Risikoeinteilung von Aktien ist (mit) der entscheidendste Faktor

„Aktien bringen einem nur Verluste und Gewinnen tun da nur die ganz großen Fische“. Diesen Satz muss ich leider sehr oft hören und versuche dann mühevoll zu erklären, was die Fehler, der entsprechenden gescheiterten Anleger, waren.

Da ich (wie mein Namensvetter Uli Hoeneß) ein großer Fan von Aktien bin möchte ich heute wieder einmal ein paar Denkanstöße für die eher unerfahrenen Anleger liefern und dabei auf Risikoüberlegungen eingehen…

Wie bei jeder anderen Anlageklasse gibt es sowohl Investments, als auch Spekulationen.

Kaufe ich mir eine Wohnung neben der Fabrik (einer langjährig erfolgreichen Firma) und vermiete diese für eine normale Miete an einen Arbeiter ist dies für mich ein Investment. Es ist für mich berechenbar wie viel Miete ich bekomme und so kann ich anfangen zu rechnen, ob sich die Wohnungsinvestition für mich auf lange Sicht lohnt oder nicht.

Natürlich kann ich mir aber auch eine Wohnung kaufen, weil ich davon ausgehe, dass in der Nähe bald Arbeitsplätze, Schulen oder sonstige wertsteigernden Rahmenbedingungen entstehen. Dies geht nun aber in die Richtung Spekulation, da ich ja überhaupt nicht weiß, ob überhaupt die Schule oder der Freizeitpark gebaut werden und was für ein Mietspiegel sich dann am Wohnungsmarkt realisiert.

Spekulation

Anleger machen manchmal den Fehler davon auszugehen, dass eine große Firma automatisch ein sicheres Investment ist.

Mein Beispiel im persönlichen Umfeld ist hierbei die Daimler Aktie.

Daimler ist zwar allgegenwärtig und ich stoße in jedem Magazin und auf jedem Parkplatz mit der Firma zusammen ^^, dennoch ist dies kein Investment. Es ist völlig unabsehbar wie die Gewinn oder Verlustsituation von Mercedes und Co in 3 Jahren aussieht. Dies liegt unter anderen an den drei folgenden Faktoren:

 

Daimler Aktie
Sehr hohe Investitionen bei gleichzeitig einem schwer zu kalkulierenden Absatz und schwer zu kalkulierenden Gewinnmargen JA
Verbindlichkeiten, die weit über dem Eigenkapital liegen und bei denen es keine realistischen Pläne zur Reduzierung gibt. JA
Branche mit starkem technischen Wandel und sich recht schnell verändernden Marktanteilen JA

Das ganze ist also wirklich mehr ein Glücksspiel, als ein langfristiges Investment. Wer nicht wirklich laufend die Branchenentwicklungen und Quartalszahlen überprüft sollte von solchen Werten die Finger lassen.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass selbst Anleger mit großem Börsen und Finanzwissen mit diesen „spekulativen“ Anlagen oft unter den langjährigen Renditen der Investitions-Anleger liegen.

Dies liegt oft nicht an der Intelligenz der Anleger, sondern an den vielen unkalkulierbaren Faktoren!

Investition

In amerikanischen Diskussionen wird bei Investments gerne das Beispiel Pipeline genannt.

Was zeichnet ein Pipelineinvestment aus:

-Pipelines müssen vom Staat in langwierigen Verfahren genehmigt werden und der Bau ist so teuer, dass sich direkte Konkurrenz zu einer bestehenden Pipeline nicht lohnt.

-Die Gebühren (Maut) für die Pipeline werden über Jahre vereinbart oder staatlich festgelegt.

-Es gibt keinen plausiblen Grund warum die Förderung, der Verbrauch und damit der Transport von Öl und Gas auf viele Jahre stoppen sollte.

Ein gesunde Pipelinegesellschaft kommt also eher auf die Investmentseite. Es ist zwar meist auszuschließen, dass sich hier große Gewinnsprünge ergeben, dafür kann ich aber auch gut abschätzen was mein Investment über die Jahre abwirft.

Anmerkung: Auch Aktien und Anleihen aus dem Bereich Investment können in unterschiedlichen Situationen im Kurs fallen oder steigen. Steigt zum Beispiel der Zins für festverzinsliche Anlageformen wirken diese Anlagen oft wesentlich weniger attraktiv. Vor einem Investment sollte man also überlegen, wo man in 5 oder 10 Jahren sein will und eher selten ins Depot schauen.

Wenn Aktien ihre Risikoklasse wechseln

Die Welt verändert sich und damit verändern sich auch die Risiko/Chancen Profile von Firmen und deren Aktien. Es ist also oft nicht als Investor gar nicht nötig sich laufend durch Quartalsberichte und das Fachmagazin der Branche zu kämpfen. Oft genügt es mit offenen Augen durch die Welt zu gehen um solche Veränderungen zu erkenne.

Kodak

Bis in die 90er war diese Firma sicher kein Zockerwert. Mit fast jedem Foto, dass auf der Welt aufgenommen wurde, wurde ein Fotofilm der Firma Kodak verbraucht. Menschen schossen im Urlaub Filme, Fotografen schossen Filme, Vereine fürs Vereinsheft etc. In diesem Geschäft gab es meist keine großen Rückgänge und das Geschäft war daher eher konservativ.

Das digitale Zeitalter der Digitalkameras zerstörte aber natürlich die Einnahmequellen der Firma Kodak und aus der Investition wurde immer mehr eine starke Spekulation auf eine erfolgreiche Neuausrichtung des Firma.

