Uli Hoeneß asozial? Blödsinn!

Aktuell gibt es zwei große Stammtischthemen: Champions-League und Uli Hoeneß. Zu meinem Blog passt thematisch wohl eher Uli Hoeneß, wobei auch Fußball-Werte vielleicht mal ganz spannend wären.

Im aktuellen Hoeneß-“Skandal“ haben wir ja gleich zwei Themen. Steuerhinterziehung = Asozial und die Börsenspielsucht.

Uli Hoeneß beschäftigt sich mit Aktien und Börse. Dies erwähnte er bereits des häufigerem in Interviews vor dem aktuellen Steuerskandal…Dabei scheint Uli Hoeneß jedoch eher der Zocker gewesen zu sein.

„Mal 50.000 Dollar, das war es. Das wurde heftiger, als alle an deUli Hoeneß asozial, spekulant, wertpapiere, aktien-kasino, geld erfolgreich und langfristig anlegen, altersvorsorge, riester-rente, lebensversicherungenr Börse spielten, zur Zeit der großen Internetblase. Als diese Blase dann platzte, fuhr ich schwere Verluste ein, ich war da richtig klamm.“ ( Interview welt.de )

Dann beschreibt Hoeneß die Zeit um 2006 als dicke Börsen-Gewinnjahre und aus dieser Zeit kommen wohl auch die heute diskutierten (in Deutschland unversteuerten) Kapitalerträge.

2008 gab Hoeneß dann wieder zu dicke Verluste eingefahren zu haben. In wie weit Hoeneß Langzeitpositionen von damals immer noch hält und sich so das Hoeneß-Depot wieder erholt hat wissen wir nicht ( Uli, liest Du mit? ).

Das ganze hört sich nach Hoeneß Schilderungen sehr nach einer ausgeprägten Spielernatur an und Uli Hoeneß geht in seinen Beschreibungen auch deutlich Richtung Spielsucht.

„In den Jahren 2002 bis 2006 habe ich richtig gezockt, ich habe teilweise Tag und Nacht gehandelt, das waren Summen, die für mich heute auch schwer zu begreifen sind, diese Beträge waren schon teilweise extrem. Das war der Kick, das pure Adrenalin“ ( welt.de ).

Was soll ich hier sagen. Hin und her macht Taschen leer; nicht zu teuer Kaufen; the trend is your friend until it ends. Wie Uli Hoeneß spekulieren kann man sich mit entsprechendem Einkommen und leihfreudigen Freunden vielleicht leisten, als Normalo will ich von der Börsen-Strategie-Hoeneß aber abraten.

Woher kam das Startkapital?

Das Startkapital, welches für die ( in „Deutschland“ unversteuerten ) Kapitalerträge verantwortlich ist war wohl eine Leihgabe vom Ex-Adidas-Chef Robert Louis Dreyfus. Das in diese Zeit auch die Gründung der FC Bayern AG liegt und Adidas damals Miteigentümer wurde darf hinterfragt werden.

Es bleibt natürlich immer ein sogenanntes G’Schmäckle, wenn die Machtposition (beim FC Bayern) und persönliche Gefälligkeiten (noch dazu bei Geldnot) zusammen fallen. Wäre ich FC Bayern Vereinsmitglied oder Aktionär der FC Bayern AG würde mich dieser Umstand schon nachdenklich werden lassen.

Diese Verquickung von Privatem und Geschäftlichen war aber ein echter Fehler des Uli Hoeneß.

Uli Hoeneß nicht „asozial“.

Für mich ist Uli Hoeneß nicht asozial. Hoeneß hat in den guten Jahren Kapitalerträge aus seinem schweizer Depot nicht dem deutschen Finanzamt gemeldet. Dabei nehme ich jetzt aber einmal an, dass Hoeneß diese Erträge in der Schweiz versteuert hat.

Dabei kann ich mir wirklich vorstellen, dass Hoeneß schlicht das Depot vom PC aus verwaltet hat und es dann unterlassen hat die Ertragsaufstellung noch einmal beim deutschen Finanzamt einzureichen. Dies ist aber kein aktiver, sondern eher ein „passiver“ Betrug“. In Talk-Shows wird da von extremer krimineller Energie gesprochen… bitte… ?

Politik scheinheilig und (teilweise )wirklich asozial!

Die Politik ist in dieser Hinsicht bei ihren Kommentaren mehr als scheinheilig. Ein Michael Schuhmacher oder Franz Beckenbauer verlegen einfach ihren Wohnsitz in die Alpen und bezahlen in Deutschland gar nichts mehr und werden dafür hoch dekoriert.

