Ingredion Inc. – gut für den Magen,das Haar und das Depot

Große Getränke/Lebensmittel/Kosmetikhersteller sind gute Anlagen. L’Oréal, Nestle, Procter & Gamble sind langweilig. Kauft man diese Aktien jedoch zu einem vertretbaren Preis und lässt sie einen paar Jahre liegen, dann verzeiht man ihnen stets dann, wenn zum Dividendentermin ein wachsendes Sümmchen Geld aufs Konto überwiesen wird.

Diese Aktien sind in der Regel niemals wirklich günstig. Letzte Woche habe ich in einem deutschen Börsenforum die Frage eines Einsteigers gelesen, ob es sinnvoll sei auf einen Zeitraum von 10 Jahren jetzt in diese Werte zu investieren. Die Antwort in dem Thread war dann „diese Aktien sind derzeit zu teuer, du musst kaufen, wenn das KGV einstellig ist“. Good luck with that 😉

Natürlich kam auch ich schon zur Überlegung, ob es nicht eigentlich genauso schlau wäre in Zulieferbetriebe für die oben genannten Unternehmen zu investieren. Theoretisch ja / praktisch meistens nicht. Das Problem ist einfach, dass diese Markenhersteller einfach oft den größten Margenanteil am Endprodukt besitzen. Schwankende Rohstoffkosten und Co. treffen also den Zulieferer weit stärker als den Markenendverarbeiter.

Nun bin ich aber auf die Aktie der Ingredion Incorporated gestoßen…Ingredion Inc. Logo, Emblem, Aktien logo von Ingredion Incorporated

…Das Unternehmen verkauft Inhaltsstoffe/Zutaten an die Nahrungsmittelindustrie, für Konsumgüterhersteller und für die pharmazeutische Industrie. Wer also ab und zu Shampoo benutzt oder Cola trinkt hat schon einmal Berührung mit der Ingredion Inc. gehabt. Ich wundere mich selbst, dass ich von dem Unternehmen noch nie etwas gehört habe, obwohl es auch in Deutschland aktiv ist und mit 5 Milliarden $ auch kein Zwerg ist.
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Die Margen des Geschäfts gingen 2009 ganz schön in den Keller. Erstens war 2009 aber auch ein gesamtwirtschaftlicher Extrem-Fall und zweitens war die Firma dabei gerade in einer größeren Restrukturierungsphase. Eine Bruttomarge von durchgängig 15 % und mehr halte ich für eine Zwischengeschäft zwischen Farmern und Endverarbeitern für einen sehr guten Wert.

Auch die Eigenkapitalrentabilität von über 15% ist ein guter Wert, schließlich beträgt das Schulden/Eigenkapitalverhältnis nur einen Wert von circa 0,7. Die Schulden/EBITDA Relation von 2,5 finde ich ebenso für ein stabiles Geschäft ohne plötzliche Umsatzeinbrüche für sehr stabil.

Ein Unternehmen mit guten Margen, mit recht berechenbaren Umsätzen und das in guter finanzieller Verfassung. Schön Sache.

 

Management baut langweiliges Geschäft gut aus

(in Mio. US$) 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2012
Umsatz 2283 2360 2621 3391 3944 3672 4632 6544 6868 6653
EBITDA 281 289 338 480 576 278 498 885 889 815
Ergebnis 94 90 124 198 267 41 169 416 428 396

Die Firma arbeitet in einem eher langweiligen Bereich. Hat aber seinen Umsatz in den letzten 10 Jahren verdreifachen können. Dieses Wachstum wurde aber nicht organisch, sondern durch größere Zukäufe ( National Starch of Dutch ) erreicht.

Ein Umsatzwachstum in dieser Größenordnung wäre aber auch schwer zu erreichen gewesen, schließlich kommen auch heute noch über die Hälfte aller Umsätze aus Nordamerika und ein kleiner Teil aus Westeuropa. 36% des Umsatzes entstand in Afrika, Asien und zum größten Teil in Südamerika. Dies sind Märkte in denen der Absatz von abgefüllten Getränken, Bier und Kosmetik ein hohes Wachstumspotential besitzt.
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Es ist also Potential da und das Unternehmen hat bewiesen, dass es bei Akquisitionen einen guten Preis aushandelt. Es gab in den 10 Jahren keine nennenswerte Aktienverwässerung und die Finanzen sind auch nach 10 Jahren des starken Wachstums noch sehr in Ordnung.

Ingredion Incorporated

Finanzentwicklung pro Aktie in Zahlen in $US

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
EBITDA 3,76$ 3,82 4,46 6,27 7,59 3,68 6,48 11,32 11,37 10,41
Gewinn 1,25$ 1,19 1,63 2,59 3,52 0,54 2,2 5,32 5,47 5,05
Buchwert 14,6$ 16,41 17,92 21,45 18,58 22,6 25,99 27,73 31,64 31,35

Wie oben schon erwähnt: 2009 und 2010 waren die beiden Jahre der Restrukturierung, der Krise und einer 1,3 Milliarden-Dollar-Übernahme. Blendet man die beiden Jahre also aus, dann bekommt man ein sehr schönes Ergebnis (für so einen Gähner-Wert).

Die Dividende stieg seit 2014 von jährlich 0,25 US$ auf aktuell 1,68 US$. Ausschüttung erfolgt wie bei den meisten Angelsachsen als Quartalsdividende. Es gibt also einen Hang zur Dividende und es gab soweit ich es sehe (seit 1998) nie eine Dividendenkürzung.

