IBM – hmmm, ich hab mich geirrt- doch ein High-Quality-Business

IBM. Big Blue, lange habe ich darüber nachgedacht und eigentlich fand ich die Aktienbewertung schon immer super. Leider bin ich aber einer, der Aktien meist länger als ein Quartal im Depot hat und so habe ich einfach mal ein paar meiner Grundgedanken zu IBM niedergeschrieben.

Einen ersten Artikel mit wesentlich mehr Zweifeln gibt es hier.

Die aktuelle Umsatzkritik an IBM ist reine Schlagzeilen-Presse.

Zuerst einmal habe ich mal ein wenig überlegt in wie weit IBMs Strategie den wirklich durch den Umsatzrückgang im Bereich „Systems and Technology“ gefährdet ist…

In dieser Sparte befinden sich die kleineren Server auf Intel und AMD-Prozessor Basis und Speicherlösungen für Unternehmen und Behörden.
IBM Quarter 4th 2013 stock revenue fall in servers, ibm aktie umsatzentwicklung 2013
Der Umsatz in diesem Bereich ging im vierten Quartal 2013 um 25,5% zurück. Dies ist zwar ein Schlag, den auch IBMs Management in dieser Härte nicht gesehen hat, dennoch passt es zu IBM und der Branche. Der Bereich war ja schon vorher der „un-profitabelste“!

Einen Server (Hardwareseitig) zusammenzubauen ist keine große Sache. Selbst ich könnte mir einen Serverprozessor in einem Online-Shop bestellen, diesen in ein Mainboard stecken und dies dann als Server verkaufen.

Normale Computerteile sind unheimlich günstig. Hardware wird immer leistungsfähiger pro investiertem Euro und das Zusammenbauen oder Zusammen-Löten ist sehr einfach. Daher finden wir ja auch inzwischen zahlreiche Laptops oder auch sehr günstige Smartphones von günstigen chinesischen Herstellern im Elektromarkt.

Es ist zwar dumm gelaufen, dass dieses „vergangene“ Geschäft für IBM so schnell einzubrechen scheint – aber diese Entwicklung war sowieso kaum aufzuhalten. Der Bereich wird durch die leichte Zugänglichkeit für günstigere Marktteilnehmer immer weiter einem Preiskampf ausgesetzt. Für mich sind also einfache Server und Speichersystem vergleichbar mit der Unterhaltungselektronikbranche rund um einfache DVD-Spieler und Fernseher.

Mit diesen Produkten ist einfach kaum noch ein Gewinn zu erzielen, da durch zu geringes erforderliches Know How ein zu großer Preiskampf herrscht. Man sollte sich nur einmal ansehen wie es Firmen wie Sony heute geht.

Zudem wird einfach immer mehr Rechen- und Speicherkapazität in die Cloud abwandern. Zwar wird es weiterhin Server im Klein- und Mittelformat geben, aber der Bereich sinkt recht sicher in der Bedeutung und in der potentiellen Gewinnmarge ab.

Also sage ich jetzt einfach mal:who cares. IBM wird durch das Schrumpfen dieses Bereichs und den Verkauf der Serversparte an Lenovo Umsätze verlieren, die mit der Zeit sowieso in der Ertragskraft zurückgehen.

IBM wird daher langfristig gedacht kein schlechteres Geschäft.

 

Make the world smarter and IBM more boring

Machen wir den Planeten ein wenig smarter“ – diesem Werbeslogan konnte man in den letzten Jahren kaum entgehen. Die Bedeutung des Smart Planet Konzepts ist bisher zahlenmäßig noch nicht bedeutend für einen Mega-Konzern wie IBM. Laut IBM Website konnte im Jahr 2010 damit ein Umsatz von 3 Milliarden Dollar generiert werden. Smarter Planet wuchs 2013 um 20% – ist aber eben in Relation zum gesamten IBM Umsatz von fast 30 Milliarden pro Quartal verschwindend gering.

Dennoch ist Smarter Planet für mich die ganz große Zukunft von IBM. Denken wir zum Beispiel mal an den Bereich Water Management von IBM. IBM stellt für Kommunen und Staaten mit Hilfe von Software und Beratern Lösungen bereit, durch die die Wasserversorgung verbessert werden kann.
IBM Smarte Planet Water Logo, IBM Aktie Wasser Logo, Geld langfristig anlegen, Depotvergleich
Nun entwickelt also der Staat mit IBM eine Wasserkonzept, dieses kostet viele Steuergelder und bringt dann nach einiger Zeit einen positiven Effekt. Nun kann doch die öffentliche Hand gar nicht mehr zurück. IBM dann den Rücken zuzuwenden ist fast unmöglich, schließlich sind ja bereits IBM Patente und Softwareentwicklungen vitaler Teil des staatlichen Systems.