War der Fehler von Uli Hoeneß nicht eigentlich, dass er nicht seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegt hat und schon wäre alles legal gewesen?

Was ich persönlich viel asozialer finde, als die Kapitalerträge des Uli Hoeneß, ist zum Beispiel das Verhalten von Abgeordneten, die ihre minderjährigen Kinder und andere Verwandten auf Staatskosten finanzieren oder schlicht gesagt ihre Diäten dreist aufstocken.

Dieses Geld, dass die Abgeordneten aus Land- und Bundestag, hier abzweigen fehlt nämlich nachher wirklich. Dieses Geld wäre sonst vielleicht in Bildung, den Rentenzuschuss oder in die Entwicklungshilfe geflossen und fehlt jetzt entweder oder muss dem Steuerzahler durch höhere Beiträge wieder weggenommen werden.

Für mich ist die Selbstbereicherung zahlreicher Volksvertreter wirklich richtig asozial, dafür aber auch straffrei. Die kriminelle Energie sehe ich auch bei den entsprechenden Abgeordneten weitaus höher ausgeprägt. Diese haben schließlich ihre Kinder und Partner gemeldet und Schein-Tätigkeiten derer erfunden, dies war aktiver Betrug.

Übrigens; mein Tipp fürs Champions-League Finale: 3:1 Bayern.

22 Gedanken zu “Uli Hoeneß asozial? Blödsinn!

  1. Was mich an der ganzen „Cause“ stört, ist, dass der Fall erst einmal von der Justiz zu klären ist. Auch wenn dieses Wort in heutigen Zeiten ungern gesehen wird – die Unschuldsvermutung gilt immer noch.

    Okay, er hat schon ein (Teil)Geständnis gemacht – aber trotzdem.

    Aber ich bin auch der Meinung, dass, wer Kapitalererträge in solcher Höhe nicht angibt, das selten aus einem „Fehler“ passiert. Da muss ich Dir leider widersprechen 😉

    Ansonsten echt guter Artikel!

  2. Vor allem die heuchlerische „Enttäuschung“ von Menschen, die selber bei Lichte betrachtet keine Steuerzahler, sondern Steuerempfänger (z.B. Gauck,Merkel) sind. Wenn einer derart hohe Summen verdient, dann greift einfach der pathologische Neid und vernebelt das Gehirn. In einem Rechtsstaat würde das ganze außerdem für diejenigen die gegen den Grundsatz des Steuergeheimnisses verstießen oder dazu anstifteten (Medien) rechtliche Konsequenzen haben.
    Der Staat ist die heute ganz große Religion und ihre Anhänger sind genauso fanatisch, wie die islamistischen Extremisten.
    Der Ketzer der Neuzeit ist der Steuerhinterzieher, die Sozial-/Politikwissenschaftler sind die Priester,die Politiker die Kardinäle und die Journalisten das Inquisitionskommando. Der Delinquent wird an den medialen Pranger gestellt, wo ihn jeder anpöbeln und anrotzen darf und es wird penetrant Widerruf (Rücktritt) und Buße gefordert…

  3. Was ich dem Uli Hoeneß am meisten vorhalte ist, daß er, wissend was er gemacht hat, in einer Talkshow zu Katja Kipping (und sie war damit gemeint) gesagt hat : „….er könne es nicht ausstehen wenn Leute Wasser predigen und Wein trinken…“.
    Da muß man schon ein „aktives A….loch“ sein um in seiner Situation beim Bewußtsein seiner Verfehlungen so was zu bringen.

    Da war ich nachhinein von ihm wirklich enttäuscht.

    • Im medialen Kanonenfeuer geht meist unter, dass Uli H. in seinem Leben über 50 Mio. Euro an Steuern bezahlt hat und demzufolge zur Finanzierung mehr beigetragen hat als andere in mehreren tausend Leben. Dabei bleiben die indirekten Einnahmen, die aus der nachhaltigen Expansion des FCB zum Großunternehmen entstanden sind, sowieso unerwähnt.

      Ohnehin ist eine Beurteilung der Causa Hoeneß wegen der unsicheren Faktenlage sehr schwer – schon allein deswegen haben Menschen wie du, die Uli H. anonym mit Kraftausdrücken belegen, eine sehr gute Gelegenheit zum Schweigen verpasst.
      Denn wie hoch der Steuerschaden ist weiß niemand, ganz abgesehen davon überweist die Schweiz schon seit Jahren anonym 75% einer 35-prozentigen Quellensteuer an Deutschland.

