Buchtipp „Citizen Coors: An American Dynasty „

Buchempfehlungen habe ich glaube noch überhaupt nicht gemacht. Viel Basis-Literatur zum Thema Value Investing und Co wurde ja auch schon auf anderen Blogs vorgestellt. Ein Buch, welches ich im letzten Jahre gelesen habe, könnte aber für einige auch interessant sein.

Es geht um eine englischsprachige Biografie rund um die Coors Familie. Die Geschichte der Familie ist untrennbar mit der Geschichte des Bierkonzerns Molson Coors verknüpft. Daher lernt man nicht nur die Geschichte eines Deutschen kennen, der im Amerika des 19. Jahrhunderts zum Millionär wurde, sondern lernt auch sehr viel über Marketing, Distribution und welche Strategien solche Konsumfirmen benutzen.

Wer sich also noch sehr wenig mit Marketing und Distribution beschäftigt hat lernt hier an sehr ausführlich beschriebenen echten Situation – worauf es in diesem Geschäft oft wirklich ankommt…

Das Buch erzählt drei GeschichtenCitizen Coors Cover, Molson Coors Mountain Colorado, stocks , geld gut anlegen

Der Untertitel des Buchs „A Grand Family Saga of Business, Politics, and Beer“ sollte man ernst nehmen. Das Buch beginnt mit dem Leben Adolph Coors (Geboren 1847) und endet erst Ende des 20. Jahrhunderts.

Das Buch arbeitet auf diesem Zeitstrahl sowohl das Leben der Coors Familie, ihre politischen Ansichten und ihre politische Arbeit ab und natürlich geht es auch immer wieder um viele Dollars und das Biergeschäft.

Warum das Ganze interessant ist?

Die Coors sind nicht irgend eine Familie. Der, im heutigen Nordrhein-Westfalen geborene, Adolph Coors ( geboren als Adolph Kuhrs ) ist der Begründer eines der größten Bierkonzerne unserer Zeit. Ein Bild von ihm wird noch heute auf jede Aktien-Urkunde der Molson Coors Brewing Company gedruckt.

Bis heute liegen die Mehrheit der Stimmrechte des Bier-Konzerne bei Nachkommen von Adolph Coors und der kanadischen Molson Familie.

Solche Dynastien gibt es meist sehr selten. Meistens verlieren Familien über die Generationen irgendwann ihren Einfluss, lassen sich auszahlen oder der geerbte Reichtum macht die Nachkommen zu völligen Nichtsnutzen.

 

Dollars machen Politik

Natürlich habe ich um das Buch herum ein wenig im Internet um die Coors Familie recherchiert und gerade für viele liberale/linkeKräfte in Amerika ist Coors ein rotes Tuch. Im Internet findet man etliche Beiträge mit Titeln wie „It’s no accident that Coors is the right beer in America“.

Dabei haben die Coore eigentlich keine wirklich begnadeten Politiker hervor gebracht. Sie waren aber einflussreiche Finanziers des ersten konservativen amerikanischen Think Tanks „The Heritage Foundation“ und einflussreicher Unterstützer von Ronald Reagan und haben mit ihren Bierdollars wohl die Politik Amerikas und der ganzen Welt stark beeinflusst.

Dabei waren die Coors in ihrer Gesamtheit gar nicht christlich verbohrt, es ging ihnen um ihr Geschäft und das sollten sich Gewerkschaften und Behörden gefälligst raushalten. Solche Geisteshaltungen findet man auch bei anderen Clans (Waltons und Co.)

 

Die Geschichte heutiger Konsumkonzerne

Das Buch stelle ich hier vor, da es die Geschichte eines heute globalen Konsumkonzerns ist. Es geht also auch um Dinge wie die kritische Masse, landesweite Distribution und Marketing. Interessant wird es, da die „Adolph Coors Brewing Company“ diese Trends anfangs alle verschlafen hat und fast von der Konkurrenz überrollt wurden ist.

