Das Buffett-Modell – woher kommt das Geld für die Investments?-Teil 1-

Viele Menschen, die sich mit dem Thema Geldanlage / Aktien / Investieren haben sicherlich schon von Warren Buffett gehört. In der Berichterstattung über ihn stehen meistens der Kauf von Aktien oder komplette Unternehmensübernahmen im Vordergrund.

Buffett und sein Freund Charles Munger haben in der Holding Berkshire Hathaway eine Ansammlung extrem erfolgreicher Unternehmen vereint.

Der Erfolg von Buffett und Munger ist also offensichtlich der Tatsache zu schulden, dass die Beiden den richtigen Riecher für langfristig renditestarke Investments zu haben.

Doch dies ist noch nicht alles!

Buffet und Munger und den vielen anderen Aktionären von Berkshire Hathaway gehören also Soft-Drink Konzerne, Möbelhäuser, eine Schokoladenfabrik, Tageszeitungen und Versicherungen.Buffett and Munger Cherry Coke, Konferenz, Charles Munger und Warren Buffett

Das Wissen um zu Erkennen, wenn ein Investment langfristig Sinn macht und diese Entscheidung dann auch wirklich umzusetzen sind also eine wichtiger Punkt, wenn man finanziell erfolgreich sein will.

Punkt. In vielen Fällen ist hier jetzt die Berichterstattung vorbei und ich hätte ihnen oben noch erzählt, dass sie zu 77$ die Wal-Mart Aktie kaufen sollen.

Sie sollen also die Wal-Mart Aktie für 77$ kaufen (dies ist kein Aufforderung zum Kauf eines Wertpapiers). Nehmen wir an ich liege richtig und die Wal-Mart Aktie steigt in der Zukunft im Kurs über 77 $ und schüttet weiterhin alle 3Monate eine Dividende aus und die Gesamtrendite liegt über der Inflation, dann haben Sie gewonnen.

Damit sie aber Gewinnen können brauchen Sie  erst einmal die 77 $.

Woher hat Buffett seine 77 $ oder (realitätsnaher) hatte die 2,8 Milliarden Dollar für seine Wal-Mart Aktien her?

Woher hat Buffett eigentlich das Geld für Investitionen?

Ja zum Teil hat er dieses Geld aus Erträgen seiner früheren Investments. Zum großen Teil hat er dieses Geld aber auch aus so einer Art zinslosem Darlehen. Ein zinsloser Darlehen und dann damit Investieren, dies ist eine tolle Gelegenheit.

Aber woher bekomme ich den einen zinslosen Darlehen und am besten einen, den ich immer weiter in die Zukunft rollen kann?

So oder so ähnlich wird auch Warren Buffett gedacht haben als er die ehemalige Textilfabrik Berkshire Hathaway in den 70ern zur weitgefächerten Holdinggesellschaft machte . Er kaufte bereits 1942 seine erste Aktie und hat sich dann über die Jahre ein enormes Investitionswissen angeeignet. Was aber noch fehlte, um ein solches Imperium wie Berkshire Hathaway aufzubauen war das langfristige Investitions-Kapital.

Also beschloss Buffett in den 70ern bei der „Government Employees Insurance Company“ (heute kurz GEICO Autoversicherungen) einzusteigen. Geico war aber nicht nur irgend ein Investment, sondern das Investment, welches ihm in der Zukunft den gewünschten zinslosen Darlehen beschaffen sollte.

Versicherung = Zinsloser Darlehen?

Nun werden Sie sich vielleicht fragen – „wie hat ihm diese Autoversicherungsfirma jetzt zinslose Darlehens beschaffen können?“

Versicherungsbeiträge sind im Prinzip so etwas wie Kredite. Der Versicherungsnehmer gibt seiner Versicherung Geld und erwartet damit in der Zukunft eine Leistung.

Schließe ich also eine Autoversicherung bei Geico ab, dann zahle ich im Januar 500 $ Versicherungsprämie. Im Dezember kracht es und ich bekomme für meine alte Gurke den Listenpreis von 500 $. Im stark vereinfachten Beispiel dieser kleinen Geschichte sind die 500 $ also ein Jahr lang als zinsloser Darlehen im Tresor von Geico gewesen.
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Aus diesen 500 $ hat Geico in dieser Zeit einen großen Teil in festverzinslichen Wertpapiere oder Geldmarktfonds angelegt. Einen Teil hat Geico aber auch genutzt um damit die Investitionsvorhaben von Buffett zu finanzieren. Also hat Buffett vielleicht im Hintergrund von meiner Versicherungsprämie eine Wal-Mart Aktie gekauft und hat sich das ganze Jahr über Dividenden gefreut.

