„Ich investiere in…“ und wie wichtig ist Geld ?

Gestern erreichte mich eine Email von der Comdirect. Natürlich war ich erst einmal sehr erbost über die Dreistigkeit mich zu fragen, ob ich einen Artikel für eine Blogparade schreiben würde und dies, obwohl man meinen Blog nicht einmal für den Blog-Publikumspreis nominiert hat.

Da sich das Thema aber um die persönliche Herangehensweise bei Finanzangelegenheiten und private Werte richtet und ich natürlich gern über mich selbst schreibe – mach ich doch mit.

Am 6. Mai wird auf der re:publica (Webkongress um digitales Leben und Social Mcomdirect Finanzblog Award 2014 Logoedia) der „comdirect Finanzblog-Award“ verliehen und obwohl ich Banken grundsätzlich misstraue haben es einige Nominierte wirklich verdient einen Preis zu bekommen. Danke nochmal an die Börsenblogger, dass sie mich als junges Projekt verlinkt haben und ich meinen kleinen Erfolg auch ihnen (mit)schulde. Der gleiche Dank richtet sich an Simple Value Investing und Tim Schäfer und viele andere Nominierte.

Das Thema richtet sich dabei um den persönlichen Stellenwert von Geld und um die Wertigkeit des Menschen in materieller und immaterieller Sicht. Da ich ja sonst schon immer über Einzelwerte und Strategien schreibe geht mein Fokus heute also mehr auf die persönliche Einstellung im Bezug auf Geld…

Was ist Ihnen wichtig?

Also hier auf meinem Blog ist mir recht wichtig, dass die Leser kein Geld verlieren. Wenn ich hier schreiben würde und sehe, dass die angeschnittenen Themen oder von mir geäußerten Einschätzungen zu einem Flop am anderen führen würden, dann hätte ich wohl echt ein ziemlich schlechtes Gewissen.

Natürlich wird dadurch die Auswahl der vorgestellten Aktien kleiner und konservativer.

Schöne Reisen?

Hängt davon ab, wer dabei ist 😉 . Bin noch nicht wirklich viel gereist. Kann mich daran erinnern, dass ich mit der Schule mal in Paris war. Dabei fand ich heraus, dass auch bei mir der Medienkonsum schon seine Schäden hinterlassen hat.

Den Eiffelturm stellte ich mir „noch“ größer und beeindruckender vor. Dies liegt aber daran, dass ich ihn wohl in vielen Dokumentationen und Hollywood-Blockbustern bereits tausende Male gesehen hatte und man durch die Inszenierung dann wohl ein Bild im geistigen Auge hat, dass die Realität schon gar nicht mehr erfüllen kann – Schade eigentlich.

Eine Reise, die ich aber für aufschlussreich fand war eine Rucksackreise durch Kuba, die aber auch schon einige Jahre her ist. Vor allem im Hinterland (außerhalb der Einflusssphäre westlicher Tourismuskonzerne) fand ich den verlangsamten Lebensstil für interessant und ich kann mich daran erinnern, dass ich bei meiner ersten Zigarre unter klimatischen Bedingungen eine Zeitlang die Sehkraft verlor.

In vielen kubanischen Städten war ich erst einmal verblüfft über den modrigen Zustand der Infrastruktur( aufgeplatzte Wasserleitungen …). Dennoch scheint ein eher ruhigere Lebensstil den Menschen nicht schlecht zu tun, die Lebenserwartung liegt schließlich auf westeuropäischem Niveau und dies mit viel weniger Stress und dafür mit hübschen Frauen, Zigarren und Rum.

 

Materielle oder immaterielle Werte: Welche Werte zählen heute, und wohin geht der Trend?

Also gerade lese ich ein Buch von Joseph Ratzinger und finde es durchaus erhellend und ich halte es für sehr wesentlich sich auch mit Dingen außerhalb von Arbeit und Geld zu beschäftigen. Die Caritas freut sich auch hin und wieder, wenn ich einen guten Deal lande.

Man darf sich nichts vormachen. Geld ist wohl ein notwendiges Übel als ordnendes Element und es ist schön, wenn die Arbeit beim Erwerb davon auch noch Spaß macht. Der Mensch ist ein Arbeitstier und ich glaube, dass die Beschäftigung an sich wichtiger ist als die Arbeit an sich. Das große langfristige Problem an Arbeitslosigkeit sehe ich im Wegfallen von Aufgabe und Selbstbestätigung, der Mensch zerfällt dann wohl.

