Stocks are more than numbers & die Weisheit des Helmut Kohls

Kürzlich unterhielten sich zwei Männer am Nebentisch über Aktien und natürlich belauschte ich selbst als begeisterter Anleger und Blogschreiber das Gespräch. Leider konnte ich nur zwei Kernaussagen herausfiltern „Aktien sind ein Inflationsschutz“ und „kuck mal bei Daimler; was da an Sachwerten dahintersteht“.

Gerade über den zweiten Satz habe ich dann noch ein bisschen nachgedacht und nach dem ich die Börse jetzt schon einige Jahre verfolge und mir gerne auch Unternehmen und die Akienrendite über lange Zeiträume ansehe komme ich zu dem Schluss, dass die Sache mit den realen Werten eine ganz, ganz schwierige ist.

Im Prinzip verfolgt der Satz ja den Value-Investoren Ansatz. Aber was ist eigentlich eine erfolgreiche Value-Strategie? In einem Interview eines deutschen Fondmanagers las ich einmal, dass man Aktien unter ihrem Buchwert kaufen sollte…

Vielleicht wirke ich jetzt erst ein wenig stumpfsinni mit dem bekannten Helmut Kohl Zitat „Entscheidend ist, was hinten rauskommt.“ daherzukommen, aber meiner Meinung ist es genau dies das Entscheidende.

Das wichtige ist das Ergebnis und nicht der Buchwert, Patente, eine super niedriger Schuldenstand oder das technisches Know How. Denke ich mal an meine Schulzeit zurück und schaue jetzt was aus meinen früheren Klassenkameraden wurde dann sehe ich, dass gute Noten noch lang kein Garant für beruflichen, privaten oder finanziellen Erfolg sind.

Darum tauchen auch viele Formeln zur Bewertung von Aktien im realen wesentlich weniger als man sich erhofft. Die Zukunft ist mir vielen variablen gespickt, die die Formeln sprengen.

Ist die Aktie sexy oder nicht?

Müsste ich mein Geld auf den Erfolg einer Abiturientin verwetten würde ich eher auf die Hübsche als auf die, mit den guten Noten, setzen; auch wenn die Zahlen mit etwas anderes raten. Warren Buffett scheint bei vielen seiner KaufentscheidungMartin Söder als marilyn monroe, aktien, geld langfristig anlegen, finanzberatung, gold, tagesgeld, festgeld, forex, bankenvergleich, windparkinvestmenten zum großen Teil auch so zu denken.

Heute las ich auf einem amerikanischen Blog wie enttäuschend Buffetts Kauf von Heinz Ketchup war. Der Deal war dem Zahlenfuchs nicht raffiniert genug und viel zu banal. Viele von Buffett Investments folgen aber recht einfach zu verstehenden Schemen. Coca Cola, Eisenbahnen, Kleidung, KFZ-Versicherungen, das meiste davon ist wenig aufregend und eigentlich auch wenig genial.

Heinz besitzt ein Kurs/Buchwertverhältnis von über 7, ein KGV von über 20 und recht hohe Schulden. Ist ein solcher Kauf genial?

Eigentlich schon. Für einen Menschen, der soviel von Finanzen versteht wie Buffett ist es sicher eine gewisse Überwindung ein Unternehmen wie Heinz zu solchen Kursen zu erwerben.

Das geniale an Buffett ist, dass er weiß, dass er nicht unbedingt genial sein muss. Er sieht ein Unternehmen mit starker Marke, gutem Produkt, gutem Cashflow und schönen Ausschüttungen und kauft es und tut anschließend „aktiv“ nichts.

Das Nichts-Tun ist das Geniale!

‚We don’t get paid for activity, just for being right. As to how long we will wait, we’ll wait indefinitely.‘.

Heinz verdient Geld und wird morgen und übermorgen Geld verdienen und so kommt immer mehr hinten raus und die Entscheidung wird mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit „RICHTIG“ gewesen sein. Jetzt darf er sich nur nicht beirren lassen und nicht verkaufen nur weil gerade irgend ein anderes Investment unheimlich attraktiv erscheint. Diese Selbstdisziplin ist vielleicht das Genialste an Buffett und dies ist nicht als Abwertung gemeint.

Da viele im Internet anscheinend sehr intelligent sind und eine große Affinität zu Zahlen haben möchte ich einmal daran erinnern, dass es auch sehr wichtige andere Aspekte gibt und diese oft sogar die blanken Zahlen in Wichtigkeit übertreffen.

Shareholder Friendly ist sexy

Wie Shareholder Friendly ist das Unternehmen. Nur weil ein Unternehmen erfolgreich ist kommt bei mir als Aktionär nicht zwangsläufig viel an. Manche Unternehmensführungen zahlen an sich selbst riesige Gehälter und denken nicht daran die Aktionäre gut zu entlohnen.