Microsoft

Dieses Unternehmen war sicher in den 80ern noch ein eher spekulativer Wert und es war ungewiss, welcher der vielen kleinen und mittelgroßen IT-Firmen letztlich das Rennen machen würde. Heute ist Microsoft jedoch aus dem Alltag von Privatpersonen, Firmen und Behörden nicht mehr wegzudenken und es gibt einen stetig und kalkulierbaren Bedarf für deren Produkte. Diese Firma ist also von der Spekulationsseite auf die Investitionsseite gerückt.

Empfehlung und Fazit

Es gibt ja dieses alte Kostolany-Sprichwort „Aktien kaufen und dann liegenlassen“. Es gibt aber dennoch Anleger, die vor zig Jahren eine Aktie eines großen UntAndre Kostolany value aktien, altersvorsorge, geld erfolgreich anlegen, depotgebühren, vermögensaufbauernehmens gekauft haben und jetzt sehr frustriert auf die Entwicklung schauen.

Dies liegt nicht daran, dass Kostolany Blödsinn von sich gegeben hat, sondern daran, dass Kostolany Aktien aus dem Investitionsbereich gemeint hat.

Wer in eher schwer kalkulierbaren Branchen wie dem Automobilbausektor oder in reine Internetfirmen (eher spekulativ) mit Vorsätzen âlâ „Ich schau nur einmal im Jahr ins Depot“ ans Werk geht, dem kann schlimmstenfalls ein Totalverlust drohen ( langjährige Nokia-Aktionäre anwesend?).

Die Unterscheidung in kalkulierbare Geschäftsmodelle und wenig kalkulierbare Geschäftsmodelle ist bei der Auswahl der Aktienwahl also mit der entscheidenste Punkt.

Die Bankberater meiner Bekannten, die an der Börse über Jahre nur Verluste gemacht haben, haben einen ganz grundsätzlichen Beratungsfehler gemacht. Sie haben Anlegern, die Investieren wollten, spekulative Aktien verkauft. Was will eine Person, die sich nicht regelmäßig mit der Börse, dem Branchenumfeld und anderen Faktoren beschäftigt jedoch mit solchen Aktien? Solche Empfehlungen sind grob fahrlässig!

Bankberater denken bei der Aktienberatung oft, dass eine große Firma gleichzeitig für langfristige Sicherheit steht und diese Sichtweise ist ein ganz kapitaler Denkfehler.

Wer sich also nicht sicher ist, welche Aktien für ein langfristiges Investment in Frage kommen sollte sich zuerst das Big Picture überlegen und ruhig einmal erfahrene Anleger nach ihren Langzeiteinschätzungen fragen. Nie war es einfacher sich hochwertige Meinungen einzuholen als heute.

Ein Sondersituation, die leider bei uns oft die langfristige Planung pfuscht, ist die Politik. RWE und EON Aktionäre waren in den letzten beiden Jahren Opfer von politischem Eifer und Aktionismus.

5 Gedanken zu “Risikoeinteilung von Aktien ist (mit) der entscheidendste Faktor

  1. Das Problem sind nicht die Bankberater an sich, sondern die Risikoklassifikationen, nach denen sie Empfehlungen abgeben müssen. Neben dem Rating kommt da der Beta-Faktor als Risikomaß ins Spiel (sprich die Volatilität) – ein (denke zumindest ich) blödsinniger Gedanke. In meinen Augen wird viel zu wenig auf unternehmensspezifische Risiken wie eben zB das Geschäftsmodell geachtet.

    Schöner Kommentar
    Gruß
    TomB

  2. bei EON und RWE müsste man nochmal genau hinschauen, früher stabile Werte und dann dieser Absturz, lag das nur an der Politik?
    wäre vielleicht ein Thema für den Blog… 😉

  3. Wobei auch Firmen wie Daimler in bestimmten Situationen so günstig sein können, dass die Sicherheitsmarge hoch genug ist. Vielleicht auch erst indem man fünf solcher Unternehmen kauft.

  4. Danke für die Richtigstellung von Kostolanys Zitat. Immer wieder stolpere ich in der Presse, dass Kostolany nicht mehr gelte, also „Aktien kaufen und Schlafmittel nehmen“. Er hat nie x-beliebige Aktien gemeint, sondern internationale Standardwerte, große Unternehmen, wie man seinem Auftritt bei Harald Schmidt entnehmen kann: http://www.youtube.com/watch?v=TVDzdkyuWms

    Ich ärgere mich über das falsche Zitat immer wieder, denn Kostolany gilt noch immer. Am eindrucksvollsten zeigt dies doch Warren Buffet.

  5. Super Beitrag! Besser kann man den Unterschied zwischen einer Spekulation und einem Investment nicht erklären. Der deutsche Michel schert eben alles über einen Kamm und betrachtet Aktien generell als Spekulationsobjekte.
    Im Prinzip beruht Buffetts „Circle of Competence“ ja genau auf dieser Unterscheidung. Dazu kommt noch die geforderte „Moat“ und schon ist man bei Aktien die dann eben einer Investition entsprechen und keiner Spekulation. Vermutlich beruht Buffetts Erfolg zu einem großen Teil darauf, dass er die Looser-Aktien gemieden hat.
    Blöderweise hätte diese Sichtweise einen nicht vor RWE und EON bewahrt. Die hatten eine riesige Moat. Der Markt ist aufgeteilt auf drei, vier Energieversorger. Strom wird immer gebraucht, Tendenz steigend. Außerdem spielt denen auch in die Hände, dass Pkw in Zukunft elektrisch fahren sollen. Die Story hätte also gestimmt…

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