Mein Vorsatz ist, dass ich versuchen will (und es manchmal auch schaffe), mit meinen Talenten und Fähigkeiten, den Bedürftigen zu helfen, die mir über den Weg laufen. Hilf deinem Nächsten sollte die Devise sein und wenn ich Kinder haben sollte, dann wird dies wohl eine wichtige Messlatte am Erziehungserfolg für mich werden.

Was mir immer wieder sehr aufstößt sind dabei „Gutmenschen“, die selbst total egoistisch sind und verkünden die Welt zu retten. Ich bin ein kapitalistischer Sammler und ich gebe dies auch zu, daher herrscht mit meinem oben genannten Selbstanspruch ein dauernder Konflikt.

Welchen Stellenwert hat Geld für Sie – heute und möglicherweise in Zukunft, im Alter?

Geld beruhigt. Wichtig ist mir primär, dass ich nicht den Launen eines fiesen Chefs oder irgend eines frustrierten Beamten auf einer der zahlreichen „sozialen“ staatlichen Einrichtung ausgesetzt werde. Betteln und Schleimen ist mir völlig zuwider und wenn ich dies nicht muss, dann bin ich zufrieden. Wenn ich Kinder haben sollte, dann ist mir wichtig, dass das Kind in „normalem“ Umfang die Dinge erleben kann, die es möchte und selbst für sinnvoll erachtet – danach richtet sich dann das finanzielle Ziel.

Ich investierte in…

Die Sache mit Aktien und Co mache ich jetzt schon eine ganze Weile. Am Anfang hatte ich weit weniger Geld als heute zur Verfügung. Also kam ich mit naiven 18 und stark beeinflusst von der Gold-Bug-Ecke auf die Idee mir Silbermünzen und Co in den kleinen 100er Paletten zu kaufen und in einen geerbten Jagdtresor zu legen.

Naja, manchmal hat man eben Glück und die Bestände wurden bis auf ein paar sehr schöne Exemplare bei einem Hoch aufgelöst. Dann floss ein Großteil des Geldes in sogenannte High Qualiy Businesses, bei denen ich davon ausgehe, dass sie auch in Zukunft gute Erträge liefern.
„Cola and Ketchup are forever“.

Natürlich kann ich mich – durch meine Kenntnisse im Bezug auf Unternehmenszahlen- nicht davon abhalten auch mal Geld in einen Comicverlag oder eine Bohrinsel zu investieren. So etwas nimmt aber eher einen bescheidenen Raum ein. Man sollte sein Glück nicht überstrapazieren.

Ich investiere in…

„It’s not about how much you earn, its about how much you safe“. Versuch einfach einen kleinen Teil in gute Anlagen zu stecken. Dies kann eine gut gelegene Immobili,eine gute Blue Chip Aktie oder ein comdirect ETF sein. Das Ganze ist am Anfang sehr ernüchternd, da es sehr langsam aufwärts geht. Den Fehler -auf einen Lottogewinn zu warten – sollte man nicht machen. Der Satz „ich würde sparen oder mich mit Geld beschäftigen, wenn ich einmal viel erben sollte“ ist einer der dümmsten Sätze überhaupt. Man muss eben klein anfangen und über die Jahre seiner Strategie treu bleiben.

Dabei habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass es am besten mit Anlagen läuft bei denen ich ruhig schlafen kann. Was bringt mir die beste Investitionsidee, wenn ich das ganze nervlich nicht durchstehe?!

Die anderen Beiträge zur „Ich investiere in…“ könnt Ihr hier einsehen.

PS: Nein – ich bin nicht römisch-katholisch.

4 Gedanken zu “„Ich investiere in…“ und wie wichtig ist Geld ?

  1. Guter Beitrag, auch wenn er natürlich nicht auf alle Facetten eingehen kann. Sehe aber einige Dinge etwas anders. Kapitalbildung und die damit verbundene und ermöglichte Arbeitsteilung ist Voraussetzung für den Wohlstand den wir hier genießen. Die Denkweise, man würde damit irgendjemanden etwas wegnehmen ist völlig falsch. Ohne den eigenen Beitrag zur Kapitalbildung (ob man nun Kredite=Anleihen vergibt oder Venture Kapitalisten per Aktienkauf refinanziert) würde es den Menschen insgesamt weit schlechter gehen. Und nein, ich bin kein Calvinist, sondern römisch-katholisch :D…

    • Guten Morgen,

      war wohl missverstaendlich, es war keine grundlegende Kritik am Thema Geldanlegen. Das mein angelegtes Geld es anderen erst ermoeglicht wieder Arbeit zu schaffen ist ein toller Effekt .

