Südzucker AG – Margen werden fallen!

Nach einer längeren Faulheitsperiode und weil Alex und Kurt so nett gefragt haben schwinge ich mal wieder die Tasten.

Heute zum Thema Südzucker. Die Aktie hat in den letzten Monaten einiges an Federn gelassen und ist ein deutsches Urgestein und bei so etwas gehe ich auch mal auf Schreibwünsche ein.

Südzucker ist ein Unternehmen, welches ich mir vor 2 Jahren schon einmal angesehen habe. Persönliche komme ich ja selbst aus Baden Württemberg und die Zuckerpäckchen sind mir daher schon vom Backen mit Mama seit frühester Kindheit bekannt…

Einen Einstieg in die Südzucker Aktie habe ich aber damals aus zw

Südzucker AG  Päckchen, Feinzuchereierlei Gründen verworfen. Zum ersten ist Südzucker teil des staatlich geförderten Zuckerkartells und dieses ist am bröckeln oder besser gesagt eine beschlossene Sache.

Zum anderen ist Südzucker ein Commodity-Business (sprich Allerwelts-Rohstoffe) und da sind Gewinnaussichten schwer vorauszuahnen.Commodity-Business = Riskanter als man erst denkt

Für Anfänger will ich dies kurz erklären. Dinge wie Strom, Zucker oder Getreide klingen zwar auf den ersten Gedanken als gute Investmentbereiche, jedoch ist die ganze Sache dann doch sehr anders. Will ich einen Backen und fahre jetzt in den Su


Europas Zuckermarkt – ein rauher Wind zieht auf
permarkt und brauche 500 Gramm Zucker, dann kaufe ich wahrscheinlich entweder das erste Päckchen, welches mir begegnet oder ich kauf schlicht das günstigste (den Zucker ist immer Zucker).

Kaufe ich jedoch als Geschenk eine Tafel Schokolade, dann werde ich eine Ritter Sport, Milka oder Lindt Schokolade kaufen und mich kaum bei meinem Gastgeber mit einer 40 Cent Schokolade von Aldi blicken lassen. Dies bedeutet Südzucker ist allgemein vom dauernd schwankenden Rohstoffpreisen abhängig und ist daher wesentlich anfälliger als man erst vermutet.

Dazu kommt dann leider auch noch, dass zum 30. September 2017 die Europäische Zuckermarktordnung auslaufen soll. Dieses Regelungspaket hat bis jetzt europäische Zuckerproduzenten mit Subventionen und Zöllen vor Produzenten aus Südamerika geschützt.

Dies müsste nicht einmal schlecht für Südzucker sein, da SZ damit ja die hiesigen Zuckerrüben-Landwirte ja im Preis drücken könnte. Aber Achtung: Der Mehrheitsaktionär bei Südzucker ist Süddeutsche Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft, die sich in der Hand der Landwirte befindet.

Ein Investment in Südzucker ist also schon aus dieser Hinsicht zu hinterfragen. Also Aktionär habe ich nämlich das Interesse, dass Südzucker seinen Ur-Rohstoff möglichst günstig einkauft. Der Südzucker-Hauptaktionär hat daran jedoch kein Interesse, weil er sich ja dann selbst schädigt.

Für mich würde dies jetzt schon ausreichen um einen weiten Bogen um Südzucker zu machen. Europa produziert schon jetzt zu viel Zucker, dann sollen noch Milliardensubventionen wegfallen und es kommt auch noch zusätzlicher Zucker aus Brasilien… da ist Sprengstoff drin.

 

Mehr zum Thema EU-Agrarpolitik und Zucker gibt es in diesem Diskussionspapier von Prof. Stefan Tangermann.

Wieviel Zucker steckt in Südzucker?

Im w:o Forum habe ich gelesen, dass Südzucker ja nicht nur Zucker wäre, sondern auch viele andere Sachen macht. Es stimmt zwar, dass Südzucker auch am Bioehtanol Hersteller CropEnergies beteiligt ist und auch in anderen Bereichen wie Fertigpizza mitmischt. Dennoch kamen 53,7 % des Umsatzes aus dem Bereich Zucker. Noch dicker kommt es dann beim Operativen Ergebnis; hier macht Zucker einen Anteil von 73 % aus. Wer also sagt das Zuckergeschäft wäre nicht mehr so wichtig …???

Zahlen und Fakten

Über die Grundlagen von Südzucker muss man sich keine Gedanken machen. Eine Eigenkapitalquote von über 50 % und Nettofinanzschulden unter 10 % des Eigenkapitals, da ist alles in feinster Ordnung.

2013 war nicht normal für Südzucker.

Dazu möchte ich mir kurz einmal die Umsätze und Ergebnisse des Segments Zucker (das wichtige Brot und Buttergeschäft) ansehen:

In Mio. € (Südzucker AG)

2003/2004

2006/2007

2009/2010

2012/13

Umsatz Zucker

3395

3517

3145

4.232

Operatives Ergebnis

335

260

218

709

Marge

9,87%

7,39%

6,93%

16,75%

Wie man unschwer erkennt war das letzte Jahr ein unheimlich starkes für die Südzucker AG. Die Gewinnmargen im Zuckerbereich waren aber extrem hoch und dies wird sich nicht unendlich fortsetzten, schon gar nicht nach einer Öffnung des europäischen Zuckermarkts.

