RMCF Inc.; die Re-Inkarnation von Buffetts erstem großen Long-Term-Play

Hätte ich doch bloß Wal-Mart Aktien in den 70ern oder wenigstens Cola Aktien in den 80ern gekauft. Dann wäre alles heute so schön! Ich hätte im Depot einen dicken Batzen an grundsoliden Blue-Chip Aktien und müsste nicht mehr irgendwelche dubiosen Aktienblogs lesen, sondern könnte das Leben mit vollem Herzen genießen.

Hätte, hätte, Fahradkette.

Firmen mit einem langfristig extrem soliden Geschäftsmodell vor größeren Wachstumsschüben zu finden ist nämlich schwerer als man sich hinterher eingesteht. Jedoch habe ich eine Aktie gefunden, die bestimmt auch den jungen Warren Buffett interessiert hätte….

Die Rocky Mountain Chocolate Factory ist ein Produzent von hochwertigen Rocky Mountain Chocolate Factory store, ladenSchokoladenprodukten, Pralinen, Carameläpfeln und ähnlichen Süßwaren. Das Unternehmen hat sich in diesem Feld einen guten Name aufgebaut und verkauft durchgehend ein hochpreisiges Sortiment. Diese Produkte werden dann zum großen Teil über das Franchisesystem vertrieben.

Dieses Geschäftskonzept kennen Fans von Warren Buffett vielleicht. Es gibt nämlich ein Unternehmen im Portfolio von Berkshire Hathaway, dass genau das gleiche Konzept verfolgt. See’s Candys war eines der ersten langfristig erfolgreichen Übernahmen von Berkshire im Jahr 1972. Charles Munger beschreibt See’s Candys öfter als „the first high quality business that Berkshire ever bought“.

Das Geschäftskonzept der Rocky Mountain Chocolate Factory ist für mich aus zweierlei Gründen interessant.

a) Die Produkte der Rocky Mountain Chocolate Factory sind in einem Segment platziert, in dem mehr Wert auf Klasse als auf den Preis gelegt wird. Die Kunden haben die Marke „Rocky Mountain Cocolate“ also mit hoher Qualität verknüpft und sind langfristig bereit das Produkt zu einem Premiumpreis abzunehmen.

Diese Tatsache ist eines der ganz wichtigen Faktoren eines High Quality Businesses im Konsumentenbereich.

b) Die Rocky Mountain Factory bedient sich eines Franchisesystems zum Vertrieb seiner Produkte. Man wird bei Preisverhandlungen also nicht von großen Supermarktketten wie Wal-Mart und Co. im Preis gedrückt und muss bei der Einführung neuer Produkte auch nicht um Ladenfläche kämpfen.

Das Franchisesystem ist also für Rocky Mountain ein Gewinn und scheint sich auch für Franchisenehmer auszuzahlen. Es ist hervorzuheben, dass sich auch während der extrem wirtschaftlich schweren Zeit ab Ende 2008 die Anzahl der Fanchisenehmer nicht verringert hat.

Krisensicheres und gesamtwirtschaftlich abgekoppeltes Geschäft

Rocky Mountain verfügte auch in der Zeit nach 2008 über ein extrem widerstandsfähiges Geschäftsmodel. Umsätze und Gewinn zeigten sich von der Krise unbeeindruckt. Zwar konnte Rocky Mountain in den letzten Jahre dadurch auch nicht wie geplant stärker wachsen, doch dies ist der Gesamtwirtschaft zuzuschreiben. Der Plan von Rocky Mountain war ursprünglich eine starker Zuwachs von Franchisenehmern. Doch wer eröffnet ein neues Konsumentengeschäft in Zeiten von Rekordarbeitslosigkeit und verhaltener Konsumentennachfrage?!
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Die Eigenkapitalrendite von dauerhaft über 20% (bei 0 Fremdkapital) unterstreicht die hohe Qualität des Geschäfts.
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Was war im Jahr 2012 los?

Man wird sich ganz klar wundern, warum im letzten Geschäftsjahr Gewinn und EK-Rendite derart in den Keller gingen.

Dieser Einbruch war kein Trendwechsel, sondern ist auf Einmal-Effekte zurückzuführen. Im Geschäftsjahr 2012 kam es zu einem Strategiewechsel im Bereich der Yoghurt-Restaurants.

