Inflation – sie kommt einfach nicht.

Die Angst vor der Inflation ist dem Deutschen in die Wiege gelegt. Auch wenn der Michel sonst überhaupt keine Ahnung von Geld oder Wirtschaft hat, die Angst vor dem Werteverfall seines Vermögens treibt ihn um. Diese Angst ist typisch deutsch, aber auch in anderen Ländern machen sich viele Vermögende Gedanken, wenn sie von Anleihenkäufen der EZB oder Quantitative Easing hören.

Der Faktor Inflation / Inflationserwartung / Deflationsängste / Deflation ist ganz entscheidende für die Entwicklung der einzelnen Anlageklassen.

Einer der Tipps, die man im Fernsehen oder Zeitungen seit Jahren immer wieder vorgebetet bekommt, ist die „Investition in Sachwerte“. Sachwerte sind Dinge, die real existieren. Diesem Tipp sind auch die Meisten gefolgt, es wurden Immobilien, Gold und Aktien gekauft…

Die Logik dahinter ist leicht zu verstehen. Geht mein Geld-Vermögen durch eine schnelle Geldentwertung flöten kann ich meinen Wohlstand durch Sachanlagen, die ja weiter existieren, bewahren.Ben Bernanke wirf Geld aus dem Hellikopter, Geld vor Inflation schützen, wo geld anlegen, japanische Aktien, wo goldmünzen kaufen

Wer ein wenig die Situation, auf dem deutschen Immobilienmarkt, beobachtet kann diese Entwicklung sicherlich bestätigen. Nichts anderes sind auch die vielen Anzeigen zum Goldankauf und Verkauf in der Zeitung. Das Interesse an Sachwerten ist also in den letzten Jahren aus Ängsten vor der Geldentwertung extrem gestiegen.

Man kann in der Folge also davon ausgehen, dass viele Anleger am Rohstoff, Immobilien und Aktienmarkt aus dem Grund „Angst“ investiert sind.

Wenn die Angst die Kurse treibt…

was passiert dann ohne Angst? Nach jüngsten Zahlen lag die Inflationsrate in den USA (Februar) bei 1,3% und in der Eurozone (März) bei 1,7 %. Die Diskussion um Inflationsraten und die statistischen Möglichkeiten bei ihrer Bemessung möchte ich hier nicht eingehen.

Diese Inflationsraten sind niedrig und liegen unter den Zielmarken der Notenbanken, die sich offiziell 2% wünschen. Von Inflation ist also trotz dem Gelddrucken nichts zu spüren und sollte dies so bleiben, dann kann dies Anleger aus Immobilien, Aktien und Goldmünzen wieder in das gute alte Sparbuch treiben.
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Sollte die Inflation eventuell sogar zur Deflation werden ( die Kaufkraft des Geldes steigt), dann ist ein japanisches Szenario eine Möglichkeit. Diese Möglichkeit ist auch die Hauptangst des obersten Gelddruckers US-Federal Reserve Bank Chef Ben Bernanke.

Deflation klingt zwar erst einmal recht verlockend. Wird Geld aber immer mehr wert, dann sinken Investitionen, der Konsum und in Folge steigt zum Beispiel auch die Arbeitslosigkeit.

Warum gibt es keine Inflation?

Die EZB gibt Geld in den Markt, die FED gibt Geld in den Markt und trotzdem sind die Preise stabil. Dies widerspricht den Lehren des Geschichtsunterrichts, nachdem in der Weimarer Republik die vielen neuen Scheine mit den vielen Stellen zur rasanten Geldentwertung geführt haben.

Die Banken können sich günstig mit Liquidität versorgen und dieses Geld fließt bisher in Anlageklassen wie Gold, Aktien und Anleihen. Das Geld fließt aber nicht in Strömen in die sogenannte Real-Wirtschaft. Kommt dieses Geld nicht beim Konsumenten an, dann haben Firmen auch keinen Spielraum Preise zu erhöhen und es kommt trotz mehr Geld nicht zu höheren Preisen.

Inflationsbegriff

Der „Begriff Inflation“ ist zwar an der Tagesordnung; jedoch verstehen verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge darunter.

1) Für mich und viele andere ist Inflation, wenn das Brot beim Bäcker mehr kostet oder die Mieten steigen und ich mir so von meinem Geld weniger leisten kann.

2) In vielen Lehrbüchern findet man jedoch auch den Inflationsbegriff nach der Wiener Schule. Nach diesem herrscht eine Inflation, wenn sich die Geldmenge stark (und ungedeckt) ausweitet.

An der aktuellen Situation kann man jedoch sehen, dass die Inflation nach der Wiener Schule nicht automatisch zu einer Inflation im umgangssprachlichen Sinne führt.

