Bohrinsel Aktien – günstige Bewertungen – Hilfe erbeten

Bohrinsel Aktien wie SeaDrill sind sehr beliebt bei Anlegern, die dicke Dividenden wollen. Die Aktien sind aktuell zu niedrigen Bewertungsrelationen zu haben und daher habe ich mich im Wochenende mal ein wenig eingelesen.

Es ist jetzt zwar alles andere als eine Expertenmeinung entstanden, aber vielleicht kann ja einer mehr zum Thema Bohrinseln sagen?…

Off Shore Rig, Bild einer Bohrinsel

Das Geschäft mit Bohrinseln – Potential und Tücken

Bohrinseln und die Betreiber dahinter sind so

eine Sache. Eine Bohrinsel zu besitzen kann

ein tolles Geschäft sein und man dürfte erst vermuten der Betrieb von Bohrinseln wäre ein ziemlich sicherer Selbstläufer…

Für den Kauf von Aktien von Bohrinselbetreibern spricht ein ganz gewichtiger Punkte

  • Der Bedarf an Öl-Bohrinseln wird laut diverses Expertenmeinungen in den nächsten Jahren stark steigen. Insgesamt geht man davon aus, dass der Bedarf in der nächsten Dekade um durchschnittlich 10% pro Jahr steigt und bei „Deepwater“-Projekten sogar um 40 Prozent bis 2016 (laut Goldman Sachs).

 

Dies klingt erst einmal toll. Bedenkt man doch auch noch, dass es hier einige Aktien gibt, die über gute Dividenden verfügen und gerade nach gängigen Fundamentalerwägungen durchaus günstig bewertet sind.

 

Leider, leider werfen viele dieser Offshore Rig (Bohrinsel) Aktien dann doch ein paar Fragen auf, die auch den Kursen in letzter Zeit zugesetzt haben.

  • Laut Wall Street Journal sind über 50% der Öl-Bohrinseln älter als 25 Jahre. Aus zahlreichen Kommentaren auf Fachseiten habe ich herauslesen können, dass sich gerade in der Zeit nach 2000 technisch sehr viel getan hat und daher die Effizienz vieler Alt-Bestände weit hinter den Neubauten liegt.Dazu kommt natürlich auch, dass viele Regierungen nach der Katastrophe im Gold von Mexiko 2010 (Stichwort „Deepwater Horizon“) es sehr ungern sehen, wenn uralte Technik in den eigenen Gewässern eingesetzt wird.
  • Natürlich weiß von dem oben genannten (vermuteten) Anstieg an Offshore Bedarf nicht nur ich etwas. Die Branche war schon 2005 bis 2008 sehr zuversichtlich, was mit den damals steigenden Ölpreisen zusammenhing. Daher wurden natürlich damals bereits etliche Neubauten in Auftrag gegeben und wie es bei solchen größeren Projekten nun einmal ist – erfolgt die Lieferung um Jahre zeitverzögert.

 

Risiko ist auch bei großen Spielern durchaus vorhanden

Wie gefährlich so etwas sein kann zeigt sich bei den Aktien von Schiffsbetreibern. Es gab (und gibt) da eine Aktie mit dem Namen Frontline LTD. . Großaktionär der Aktie war der bekannte norwegische Unternehmer John Fredrikson, der Milliarden im maritimen Bereich verdient hat und in Deutschland durch seine Teilhaberschaft beim TUI-Konzern bekannt ist.

Man verließ sich also als Kleinaktionär bei Frontline darauf, dass -dem damals größte Player im Bereich der Öl-Tanker – nach der Wirtschaftskrise wieder eine rosige Zukunft bevorsteht.

Frontline schüttete vor der Finanzkrise Quartalsdividenden von mehreren Dollar (bis zu 4,50$) pro Aktie aus. Der Kurs der Frontline Aktie steht heute übrigens bei unter 4 $ und es ist offensichtlich, dass hier vieles sehr negativ gelaufen ist.

Das Problem von Frontline war, dass schlicht die Frachtraten für Öl im Laufe der Finanzkrise in den Keller stürzten. Dazu kamen dann (in Hochzeiten bestellte) Neubauten auf den Markt und der rentable Betrieb war nicht mehr möglich.

Das Beispiel der Frontline Aktie erklärt wohl auch warum die Börse derzeit viele Bohrinselbetreiber „ralativ“ günstig bewertet. Große Ölmultis wie Exxon Mobil haben bereits angekündigt das Capex ( Investitionsausgaben ) in den nächsten 18 Monaten zu senken und andere Branchengrößen sehen ähnliche Entwicklungen.

 

Warum sind die Bohrinsel Aktien so abgestraft wurden?

Niedrigere Investitionen in Ölprojekte + die Fertigstellung von früher bestellten Ölbohrinseln könnten also die nächsten 2 Jahre die Auslastungsquote und die Dayrates ( Tagessatz zum Mieten einer Bohrinsel) sinken lassen.

Dazu kommt natürlich das omnipresente Risiko von fallenden Ölkursen. Die Förderung von Öl (besonders in der Tiefe) ist enorm kostenintensiv und die Day Rates für Bohrinseln und der Ölkurs sind in der Entwicklung identisch. Viele Optimisten sagen zwar die OPEC würde den Ölpreis auf derzeitigen Niveau halten, da ansonsten viele Förderländer in ernsthafte Finanzprobleme kämmen … never say never.

