IBM Aktie – denn nichts ist so konstant wie der Wandel

Die Aktie von IBM wird derzeit sehr nahe an seinem 52-Wochen-Tief gehandelt und ist für Blue-Chip-Verhältnisse erstaunlich günstig, dabei besitzt das Unternehmen und sein Management eine grandiose Erfolgshistorie.

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International Business Machines oder kurz „IBM“ ist eine durchaus beeindruckende Gesellschaft. IBM ist groß, bleibt groß und lieferte über die Jahre stets IBM classic logo, ibm rundes logo, logos des international business machines companygute Renditen.

Dies ist nicht selbstverständlich, da IBM sich über die Jahre sehr oft neu aufstellen musste.

Jeder kennt wahrscheinlich die IBM Computersparte (ThinkPads, ThinkClients). Diese robusten schwarzen Geräte, die vor allem im Außendienst oder bei der Bundeswehr sehr oft anzutreffen sind.
Geld mit Computern oder Laptops zu verdienen ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, wie man an den Problemen von HP oder Dell deutlich sehen kann. IBM war also offensichtlich recht clever dieses Geschäft im Jahr 2004/2005 an den chinesischen Hersteller Lenovo zu veräußern.
Dies ist eines der vielen Beispiele, wie IBM es immer wieder geschafft hat sich rechtzeitig aus Bereichen mit schwacher Entwicklung zurückzuziehen und neue Geschäftsfelder zu eröffnen. Die Geschichte von einer schlecht aufgestellten IBM sind anscheinend so alt wie das Unternehmen selbst. Im Internet fand ich Zeitungsartikel von 1990, in denen der Untergang von IBM prophezeit wurde. Auf ähnliche Artikel aus den 80ern stieß ich bei der Einführung der ersten Apple Computer.

Diese Wandlungsfähigkeit ist also ganz klar die entscheidende Stärke im Vergleich zu früheren Giganten wie Kodak.

 

Höhere Margen, höhere Renditen

Nicht nur strategisch, sondern auch finanziell ist IBM eine sehr interessante Geschichte.
IBM Eigenkapitalrendite, Buchwert pro Aktie 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

Oft laufen die Erfolgsgeschichten großer Blue Chips nach folgendem Muster ab: Das Produkt verkauft sich in Land A gut, also wird eine weitere Fabrik in Land B errichtet. Dies führt dann dazu, dass der Buchwert der Firma wächst und dadurch mehr Gewinne erreicht werden.

Die IBM Strategie ist aber eine andere. Wozu einen Geschäftsbereich mit 20% Rendite behalten, wenn man auch einen mit 40 % haben kann?! 40 %! Wozu?, wenn auch 60% gehen und so weiter und so weiter.

IBM the godfather logo, industrial business machines logo, der pathe, marionette

It’s all about earnin‘ money for the family

Die Shareholder Family oder schlicht die Aktionäre hatten mit IBM in den Jahren dieser Renditesteigerungen gut lachen.

Neue Geschäftsbereiche und Zukäufe mit immer höheren Margen, massive Aktienrückkäufe und dadurch immer bessere Cashflows und Gewinne pro Aktie. Ein Traum für die langfristig investierten Aktionäre.
IBM Aktie Gewinn pro Aktie, EBITDA pro Aktie, 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

Hat IBM zu viele Schulden?

Dieser Kritikpunkt kommt bei Diskussionen zur IBM-Aktie immer wieder auf.

Ein Schulden / Eigenkapitalverhältnis von 2 (morningstar.com) ist nichts, was einen Langfristanleger entzückt.
IBM scheint hier im Vergleich zu anderen IT-Firmen wie Microsoft, Cisco oder Apple irgend etwas falsch zu machen. Meiner Meinung nach ist dieses Urteil jedoch falsch.

Viele Milliarden in Cash in der Bilanz zu halten spricht oft nicht unbedingt für ein Management, sondern eher dagegen. Böse ausgedrückt könnte man sagen: IBM hat gute Ideen für neue profitable Geschäfte und Microsoft & Co haben keine.

Das viele Fremdkapital in IBMs Büchern ist also aktuell sicher kein Problem, solange dieses derart hohe Renditen für IBM erwirtschaftet. Entscheidender als die Kennzahl Schulden/EK sollte hier das Verhältnis Schulden / EBITDA sein, welches mit circa 1,5 sofort die Alarmglocken verklingen lässt.

 

Ist IBM also die bessere Aktie?

Jein. IBMs Management hat seit vielen Jahren ein erstaunlich gutes Händchen und wenn etwas entwickelt oder zugekauft wird, dann bringt es tolle Renditen. IBM hat also die Fähigkeit sich neu aufzustellen, die Anleger bei Firmen wie Cisco oder Microsoft stets bemängeln.