Bei einem Wechsel weg von IBM müsste also der staatliche Entscheidungsträger politisch eine große Summe Geld zusätzlich „verbrauchen“ und dies bei dem Risiko, dass die neue Lösung nicht gleichwertig ist. Wer sich das ganze überlegt sieht, dass Kunden von Smarter Planet wahrscheinlich Kunden für die Ewigkeit bleiben werden.

Die Welt hat Probleme, die sich mit Informationstechnik besser bewältigen lassen. Dies wird aber nicht dazu führen, dass diese Probleme aufhören zu existieren und so wird IBM langweilig und „konstant“.

 

Das ganze ist nicht „hot“, aber bringt wiederkehrende Umsätze.

Das Gleiche gilt auch für zum Beispiel für den Cloudservice SoftLayer. Die Smartphone-App WhatsApp wird auf und mit SoftLayer und seinen Tools betrieben. Das Risiko ist einfach zu groß, dass durch einen Wechsel WhatsApp dann ausfällt. Ein längerer temporärer Ausfall von WhatsApp würde zum gigantischen Abwandern von Kunden führen und dieses Risiko kann WhatsApp nicht eingehen.. siehe oben…

Gleiches gilt für zahlreiche andere Kunden. Zum Beispiel Anbieter von Online Games, die auf ständige Verfügbarkeit angewiesen sind.

IBM macht also das, was es eigentlich schon immer tat. Es wird wieder zum (informations-)technischen Grundgerüst für Wirtschaft und neuerdings auch den Staat, ohne das es nicht geht.

 

Fazit

Mein Artikel ist für alte IBM Hasen sicher keine Erleuchtung. Es ist im Prinzip nur eine Niederschrift meiner Gedanken zum grundsätzlichen IBM Model. Diese Überlegungen stehen bei mir eigentlich immer am Anfang. Man sucht sich ein gutes Geschäftsmodel und dann überlegt man, ob der Preis (Kurs) aktuell in Ordnung ist oder nicht und dann muss man warten. Bei IBM könnte dieses Warten unter Umständen länger dauern, da der Markt eben vor allem auf die Umsätze schaut.

Das Starren auf Umsatzzahlen ist aber in Zeiten von Cloud und „IBM as a Service“ eine recht unzuverlässige Methode. Früher konnte man einem Unternehmen einen teuren Server verkaufen und der Umsatz erfolgte sofort. Beim immer weiter fortschreitenden Gang in den IT-Servicebereich entsteht der Umsatz aber zunehmend in kleinen Häppchen, daher lässt sich aus dem aktuellen Umsatzrückgang im „vergangenen“ Geschäft keine Zukunftsprognose herleiten.

Gehe ich also davon aus, dass das IBM Modell gut ist, dann sehe ich aktuell sicher keinen schlechten Preis dafür – auch, wenn IBM sehr hart daran arbeitet seine Ergebnisse zu schönen ( Stichwort non-US-GAAP ).

Aus Zahlensicht war dieser Artikel ( http://seekingalpha.com/article/2083043-ibm-is-worth-at-least-215 ) recht interessant für mich, da er versucht Umsätze in „wiederkehrend“ und „ander“ zu unterteilen. Natürlich ist das ganze eine grobe Zahlenspielerei.

Dennoch denke ich IBM ist aktuell einer der ganz wenigen -wirklich günstigen- stabilen „Blue Chips“.

Auch wenn ich eigentlich gar kein Fan von „Technik im Depot“ bin, bei IBM sehe ich wirklich eine große Zukunft als „langweiliges Geschäft“.

Vor allem – nobody ever got fired for buying IBM“.

 

8 Gedanken zu “IBM – hmmm, ich hab mich geirrt- doch ein High-Quality-Business

  1. Danke für dein Update zu IBM!

    Habe IBM für das Depot meines Vaters gekauft. Leider 15 % im Minus. Denke aber, dass die langfristig wieder kommen. Allein schon das gigantische Aktienrückkaufprogramm dürfte einiges bringen. Und Warren steckt auch nicht 10 Milliarden Dollar in ein Unternehmen von dem er nicht überzeugt ist. Wäre mal interessant zu wissen ob er sich vor dem Kauf mit Bill darüber unterhalten hat, hehe.

    Gegen Technik im Depot hab ich nix: bin mit Microsoft 30 % im Plus…so macht die Börse Spass 😉

    Gruss

    • Denke auch, dass mit dem IBM nicht soviel falsch laufen kann. Wie geschrieben, die Medien schiesen sich da auf dieses rückläufige Klein-Server Geschäft ein. Der Bereich hat aber eh keine große Zukunft für IBM.