      Es war mehr ein kleiner Aufruf fuer die Menschen, die (sicher auch durch eigenen Fleiß und Geschick) zu ein wenig etwas gekommen sind. Ich bemerke leider in Deutschland, dass durch die enorme Staatsquote sich viele voellig entbunden sehen einmal jemanden zu helfen. Was wieder das Thema Hilfe zur Selbsthilfe anschneidet.

  2. Ein wichtiger Grund dafür, bei der Geldanlage (vor allem in Aktien) klein anzufangen ist auch, dass man sich erst mal an die Volatilität gewöhnen muss, bevor man überhaupt mental in der Lage ist, große Summen zu managen.

    Wenn ich als Arbeitnehmer mal 1000 Euro in einen ETF investiere und der dann um 30% einbricht, kann ich das cool aussitzen. Wenn ich aber z.B. eine Erbschaft von 200000 kriege und dann plötzlich zum ersten Mal in meinem Leben in Aktien investiere, sieht das anders aus:

    Bei einem Marktcrash mit Buchverlusten von 30% stehe ich plötzlich 60000 im Minus, und das ist eine Dimension, bei denen die meisten Leute dann doch Panik kriegen, selbst wenn sie sich vorher gut informiert haben und von ihrer Strategie eigentlich vollkommen überzeugt sind.

    Wenn ich aber die 200000 über die Jahre durch Aktieninvestitionen aufgebaut habe und mit meinem Depots durch Hochs und Tiefs gegangen bin, dann kann ich auch mit hohen Buchverlusten umgehen – man hat sich dann einfach sowohl an die Volatilität als auch an das Investieren von hohen Beträgen gewöhnt, und hat dann auch die entsprechende Gelassenheit.

    Ich glaube, das ist ein Punkt, den viele Leute unterschätzen: Es ist ja schön und gut, sich rein rational zu überlegen, dass der DAX im Schnitt um 7% p.a. steigt und man eigentlich langfristig nicht verlieren kann – trotzdem heißt das noch lange nicht, dass es eine gute Idee ist, sofort das ganze Vermögen in Aktien umzuschichten. Denn es fehlt einfach das entsprechende „Mindset“, und die Gefahr ist groß, dass man dann wider besseren Wissens plötzlich doch alles mitten im Crash wegkloppt, weil man einfach wieder ruhig schlafen will. Ich kenne jedenfalls ein paar Leute, denen genau das passiert ist…

    Also immer schön langsam rantasten, und dann nach und nach die Investitionen aufstocken!

    • Die Sache mit dem Mindset ist sehr richtig.

      Wenn ich von Zahlen und Geschäftskonzepten nicht verstehe, dann stehe ich Korrekturen nicht durch.

      Wenn ich aber weiß, dass ich die AKtie (mit hoher Wahrscheinlichkeit) zu einem fairen Preis gekauft habe, dann sitze ich Marktschwächen aus.

      Das Problem vieler Anleger ist eben dieses Nicht-Wissen. Sie kaufen was steigt und verkaufen, wenn etwas am Boden liegt aus Angst noch mehr zu verlieren.

      Es sind halt wohl die berühmten „Eier“, die man erst mit den Jahren bekommt, die einen wesentlichen Faktor spielen. Wenn man mal ein paar Jahre dabei ist, dann weiß man, dass Kursvorhersagen in kurzer/mittlerer Zukunft reine Spekulation sind.

      Heutzutage ist die ganze Sache nicht umbedingt einfacher. Zum einen gibt es viele Foren, Blogs usw. die über die Börse berichten, wenn aber mal eine Aktie aus dem Trend ist, dann schlägt plötzlich jeder auf sie ein und man verliert die Nerven.

      Inzwischen ist für mich eines klar: Wenn bei einer Aktie (mit guten Geschäftsmodell) das yahoo Forum durchgängig mit Negativ-Beiträgen gefüllt ist, dann ist Zeit zu kaufen.

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