Diese Strategie hat aber natürlich seine Tücken. Den IBMs Geschäftsbereiche mit extrem hohen Margen ziehen natürlich Konkurrenten magisch an. IBM ist also laufend gefordert noch besser zu werden und sich gegebenenfalls rechtzeitig wieder neue Geschäftsbereiche zu suchen.

Während Langzeit-Investoren in der Regel am liebsten Aktien von Firmen kaufen, die auch ein Affe leiten könnten; haben wir mit IBM ein Unternehmen, welches massiv von Managemententscheidungen abhängt.

Während bei Microsoft oder Cisco das Risiko eine eventuelle Unfähigkeit zum Wandel ist, ist der stetige Wandel das Risiko von IBM.

 

Fazit (für mich) [ IBM Aktie, WKN 851399 ]

Mag ich die IBM Aktie oder mag ich IBM? Ich weiß nicht, ich mag das Management von IBM. Der Wert von IBM liegt in seinen Entscheidungsträgern. Wobei man IBM natürlich zugestehen muss, dass IBM einen fantastischen Namen hat. Kunden, die IBM seit Jahrzehnten vertrauen und die IBM-Berater eine enorme Präsenz besitzen.

Wenn es ein IT Unternehmen also schaffen kann weiter Produkte mit extrem hohen Gewinnmargen an seine Kunden zu verkaufen, dann ist es IBM.

Sollten aber die extremen Margen einbrechen, dann hat die IBM Aktie ein Problem. Was wenn die vielbeschworene Cloud zwar ein Erfolg ist, aber keine gigantischer Erfolg?

Die Aktie von IBM ist bei einem Kurs von 183 $ nicht teuer. Gewinnwachstum und Dividendenentwicklung sprechen eine eindeutige Sprache. Dennoch würde ich persönlich vor einer zu großen Position an IBM Aktien im Depot zurückschrecken, auch wenn die Aktienbewertung für einen solchen Blue Chip günstig scheint ( KGV für 2013 bei geschätzten 10 und 10% EPS-Wachstum an langfristiger Erwartung). *EPS= Gewinn pro Aktie

Wer an IBM glaubt kann also aktuell sicherlich zugreifen (wenn er langfristig kauft), besitzt aber damit kein Schlafwagen-Investment wie die McDonald’s oder Coca Cola Aktie (auch wenn einem dies auf den ersten Blick so erscheinen mag).

13 Gedanken zu “IBM Aktie – denn nichts ist so konstant wie der Wandel

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  4. Schön, dass sich hier aufm Blog mal wieder bissl was tut :).

    Also dann mal ein paar Gedanken meinerseits zu IBM.

    1. IBM ist im eigentlichen Sinne kein „Tech“-Unternehmen mehr, sondern ein Dienstleister. Vor 20 Jahren hat man im Wesentlichen Hardware gemacht und die verscherbelt. Heute ist man ein Software- und Serviceunternehmen. Der Unterschied ist der, dass die Software, die man jetzt primär macht, relativ fix in der Infrastruktur der Unternehmen verankert ist. Sowas auszutauschen ist ziemlich unangenehm. Jedenfalls schwerer als beim nächsten Mal einfach andre Hardware zu kaufen. Vor allem bei kritischen Anwendungen.

    2. IBM hat eine hausinterne Bank, die Geld aufnimmt und damit Leasinggeschäfte mit den Kunden finanziert. Ich denke die IBM-Bank muss man auch als Bank bewerten und sollte man nicht mit dem Kerngeschäft in einen Topf schmeißen. IBM ohne Bank ist übrigens nettoschuldenfrei. Die Bank hat übrigens auch sehr gute EK-Ausstattung!

    3. IBM kauft wie besessen eigene Aktien zurück. Bei jetztigen Kursen etwa 4-5% der ausstehenden Aktien jährlich. Das erklärt auch die niedrige EK-Quote im Verhältnis zu MSFT und Co.

    • Hey Provinzler; schön, dass du immer noch ab und an hier bist.

      Die Geschichte mit dem Finanzierungsgeschäften/Bank verzehrt leider bei einigen Firmen. Ist mir letztens auch bei John Deere aufgefallen.

      Es gibt sich auch Ängste nach dem was General Electric mit seiner Banken-Sparte passiert ist, wobei man hier wohl auch differenzieren muss.

      Hab schon drauf gewartet, dass du hier postest 😉 . Dich schätze ich als IBM-Aktionär ein.

