der Geschäftsqualität gänzlich unterscheiden – fange ich mal mit dem „guten“ Teil an. FCC besitzt nämlich eine Palette an sehr stabilen Geschäftszweigen im Bereich der Müllentsorgung und der Wartung von Wasserinfrastruktur….

…Wie maFCC Muelllastern auf dem folgenden Diagramm erkennen kann ist dieses Geschäfts absolut rezessions-sicher, solange die Kommunen in der Lage sind die Dienstleistungen auch zu bezahlen. Da sich aber fast das ganze Geschäft in Spanien und England abspielt würde ich mir darüber keine Gedanken machen. Klar, wenn man daran glaubt, dass Spanien wirklich aus dem Euro aussteigt, dann ist es sowieso Unsinn sich mit der Aktie von Fomento de Construcciones y Contratas auseinanderzusetzen.
FCC Services Waster revenue umsatz, müllbereich von fcc umsatz und ebitda 2008 2009 2010 2011 2012
Wie gesagt – ein langweiliges und berechenbares Geschumsatz ohne versia im servicebereich fcc, umsatz, ebitda 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014äft, bei dem sich in absehbarer Zeit nicht viel nach oben, aber auch nicht nach unten bewegen wird (was in diesem Fall weitaus wichtiger ist).

Die Unterfirma „Versia“ steht übrigens seit letztem Jahr zum Verkauf, daher gibt es jetzt noch einmal die Zahlen ohne diesen Bereich. Es fällt natürlich ein wenig Umsatz und EBITDA weg, der  Geschäftsbereich bleibt aber eine weiterhin stabile Grundlage.

 

Konstruktion/Bau-Bereich… tiefer, tiefer…

Zum Leiden vieler Alt-Aktionäre bestand FCC in der Zeit nach 2007 nicht nur aus stabilen Service-Geschäftsbereichen. Bekannterweise steht FCC ja auch hinter dem hierzulande bekannten österreichischen Bauunternehmen Alpine.

Wie man sich natürlich denken kann ging das Baugeschäft in Spanien mit dem Platzen der Immobilien-Blase (man erinnert sich an die Bilder leere Neubau-Städte) und der Euro-Krise ordentlich in die Binsen. Es gibt zwar auch Aktivitäten in ökonomisch besseren Zonen und 2013 konnte sogar der Bauauftrag für einen Highway in Florida erworben werden, aber der Geschäftsbereich ist seit Jahren in der Abwärtsspirale und die Rentabilität wird mit Jahr zu Jahr schlechter.
FCC Umsatz im Bau, ebitda im baugewerbe alpina bau holding, 2008 2009 2010 2011 2012
Der Baubereich war seit 2007 nur noch enttäuschend und wird langsam zBaugewerbe fcc spanien alpina in 2012 2013, ebitda um Schrecken ohne Ende. Im Jahr 2012 rutschte der Bereich dann endgültig in die Verlustzone. Man hat dann im letzten Jahr den Bereich deutlich verkleinert und konnte damit seit Jahren das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen erstmals wieder um 10,5% steigern. Ob der Bereich jetzt aber stabil ist oder gar wieder wachsen kann, wer weiß. Nach derartig traumatischen Ereignissen wie einem gravierenden Verfall von Immobilienpreisen kann es sehr, sehr, sehr lange dauern bis es zur Erholungen kommt (siehe ins Land der aufgehenden Sonne).

Zement, viele Schulden, Rentabilität zum Davonlaufen

Die dritte Sparte ist die Zement-Produktion. Die Entwicklung schließt sich dem Bereich „Konstruktion“ logischerweise an.
FCC Zement-Bereich umsatz / ebitda entwicklung 2008 bis 2013
Der Zement-Bereich war ein Good Business went BAD – Fall. Auch hier liegt die Zukunft im Ungewissen.

