„Steigende Leitzinsen nehmen Börsendynamik“ – das stimmt doch gar nicht!

„Die Aktienmärkte werden fallen, wenn die Leitzinsen steigen!“. So oder so ähnlich haben wir es in den letzten Monaten schon oftmals lesen könne.

Für mich macht dieser aktuell vorherrschende Konsens aus der Finanzpresse jedoch wenig Sinn. Aktienkurse, oder besser gesagt der Wert von Unternehmen, orientiert sich langfristig an der Ertragskraft…

Die Notenbanken kümmern sich um Geldwertstabilität und sollen dafür sorgen, dass eine entspannte Lage auf dem Arbeitsmarkt herrscht. Die Europäische Zentralbank sieht sich zwar nach offiziellen Angaben nur der Geldwertstabilität verpflichtet. Wer jedoch glaubt, dass Arbeitsmarkt und Staatsfinanzen keinerlei Rolle in der Entscheidungsfindung dieser Institution spielen, muss unheimlich naiv sein.

Die Milchmädchen-Rechnung vieler Marktkommentatoren ist aktuell: „Steigen die Zinsen, sinkt der Aktienmarkt!“ Dies macht beim ganz kurzen Nachdenken einen Sinn, denn kann ich mein Geld risikolos besser verzinsen lassen, dann investiere ich es nicht.

Dabei wird jedoch vergessen, dass höhere Leitzinsen auch bedeuten, dass die wirtschaftlich Situation gut ist. Schließlich steigen Leitzinsen, wenn (nach US-Notenbank) die Arbeitsmarktdaten gut sind und die Gefahren für die Geldwertstabilität steigen.

Damit jedoch Preiserhöhungen stattfinden, die damit die Geldwertstabilität gefährdet, müssen zuerst einmal die Produktionskapazität der Unternehmen gut ausgelastet sein.

Viele Menschen in Lohn und Brot und gute Auftragslagen der Unternehmen führen also dazu, dass Leitzinsen steigen.

Viele Konsumenten und volle Auftragsbücher sorgen aber auch für steigende Gewinne der Unternehmen.

Leitzinsanhebung = Börsenboom

Ein steigender Leitzins ist also ein Indikator für steigende Aktienkurse, da die Unternehmen ja mehr Ertragskraft besitzen.

Dies ist zwar aktuell keine Mehrheitsmeinung, bei einem Blick in die Historie von Leitzinsen und Aktienkursen habe ich jedoch Bestätigung für meine Vermutung gefunden.
Dowjones vs interest rates, grafik diagram zu börsenkursen und dem leitzins, entwicklung leitzins der fed und amerikanische aktien, 1980, 2000, neuer markt
Wie man an den braunen Pfeilen schön erkennen kann, ging es in den 90er Jahren und in den 2000ern mit steigenden Leitzinsen richtig nach oben. Wer in der Vergangenheit also darauf gesetzt hat, dass steigende Leitzinsen die Kurse abrutschen lassen ist böse überrascht wurden.

Ankündigungen der FED sollten kein Aufruf zum Verkauf von Aktien sein!

Die aktuelle Diskussion über steigende Leitzinsen in den USA (und dann irgendwann auch bei uns) ist also eher ein Indikator dafür, dass wir wirtschaftlich besseren Zeiten und damit steigenden Aktienkursen entgegensteuern.

Sorgen sollte man sich eher machen, wenn wir aktuell auf einem hohen Zinsniveau wären und die Notenbanken lautstark über niedrigere Zinsen nachdenken würde.

Dies ist nun natürlich meine Meinung und kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten.

Ich rate jedoch ernsthaft nicht von der Angst vor höheren Zinsen zu stark beeinflussen zu lassen. In den letzten 20 Jahren hat sich die Logik von höheren Leitzinsen = niedriger Aktienkurse nicht als richtig herausgestellt.

6 Gedanken zu “„Steigende Leitzinsen nehmen Börsendynamik“ – das stimmt doch gar nicht!

  1. Da spricht mir jemannd aus der Seele, hab mich schon oft gefragt was das soll. Die Zinsen steigen bei guter Wirtschaftlage und bei dieser steigen idr. auch die Aktien. Kurzfristig kann es aber nach Zinserhöhungen tatsächlich zu schwächeren Kursen kommen, da einige Anleger aufgrund der höheren Zinsen umschichten. Dies würde ich aber eher als Einstiegmöglichkeit sehen. Mit machen nicht steigende Zinsen sorgen, sondern der Umstand, dass sie schon sehr lange sehr niedrig sind.

