Be a Pepper, too – Der langweilige Aristokrat, den ich noch kaufen würde

Es gibt ja inzwischen auch bei deutschen Anlegern eine Vorliebe für die sogenannten Dividenden-Aristokraten. Waren Dividenden früher oft verspottet, hat sich gerade in der Post-Neuer-Markt Dekade gezeigt, dass ein großer Teil der Rendite eben doch durch Dividenden entsteht.

Dabei sind Aktien wie Coca Cola und Henkel beliebt. Daher möchte ich heute den eher unbekannten zukünftigen Aristokraten Dr. Pepper Snapple Group vorstellen…Dr. Pepper Ten Flasche und Grillen, Dr Pepper Ten Bottle for GrillingDr Pepper Snapple wurde 2008 vom Süßwarne-Riesen Cadbury (heute Mondelez) abgesplittet. Dr Pepper Snapple ist ein hierzulande eher unbekannter amerikanischer Getränke-Konzern, der in den USA zahlreiche bekannte Marken wie Dr. Pepper (Forest Gump) und Schweppes vertreibt. Dabei hat die Dr. Pepper Snapple Aktie derart viele High Quality-Charakterisitika, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass dies ein Dividenden-Aristokrat wird.

Der Coca Cola / Pepsi Deal

2010 war das Jahr des ganz großen Durchbruchs für die Dr Pepper Snapple Group. Coca Cola und Pepsi unterzeichneten Verträge mit denen Dr. Pepper und andere DPS Produkte ins Distributionssystem und in die Getränkespender der Giganten einzogen.

Dabei zahlte Coca Cola 715 Millionen $ und PepsiCo 900 Mio.$ an DPS.

Die Deals haben festgeschriebene Performance-Untergrenzen und eine Laufzeit von 20 und 25 Jahren. Die Deals werden automatisch nach diesem Zeitraum verlängert, wenn sich nicht eine Seite dann zurückzieht.

Die Einmal-Zahlungen von insgesamt 1,615 Milliarden Dollar wird über die nächsten 25 Jahren als passiver Umsatz verrechnet.

Dieser Deal ist für Dr. Pepper Snapple sehr vorteilhaft. Er bietet Zugang zum gigantischen Vertriebsnetz von Coca Cola und Pepsi im Nord-Osten der USA und Kanada; bringt Dr Pepper in die Getränkespender der beiden Getränkeriesen und Dr. Pepper muss kein eigenes teures Abfüllgeschäft unterhalten.

 

Der freie Cash Flow bereinigt
Dr Pepper Snapple DPS Aktie Cashflow free cash flow 2008 2009 2010 with pepsi and coke deal
Der Coca Cola / Pepsi Deal lässt die Geldzuflussrechnung der Dr. Pepper Snapple Group erst sehr komisch/schwankend wirken. Der freie Cash Flow von Dr. Pepper Snapple ist aber sehr stabil und wird durch die Einmalzahlung im Jahr 2010 und die darauf anfallenden Steuern im Jahr 2011 und 2012 verzerrt.
Dr Pepper Snapple Group Aktie freier Cash Flow bereinigt 2010 2011 2012 2013 2014 2015, dps free cashflow
Ohne diese Einmaleffekte steht der Dr. Pepper Snapple Group ein freier Cash Flow von 600 bis 700 Millionen US$ pro Jahr zur Verfügung. Dies ist jede menge freier Cash für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 9,65 Milliarden $. Kurs durch freien CashFlow = circa. 15.
Dies bedeutet Dr. Pepper Snapple stehen fast 7 % an freiem Cash pro Jahr zur Verfügung. Es gibt keine teure Forschung, keine teure Modernisierung der Produktionsanlagen.

Dr. Pepper Snapple fährt mit diesem freien Geld einen konsequenten Kurs der Aktionärsvergütung. 400 Millionen Dollar sollen dabei pro Jahr in Aktienrückkäufe fließen, der Rest fließt in Dividenden.
Dr Pepper Snapple Group Aktie DPS Aktienrückkäufe und Dividenden 2010 2011 2012 2013 2014, dr pepper dividends und share repurchases 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

Das Konzept ist einfach und effizient

Das Dr. Pepper Prinzip ist verblüffend einfach. Ein Unternehmen mit hoher Rentabilität und ohne hohe Kosten. Die Aktienzahl verringert sich Jahr für Jahr um circa 4%, dazu kommt eine Dividende von aktuell 3,1%. Schafft Dr. Pepper es seine Gewinne mit der Inflation zu steigern und kauft weiterhin Aktien zurück gibt es Dividendenwachstum im hohen einstelligen Bereich.