      Gruß Ulrich

      • Ja, ich lese schon noch mit. 😉
        Aber ich red halt hauptsächlich dann mit, wenn ich über ein Unternehmen schon bisschen was weiß.

        Zu der Sache bei GE. Was mich an der ganzen Geschichte beruhigt, ist die Tatsache, dass IBM dieses Geschäft seit Jahren nicht wirklich ausweitet. Das Volumen ist immer noch in etwa noch das Gleiche wie vor 15 Jahren. Der Anteil am Gesamtgeschäft ist durchwegs gesunken.
        Dazu kommt noch die gute Kapitalausstattung der IBM-Bank und die Tatsache, dass ich dieser Bank in meiner Bewertung der Einfachheithalber einen Wert von 0 zugestehe.
        Und ja ich bin IBM-Aktionär, und hab im Laufe des letzten Jahres (erster Einstieg Sommer 2012) regelmäßig nachgekauft, und werde das auch weiter tun, wenn die Kurse so günstig bleiben, auch wenn IBM inzwischen über 40% meines Depots ausmacht.

        Hauptsächlich wegen IBM ist meine Depotperformance seit Ende Mai auch so ziemlich zum vergessen, aber ich bin ziemlich optimistisch, dass der Wind auch mal wieder dreht. Hoffentlich nicht zu bald, denn IBM soll ja vorher noch möglichst viele Aktien zurückkaufen und ich will auch noch aufstocken :D.

  5. IBM habe ich letztes Jahr für das Depot meines Vaters gekauft. Kurs war 160 €. Leider ist der Wert 14 % im Minus…glaube aber langfristig auch an das Unternehmen. Vor allem auf eine massiv steigende Dividende.

    • Ich hab bei 150€ angefangen zu kaufen, und dann immer wieder zugekauft. Und je billiger die Aktie ist, desto mehr Aktien kriegt IBM für seine Rückkaufkohle, desto schneller steigt der Wert der Aktie. Wenn sich der Kurs noch mal halbieren würde, mach ich vor lauter Freude Luftsprünge…
      Unwahrscheinlich zwar, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben…

  6. Vielen Dank für den Artikel.

    Aus meiner Sicht ist IBM derzeit ähnlich günstig wie Microsoft. Etwas Bauchschmerzen verursachen in der Tat die hohe Fremdkapitalquote, was darauf hindeutet, dass das Unternehmen viel Kapital benötigt um profitabel arbeiten zu können. Wenn es mal wirtschaftlich schwieriger wird, schlägt dies wie ein Bumerang auf die Aktienrendite zurück.

    Wie sieht es denn mit dem geringen KBV von ca. 20 aus. Das Unternehmen hat aus meiner Sicht auch einen ungewöhnlich niedrigen Buchwert?

    Grüße aus München, DF

    • Also ehrlich gesagt bin ich IBM gegenüber inzwischen sehr, sehr optimistisch.

      Hab mir mal ein wenig eingelesen und glaube, dass IBM doch sehr gut aufgestellt ist. Wenn ich mir das mal ansehen, IBM stellt aktuell in vielen Regionen Software und Berater zu Themen wie Wasser, Hochwasser, Straßenverkehr usw. Auch in großen UNternehmen ist IBM bei vielen sensiblen Bereichen involviert.

      Denke also die aktuelle Taktik ist schon richtig. Es wird zwar viel darüber geredet, dass IBM im Hardware-Bereich stark an Umsätzen verliert; doch ist die Relation von Umsatzrückgang und Gewinnrückgang nicht sehr stark gegeben. Die Bereiche, die im Umsatz schrumpfen, sind die weniger rentablen Sektoren.

      Denke mal gerade in den sehr hochmargingen und extrem „system“-relevanten Sektoren wird keiner IBM den Rücken kehren. Das Risiko, dass es dann doch zu Softwarepannen kommt oder aus Rechtsgründen bereits getätigte Entwicklungen nicht weiterverwendet werden dürfen ist viel zu groß.

      Denke mal der geringe Buchwert liegt einfach daran, dass eben ein gewisses Softwaremodul ein gewisser Wert beigemessen wird. Dann wird dieses Tool bei 1000en von Kunden modifiziert, lizensiert … und dann entsteht daraus ein riesiger Gewinn. Denke nicht das dies zum Problem wird, auch wenn die Rentabilität erst absurd hoch scheint.

      Die Schulden dürften soweit auch eher weniger zum Problem werden. Hab mich mal eingelesen und die meisten Verbindlichkeiten sind wiederum vergebene Kredite an Kunden (darunter meist sehr solide Unternehmen und Länder).

      IBM scheint mir doch ein ganz guter Wert zu sein (vor allem im Vergleich zu anderen „überbewerteten“ Branchen).

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