Dieser Vorgang ist jetzt nichts ungewöhnliches. Jede Versicherung macht dies im Grunde so und ich möchte hier kurz auf einen Forenbeitrag von Provinzler über die Münchener Rück verweisen.

Was haben wie heute gelernt?

Um es also kurz zusammenzufassen. Buffett und seine Nachahmer sind nicht nur gute Investoren, sondern haben auch eine Möglichkeit gefunden sich zinslos Geld zu leihen. Dieses Zusammenspiel von gewieften Investoren und Versicherungs-Mathematikgenies hat Buffett und seine Nachahmer ( Markel Corp, Fairfax Financial) unheimlich reich gemacht.

 

Dies war jetzt auch schon der erste Teil meiner Artikel-Reihe zum Thema „das Buffett Konzept“. Eigentlich wollte ich hier das Unternehmen Markel ein wenig vorzustellen, da ich glaube, dass hier eine große Unterbewertung vorliegt.

Da das Unternehmen Markel das gleiche Konzept wie Berkshire verfolgt dient dieser Artikel dazu Anlegern, die sich noch nicht mit dieser Art von Geschäftsmodellen beschäftigt haben, eine Chance zum Verstehen zu bieten.

Ein paar meiner Leser sind alte Hasen und ich bitte sie zu entschuldigen, wenn ihnen dieser Artikel jetzt keinen Mehrwert verschafft hat. Es geht aber nicht jeder mit dem Jahresbericht von Berkshire Hathaway und einer Tasse Kaffee in die Badewanne 😉 .

Update: Hier geht es zu Teil 2

8 Gedanken zu “Das Buffett-Modell – woher kommt das Geld für die Investments?-Teil 1-

  1. Sorry, deine Ausführungen mögen inhaltlich richtig sein, sie sind aber m.E. nicht voll erklärend. Ein schritt fehlt mir da. Du schreibst Buffet ist bei GEICO „eingestiegen“, um sich zinsloses Kapital zu verschaffen. Naja, Otto Normal kann aber nicht mal eben in einen Konzern „einsteigen“, sondern DAFÜR braucht es eben schon viiiel Kapital. Er muss also an dieser Stelle bereits einen Arsch voll Kohle gehabt haben!

    Dieser Punkt wird mir häufig bei Größen wie Buffet, Rogers, Soros und wie se alle heißen zu einfach untern Tisch gekehrt. Die haben sicher alle geniale Investments getätigt. Die meisten hatten zurzeit ihrer „Riesenclous“ aber bereits zig Millionen, die sie dann halt zu Milliarden (und die Investoren letztendlich zu Legenden) gemacht haben.

    • Hallo Jan,

      Du hast ganz klar recht, dass ein Buffett ganz andere vorrausetzungen hatte als der normale Mensch.

      Es wird leider von seinen vielen Bewunderern gerne vergessen, dass er bereits aus einer oberen sozialen Schicht kam. Sein Vater war bereits ein(in wesentlich kleineren Umfang) erfolgreicher Betreiber einer Investmentgesellschaft und ein erfolgreicher Politiker. Warren hatte also von anfang an Kontakte und Erfahrungen, die es ihm wesentlich erleichtert haben.

      In meinem Artikel ging es mir eigentlich darum, dass man ein ganz grobes Verstaendnis dafuer bekommt, wie eine Gesellschaft ala Berkshire funktioniert. Dabei ist mir bewusst,dass ich weit davon entfernt bin dieses Konzept und vorallem die vielen kleinen Bestandteile zu durchschauen.

      Eigentlich wollte ich erst einen Artikel ueber eine guenstige Berkshire Alternative schreiben. Habe mich aber dafuer entschieden erst einmal grundlegend dass Konzept solcher Firmen zu erklaeren.

      Die Bewertung von Unternehmen als Berkshire ist naemlich nicht so einfach via Cashflows und Gewinn pro Aktie zu berechnen.

      Gruss Ulrich

  2. Würde mich über eine kurze Vorstellung von Markel sehr freuen. Vor allem weil ich noch ein Neuling darin bin ein Unternehmen auf seine fundamentalen Daten zu überprüfen und dann zu bewerten. Außerdem kann ich dann deine Einschätzung mit meiner abgleichen…

    Nichtsdestotrotz, Buffett ist und bleibt der ungeschlagene Star des ValueInvestings!

    lg

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 4. November 2013 | Die Börsenblogger