      Aber natürlich kommt es besser an, wenn man Herrn Hoeneß mit wüsten Beschimpfungen belegt, als sich mit der Frage zu beschäftigen, wie es sein kann, dass eine Frau Kipping keinen Tag in ihrem Leben wirtschaftlich selbsttragend angestellt war. Man lästert lieber über Uli H., als über jemanden, dessen Höhepunkte im Lebenslauf die Mitarbeit im „Protestbüro der TU Dresden“ und beim „Netzwerk Grundeinkommen“ sind – wie ironisch für jemanden, der noch nie einen Finger in der freien Wirtschaft gekrümmt hat.

      • @Aktienkobold

        irgendwie hast du den Punkt nicht verstanden oder willst du ihn nicht
        verstehen…..?
        im Übrigen gebe ich Dir in Deiner Ausführung über U.Hoeneß recht.
        Hoffentlich kriegt er keinen Infarkt bis die Sache ausgestanden ist…..

  4. Wer ist eigentlich schuld am Hoeness-Debakel ? – Sicher nicht Hoeness selbst, denn der ist nur ein Hampelmann der Fussballindustrie.
    Nein, schuld ist jeder Konsument, der Fussball guckt.
    Wenn der Pöbel nicht mehr Fussball gucken würde, wären Hoeness und Co. schon längst weg von der Bank.
    Die grösste Macht hat nicht der Bürger, sondern jeder einzelne Konsument – aber zum guten Glück für die Industrie ist dieser Konsumenten-Pöbel saudumm…

  5. Und wenn er Verluste eingefahren hat, dann hat er ja auch darauf verzichtet, einen Verlustvortrag beim Finanzamt zu machen. Ich jedenfalls erwarte nicht, dass Hoeneß große Gewinne gemacht hat ergo muss er auch nicht viel zu versteuern. Ich werde mich aber vor Lachen auf dem Boden winden, wenn er unterm Strich nur Verluste gemacht hat und der Steuersünder Hoeneß plötzlich als jemand dasteht, der dem Staat sogar zu viel Steuern gezahlt hat.

    Diese Geilheit auf Steuern und dieser Tugendfuror gehen mir ziemlich auf die Nerven. Hätte Adolf Hitler Steuern hinterzogen, er hätte heute noch weniger Fans. Ich habe den Eindruck, dass wir einen Fiskalfaschismus haben.

    • Naja, einer der wenig beleuchteten Punkte bei Adolf Hitler ist tatsächlich der, dass er sich hat von jeglichen Steuern befreien lassen, nachdem er zunächst den Anschein erweckt hatte, er würde auf seine Bezüge verzichten.
      http://www.welt.de/kultur/history/article13703272/Hitler-zahlte-keine-Steuern-und-war-Multimillionaer.html

      Ich stimme dir zu, dass die Forderungen nach höheren Steuern mittlerweile pathologische Züge gewinnt. Bei Steuer- und Sozialbelastungen nahe der 50%, die hinsichtlich ihrer Grundlage nie der Inflation angepasst wurden, braucht man eigentlich nichts mehr zu sagen. Das Mittelalter mit dem Zehnt, sozusagen einer Flat Tax, muss dagegen das reinste Paradies gewesen sein.

      • Wobei man bei den Strukturen des Mittelalters, die unentgeltlich zu leistenden Hand- und Spanndienste von bis zu drei Wochentagen addieren muss. Da bist dann von heutigen Sätzen nimmer weit weg. Oder anders formuliert, sind wir nach einer Phase der Freiheit in der frühen Neuzeit mittlerweile wieder im Mittelalter angekommen…

        • Leider sehe ich die Tendenz in einigen Mitteleuropäischen Ländern wirklich in diese Richtung gehen. Bei einem bestimmten Prozentsatz an Steuerlast muss Schluss sein.

          Freiheit besteht eben auch darin festlegen zu können für was man sein Geld ausgibt.

          Leider sehen dies zum Beispiel auch viele Grüne anders.

          Cem Özrdemir hat kürzlich im Interview gesag: höhere Steuerbelastungen seien toll. Schließlich hätte der Staat dann mehr Geld für Schwimmbäder und viele andere tolle Sachen.

          Was, wenn ich aber gar nicht ins Schwimmbad will?