Ingredion Incorporated

(Aktie am 14.04.2014)

Aktienkurs 67.63 US$
Marktkapitalisierung 5,04 Milliarden US$
Schulden / EBITDA 2,5x
Eigenkapital/Schulden 0,71
Enterprise Value / EBITDA 7,77
Kurs / Buchwert 2,09
Kurs/Gewinn (EPS 2013) 13,46
Kurs/Gewinn (∅ Analystenschätzung 2015)) 11,03
Aktuelle Dividendenrendite 2,50%

Fazit

Die Aktie der Ingredion Incorporated ( WKN A1JYNM / ISIN US4571871023 )(früher Corn Products International, Inc ) scheint mir auf jeden Fall nicht zu teuer oder eher gesagt ziemlich günstig.

Das Geschäft mit Zutaten/Bestandteilen für Bier, Cola, Schokolade und Shampoo hat eine stabile Nachfrage. Die Margen scheinen außer in Extremsituationen auch stabil auf hohem Niveau.

Dazu haben wir ein Management, welches in den letzten 10 Jahren bewiesen hat, dass es vernünftig die Umsätze und Gewinne steigern kann und den Aktionär mit steigenden Dividenden versorgt.

Habe die Firma aber erst letzte Nacht entdeckt und muss mal den Jahresbericht ausführlicher lesen, die Bewertung von EV/EBITDA von unter 8 und einem KGV für nächstes Jahr von 11 kommt mir für ein derart gutes Geschäftsmodell sehr niedrig vor. Vor allem da es ja mit dem bereits vorhandenen Geschäft in Südamerika, China und Korea und einem Kundenstamm aus internationalen Top-Konzernen doch auch einiges an organischem Wachstumspotential gibt. Auch ist man in Wachstumssparten wie Stevia vertreten ( Pflanze, die eventuell zukünftig in großem Umfang zur Süßung von SoftDrinks und Schokolade verwendet wird).

Die durchschnittliche Analysteneinschätzung -für die nächsten 5 Jahre- sieht ein Gewinnwachstum pro Aktie von durchschnittlich 10% per Annum.

6 Gedanken zu “Ingredion Inc. – gut für den Magen,das Haar und das Depot

  1. Also ich nehme kurzfristige Verb.+ langfristige Verbindlichkeiten – Cash.

    Kurzfristige Verbindlichkeiten sind 820Mio $ und langfristige sind 1,717 Mrd.$. Das sind dann 2537 Mio.$ – Cash 574Mio.$ = 1963 und EBITDA sind glaub 800 Mio (hab grad keine Zeit genau nachzukucken). Also sind es um die 2,5.

    Mache lassen kurzfristige Verbindlichkeiten ganz aus der Rechnung, aber Verschuldung berechne ich liebe eher aus nem sehr negativen Winkel.

    Aber vllt kann mich da jemand aufklären, wie es offiziel formuliert ist.

    Agrana schaue ich mir mal an;) vllt ja auch was für mich. Gruß Ulrich

    • Hm, also jetzt erwischt du mich auf nem Fuss. Also ich bin bisher der Meinung gegangen, dass zum Beispiel die „Accrued liabilities“ praktisch schon als Verbindlichkeit/Schuld zu sehen sind. Es sind halt posten, die nicht vollständig in der definierten Rechnungsperiode erfolgten.

      Dies ändert ja aber nichts daran, dass irgend jemand anders zu einem späteren Zeitpunkt Geld von dem Unternehmen zu bekommen hat ???

  2. Es geht um Finanzverbindlichkeiten, für die man Zinsen zahlt. Manche rechnen noch Pensionen dazu.

    Forderungen aus L+L oder auch diese “Accrued liabilities” stehen ja angeblich immer auch Posten auf der anderen Seite gegenüber. Ich persönlich finde es fragwürdig es zu ignorieren, da es ja auch sein kann, dass Unternehmen Rechnungen sehr spät zahlen müssen und in der Zeit das Gekaufte schon wieder verkauft wurde und somit Cash ist. Dann berücksichtige ich die Forderungen nicht, aber den Cash schon. Genauso kann es ja auch sein, dass man das Gekaufte nicht wieder zu mindestens dem Kaufpreis verkaufen kann. „20%-auf-alles-Praktiker“ lässt grüßen.

    Genauso wird aber bei der Liquidität „Wertpapiere“ dazu genommen, siehe Apple. Da die angeblich einen eigenen Hedgefonds haben, kann dir keiner sagen was 1. an Steuern auf Gewinne zu zahlen wäre und 2. wie langfristig man in den Anlagen gebunden ist. >100 Milliarden kurzfristig zu Cash machen, halte ich für interessant. Genauso wie die Frage wieviel des Cash verloren geht, wenn man die Milliarden an Cash von den Auslandskonten in die USA zurückführt … Da warten ja noch die Steuern auf Apple, MSFT, CSCO oder INTC …

  3. Für mich ist es halt ein Grenzbereich, der schon interessant ist:

    Unternehmen A kauft Waren und bezahlt klassisch mit dem Cash, den sie durch einen Kredit vorfinanziert haben. Dann stehen Finanzschulden in der Bilanz, die man beim Net Debt nimmt.

    Unternehmen B lässt sich die Vorfinanzierung über den Zulieferer machen ==> etwas höherer EK-Preis, aber eben Verbinlichkeiten aus L&L in der Bilanz und somit keine Finanzschulden …

    Eigentlich m.E. das gleiche (höherer EK-Preis Zinsen bei A) aber laut Kennzahl komplett anders bewertet. Und wenn dann eben B die Waren schon zu Cash gemacht hat, dann liegt die Kennzahl komplett falsch…

    PS Beim Posting vorher solls natürlich Verbindlichkeiten L+L und nicht Forderungen heissen.

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