Die Rocky Mountain Chocolate Factory besaßt davor die Yoghurt-Restaurant-Kette „Aspen Leaf Yogurt“ mit 13 Filialen. Das Problem war jedoch, dass 13 Filialen für einen Restaurant-Franchise schlicht zu wenig sind, um damit Gewinne erwirtschaften zu können.

Man entschloss sich schließlich dafür Aspen Leaf Yogurt an das darauf spezialisierte Unternehmen U-Swirl zu geben und übernahm im Gegenzug 60% der U-Swirl Aktien. Damit ist U-Swirl nun im Mehrheitsbesitz der Rocky Mountain Chocolate Factory.

Die Strategie zahl sich bisher aus und U-Swirl konnte seit langer Zeit im ersten Quartal erstmals einen Gewinn einfahren.

U-Swirl wäre wohl einen eigenen Artikel wert, da die Aktie auch separat gehandelt wird (OTC: SWRL).

 

Rocky Mountain Chocolate Factory, der Global Player?

Hierin besteht, die nicht unbegründete Fantasie, hinter der Rocky Mountain Chocolate Factory. McDonald’s, Dunkin‘ Donuts und Häagen-Dazs haben es vorgemacht. Was in Amerika funktioniert, funktioniert oft auch in vielen anderen Teilen der Welt.

Besonders interessant bei einem größeren Wachstum durch Franchisenehmer ist, dass die Kosten für die Expansion outgesourced werden.

 

Besonders erwähnenswert ist hierbei die Vergabe eines Master Franchises an die RMCF Asia, LTD, die von japanischen Investoren getragen wird. Diese japanischen Investoren scheinen nach dem Betrieb einen japanisches Test-Stores vom Rocky Mountain-Konzept überzeugt zu sein und haben ein Master Franchise für Japan erworben. Teil der Master Franchise Vergabe ist die Verpflichtung, dass in Japan mindestens 10 Verkaufsläden pro Jahr eröffnet werden (bis mindestens 100 Läden in Betrieb sind), ansonsten gehen die Rechte wieder verloren.
Rocky Mountain Chocalte factory gives master franchise to japanes investors
Auch sind die Japaner bereits dabei Test-Stores in China, Hong Kong, Taiwan und Süd-Korea einzurichten.

Sollten die Japaner also nicht wieder zurückrudern und die bisherigen Verträge platzen lassen, dann könnte die Zahl der Franchisenehmer-Filialen in den nächsten Jahren stark wachsen.

Das Risiko für Rocky Mountain ist dabei sehr klein, da die Expansions-Kosten ja die Japaner tragen. Sollte das Konzept jedoch aufgehen, dann stehen kontinuierliche Franchise-Einnahmen auf dem Programm.

Link: Rocky Mountain Chocolate Factory Launches International Expansion Strategy With First Master Licensing Agreement in Japan

 

Ein Unternehmen für den jungen Buffett

Rocky Mountain Chocolate ist wohl ein Unternehmen, wie es der junge Warren Buffett es gemocht hätte. Das Unternehmen benötigt wenig Kapital, hat hohe Margen, ist krisenresistent und hat dennoch ein starkes Wachstumspotential.

Dazu hat Rocky Mountain keine Schulde und verfügte über 5,4 Millionen Dollar an Barmitteln.

Dazu bezahlt Rocky Mountain seit 40 Quartalen eine Dividende, die aktuell eine Rendite von circa 3,5 % erzeugt.

Fazit

Rocky Mountain Chocolate Factory ist ein kleines, aber sehr feines Unternehmen. Starke Bilanz, Geschäft mit hohen Margen und eine schöne Dividende. Dazu kommt der Mehrheitsbesitz an einem Yogurt-Franchise, welches gerade einen Turnaround hinlegt und stark expandiert.

Die Expansion in Asien und dem bereits erfolgten Start in Japan machen Lust auf mehr und wer weiß, vielleicht schafft die Rocky Mountain Chocolate Factory ja wirklich einen größeren Wurf.

Zu einer McDonald’s Aktie wird die Rocky Mountain Chocolate Factory wohl nicht werden, dazu ist schon das Geschäftsfeld zu speziell. Jedoch ist die Rocky Mountain Chocolat Factory auch eine Small-Cap Aktie mit einer Marktkapitalisierung von nur 76 Millionen $.

Die Aktie der Rocky Mountain Chocolate Factory ( WKN 923466 ; RMCF ) ist für mich ein sehr interessanter Wert. Ein Geschäft mit bereits schöner Dividendenrendite, gesunder Bilanz und den Aussichten risikolos für größeres Wachstum sorgen zu könne.