Fazit

Es bleibt spannend rund ums liebe Geld. Auch wenn ich anfangs kein Freund von Helikopter Ben ( „notfalls werfe ich Dollars vom Helikopter ab“ ) war, hat er mich inzwischen in vielen Punkten überzeugt. Das aktuelle akute Problem ist nicht die Inflation, sondern das Absacken in die Deflation und die katastrophalen Folgen daraus.

Sollte sich die Stimmungslage der Marktteilnehmer also wirklich ändern und die Inflationsängste verschwinden, dann bin ich gespannt. Vor allem aus Rohstoffen könnte dann plötzlich wieder massiv Geld abfließen, aber auch bei soliden Aktien könnte es dann nochmal zu Einstiegskursen kommen. Eine Immobilie würde ich im aktuellen Verkäufermarkt auf jeden Fall nicht überhastet erwerben, weil hier sind die Preisvorstellungen mancherorts weit weg von jeder Realität.

7 Gedanken zu “Inflation – sie kommt einfach nicht.

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 19. April 2013 | Die Börsenblogger

  2. Guter Artikel, der leider einen wichtigen Punkt übersieht und das ist die Anfälligkeit der Inflationsberechnung für politisch motivierte Manipulation. Am extremsten ist das in den USA, wo man eine sogenannte „Kerninflation“ veröffentlicht, in der alles rausgenommen wird was „zu stark schwankt“ (lies: zu stark steigt ;)) wie beispielsweise Benzin, Heizöl und Nahrungsmittel. Was ist ein „repräsentativer“ Warenkorb noch wert, wenn diese drei großen Ausgabeposten der privaten Haushalte nicht enthalten sind? Die realen Inflationsraten dürften also etwas höher liegen. Da ich kein detailliertes Haushaltsbuch führe, weiß ich es leider nicht exakt, aber ich schätze meine persönliche Inflationsrate anhand der Entwicklung der Preise einer Reihe von Gütern, die einen hohen Ausgabenanteil ausmachen in den letzten 5 Jahren lag so bei etwa 3% (aber auch nur, weil der große Posten „Miete“ dämpfend wirkt). Das ist zwar nicht megamäßig viel, aber doch mehr als die offizielle Rate. Mit der Zeit läppern sich da schon Unterschiede zusammen…

    • Habe versucht die Manipulation mit dem Satz “ Die Diskussion um Inflationsraten und die statistischen Möglichkeiten bei ihrer Bemessung möchte ich hier nicht eingehen.“ politisch korrekt einzubinden 😉 .

      Muss dir voll und ganz recht geben, dass gerade Dinge wie Heizkosten für den normalen Menschen viel wichtiger sind, als zum Beispiel die Preise von Computern ( für mich ). Es gibt durchaus Leute, die bei jedem neuen Smartphone Prozessor neu kaufen und überhaupt keine Kosten/Nutzen-Überlegung anstellen (und meist deswegen auch zu nichts kommen).

  3. Ich denke, dass man sich die offiziellen Zahlen in die Haare schmieren kann. Gerade die amerikanischen, wie Provinzler richtig schreibt. Die Seite shadowstats.com veröffentlicht die alternative Zahlen nach den alten Erhebungsmodellen. Die Zahlen sind teils so hoch, dass ich sie nicht glauben kann/ will. Ich denke die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte zw. offiziellen und alternativen Zahlen. Bei den Staatsschulden die wir zur Zeit haben, läuft es darauf hinaus, diese über einen Zeitraum von einigen Jahren „weg zu inflationieren“. Mit etwas höheren Inflationsraten von 4 – 5%/ Jahr sind ca. 50% davon in 15 – 20 Jahren abgebaut. Und das ohne, dass unsere Politiker jemandem was wegnehmen und sich unbeliebt machen müssen. Wegnehmen tun sie es natürlich schon jemandem (nämlich uns) nur eben durch die Hintertür, so dass wir es kaum bemerken.

    Aber abgesehen davon, ich fühl mich viel wohler, wenn mein Geld in hochprofitablen, stabilen Unternehmen angelegt ist als wenn ich es trotz „niedriger Inflation“ sonst wo liegen habe.

  4. Toller Beitrag!
    Zu den – sagen wir – Spielräumen der Politik bei der Inflationsrate wurde ja schon einiges gesagt, also möchte ich nur folgendes einwerfen:
    Was passiert nun, wenn die Ängste verschwinden und das Geld irgendwann einmal in der realen Wirtschaft ankommt? Dann muss das doch zu Inflation im Gebräuchlichen Sinne führen. Klar werden dann die Leitzinsen erhöht werden, aber den 3 Jahres Tender gibt es ja immer noch.

  5. Miete, Strom, Energie Lebensmittelpreise, Versicherungen steigen und Sie meinen es gäbe kaum Inflation.
    Erst letzte Woche war zu lesen, dass Milch- und Butterpreise angehoben werden.

    Natürlich werden im Gegenzug Notebooks und Bluray – Player billiger. Nur deshalb kommt man auf diese niedrige Prozentzahl.

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