Liberty Global Aktie – ein gutes Stück Internet-Infratstruktur

Eine Aktie über die ich im deutschsprachigen Raum nie lese ist „ Liberty Global“. Langfristig orientierte Investoren sollte von ihr aber dennoch einmal gehört haben. Immerhin steht hinter ihr einer der erfolgreichsten Medientycoone aller Zeiten – John Malone.

Malone ist hierzulande nicht so bekannt wie, der aus Australien stammende, Rupert Murdoch. Der Erfolg von Malone ist jedoch kaum geringer und für Anleger waren Investitionen in Malones Vorhaben in der Regel auf Dauer sehr lohnend.

Malones „neuer“ Streich ist „Liberty Global“, wobei ich diese Firma nicht wirklich einen Medienkonzern nennen würde. Liberty Global ist „außerhalb“ der USA der größte Anbieter für Breitbandinternet…

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Gerade Westdeutsche kennen die Firma sicherlich unter anderem Namen. Unity Media und Kabel BW (in Baden Württemberg) gehören zum Liberty Global Firmengeflecht.

Was Liberty also geschäftsmäßig macht ist nicht wirklich schwer zu erklären. Die Firma betreibt das Breitbandinternet-Geschäft in weiten Teilen Großbritanniens, Mittel- und Osteuropas und Chiles. Wobei der Übernahmehunger von Liberty noch nicht gestillt zu seien scheint. Zum Kerngeschäft „Vertrieb von Internet und Telefonanschlüssen“ kommt dann auch noch die sich im „Aufbau“ befindliche Direct-TV Sparte Horizon TV.
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Horizon TV wäre mir jetzt nicht unbedingt eine Erwähnung hier wert – Liberty Global aber doch. Breitbandinternet wird nicht mehr verschwinden, das Internet ist für Firmen und Menschen zu wichtig geworden und wer mit großer Reichweite und vernünftigen Preisen punkten kann, der kann hier sicherlich einen sehr, sehr verlässlichen Umsatz.

 

Liberty Global scheint gegen Konkurrenten (wie die Deutsche Telekom) bestehen zu können

Im Vergleich zur Telekom fällt bei den Tarifen auf, dass bei „Kabel BW“ keine Anschlussgebühren für einen Anschluss vorliegt. Auch ist die Mindestvertragslaufzeit mit einem Jahr geringer als die 2 Jahre bei der Telekom, zudem liegen die Tarife (im ersten Jahr) preismäßig fast 20% unter der Konkurrenzofferte. Aus dieser Logik heraus dürften Kunden, die einmal bei Liberty sind, nicht mehr zurückwechseln – wenn es nicht zu gravierenden technischen Mängeln kommt. Zudem läuft die Internetverbindung bei Kabel BW standardmäßig mit bis zu 100 MBit/s, bei der Telekom mit bis zu 16 Mbit. Wobei dies natürlich für die meisten User unerheblich ist, wenn den diese Übertagungsraten überhaupt erreichbar sind.

Unterm Strich kann ich jedoch sagen, dass in meinem Bekanntenkreis bereits etliche Nutzer bei der KabelBW gelandet sind und ich bezweifle, dass die Telekom in ihrer Situation einen Preisangriff starten wird.

 

Liberty Global – Focus on the money!

Wer die Liberty Global Aktie einmal kurz in einem Online-Portal aufruft wird zuerst auf ein recht unattraktives Kurs-Gewinn-Verhältnis -für eine eher langweilige Branche- stoßen. Jedoch sollte man sich bei diesem Firmen-Konzept mehr auf den Free Cash Flow konzentrieren (wie viel Geld bleibt unter Strich der Firma zur Verfügung).

Der Freie Cash Flow lag im Jahr 2013 bei 1,769 Milliarden US$. Bei einer Marktkapitalisierung von aktuell 32 Milliarden US$ macht dies ein Verhältnis MK/FCF von 18. Für 2014 schätzt das Unternehmen seinen freien Cash Flow auf 2 Milliarden Dollar (bisher waren die Prognosen immer recht genau). Damit hätten wir dann dein MK/FCF von 16 (2014).

Dies ist sicher nicht aufregend, aber für ein Geschäft mit derart verlässlich wiederkehrenden Umsätzen nicht schlecht fürs langfristige Depot.

 

Kein Geschäft ohne (fremdes) Kapital

Natürlich kann man sich denken, dass Liberty Global recht heftig fremdfinanziert ist. Das Modell sich Netze zusammenzukaufen und mit langfristig verlässlichen Einnahmen das Ganze dann abzubezahlen kennt man ja auch aus der Branche der Gaspipelines und anderen Infrastruktur-Programmen.