Die KGV Angabe von über 40 auf vielen Börsen-Seiten ist übrigens gerade ein wenig irreführend, da im letzten Geschäftsjahr etliche Einmal-Effekt anfielen. Das KGV fürs Jahr 2014 sollte eher bei gesünderen 16 liegen.

17 Gedanken zu “RMCF Inc.; die Re-Inkarnation von Buffetts erstem großen Long-Term-Play

  1. Sehr intressanter Tip, danke für den Artikel. Leider habe ich momentan kaum Cash. Das mit dem Einmaleffekten habe ich nicht ganz verstanden. Wie hat sich die Übernahme denn negativ auf den Gewinn ausgewirkt?

    • Hallo,
      also das schlechte Ergebnis pro Aktie entstand durch Wertminderungen durch die Ausgliederung der Yoghurt Restaurants und die daraus folgenden Umstrukturierungskosten,
      Gruß Ulrich

  2. Pingback: Lesenswert 41 Kw 2013 - Kumo-Trading

    • Die hab ich selber aus den Jahresberichten zusammengetragen. Ansonsten kann ich auch die 10 Jahres Übersicht bei gurufocus.com empfehle.

      Einfach „Unternehmens Name + 10 year financials“ bei google eingeben. Da sind nicht nur Amis, sondern zum Beispiel auch die Dax-Unternehmen drin.

  3. Wow, interessantes Unternehmen und gute Vorstellung dessen!
    Solche Unternehmen zu entdecken ist echt schwer… auch Buffett gelingt das nicht immer früh genug. Nach seinen größten Fehlern gefragt äußerte er sich meines Wissens etwa so: WalMart nicht schon in den Siebzigern oder Achtzigern entdeckt zu haben.

    Auch ihm gelingt das nicht immer so früh. Umso fairer von dir, dass du dein Wissen mit uns teilst! Danke dafür, wird mir das die nächsten Tage näher ansehen.

    Wie ist denn Rocky Mountain auf deinem Radar erschienen?

    Gruß
    Valueer

  4. Pingback: Kleine Presseschau vom 14. Oktober 2013 | Die Börsenblogger

  5. Hab die GB im 2 min. Durchlauf mal überflogen. Keine Bilder, keine Präsentation, keine Firmen PR. Nur schlichter Text und Zahlenwerk. Buffett hätte wohl seine Freude an den Berichten gehabt, vlt. sieht er sie aber auch zum Spaß manchmal an.

    Gruß
    Valueer

    • Achso, ja. Wenn man ein wenig Zeit hat kann man sich schon ein Bild machen, da es regelmäßig Pressemitteilungen gibt.

      Dann sind ja auf der Webseite auch alle Produkte aufgeführt. Im Franchise Bereich sind auch Bilder von bestehenden Shops.

      Oft sind aber die Finanzberichte von kleineren Unternehmen wesentlich weniger ausgeschmückt. Liegt wohl einfach daran, dass die meisten Groß-Aktionäre eh mit dem Unternehmen verbandelt sind. Die paar übrigen Aktionäre sind dann eher bewandertere Anleger, die sich gerne Zahlen anschauen.

      FInde aber es ist alles recht einfach nachzuvollziehen; 2 Minuten sind halt auch ein bisschen wenig Zeit;)

  6. @ Ulrich:

    Glaube schon, dass das ein super Unternehmen ist. Allerdings sind bei mir die Erinnerungen an Diamond Foods noch zu wach 🙂 Du erinnerst dich?

    Gruss

  7. So ich habe heute mal eine order zu 12,40$ rausgehauen. Mit etwas glück bin ich also bald auch Aktionär. Von meinen Tesco Aktien trenne ich mich btw. momentan.

        • Die Geschichte von Rocky Mountain ist für mich wesentlich besser als Halloren.

          Halloren muss da im EInzelhandel mühevoll um Regalfläche gegen bekannte Gößen wie Lindt oder Mars kämpfen.

          Darüber hat Halloren mit seinen Wachstumskurs die Finanzierung ganz schön ausgedehnt- RMCF dagegen ist schuldenfrei und kann mit wachsenden Franchisenehmern zur Free Cash Flow- Granate werden.

          Dann sind wie mal gespannt , sind ja jetzt einige von uns drin 🙂 .

  8. Ich habe jetzt einige hundert Stück von RMCF zusammen getragen. In 10 Jahren sehen wir uns wieder und schauen mal was draus geworden ist 😉

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