Heineken-Bier, der Marktführer in wichtigen Wachstumsmärkten!

Wieder einmal hat mich eine Email erreicht und meine Einschätzung zur Aktie des niederländisches Bierbrauers Heineken erbetet. Ehrlich gesagt habe ich noch nie ein Heineken Bier getrunken, das Bier ist mir aber natürlich bekannt

Auch wenn mich das Bier bis jetzt nicht in seinen Bann ziehen konnte, diese Aktie aus Orange muss auf die Watchlist. Heineken ist längst weg von seiner Abhängigkeit vom stagnierenden West-Europa-Geschäft und läuft längst rund um den Globus aus den Zapfhähnen…

Heineken ist wahrlich ein Global Player und bestens positioniert in Zukunft durch seine bereits starke Präsens in Afrika, Asien und Mexiko zu punkten. Heineken erzielt in Afrika und dem nahen Osten ein Biervolumen von 30,4 Millionen Hektolitern. Ich bezweifle, dass der nahe Osten ein unheimlich hohen Bierabsatz hat und so dürfte Heineken im stark wachsenden afrikanischen Markt inzwischen einiges vor dem dortigen Hauptkonkurrenten SABMiller (18,445 hl) liegen. Dies hat mich selbst verwundert, da SAB Miller ja in Süd-Afrika einen seiner Heimatmärkte besitzt.

Ein weiterer strategisch schlauer Schachzug dürfte die Übernahme der Bieroperationen der mexikanischen FEMSA sein. Damit beherrscht Heineken heute 45 Prozent des mexikanischen Biermarkts und circa 10 Prozent des Brasilianischen Biermarkts.
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Durch die letztjährige Übernahme der Asia Pacific Breweries konnte zudem die Nummer Eins Marktposition in den asiatischen Tiger-Staaten errungen werden.

Von 2011 auf 2012 konnte Heineken (außer in West-Europa -2%) in allen seinen Regionen einen organisches Volumenwachstum erzeugen. Ost-Europa gilt generell als vielversprechender Markt für Premiumbiere und Afrika als weltweiter Hoffnungsträger. In all diesen wichtigen Märkten hat Heineken sich eine führende Marktposition erarbeitet. Rein von den globalen Chancen ist Heineken also sicher ein AAA-Unternehmen.

Volumen-Veränderung Heineken 2011 auf 2012

West-Europa Ost-Europa Amerika Afrika/naher Osten Asien
organisches Wachstum -2,00% 3,80% 3,50% 4,00% 6,20%
Gesamt Veränderung -2,40% 3,80% 4,30% 5,60% 8,40%

 

Finanzen

Heinekens Schulden sind für ein Unternehmen aus dem Bereich Getränke ein wenig über dem Schnitt. Mit einem Schulden / EBITDA Verhältnis von 2,8 (Stand Ende 2012) und einem Schulden / Eigenkapitalverhältnis von 1,82 sollte aber in dieser doch recht stabilen Branche nichts schiefgehen. Bedenkt man die bereits errungene führende Marktposition in den wichtigen Wachstumsmärkten kann man diese überdurchschnittliche (aber noch nicht besorgniserregende) Verschuldung tolerieren.Heineken Eigenkapitalrendite, heineken holding schuldenentwicklung 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Heinekens Eigenkapitalrendite ist mit 23 % (2012) auf jeden Fall zufriedenstellend. Der Tiefpunkt bei der EK-Rendite 2008 entstand übrigens bei der Übernahme der Scottish & Newcatle Brauerei, die damals hoch verschuldet war.

Für Heineken Aktionäre waren die investierten Bier Euros sehr lukrativ angelegte und das Management scheint ein glückliches Händchen zu haben, was Übernahmen angeht. Heineken ist nach Jahren der Ausdehnung heute ein globales Bier-Powerhouse, ohne überschuldet zu sein und mit prächtigen Wachstumsaussichten.
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Alles in allem würde ich sagen, dass die aktuelle Verschuldung für dieses Geschäft in diesem Zyklus relativ normal ist. Andere Großbrauereien wie MolsonCoors haben ebenfalls Schulden gemacht um neue Wachstumsmärkte zu erschließen. Der Zukauf beliebter Biermarken spült recht schnell wieder Geld in die Kassen. Sobald Heineken die Zukaufs-Phase beendet sollten sich die Schulden auch recht schnell abbauen lassen, Bier ist ein Geschäft mit hoher Kundentreue und kontinuierlicher Erträge = Low Risk!

Einschätzung zum Bier-Markt

Im Biermarkt haben sich in der letzten Dekade sehr große Konzentrationen zugetragen. SAB aus Südafrika und die US-Amerikanische Miller Brewing (Miller war übrigens ein oberschwäbischer Emigrant) haben sich zusammengetan. Es gab den Zusammenschluss von Molson Canada und Coors. Während SABMiller und Molson Coors wiederum in einem Joint-Venture nun gemeinsam den US-Markt bearbeiten.

In Europa läuft das gleiche Freund/Feind- Spiel zwischen Carlsberg und Heineken. So werden etliche Brauereien, wie zum Beispiel Scottish & Newcastle, gemeinsam geführt. In Deutschland haben die großen Bierbrauer ihre Hände inzwischen ebenfalls mächtig im Spiel. Ich war verwundert zu lesen, dass Heineken inzwischen auch Groß-Anteilseigner bei Paulaner und der Kulmbacher Brauerrei ist.

Beim Bier gibt es zwar sehr viele Marken, aber global nur noch einige große Spieler, die häufig zusammenarbeiten und es anscheinend aufgegeben haben sich gegenseitig in die Knie zwingen zu wollen.