    • Ich denke es kommt auch drauf an, was für Aktien man besitzt. Für manche investitionslastigen Branche mit traditionell hoher Fremdkapitalfinanzierung auf Endkundseite (z.B. Bau) sind steigende Zinsen gerade zu Gift. Für andre Branchen (z.B. Lebensversicherer) wären steigende Zinsen bitter notwendig. Ich denke man kann da nicht alle über einen Kamm scheren…
      Und was die Kurse machen, ist ohnehin noch eine ganz andre Debatte…

  2. Leider stürzt die Allianz trotzdem regelmäßig mit dem Markt mit ab wenn mal wieder die Panik vor steigenden Zinsen die Runde macht…

    Dass wir paar wenige das mit den Zinsen ein wenig anders sehen bringt leider nicht viel. Die Masse wird verkaufen wenn die Zinsen erhöht werden. Finde es irrational. Wenn man die Rendite mit „sicheren“ Staatsanleihen vergleicht mit der Aktienrendite, dann müssen schon etliche starke Erhöhungen in Folge kommen um die Nadel wieder zugunsten der Anleihen zu drehen…

    • Kann verstehen, dass es blöd ist, wenn man Jahre auf einer Aktie sitzt und sich am Kurs nichts tut.

      Aber so Entscheidungen aus der Vergangenheit muss man mittragen. MAn könnte sich auch ärgern, dass man nicht in total ausgebombte Werte 2009 investiert und gehalten hat.

      Dieses Wenn/Was/ Wäre bringt aber nichts. Damals 2009 war es unklar was passiert und ich hatte damals auch relativ viel Edelmetall im Depot und bin eher auf die langweiligsten Blue Chips gesprungen.

      Dies ist im Rückblich nicht die schlauste Entscheidung gewesen und man könnte Millionär sein hätte man sich anders Verhalten.

      Aber es hätte auch anders kommen können und die Euro Zone hätte einen Showdown erlebt oder in den USA wäre es zur großen Depression II gekommen…

      Habe einen Bruder, der viel mit Zertifikaten und anderen Finanzprodukte getrieben hatte und für den Normal-Aktien längst tot waren. Den hat es Ende 2008 bitte böse erwischt und einmal verfallen sind solche Papiere dann auch nicht mehr viel wert.

      Die Allianz wird sich mit der Zeit auszahlen und du hast kein Geld verloren 🙂 . Wenn man nie Geld verliert, kommt der Erfolg irgend wann von alleine.

  3. @ Ulrich

    Lieb dein Kommentar, hehe. Stimmt schon: Regel Nummer 1 lautet ja nicht umsonst never lose money!
    Was man verloren hat muss man immer erst mal mühsam wieder erreichen und steht während dieser Zeit nicht für den Zinseszinseffekt zur Verfügung.

    Klar: hätte/wäre/wenn ist immer so eine Sache. Ich trauere eigentlich keinen verpassten Chancen nach. Hab grade gestern wieder im Freundeskreis bei einer (illegalen 😉 ) Pokerrunde gehört: Commerzbank hätte man kaufen müssen. Die haben 25% in drei Tagen gemacht! So was lässt mich mitlerweile kalt. Im Nachhinein ist es immer einfach…Da diskutiere ich auch gar nicht mehr sondern sage nur, dass das für mich eine Zocker-Aktie ist, die ich nicht kaufen würde.

    Tut mir leid für deinen Bruder. Von Optionsscheinen und Co bin ich schon seit 2001 kuriert. Ist wie im Casino: es gewinnt immer die Bank.

    Bin mit der Allianz jetzt auch nicht wirklich unglücklich. Denke allerdings, dass ich wenn ich 2008 einen Dividenden-Aristokraten gekauft hätte, dieser schon 5 mal die Dividende erhöht hätte…

    Ulrich: dass du eines Tages Millionär wirst daran habe ich keinen Zweifel 🙂

    Gruss

    Stefan

  4. Das eine schliesst das andere nicht unbedingt aus und umgekehrt, aber man konnte des Öfteren gut beobachten wie sich eine Anhebung des Leitzinses auf die Börse ausgewirkt hat. Bei mangelnden Export und geringer Kaufkraft macht es wenig Sinn den Leitzins anzuheben und die Produktivität noch mehr zu gefährden.

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