Gehen wir davon aus, dass Südzucker seinen Umsatz halten könnte und wieder eine normale (und üblicherweise) gute Marge von 8 % erzielt, dann kämen sie auf 338 Millionen Euro im operativen Ergebnis im Zuckergeschäft. Wenn die Margen durch Aufhebung von Subventionen in der Zukunft überhaupt bei den historischen Werten bleiben?

Der Hockpunkt auf dem Zuckermarkt scheint auf dem Weltmarkt nämlich überwunden zu sein. Zucker war wie Gold und andere Rohstoffe in den letzten Jahren ordentlich gestiegen und die Preise scheinen sich wieder Richtung historischer Spanne zu bewegen.
Zuckerpreis Weltmarkt in US DOllaer 1960 heute 2013 historisch, sugar chart price
Bleiben alle anderen Segment gleich und nur das Zuckergeschäft erleidet eine Rückkehr zu früheren Gewinnspannen, dann sinkt das operative Ergebnis (2012/2013) von 974 Mio.€ auf 602,5 Mio. € ( – 38%).

Vereinfacht heruntergebrochen würde der Gewinn pro Aktie dann nicht mehr bei 3,08 €, sondern bei 1,91 € liegen.

Fazit

Die Südzucker Aktie [WKN 729700 ] notiert aktuell bei 18,38 €. Dies ist auf 2012/2013 gerechnet ein KGV von 6. KGV von 6 und gesunde Bilanz … klingt super.

Nehmen wir an die Margen im Zuckergeschäft wären nicht auf einem Rekordhoch, sondern bei normalerweise schon guten 8% gewesen. Dann hätten wir einen Gewinn pro Aktie von 1,91€ gehabt und das KGV wäre bei 9,62. Eine 10 halte ich für ein großes Commodity-Business mit soliden Büchern für ok.

Dennoch würde ich von der Südzucker Aktie abraten. Ein KGV von 10 in einer eh schon volatilen Branche und dies mit der garantierten Aussicht, dass bald der ganze europäische Zuckermarkt unter viel schwierigen Rahmenbedingungen agieren muss. Denke nicht, dass hier für die nächsten Jahre viel Potential drin ist (höchstens charttechnische Gegenbewegung nach dem starken Absacken der Aktie).

 

Natürlich weiß man nicht, ob alles so heiß gegessen wird. Gerade im Süddeutschen Raum mit starker Verbindung CDU-Landwirte könnte ich mir vorstellen, dass doch noch irgend ein kleiner Rettungsschirm für die Zucker-Branche gefunden wird. Dennoch, EON, RWE, die Telekom, dies sollten Warnungen sein, was passiert, wenn in einer gehetschelten Branche plötzlich ein anderer Wind weht.

Langfristig ist es also schwer an den europäischen Zucker zu glauben und wer in Pizza oder Bioethanol investieren möchte, der kann sich auch eine Crop Energies oder Nestle Aktie ins Depot legen.

3 Gedanken zu “Südzucker AG – Margen werden fallen!

  1. Das EPS wird alleine schon deshalb fallen, da man 2012 ein KE machen musste und diese Aktien bei der EPS-Berechnung nur zeitanteilig drin sind.

    Die KE musste man machen, damit man eine Wandelanleihe zurückkaufen konnte, die man 2009 rausgab. Zurückgekauft hat man sie für 182,5%. Sprich man hat für einen Kredit von Mitte 2009 bis Ende 2012 82,5% Aufschlag auf den Nennwert bezahlt. Selbstverständlich + dem Koupon.

    Allg. ist der Geschäftsbericht aus Kleinanlegersicht m.E. ziemlich irrführend. Am Anfang wird das Gesamt-EK in der Aufstellung genannt. Real stehen dem Aktionär aber deutlich weniger zu, da noch 700 Mio. für die Minderheiten und 700 Mio für das Hybrid-EK draufgeht. Wobei das Hybrid-EK natürlich auch eine Anleihe ist. Es verwundert mich nicht wenn ich in Foren von KBV <1 lese, was natürlich falsch ist, wenn man den richtigen Buchwert nimmt.

    Der genannte Umsatz gehört bei Crop und der Fruchtfirma auch nur anteilig zu Südzucker. Daher sind Margen, v.a. wenn man über Durchschnittsmargen von der Südzucker-Historie gehen will, mit Vorsicht zu genießen. Wie ein KUV selbsverständlich auch.

    Zu den von Südzucker genannten NetDebt kommen natürlich auch noch Pensions-Rückstellungen. Auch muss man bei soviel Minderheitenanteil schauen wo der Cash und wo die Schulden liegen.

  2. Kurios ich hatte mir die Südzucker grade anschauen wollen. Du schaffst es tatsächlich immer wieder, über die Themen zu schreiben welche mich umtreiben.

  3. Bei einem angekündigten Rückgang des Umsatzes auf sieben Milliarden Euro und einem Einbruch des operativen Konzernergebnisses auf etwa 200 Millionen Euro für 2014 stellt sich mir die Frage auf, wie sich das Unternehmen im Vergleich zu 2004 verbessert haben will.

    Vielleicht verbessern sich ja die Preise für Zucker durch die erwarteten Ernteausfälle in Brasilien (siehe: http://www.bauernzeitung.ch/sda-archiv/2014/04/21/ernterueckschlag-in-brasilien-und-indien-stuetzt-zuckerpreise.aspx). Ansonsten sehe ich die Aktie auch als eine Wette auf bessere Zeiten – ähnlich zu K+S.

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