      Bleibt der Umsatz nur halbwegs stabil und die fahren diesen Rückkaufskurs weiter, dann geht da in spätestens 2 bis 3 Jahren einigen ein Lichtlein auf ;).

      Heute übrigens über 3 % im Plus.

  2. Es ist nicht richtig es nur auf die enttäuschenden Umsätze im Hardware-Bereich zu schieben.

    IBM hat das Ziel ein EPS von 20 USD zu erreichen. Ich glaube 2015 oder 2016. Müsste man mal nachschauen. Die Schätzungen für 2013 haben sie auf den ersten Blick erreicht, aber dies ist nur einer netten Steuerquote zu verdanken. Das EBT war geringer als 2012. Solches „EPS-Wachstum“ wird man nicht jedes Jahr haben können.

    Steuerquote 2013: 15,6% , 2012/2011/2010 24,x %

    • Das ganze ist aufgekocht. Habe im Artikel ja auch mal erwähnt, wie oft IBM hier „US Non-Gaap“ benutzt. Warum sollte man dies tun? Man will die Zahlen nach oben schönigen.

      Denke IBM schadet wahrscheinlich dem Kurs selbst damit, wenn es mit Steuerquote und Bilanzierungstechnik derart offensichtlich ist, dass die Zahlen geschönt werden.

      Aber wie gesagt, was solls. Provinzler hat recht, ob es jetzt 18 oder 19$ Gewinn statt 20$ sind… was solls 🙂

  3. Das ist sicherlich richtig benny. Das Ziel mit dem EPS von 20$ für 2015 war von Anfang an extrem ambitioniert. Wenn man am Ende bei 18$ rauskommt isses aber auch mehr als ok. Die Bewertung ist nicht hoch, die Kapitalrenditen sind gut, und das Kerngeschäft läuft ganz ordentlich. Ich bleibe jedenfalls im Boot.

  4. Ich glaube, dass IBM, wie schon einmal beim PC, den Trend zum Cloud-Computing verschlafen hat. Und da sind andere bereits deutlich weiter, nämlich Amazon, Microsoft, Google und auch, ja SAP. Es scheint so als habe IBM Innovationskraft verloren. Die Trends setzen andere. M.E. ist im IT-Bereich das Internet das Maß der Dinge und da ist IBM quasi nicht präsent.
    Dieser Bereich wird eben einseitig von Google besetzt und dann kommt erst mal gar nichts. IBM wirkt da eher wie ein Zuschauer, aber sicher nicht als ein prägender Spieler. IBM war eigentlich immer im Hardwarebereich (Großrechner, Server, PC, Festplatten) stark, wo viel Grundlagenforschung betrieben wurde und echte Erfindungen gemacht wurden. Wenn das jetzt wegfällt und statt dessen die Software und das Web in den Focus rücken, muss sich erst noch zeigen, ob die alte Tante IBM mit den hippen Konzernen aus dem Silicon Valley mithalten kann. Ich glaube, dafür haben sie die falschen Leute und die falschen Strukturen.

    • Hallo,

      wirklich Hip ist IBM wohl nicht. Aber man darf nicht vergessen, dass ich als kleine Privatperson (die nicht in der IT arbeitet) lange nicht alles mitbekomme.

      Würde ich mich gar nicht mit IBM beschäftigen, dann würde ich wohl denken IBM wäre vor Jahren pleite gegangen.

      Früher gab es IBM Computer, IBM Laptops an jeder Ecke. Zum Beispiel beim Schiff, wo ich beim Bund war, da war auch in jedem Raum ein IBM Laptop. Aber IBM mischt eben heftig im Hintergrund mit bei Software für Industrieanlagen, Beratung für komplizierte Logistikprobleme…

      Man sieht oft eben nicht alles. Bei Lebensmitteln sehe ich auch oft nur McDonalds und Co. Firmen wie Archer Daniels Midland (Getreideverarbeitung), Conagra (schneidet die Fritten) … sehe ich aber nicht, da der Name nirgends (außerhalb) der Branche auftaucht.

      Wie immer muss man wohl aufpassen: Nur weil vieles „hip“ ist, ist noch nicht gesagt, dass dieses auch wirklich GEld einbringt.

      Gruß Ulrich
      und allen einen sonnigen Sonntag

  5. ich bin auch drin seit ein paar wochen bzw. hab nochmal nachgelegt auf diesem niveau. was soll man auch sonst noch kaufen… bzw. wozu grosse spekulationen wenn eine ibm für „billig“ gekauft werden kann ?

    warren buffett „garantiert“ uns das IBM invest … was muss ich da noch überlegen 🙂

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