Man sollte also darauf achten wie sich die Unternehmensführung in der Vergangenheit verhalten hat. Positives Beispiel ist für mich hier zum Beispiel Richard Kinder ( CEO von Kinder Morgan ), der selbst nur ein Gehalt von 1 $ erhält und ansonsten über seine Aktien am Erfolg des Unternehmens partizipiert. Leider habe ich bei vielen großen deutschen Unternehmen nicht das Gefühl, dass besonders aktionärs-freundlich gehandelt wird. Die Schaffung von Shareholder Value darf man hierzulande als Management gar nicht laut erwähnen, sonst kommt man gleich auf die mediale Anklagebank.

17 Gedanken zu “Stocks are more than numbers & die Weisheit des Helmut Kohls

  1. Münchner Rück hingegen schon, BASF wohl auch… gibt wohl solche und solche überall

    ich würde ja auf die Abiturientin mit dem rechsten Papi setzen 😉

    • Das liegt an der hausinternen Bank. Preisfrage ist halt wie werthaltig die Forderungen gegenüber den Kreditkunden sind…
      Ist aber bezeichnend, dass Daimler, VW etc. ach so solide sein sollen, eine konservativ geführte Münchner Rück aber hochspekulativ…

      • Da ist in der Tat zu hoffen, dass die besser mit Geld umgehen können als z.B. die Kopfschmerzbank 😉

        Wird das nicht sehr intransparent, wenn beide Geschäftsbereiche (Bank + Auto/LKW) unter einem Dach geführt werden? Würde man nun eine „Daimler Bank“ auslagern, wäre diese Transparenz wieder gegeben.

        Das ist wirklich kurios! Die Risiken in den Bilanzen der Automobilhersteller dürften weit, weit höher sein als die der Münchner Rück. Was machen denn die Automobilhersteller, wenn die Zinsen wieder auf – sagen wir 5% – steigen würden? Hätten die eine reelle Überlebenschance? Oder ist der „Bankbereich“ inzwischen so gigantisch, dass die Automobilhersteller quasi schuldenfrei sind?

        • Das Problem der Autobauer ist ja eigentlich ein Doppeltes. Zum einen hängen die Verkaufszahlen der Autosparte ganz wesentlich an der Finanzierbarkeit durch die Kunden und wurden ja nicht zuletzt durch Leasing+Finanzierungsmodelle über die Jahre gepusht. Zum andren hat man die Bonitätsrisiken aus bestehenden Finanzierungen.
          Man befindet sich also gleich in einer doppelten Falle.
          Sollte sich die Bonität breiter Kundengruppen verschlechtern oder die Zinsen dauerhaft steigen, stehen nicht nur gehörige Abschreibungen auf bestehende Forderungen für in der Vergangenheit verkaufte Autos an, sondern es leiden darüber hinaus, auch noch die EInnahmen aus dem eigentlichen Autogeschäft, weil nicht mehr so viele Kunden sich die Finanzierung leisten können bzw. auf ein kostengünstigeres Modell umsteigen müssen…

          • Danke für Deine Einschätzung, das klingt plausibel.

            Es wäre also durchaus denkbar, dass sich eine gewaltige „Automobilblase“ gebildet hat, die tiefe spuren hinterlassen kann, wenn diese anfängt zu zerplatzen. Puh…das klingt nach viel Action, die ich mir nicht geben muss 😉

    • Komme aus Baden Württemberg, dort sind Daimler und Porsche Aktien = Volksaktien (oder kommen diesem Bergriff wenigstens noch am nächsten).

      @Provinzler: Wie siehst du eigentlich die Wahrscheinlichkeit für höhere Zinsen in den nächsten 2 Jahren bei uns?

      • Hallo Ulrich!

        Hmmm… ist Porsche denn noch mehr als eine Vermögensverwaltung (Stichwort: VW-Aktien)?

        Klar, würde Porsche noch Sportwagen herstellen wie vor ein paar Jahren, würde mir das einleuchten… wäre es da nicht sinnvollter, statt Porsche VW-Aktien zu kaufen (VW stellt ja nun die Autos unter der Marke Porsche her) oder denkst Du auch an die Naturaldividende? ^^

      • Höhere Zinsen für wen?
        Ich denke, dass der Zenit der Kapitalflucht durch ist, also was an Kapital aus Südeuropa fliehen wollte, ist inzwischen weitgehend hier. Die Margen der Banken und die Kapitalrenditen befinden sich auf historischen Tiefs. Einige Banken haben die Zinsen fürs Baugeld zum Jahreswechsel angehoben. Außerdem sorgen die verschiedenen Rettungsschirme für Südeuropa dafür, dass für geraume Zeit, die Risiken Geld dorthin zu verleihen sinken. Ich rechne für die nächsten 2,3 Jahre mit mäßig steigenden Zinsen (aber das hab ich 2009 auch schon gedacht, und es ging noch weiter runter).