          Freiheit haben diese Gutmenschen leider nicht im Sinn.

          • das schlimmste finde ich, dass die Leute das auch noch gut finden, wenn man sich drüber unterhält. Dann kommt immer Schulen, Kindergärten, Polizei, Straßen. Dabei sind das doch Peanuts. Da reichen 10% auch. Aber irgendwie scheint das keiner wahrnehmen zu wollen…

    • Oder das Geld in eine GmbH in einem steuerarmen Schweizer Kanton packen. Solange das Geld da thesauriert wird, ensteht in D keine Steuerschuld. Wenn man Geld rausziehen will, das Vermögen der GmbH beleihen (-> auch nicht steuerpflichtig). Solange die Renditen in der GmbH höher sind, als die zu zahlenden Zinsen, ein gutes Geschäft

  6. Ich finde die ganze Debatte auch voll verlogen. Letzlich geht es da um Kleingeld. Hoeness hat mehr für die Gesellschaft getan als jeder dieser Idioten die jetzt groß das Maul aufreissen. Man sollte den Mann nicht wie einen Kinderschänder kriminalisieren. Klar hat er wohl zu wenig Steuern bezahlt. Insgesamt sind das aber Peanuts. An seiner Stelle wäre ich längst in die Schweiz oder nach Österreich gezogen. Siehe Kaiser.

    Ein Problem ist natürlich wenn sich jemand jahrelang als moralische Instanz darstellt, dann selbst nicht astrein handelt. Friedmann war da ein krasser Fall:-)

    Dass Uli ein Zocker war glaub ich in der Ausprägung gar nicht mal. Das sieht für mich mehr nach Taktik aus um ein geringeres Strafmass zu erreichen. Er hatte früher mal Buffett als Vorbild genannt. Er sei recht konservativ in seiner Aktienauswahl… Das passt nicht zu Währungsspekulationen und Rohstofftrades.

    Ekelerregend wie sich die Deutschen auf so jemanden stürzen. Wie damals bei Zumwinkel. Hausdurchsuchung live im Fernsehen.

    Soll sich lieber selbst mal jeder fragen wie oft er schon bei der Steuer geschummelt hat. Und wenn man nur zu viele Kilometer zur Arbeit angibt. Oder einen Handwerker schwarz bezahlt. Da hinterzieht man auch Steuern.

    • Im Übrigen wird in der Schweiz ja auch eine Steuer auf Zinsen/Dividenden erhoben. Ich meine die ist sogar bei 35 % also mehr als bei uns. Nur Kursgewinne sind meines Wissens steuerfrei. Das waren sie bei uns bis 2008 nach einem Jahr Haltedauer auch. Fragt sich wirklich warum Hoeness das gemacht hat. Hat sich sicherlich nicht gelohnt…

      • In einem Fußballforum wurde spekuliert, dass das Geld in der Schweiz war, weil der Verleiher es dort gebunkert hatte, und es aus rechtlichen Gründen nicht so einfach rausbringen konnte…

  7. Pingback: Arbeiten mit Sozialphobie? | Chat Fire

    • Ok, 350 Millionen sind ganz klar ein anderes Thema. Mit einem Versehen ist das nicht mehr zu erklären. Ein Bill Gates vergisst vielleicht so eine Summe, ein Uli Hoeneß aber wohl sicherlich nicht.

      Mein Artikel stammt aber aus der Zeit vor dem Bekanntwerden konkreter Zahlen und ich bin dagegen jeglicher Person grob asoziales Verhalten einfach so zu unterstellen!

      Finde es furchtbar Leute einfach so an den Pranger zu stellen, ob dies jetzt ein Hartz IV Empfänger oder ein Fußball Manager ist.

  8. Und NATÜRLICH ist es ASOZIAL keine Steuern auf Kapitalerträge in Millionenhöhe zu zahlen in dem LAND, in dem ich STEUERPFLICHTIG bin. Das ist KEIN Blödsinn.

  9. Woraus ergibt sich die Pflicht Steuern zahlen zu müssen? Daraus in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein? Mit der Begründung kann man auch Sklaverei rechtfertigen. Das kann es also nicht sein. Ich warte also immer noch auf die Begründung wegen der die Steuerpflicht moralisch bindend sein soll.

    • Speziell Michael Schumacher wird ja beispielsweise sein Wohnort regelmäßig vorgeworfen. Für mich ist das Denken aus dem Mittelalter, wo der Vasall an Scholle und Lehnsherr sein Leben lang gefesselt war.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.