Die Coors waren Bierbrauer und Ingenieure und glaubten daran, dass sie ein tolles Bier produzierten (dies war vor Coors Light und Co.) und es sich dadurch von allein verkaufen würde.

Übrigens waren auch schon damals nicht alle Menschen Qualitätsidealisten „Once when Busch (Anheuer) offered a visiting journalist a drink, the fellow ingratiatingly asked of a Busch beer. „Ach“ Busch said in his heavy German accent, „that slop“?“.

Dieses Modell funktionierte auch sehr gut. Doch dann haben sich die Rahmenbedingungen für das Geschäft gründlich geändert. Bier war ursprünglich ein regionales Geschäft (und ist es auch heute noch in großen Teilen). Ohne die Pasteurisierung lies sich das Bier „gesundheitlich unbedenklich“ nur in einem bestimmten Umkreis der Brauerei verkaufen. Es gab also in Amerika unzählig viele kleine Brauereien, die nicht wirklich miteinander konkurrierten. Anders war es ja hier auch nicht und daher gibt es ja derart viele kleine Land- und Klosterbrauereien.

Dieser Markt änderte sich aber gravierend als Biermarken plötzlich landesweit vertrieben werden konnten und Massenmedien wie das Fernsehen ein immer wichtiger Rolle einnahmen. Heute sind wir schon wieder ein wenig weiter und mit Becks, Heineken und Corona gibt es globale Biermarken. Das Buch beschreibt also anschaulich und an realen Beispielen Begriffe wie die kritische Masse, die Notwendigkeit von Produktvielfalt und warum ein Produkt simpel gehalten werden muss (auch wenn es dadurch eigentlich schlechter ist / Stichwort Convenience ).
Eine interessante und ziemlich unbekannte Tatsache ist, dass nicht nur Adolph Coors, sondern auch die Firmengründer von Anheuer Busch und Miller Brewing aus Deutschland stammten. Habe selbst mal für ein Jahr im schwäbischen Riedlingen gewohnt und nicht deutet darauf hin, dass irgend jemand weiß, dass der zweitgrößte Bierkonzern der Welt den Namen eines früheren Einwohners trägt.

Wer also gerne Biografien liest und sich für Politik, Geld und Bier interessiert und dabei vielleicht auch noch ein paar Sachen über Dinge wie Marketing an Realbeispielen lesen will – dem kann ich „Citizen Coors – An American Dynasty“ wirklich empfehlen.

5 Gedanken zu “Buchtipp „Citizen Coors: An American Dynasty „

  1. Schöne Buchvorstellung. Ich lese auch gerne gute Biografien, man kann viel lernen. Am Besten sind natürlich die Biografien großer Investoren. Leider, leider gibt es da zu wenig gute Bücher. Ich hab Deinen Blog auf meinem Blog verlinkt. Grüße und bis später. Robert

    • Hey Robert,

      kuck mir deine Website heute noch an. Hab grad selber n Artikel geschrieben und muss jetzt erstmal entspannen.

      Danke fürs verlinken. Kommst sicher auch auf meine Linkseite, die ich grade neue erstelle 😉

  2. Vielen Dank für den Artikel. ich kannte das Buch bisher nicht. Es hört sich aber sehr interessant an. Gut finde ich auch, dass man neben der Geschichte einer Familiendynastie anscheinend auch noch einiges an Marketingwissen mitbekommt. 🙂

    • Achso, ich hab dich übrigens auch in meiner Blogroll und verfolge deinen Blog schon länger als stiller Leser. Ich finde deine Artikel sehr Informativ, besonders gut gefallen mir deine Unternehmensanalysen, weil du neben den nackten Kennzahlen auch deine eigene Sicht auf das Geschäftsmodell mit einfließen lässt.
      Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg und werde weiter fleißig mitlesen 🙂

      • Kucke mir deinen Blog gerne an, aber lansam muss ich ins Bettchen. Bin wie schon mal erwähnt grade am Aufbau einer neuen Linkseite und werde mich dann schon revanchieren ;).

        Gruß und bis bald

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