  2. Kaum jemand versteht die Genialität von Buffetts Heinz-Deal, weil die Details ignoriert werden: Zwei Drittel von Buffetts Kapitaleinsatz sind Preferrred Shares mit 9 % (!) Dividende, Tilgung über 100 % und Option zum Kauf von weiteren 5 % an der Holdinggesellschaft zu einem günstigen Preis. Gerade in einer Zeit, in der viele Perpetual Bonds von Industrieunternehmen oder gar Finanztiteln oft nur mit 6 % laufender Rendite notieren, sind das äußerst vorteilhafte Konditionen für Berkshire Hathaway.

    Originaltext aus dem jüngsten Shareholder Letter von Berkshire:
    „In February, we agreed to buy 50% of a holding company that will own all of H. J. Heinz. The other half will be owned by a small group of investors led by Jorge Paulo Lemann, a renowned Brazilian businessman and philanthropist. We couldn’t be in better company. Jorge Paulo is a long-time friend of mine and an extraordinary manager. His group and Berkshire will each contribute about $4 billion for common equity in the holding company. Berkshire will also invest $8 billion in preferred shares that pay a 9% dividend. The preferred has two other features that materially increase its value: at some point it will be redeemed at a significant premium price and the preferred also comes with warrants permitting us to buy 5% of the holding company’s common stock for a nominal sum.“

    • Hallo,

      was bei mir eine Fragen aufwirft ist warum Buffett mit 3G zusammenarbeit.

      Wie „böse“ oder radikal 3G ist kann ich nicht sagen über die Firma wurde oft negativ berichtet ( von wegen radikale Jobkürzungen…). Dies ist ohne Wertung, da die früheren Kaufobjekte von 3G auch wirkich in der Klemme steckten.

      Was mich jedoch verwundert ist, dass Buffett damit einvestanden ist Heinz sofort Milliarden an neuen Schulden aufzubürden. Dies klingt für mich eher nach schnell Geld rausziehen und ich denke nicht, dass dies auf Buffetts Mist gewachsen ist.

      Hatte Buffett keine andere Chance ohne 3G an eine großes High-Quality Business in diesem Sektor zu kommen?

      • Ich weiß nicht, wie viel da auch immer linke Propaganda dabei ist. Weißt ja, Gewinne machen ist an sich ja schon doppelplusungut.
        So viele Schulden lädt man Heinz ja eigentlich gar nicht auf, denn die Preferreds sind ja Eigenkapital, auch wenn amerikanische Vorzugsaktien mehr wie Anleihen strukturiert sind als die deutschen Äquivalente. 23 Mrd. $ für die Übernahme, davon 12 Mrd.$ Equity durch Berkshire, und 3(?) Mrd.$ vom Partner. Bleiben 8 Mrd.$ Fremdkapital, also etwa ein Drittel. Das ist im Rahmen.
        Für Buffett hat es den Vorteil, dass er in die kommenden Ausmistaktionen (auch was Mitarbeiter angeht) nicht selbst involviert ist, und dann über seine Warrants und den Exitwillen von 3G den Laden komplett übernehmen kann.

      • Gute Frage. Berkshire Hathaway übernimmt normalerweise nur Unternehmen mit kompetentem, ehrlichem und motiviertem Management. Meist sind das ehemaligen Eigentümber des übernommenen Unternehmens. Bei im Streubesitz befindlichen, börsennotierten Unternehmen kann Buffett/Berkshire die Ex-Eigentümer nicht als Management mit übernehmen und hat auch selbst keinen Pool an Managern, die das operative Geschäft übernehmen. Hier kommt 3G ins Spiel, deren handelnde Personen von Buffett offenbar für kompetent und ehrlich gehalten werden. Die Motivation für 3G schafft Buffett durch die 8 Mrd. USD Vorzugsaktien, da nur bei entsprechender Gewinnsteigerung auch die Herren von 3G auf ihre Rechnung kommen (wovon Berkshire mit den restlichen 4 Mrd. EK erneut profitiert).

        Zu den Mangement-Praktiken von 3G bzw. Jorge Paulo Lemann kann ich wenig sagen. Eine kurze Google-Suche förderte nichts Anstößiges zu Tage. Würde bei Burger King oder (zuvor bei Ambev) das schlichte Grauen herrschen, hätte man bei deren Unternehmensgröße in den Medien wahrscheinlich schon was mitbekommen.

        LG, Bernie

    • Wobei man fairerweise sagen muss, dass das Zinsniveau im Dollarraum aktuell generell höher sind, als bei uns. Aber nichtsdestotrotz ist der Genial mal wieder absolut genial…

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