 

Die Dr. Pepper Snapple Aktie wird konsequent runtergeredet

Wer sich vielleicht aufgrund dieses Artikels mit der Dr. Pepper Snapple Group Aktie beschäftigt – wird sehr schnell auf zwei Arten von Negativ-Einschätzungen im Internet treffen.

 

a) Dr. Pepper Snapple ist nicht international genug

Pepper/Snapple operiert in den USA, der Karibik und durch die die Grupo Peñafiel in Mexiko. Dies sehen viele als wesentlichen Nachteil gegenüber Pepsi und Coca Cola. Das große Wachstum wird in China, Indien und Süd-Amerika gesehen und nicht im langweiligen Texas.

Dieser Kritikpunkt ist sicherlich berechtigt. Jedoch hat Dr. Pepper Snapple auch so seine Existenzberechtigung. Der hohe freie Cashflow, der aktuelle kontinuierlich erzeugt wird, kann Aktionäre auch ohne Übersee-Abenteuer über die Jahre sehr viel Geld in die Kasse spülen. Langfristig hohes einstelliges Wachstum im Kurs und bei der Dividende und dies mit einem No-Brainer, dies sollte einem genügen.

Zum Zweiten weiß man nicht was Dr. Pepper in Zukunft machen wird. Im April gab Dr. Pepper Snapple bekannt, dass man von Mondeléz die Rechte einiger Marken für den Raum Asien und Australien gekauft hat. Der Preis für diesen Rückkauf war lächerlich und nach einer Conference Call-Auskunft gibt es bei Hong Kong sogar ein paar sehr kleiner Abfüller, die Snapple Eistee abfüllen.

Vielleicht ist hier etwas geplant. Aber auch wenn nicht, wenn man das Geschäft in Amerika stabil halten kann, dann ist DPS ein Gewinner.

Was diese Kritiker jedoch nicht sehen ist, dass Dr. Pepper durch seine starke Stellung in Texas und anderen Südstaate (dort liegt Dr.Pepper vor Coca Cola) auch Positivaspekte hat. Mexikaner lieben süße Getränke und sind die am schnellsten wachsende Gruppe in der US-Bevölkerung. Dr. Pepper versucht also Getränke wie 7Up konsequent in dieser Zielgruppe zu platzieren.

 

b) Der CSD-Markt ist nicht im Trend

Carbonated Soft Drinks sind nicht gerade in der Gunst der Bio/Öko-Fraktion. Die Getränke machen zu dick, die Light-Getränke regen den Hunger an und sollen Diabetes fördern.

Dr. Pepper Snapples Produktportfolio befindet sich zu fast 90% in der CSD-Kategorie und viele sehen Dr. Pepper daher als sterbendes Geschäft. Ehrlich gesagt halte ich mich hier lieber an den Satz „Totgesagte leben länger“. Nur weil ein paar Öko-Leute im Internet über Soft-Drinks herziehen gehen Unternehmen wie Coca Cola oder Dr. Pepper noch lange nicht unter. Das Volumen wird langsam sinken, erst einmal verschwinden die Small Player. Das ganze hat sich bei Unternehmen wie Altria (Tabak) gezeigt; selbst wenn ein Konsumbereich schädlich und in der öffentlichen Kritik ist – die Abwanderung der Kundschaft läuft derart langsam, dass die Gewinne noch sehr lange weitersprudeln. Ausserdem hat sich gesagt, dass sich das Konsumverhalten meist nur kurz/mittelfristig verändert – am Ende bleibt alles immer beim Alten.

Zum anderen besitzt Dr. Pepper Snapple über jede Menge Marken. Soft-Drinks, Root-Beer, Wasser mit Geschmack, Apfelsaft, Energy Drinks, Schokoladenmilch usw. Man hat genug Zeit um in anderen Bereichen die Verluste aus dem CSD-Bereich zu kompensieren.

Dr. Pepper Snapple ist nicht schlaftrunken und man ist sich der aktuellen Soft-Drink-Müdigkeit der Kundschaft bewusst. Es gibt dabei aktuell den Versuch mit den sogenannten Ten-Produkten Kundschaft, die aufgrund der vielen Kalorien abgewandert ist, zurückzugewinnen. Bei Dr Pepper Ten, 7Up Ten usw. geht es darum alt-bekannte Marken mit weniger Kalorien bei Männern zu platzieren. Die Analysten sind bisher von der Ten-Plattform enttäuscht. Bei der Etablierung von Konsumprodukten handelt es sich aber um einen Marathon und nicht um einen Sprint und daher sollte man schon ein wenig Vertrauen in die Getränke-Veteranen von DPS haben.