 

SeaDrill Aktie ( WKN A0ERZ0 / ISIN BMG7945E1057 / SDRL )

SeaDrill ist eine Aktie, die immer wieder im Gespräch ist. Sie schüttet aktuell eine doppelstellige Dividende aus, die auch seit Jahren anwächst. Nachdem die Aktie vom 52-Wochen-Hoch von 48,09 US$ auf aktuell knapp unter 35$ gefallen ist finde ich im Internet etliche Artikel, die die Aktie als unterbewertet ansehen.

Persönlich sehe ich aber SeaDrill nicht wirklich als absoluten No-Brainer. Die Aktie ist sicherlich günstig, wenn alles beim alten bleibt. Jedoch ist die Firma wirklich gut mit Schulden beladen und Unternehmen, bei denen der Name John Fredrikson auftaucht, waren nicht immer gute Investments.

Fredrikson weiß um die Volatilität des Geschäfts auf See und lässt ja gerade deswegen hohe Dividenden ausschütten. Ähnlich scheint es bei Seadrill. Hier werden neue Bohrinseln bestellt und voll auf Pump finanziert und man hofft, dass diese sich sehr schnell selbst abbezahlen werden.

Fredrikson ist und war immer schon ein großer Risk Taker und man sollte diese Mentalität trotz Dividende und Wachstumspotential nicht ausblenden. Die nächste Zeit wird für SeaDrill erschwerte Bedingungen bescheren und ich werde erst noch ein wenig abwarten. Das Potential der vielen Neubauten sehe ich aber durchaus! Ein moderne Flotte in einer Zeit, in der die Ölförderung zunehmend auf dem Meer und in größeren Tiefen stattfindet könnte ein grandioses Investment werden.

Noble Corp. Aktie ( WKN A1W86Q / ISIN GB00BFG3KF26 )

Noble scheint mir oberflächlich „sicherer“ zu sein als andere Spieler in Ölbohrgeschäft auf See. Alles wirkt auf den ersten Blick solider finanziert. Noble zeigt sich wohl schon allein aus seiner 93 Jährigen Geschichte heraus weniger risikofreudig. Dafür ist die Flotte von Noble aber auch älter als die gerade stark modernisierende SeaDrill und dies könnte ein Boomerang werden.

Für Noble besteht zudem dieses Jahr die Chance, dass durch einen SpinOff ein Mehrwert entsteht. Die älteren Teile der Flotte sollen nämlich in einer neuen Gesellschaft selbstständig gemacht werden. Diesen SeekingAlpha-Artikel fand ich zu dieser Thematik ganz interessant.

Die Awilco Aktie & Northern Offshore Aktie

sind sogenannten „cigar butt investments“. Sie sind sehr günstig bewertet, besitzen dafür aber alte Assets. Bei Northern Offshore ist, wenn alles nach Plan läuft, dieses Jahr sogar ein Enterprise Value zu EBITDA Verhältnis von unter 3 möglich und die Firma hat eigentlich eine solide Bilanz. Am besten schaut ihr mal in diese beiden Artikel rein:
Awilco Drilling’s Upcoming Double Digit Yield
Northern Offshore – Market Fails to Notice Upcoming Rise In Earnings

Fazit 

Nunja jetzt kommt kein wirkliches Fazit. Ich habe mich die letzten Tage erst ein wenig in das Geschäft mit Ölbohrinseln eingelesen, weil die Bewertungen wirklich sehr attraktiv für einen „Wachstumsmarkt“ scheinen. Für Value Investoren könnte die derzeitige Unsicherheit des Marktes also eine Chance sein.

Wen jemand hier sich gut in dieser Branche auskennt, dann bin ich um Einschätzungen, Aktienvorschläge und Ergänzungen dankbar.

3 Gedanken zu “Bohrinsel Aktien – günstige Bewertungen – Hilfe erbeten

  1. Expertenwissen ist bei mir leider nicht vorhanden. Wie schätzt du Transocean ein. Der von mir sehr geschätzte Prof. Max Otte (ja, auch wenn in einschlägigen Foren nicht sehr beliebt oute ich mich hier als Privatanleger, der Prof. Ottes Meinung einen hohen Stellenwert einräumt) empfiehlt in der letzten Jahresausgabe Transocean.

    Gruß
    Valueer

    • Hab bei Transocean mal drueber gekuckt. Also die Aktie notiert unter Buchwert und die Flotte im sehr stark wachsenden Tiefwasserbereich scheint sehr neu zu sein. Also ist die Chance, dass hier der Buchwert aussagekraeftig ist – ist recht hoch. Andere Teile des Portfolios scheinen aber aelter zu sein als vergleichbare Flooten *Seadrill.

      Das Management schlaegt vor die Dividende auf 3 Dollar pro Jahr zu erhoehen. Dies waere nen kraeftiger Schluck aus der Flasche. Da sitzt aber auch der alte Corporate Raider Carl Icahn mit im Boot, der auch nicht immer alle Situationen richtig einschaetzt.

      Ist aber nur einer erster Eindruck.

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