Finanzielle Repression – die Rache der Roboter?

Mit meinem Blog stehe ich ja immer wieder vor der Herausforderung interessante Aktienwerte zu finden, die man auch im Moment noch günstig kaufen kann. Heute morgen habe ich mich übrigens erstmals für den Kauf von IBM Aktien entschieden.

Es gab jedoch für die Aktien der International Business Machines Corporation einen heißen Konkurrenz-Sektor und zwar Finanztitel…

Meine Überlegung war sich nicht die Aktien von irgend einer Investmentbank oder ähnlichem zu kaufen. Es gibt ja ein paar recht konservative Finanztitel, die nach wie vor unter ihrem Buchwert notieren ( Tipp Bank of Utica is Very Safe and Very Cheap ).

 

Buy the Dollar for 65 Cents

Die Überlegung ist: Wenn eine Bank ein ganz konservatives Geschäft betreibt und mehr Geld zum investieren hat als ich für den Kauf des Anteils bezahle, dann muss ich doch gewinnen?

Das einzige Problem an dieser Logik ist jedoch, dass dies natürlich nur funktioniert, wenn die Bank dieses Geld sicher zu einem guten Zinssatz anlegen kann.

Die Frage geht also wieder einmal in die Richtung Zinsentwicklung und warum ich eher einen amerikanischen Finanzwert als einen europäischen kaufen würde.

Von Robotern und satten Rentnern

Vor einiger Zeit habe ich eine recht interessanten Bericht zum Thema Roboter in der Industrie gesehen. Roboter machen praktisch die Arbeit und die gesellschaftliche / gesamtwirtschaftliche Folgerung war dann, dass es kein Problem wäre, wenn es weniger Kinder gebe und die Bevölkerung veralte. Die Roboter können ja schließlich die Autos zusammenschrauben oder Pakete verpacken.
Roboter pro Bevölkerung, Roboteranteil in der Industrie, wieviele Automatisierungsroboter in deutschen Firmen(Quelle: swiss-miss.com ; Stand Anfang 2009)
Japan ist das Land mit den meisten Robotern (in Relation zur Einwohnerzahl) und Deutschland ist auch eines der Länder, die besonders stark auf Roboter setzen. Dies ist wenig verwunderlich. Japan und Deutschland sind technikbegeistert, haben viel Industrieproduktion und beide schlechte demographische Entwicklungen.

Italien ist hier übrigens auch ganz vorne – dies gibt zu denken.

Das Problem mit der Überalterung scheint durch die Roboter oder die alt-bekannte Automatisation gelöst. Wir können auch mit lauter Alten eine florierende Wirtschaft bleiben, die Wirtschaft wird wachsen und die Zinsen werden steigen.

An diesem Punkt würde der Kauf von „langweiligen“ Finanztitel also durchaus Sinn machen. Ich kaufe den berühmten Euro für 65 Cent und lasse diesen dann in der Zukunft gut verzinsen. Die Zukunft ist rosig und steigende Zinsen kommen.

 

Die Zinsen sind die Kosten für Geld und keiner braucht Geld

Mit dem Zins wird ja gesteuert wie günstig oder teuer Geld gerade zu haben ist. Damit kann eine Zentralbank steuern, ob die Wirtschaft eher ein wenig abkühlen sollte oder Wachstumsschübe braucht. Je nachdem wird Geld dann praktisch per Zinssatz günstiger oder teurer gemacht.

Der allgemeine Tenor ist ja, dass die Zinsen auch in Europa wieder stark steigen werden, sobald die Schuldenkrise überwunden ist.

An dieser Prognose habe ich jedoch ein paar Zweifel. Die Frage ist nämlich, ob man mit Automatisierung wirklich die umgedrehte Alterspyramide austricksen kann. Roboter sind zwar sicherlich gute Arbeiter, aber sie trinken nicht, brauchen keine Kleidung und werden sich auch kein Haus bauen.

Menschen konsumieren ja die meisten Dinge im Alter von 20 bis 50 Jahren. In diesem Lebensabschnitt wird geheiratet, werden Kinder bekommen und es wird ein Kredit für das Haus aufgenommen, es wird Spielzeug für die Kinder gekauft… Es wird also Geld nachgefragt und somit die Nachfrage nach Geld erhöht und wenn Geld gefragt ist, dann steigt der Zins.

Alte Leute dagegen bauen jedoch kaum noch Häuser. Sie fahren mit ihrer alten E-Klasse zum Supermarkt und sitzen in ihrem abbezahlten Haus. Es ist die Schaukelstuhlzeit des Lebens und man lebt in dem, was man hat.

 

Was einfach keiner braucht – ist Geld.

Roboter arbeiten, alte Menschen vegetieren vor sich hin. Keiner braucht Geld für Konsum, es existiert keine Nachfrage nach Geld und Geld bleibt „günstig/billig“ und die Zinsen bleiben unten.

Wir leben also möglicherweise in der Eurozone in einem Gebiet in dem es auf Dauer keine steigenden Zinsen gibt und Finanztitel mit hohem Buchwert kein Schnäppchen sind, sondern schlicht das berühmte„Dead Money“.

Europa könnte für eine Generation Niedrig-Zins-Gebiet bleiben

Dieser Artikel hat sich jetzt zu einer Überlegung über ein mögliches Ende der bekannten Finanziellen Repression entwickelt. Meist wird in der Berichterstattung ja davon gesprochen, dass die Zinsen wieder einen kräftigen Aufschwung nehmen werden, wenn die Südländer wettbewerbsfähiger werden.

Wenn wirtschaftlichen Aufschwung in den Südländern jedoch lediglich bedeutet, dass in Italien noch mehr Roboter vor sich hin werkeln, dann werden deswegen die Zinsen sicher nicht explodieren.

4 Gedanken zu “Finanzielle Repression – die Rache der Roboter?

    • Sicherlich. Die Frage ist natürlich in wie weit es Sinn macht hier und nicht an einem Ort zu investieren wo es viele Baby-Boomers gibt. Kapital wandert dann nämlich dort hin?

  1. Was du nicht berücksichtigt hast, ist, dass Roboter ein Investitionsgut sind. Du brauchst erstmal 1 Mio Euro, um den Roboter herzustellen. Erst, wenn der Roboter funktioniert, kannst du das Geld zurück bezahlen. Geld wird man also immer brauchen. Konsum macht im Vergleich zur Wirtschaft nur einen kleinen Teil der Geldnachfrage aus.

    Punkt 2: Der größte Nachfrager nach Geld ist der Staat. Er leiht sich stellvertretend für seine Bürger Geld und erbringt damit die Leistungen, die sonst mit privatem, individuellem Risiko erbracht werden müssten.

    • Hallo Ihr zwei,

      dass ganz war so mein Beitrag zur Kapitalismus-Kritik. Das ganze geht ja in Richtung „der Kapitalismus frisst seine Konsumenten“.

      Die Frage ist natürlich in was für einem Staat man leben will. Das der Staat viel Geld konsumiert und damit seine Bürger versorgt ist mir klar. Die Frage ist natürlich, ob man das will und praktisch fast alle Staatsabhängig vor sich hin taumeln.

      Weil frei ist ja nur, wer auch materiel unabhängig ist.

      Dennoch sehe ich durchaus Probleme, wenn in einer solchen Roboter-Economy schlicht kein Bedarf mehr für einfache Arbeit ist und praktisch ein unteres Drittel der Bevölkerung nur noch so vor sich hinlebt.

      Das man natürlich diesen Trend nicht aufhalten kann ist mir klar.

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