Ein Schulden / EBITDA Verhältnis von fast 7 für 2013 haut mir natürlich erst einmal fast den Vogel raus und erscheint einem wahnsinnig hoch. Jedoch ist Liberty auch nicht untätig im Feld der Übernahmen gewesen und hat Anfang dieses Jahres für 9,4 Milliarden $ den niederländischen Kabelbetreiber Ziggo geschluckt.

Mit den Gewinnen, aus den 2013 und Anfang 2014 erworbenen neuen Netzen sollte das Schulden/EBITDA Verhältnis folglich wieder auf unter 5 und dann in den folgenden 3 Jahren auf die 4 rutschen (Angenommen Liberty Global übernimmt nicht wieder etwas 🙂 ).

Ok, was passiert mit dem freien Cash?

Die Strategie von Liberty Global ist einfach und klar der konsequente Aufbau von „Shareholder Value“ (:ich ducke mich:).
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Für 2014 und 2015 wurden vom Management bereits weitere Aktienkäufe angekündigt. Man kann also davon ausgehen, dass (wenn ich die Bewertung der Firma nicht groß ändert) circa 4 % der ausstehenden Aktien pro Jahr verschwinden.

Warum verringert sich die Zahl der ausstehenden Aktien dann so wenig?

Dies liegt daran, dass Liberty Global wohl vorerst eine Stock Dividenden Strategie fährt. Dies bedeutet: Statt Dividenden bekommen Alt-Aktionäre neue Aktien statt Geld. Dies hat für das Unternehmen den Vorteil, dass die Liquidität im Unternehmen bleibt und so für Zukäufe mehr Geld zur Verfügung steht und das Kreditranking gestärkt wird.

Der Aktionär kann die Stock Dividende ( Termin liegt für 2014 leider schon in der Vergangenheit) dann ja immer noch verkaufen oder die Geschichte als passiven Vermögensaufbau laufen lassen und sich über einen steigenden Aktienbestand freuen.

 

Was bringt das ganze?

Wir haben hier ein Geschäft mit guter Fähigkeit Geld zu generieren und sind in einer Branche, die eine konstante Nachfrage besitzt und Konkurrenten besitzt, die wohl keine neue Runde im Preiskampf anleiern möchten.
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Genau so langweilig wie das langsam steigende Ergebnis pro Aktie schraubt sich auch der Aktienkurs nach oben. Wie gesagt ein typischer Langweiler mit guten Aussichten auf einen stabilen Vermögensaufbau.
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Man sollte aber auf keinen Fall die Kursanstiege der letzten 5 Jahre (nach dem Crash) weiterhin im Auge haben. Solche Steigerungen halte ich für relativ ausgeschlossen!

Fazit

Liberty Global ist langweilig, aber kein schlechtes Geschäft, wenn man den ein wenig Zeit mitbringt. Das Geschäft ist mit seinen Internetleitungen in einer sehr stabilen Branchen. Es gibt ein recht geringes Währungsrisiko für einen internationalen Big Player, da die Firma stark in Mitteleuropa vertreten ist.

Zudem bestehen Wachstumsfantasien durch die Präsenz in Polen, Tschechien, Rumänien, Ungarn und der Slovakai. Was ich vom Südamerika Geschäft halten soll weiß ich (noch) nicht, da sind Schwankungen kurz- und mittelfristig nicht auszuschließen – das Langfristpotential überwiegt aber in einem solchen Markt.

Natürlich hängt auch viel davon ab, dass das Management von Liberty Global neue Übernahmen nicht „überteuert“ durchführt. In diesem Punkt bin ich aber bei dieser Veteranen-Garde rund um John Malone recht vertrauensvoll.

Die A- B- und C-Aktie von Liberty Global ( WKN A1W0FL , A1W0FN , A1W0FM / ISIN GB00B8W67779 , GB00B8W67662 , GB00B8W67B19 ) ist mit einer Relation Kurs / FCF für 2014 von circa 16 ( Kurs der A-Aktie bei 29,60 € ) in Ordnung für der ruhigen Anleger mit längerer Perspektive. Liberty Globals Heimatbörse ist übrigens London.

Man kauft sich ein gut platziertes und ausgebautes Stück Breitbandnetz in guten geographischen Regionen und hat ein Management, welches konsequent daran arbeitet die stabilen Erträge zum Nutzen der Aktionäre einzusetzen.

Man kann Liberty Global zum aktuellen Kurs sicher in sein Langfrist-Depot aufnehmen. Bei der Hauptversammlung ist man mit Bill Gates und Warren Buffett (wenn er sie wohl auch nicht selbst gekauft hat 😉 ) sicher in guter Gesellschaft.

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