  4. Tja, da muss ich dich leider in einigen kleineren Punkten korrigieren.
    Buffett ist nicht in den 70er in GEICO „eingestiegen“, und hat zu keinem Zeitpunkt deren Kundengelder verwaltet. Das tat immer Lou Simpson, von dem Buffett allerdings sehr viel hält. Buffett kaufte seinerzeit ca. ein Drittel von GEICO, und im Laufe der folgenden 20 Jahre erhöhte sich der Anteil durch Aktienrückkäufe auf ca. 50%, bevor er dann für den Rest des Ladens 1995 ein Übernahmeangebot machte…
    Finanziell hat Buffett nicht von seiner Familie profitiert. Reich war die Familie nicht, wenn auch nicht grade bettelarm. Dazu muss man auch wissen, dass Buffett sen. alle Privilegien, die ihm als Abgeordnetem zustanden ausschlug, und deswegen weit weniger Geld aus seiner Tätigkeit zog, als die meisten seiner Kollegen. Außerdem war Buffett sen. innerhalb der Republikaner ein ziemlicher Einzelgänger. Die Leute haben ihn nicht mal so sehr gewählt, weil sie seine eher wenig massentauglichen Meinungen teilten, sondern weil sie wussten, dass er zu 100% die Wahrheit sagte, und absolut unbestechlich war.
    Wovon Buffett profitiert hat ist die positive Haltung der Familie bezüglich Bildung, Unternehmertum und Geld.
    Er war in jungen Jahren schon ein relativ erfolgreicher Geschäftsmann und überdies ziemlich sparsam. Auf diese Weise hatte er Anfang 1950 ein Vermögen von etwa 10.000$.
    Das war für damalige Verhältnisse richtig viel Geld, aber man wenn man bedenkt, dass er mit seinen Zeitungsrouten teilweise mehr verdiente als seine Lehrer durchaus glaubhaft. Die nächsten 5 Jahre hat er dann dieses Geld (und alles was er in der Zwischenzeit verdiente) mit ~50%p.a. investiert, sodass er Mitte der 50er etwa 150.000 $ besaß.
    Dann kam die nächste geniale Idee, als er eine Art geschlossenen Investmentfonds gründete, und mit den Gebühren bis Ende der 60er ordentlich Kohle gescheffelt (wobei die Partner auch ganz ordentlich verdient haben ;)).
    1967 kaufte er dann die Versicherungsgesellschaft National Indemnity und 1973 die Rabattmarkenfirma Blue Chip Stamps und dann kommt deine Story ins Spiel. Aber nicht mit GEICO. Deren Kundengelder verwaltet er bis heute nicht…
    Die frühen Deals von Buffett aus den 50ern mit denen 50% p.a. verdiente sind halt weitgehend unbekannt, und medial nicht so spektakulär wie Coke oder Amex…

    • Hallo Provinzler,

      also mit Buffett ist das so eine Sache. Er hat ja diesen strengen Kotex, dass die Verwandschaft nicht viel Geld bekommt, weil sie selbst sich etwas aufbauen soll.

      Warren mag keine großen Vermögen von zuhause mitbekommen haben , dennoch hat er natürlich in einer sehr hohen sozialen Schicht verkehrt. Dies ist kein Vorwurf und es ändert nichts daran, dass Buffett auf seinem Gebiet viel Erfolg erzielt hat.

      Jedoch ist es natürlich ein wesentlicher Vorteil zum Geschäfte machen, wenn man vielleicht die eine oder andere Figur mit Geld kennt und mag sie einem das Geld auch nur leihen oder zum Investieren zur Verfügung stellen.

      Wie gesagt, ich sehe durchaus den wachen Geist Warren Buffetts, aber er kam jetzt auch nicht gerade aus der Bronx oder dem Merkischen Viertel. Dies war ja auch der Einwand von Jan weiter oben und dieser ist nicht volkommen unbegründet.

      • Die Leute „mit Geld“ mit denen er seine Partnerships aufgebaut hat, kennt jeder von uns. Ärzte, Rechtsanwälte usw.
        Weit wichtiger war seine Begegnung mit Graham, wobei er sicherlich so oder so sehr wohlhabend geworden wäre. Ansonsten halt als „normaler“ Unternehmer und vielleicht nur 50 Millionen statt Milliarden.
        Von der Sorte Warren Buffets mit ähnlichem (finanziellem und sozialem) Hintergrund gabs in den 50ern in den USA sicherlich einige Hunderttausend.
        Gleiche Story btw mit Bill Gates. Der kommt auch nicht aus der Bronx, sondern aus einer Familie der oberen Mittelschicht. Schmälert aber nicht im Geringsten ihre Leistungen. Auch ein Carlos Slim gehört da rein. Hab mir vor zwei drei Jahren mal die Hintergründe der 10 reichsten Menschen der Welt angeschaut. Wenn ich mich recht entsinne, kamen die meisten aus der Mittelschicht, und nur einer (Amancio Ortega) aus der absoluten Unterschicht.
        Aber diese unterschwellige Behauptung, die hätten ja alles nachgeschmissen gekriegt und wären quasi auf Autopilot von Geburt aus reich geworden geht mir auf den Keks.

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