Diese Situation dürfte dazu führen, dass alle heute bestehenden großen Bierkonzerne über die Jahre gute Renditen abwerfen.

MK/ Free Cash Flow KGV Schulden/EBITDA (laufend) EK-Rendite (2012) Dividendenrendite Kurs KGV 2013 (Schätzung)
Heineken Holding

20,29

 15,67 3 23,10% 1,93%

46,08 €

15
SABMiller 16,1 23,76 2,5 11,90% 2,31% 48,36 $ 18,18
Anheuer Bush 16,52 19,4 1,9 17,60% 2,10% 90,95$ 18,79

Kleineanleger kaufen Heineken Holding, der Rest kauft Heineken

Es gibt von Heineken zwei gehandelte Aktien. Die normale Heineken Aktie (WKN A0CA0G) und die Heineken Holding Aktie (WKN A0ETXG ). Die Heineken Holding ist Haupteigentümer von Heineken und gehört zum großen Teil der Gründerfamilie.

Die Heineken Holding Aktie verbrieft den gleichen Anteil am Unternehmen und die gleiche Dividende wie die reguläre Heineken-Aktie. Die Heineken Holding Aktie jedoch zu großen Teilen in festen Händen. Daher sind Großanleger anscheinend gezwungen in die reguläre Heineken Aktie zu investieren, dadurch haben Klein-Anleger Glück. Sie können Heineken Aktien über diesen kleinen Umweg in der Regel ein gutes Stück günstiger erwerben.

Fazit

Die Aktie der Heineken Holding ( WKN A0ETXG ) ist ein viel zu wenig beachteter europäischer Blue-Chip. Der einzige Kritikpunkt stellt die aktuell überdurchschnittlich hohe Verschuldung dar. Durch die starke Marktposition in vielen lukrativen Wachstumsmärkten und dem stabilen Geschäftsfeld sehe ich darin aber kein Problem. Der freie Cash Flow wird erfahrungsgemäß zulegen, sobald die Zeit der starken Expansion beendet ist und Schulden werden dann schnell tilgbar sein.

Heineken sollte man sich aber auf jeden Fall genauer ansehen. Die Firma besitzt ein ein KGV von unter 16, was für einen stabilen Getränkewert nicht überzogen ist. Die Schulden sind ein wenig hoch, aber kein wirkliches Problem. Heineken kann, bis auf West-Europa, in allen Regionen organisch wachsen!
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Langfristig ist das Big Picture für Heineken sehr rosig. Marktführer in Mexiko, starke Stellung in Afrika, Marktführer in Vietnam, starke Marken im aussichtsreichen Ost-Europa. Heineken ist ein Wachstumswert, der organisch wachsen kann und der Gewinn pro Aktie kann hier wahrscheinlich in der Zukunft doppelstellig steigen. Für einen solch verlässlichen Wachstumswert ist im Bewertungsspielraum sicher noch Platz nach oben und aktuell sicher kein schlechter Einstiegskurs.

Heineken Holding handelt für mich aktuell noch zu einem vertretbaren Preis für die Buy and Hold-Anlage. Heineken ist für Europäer fast schon ein Must-Have als Langzeitanlage.

8 Gedanken zu “Heineken-Bier, der Marktführer in wichtigen Wachstumsmärkten!

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 12. Juli 2013 | Die Börsenblogger

  2. Also habe jetzt leider nicht soviel Zeit und kurz überschlagen. Heineken NV hat für 2013 einen Profit von 3,109 Milliarden EUR ausgewiesen.

    „Net gain on sale of subsidiaries, joint ventures and associates 1,486 Million €.“
    (Heineken Holding Annual Report 2012 / Seite 69 ).

    Davon waren dann 1,486 Mrd. ein Einmal-Effekt durch einen Verkauf. Dann bleiben als Profit noch 1,623 Mrd €.

    Von diesen 1,623 gehen knapp über die Hälfte an Heineken Holding = 827 Millionen.

    Bei einer Markt-Kapitiliiserung von knapp über 13 Milliarden € bin ich dann für die Heineken Holding bei einem KGV von knapp über 16. Da kommen dann aber noch ein paar Millionen für so andere kleine Heineken Firmen dazu, das KGV dürfte also circa hinkommen.

    das ist wie gesagt jetzt nur ein Überschlagen zwischen Tür und Angel, vielleicht hab ich jetzt auch was übersehen.
    Heineken Holding Proft without one time effects

    • ausgewiesener Gewinn: 2.949m€
      Sondereffekt: 1.486m€
      Normalgewinn: 1.463m€
      Aktienzahl: 576 Millionen Stück ( = 2,54€ je Aktie)
      Kurs: 46,50 €
      Gibt ein KGV von 18,3

      Sind die Zahlen für die Holding.
      Bei Heineken selber schauts noch schlechter aus…

    • Ist ja auch legitim, dass die das selber so einschätzen. Ein gewisser Bias ist dabei allerdings nicht ausgeschlossen. Ich persönlich rechne lieber etwas vorsichtiger…

  3. ist ja auch wumpe, wegen 40 Cent KGV muss man sich nicht streiten.

    Heineken ist dennoch gut aufgestellt und wer hier langfristig hält wird das auch honoriert bekommen 🙂 . Es gibt Unternehmen, die in solch stabilen Branchen, selbst ohne Volumenwachstum hohe einstellige Erträge für Aktionäre liefern.

    • Bei mir ist ein KGV von 16 so eine Art emotionaler Schranke, wirklich drüber sind die mir zu teuer, auch wenn Heineken zweifelsohne eine gute Firma ist…

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