Mein Senf zum Generationenvertrag.

Gestern ging durchs Fernsehen ja wieder einmal das Thema Rente, Generationenvertrag usw. Hab jetzt hier mal ein paar Gedanken dazu niedergeschrieben, ohne Antworten zu haben (so ist es am bequemsten 🙂 ).

Generationenvertrag

Einen Vertrag mit jemandem abzuschließen, der zum Zeitpunkt des Abschlusses noch gar nicht existiert, ist natürlich eine riskante Sache…

Wobei ich jetzt die ganze Geschichte nicht generell in Frage stellen möchte. Was man von Norbert Blüm halten mag oder nicht, in einem hat er wohl recht: Das Umlagefinanzierte Rentensystem ist wohl das sicherste System, um eine flächendeckende Versorgung mit Geld für alte Menschen zu erreichen.
Die rein private Vorsorge kann dies nicht wirklich leisten. Da im Prinzip Geldvermögen in ihrer Kaufkraft sehr schwer vorherzusagen sind. In der Regel nehmen sie im wert ab und das Sparbuch ist kurzfristig sicher, langfristig sinkt die Sicherheit aber enorm, da Geld schon aus volkswirtschaftlichen Gründen im Wert sinken sollte. So war es zumindest bisher und daran wird sich auch auf absehbare Zeit wenig ändern.

Auch das gesamte Produktivkapital kann im Wert sinken. Wir hatten nun einmal (hier in West-Deutschland) in den letzten 60 eine Zeit ohne gigantische wirtschaftliche Zerwürfnisse, Kriege, Seuchen… verschont geblieben sind. Es ist also nicht undenkbar, dass vor allem in einer stark exportierenden Nation durch technischen Fortschritt in den Schwellenländern, günstige Energie in Nordamerika und diverse weitere Gründe sich dieser Umstand verändert.
Norbert Blün, die Rente ist sicher, Plakat, bundestagswahlkampf versprechen norbert blüm
Solange es Menschen gibt – wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immer auch einen Menschen geben, der jünger ist als ich selbst. Wenn ich diesen dann „zwingen“ kann mir Geld zu geben ist dies eine sehr hohe Sicherheit.

Natürlich ist dies eine Scheinsicherheit. Da ich gar nicht weiß wie viel Geld ich aus dem Jüngeren dann quetschen kann – ohne das dieser sich verweigert.

Aus der Generationengerechtigkeit also einen bestimmten Betrag abzuleiten, der dann an jeden Alten zu überweisen ist, ist doch unheimlich dumm. Zumindest wenn er sich (war er nicht tut) voll aus den Zahlungen der aktiven Arbeitnehmerschaft schöpft.

Der Generationenvertrag ist ein Vertrag ohne feste Zahlen oder Kaufkraft-Versprechen. Es ist ein Vertrag bei dem statt einer konkreten Summe immer eine unbekannte Variable eingetragen sein muss.

Es steht also fest. Blüm hat recht, dass eine Rente kommt ist wirklich sicher! 🙂 Ziemlich pfiffig der Rheinländer.

Der Kuchen wird größer?/!

Auch wenn ich nicht unbedingt zu den treusten Stammwählern der Linken gehöre haben sie manchmal ein wenig recht und zwar darin, dass ja das Bruttoinlandsprodukt dauernd wächst und man daraus ableiten könnte, dass doch auch der Wohlstand in Deutschland größer wird. Wenn der Kuchen größer wird, die Bevölkerung aber nicht, dann müsste doch mehr unterm Strich pro Nase übrig bleiben.

Wobei ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob der Kuchen in dem Umfang wächst, wie es suggeriert wird. Hat jemand sich mal daran gemacht auszurechnen wie viel Prozent der Zuwächse eigentlich durch höhere Staatsanteile erreicht wird? – Also nicht „organisch“ sind.-

Firmengewinne steigen seit den 80ern Jahren sehr stark – Löhne aber nicht

Dies liegt wahrscheinlich daran, dass Firmen in den letzten 30 Jahren durch die „digitale“ Revolution unheimlich viele Möglichkeiten bekommen haben einfache Arbeitnehmer gegen Computersysteme auszutauschen. Wer braucht noch den Boten, man braucht weniger Leute im Archiv usw…

Hier kommt jetzt aber doch das große Fragezeichen für mich. Wir benötigen also weniger Menschen zur Produktion von Autos und vielen anderen Gütern als vor 30 Jahren. Natürlich können Menschen sich ja auch andere Jobs suchen und in der „Kinderbetreuung“ arbeiten. Aber soziale Berufe zeichnen sich eben meist darin aus, dass man Kunden nur schwer eine hohe Rechnung schreiben kann und dadurch hier nicht wirklich viel Wert entsteht und dadurch auch die Bezahlung mies ist.
Ist das Problem des Rentensystems also nicht, dass es sich immer aus Beiträgen aus menschlicher Arbeit finanzieren will – obwohl der Wert menschlicher Arbeit in vielen Bereichen abnimmt?

PS: Ob das Rentensystem ein „gerechter“ Verteiler ist, ist eine andere Frage.

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