Fazit

Die Aktie von Dr. Pepper Snapple [ WKN A0MV07 / DPS ] ist so eine Aktie, die man kauft, wenn man freies Geld, aber keine wirklich gute Idee hat. Man kann mit ihr ruhig schlafen, sie zahlt kontinuierlich Dividenden und in ein paar Jahren wird sie wesentlich mehr wert sein als heute.

 

Kurs zum freiem Cashlow von 15, Eigenkapitalrendite von fast 30%, starke Bilanz, bekannte Marken und eine Einstiegsdividende von über 3%.

Selber habe ich seit langer Zeit einen Batzen Dr. Pepper Snapple Aktien im Depot und finde nie einen wirklichen Grund welche zu verkaufen und würde sie, wenn ich sie nicht hätte, als konservativen Depot-Anker auch jederzeit wieder kaufen.

Die Aktie hat den Run-Up dieses Jahr nicht mitgemacht und notiert beim aktuellen Kurs von 48$ und einem 2013er Gewinn pro Aktie von 3,09 bei einem KGV von 15,5. Wer also einen langweiligen Dividenden-Wert sucht, der nicht teuer ist, der kann sich das Soft-Drink Powerhaus aus Texas mal ansehen.

6 Gedanken zu “Be a Pepper, too – Der langweilige Aristokrat, den ich noch kaufen würde

  1. Hi!

    danke für die gut recherchierte Analyse.

    Ich werde mich auf Grund dieses Artikels auch mal näher mit der Aktie beschäftigen, obwohl sie noch einen weiten Weg bis zum Aristokraten hat.

    Mich würde noch interessieren, warum Pepsi und Coca Cola Geld bezahlt haben, um Dr. Pepper in ihre Automaten aufzunehmen? Ich hätte das jetzt intuitiv eher anders herum gesehen, bin gespannt, wo da mein Denkfehler ist.

    Ein bisschen mehr „Global Player“ würde dem Unternehmen sicher nicht schaden, da das Jahr 2008 gezeigt hat, dass die Aktie bedeutend stärker in einer Krise leidet als seine „großen Brüder“ Pepsi und Coca Cola.

    Der Kursverlust war mit über 50% eher im Marktdurchschnitt, und die Earnings Per Share wurden sogar negativ.

    Aber wie du schreibst, ist das Unternehmen ja gerade dabei seine Fühler auch nach Asien auszustrecken, es wird also spannend, ob sich dies im nächsten Bärenmarkt schon positiv bemerkbar macht.

    Beste Grüße
    Wochenendinvestor

  2. Hallo Wochenendinvestor,

    2008 war wohl eine Sondersituation. Aber nicht, weil Dr Pepper die Kunden davon gelaufen sind.

    Vielmehr kam 2008 Dr Pepper ja erst separat an die Börse und hatte im ersten Jahr einiges an Abschreibungen vorzunehmen. Ohne diese wäre 2008 auch ein Gewinnjahr gewesen.
    Dr Pepper Earning per Share 2008 without special, DPS
    Dies und die Tatsache, dass Dr Pepper ein Frischling war hat die Aktie dann auch mit in den After-Lehman Strudel gerissen.

    Zu den Vereinbarungen mit Pepsi und Coca Cola. Die Brands von Dr. Pepper scheinen in Amerika durchaus einen hohen Stellenwert zu besitzen. So hat Coca Cola selbst in seiner Geschichte schon mehrmals versucht Mott’s (Apfelsaucen und Co.) zu erwerben.

    Zudem führen auch Mc Donald’s und Wendy’s Dr. Pepper und haben dafür sogar das Konkurrenzprodukt Pibb ( KO Produkt) aus dem Sortiment geschmissen.

    Wirklich unüblich ist es nicht, dass Coca Cola als Abfüller auch Produkte anderer Firmen führt. So werden über Coca Cola Abfüller ja auch Produkte wie Capri Sonne vertrieben.

    Es unterstreicht im Prinzip, die langfristige Stärke des Dr. Pepper Portfolios.

    Gruß

  3. Habe DPS seid deinem ersten Artikel auf der watchlist, bisher war mir der Wert gemessen an den Wachstumsaussichten und den größen nachteil gegenüber KO immer etwas zu teuer. Sollte es einen allgemeinen Marktrückgang geben und DPS diesen mitgehen könnte sich natürlich eine intressante Einstigesoption bieten.

  4. Das größte Risiko bzgl. fehlender geographischer Diversifikation sehe ich eher im Wechselkursrisiko. Man hängt sehr stark am Dollar. (Ähnlich wie Disney oder Wells Fargo, wo ich mich von ähnlichen Überlegungen schon abhalten hab lassen)

  5. Schaut euch mal die Website vom CocaCola Abfüller CocaCola Amatil an….. die füllen so einiges ab z.B. Powerrade und JimBeam und nch einiges mehr!!

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