 

Die Firma wäre eigentlich längst pleite

FCC ging am Ende des Geschäftsjahres 2008 mit einem Nettoschulden/EBITDA Verhältnis von 4 in die Krise und dies war natürlich viel zu viel Fremdkapital für ein Geschäft, dem derart schnell die Gewinne wegbrechen.

Ende 2013 (aktuell) haben wir es bei FCC mit einer Firma zu tun, die eine Bilanzsumme von 15,6 Milliarden Euro besitzt. Den Aktionären steht davon ein Eigenkapital von 3,2 Millionen € zu. Das Ganze ist also sicher kein Cigar Butt Play, da gibt es in der aktuellen Form nichts mehr zu verteilen.

 

FCC ist noch einmal gerettet

Zudem müssen allein in 2014 fast 6,3 Milliarden Euro an Krediten refinanziert werden. Im Jahr 2013 wurde vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen 720 Millionen Euro verdient.

Hätte ich diesen Artikel im März geschrieben, dann hätte ich gesagt: „Game Over“. Es kam dann aber doch anders und inzwischen konnten sämtliche Schulden durch Bankkredite refinanziert werden. Nach FCC-Angaben wird sich die Zinslast dabei auf vorherigem Niveau bewegen.

 

Es sind ein paar Rosinen im Kuchen

Service

(Müllbeseitigung etc.)

Wasser-Service Konstruktion Zement Muttergesellschaft
Nettoschulden 2220 396,2 -153,3 1363,7 2148,9
EBITDA 425,4 191,7 98,8 50,4 -46,4
Verhältnis 5,2* 2,1* 27,1*

Also das Geschäft mit der Müllbeseitigung und der Wartung der Wasserinfrastruktur ist in Ordnung und wäre auch sicher refinanzierbar. Das Zementgeschäft hingegen wäre längst pleite.

 

Es stehen Teilbereiche zum Verkauf, was haben wir hier bestenfalls?

In der Bilanz von FCC stehen 2,173 Milliarden Euro an „Assets for Sale“. Die 2,173 Milliarden Euro an möglichen Erlösen sind nicht unrealistisch und ich könnte mir gut vorstellen, dass Unternehmen wie Versia einen Käufer finden. Versia ist ein Logistikunternehmen mit stabilen Erträgen und großen Kunden wie Coca Cola. Also nehmen wir einmal an, die geplanten Abspaltungen gehen über die Bühne, dann hätten wir folgende Relationen bei der FCC-Aktie:

Fomento de Construcciones y Contratas  [FCC]

(Aktie am 26.04.2014)

Aktienkurs 15,64 €
Marktkapitalisierung 2011 Millionen €
Netto-Schulen / EBITDA 8,3
Schulden / Eigenkapital 1867*
Kurs / Buchwert 628 *

 

Fazit

Also ganz ehrlich, die Aktie von FOMENTO DE CONSTRUCCIONES Y CONTRATAS S.A. ( WKN 883790  / ISIN ES0122060314  / FCC ) werde ich mir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht kaufen.

Die Firma hat durchaus interessante Teilbereiche wie die Müllbeseitigung, die für Value-Investoren taugt. Aber die Firma hat Schulden, die es ohne deutliche Verbesserung im Baugewerbe in Spanien nicht in den Griff bekommen kann. Da helfen auch nicht die Aufträge aus den USA und Peru, die das Management gerne erwähnt und daher ist dies wirklich eine einzige große Wette auf makroökonomische Entwicklungen

George Soros ist ja einer, der generell gerne wettet und Bill Gates besitzt ja bereits zwei große amerikanische Müllentsorger im Portfolio und wenn ich Bill Gates wäre und wüsste „ich habe notfalls noch 40 Milliarden Dollar in der Hinterhand“, dann würde ich mir vielleicht auch ein paar FCC Aktien kaufen – aber so, nein. Diese Aktie ist für mich ein reinen Glücksrad – anscheinend wollen Politik und Banken den Laden retten, aber lediglich die Hoffnung auf mächtige Drahtzieher im Hintergrund ist mir zu wenig.

 

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